- GEORG HERWEGH - Liestal (Schweiz)

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Georg Herwegh in Liestal

Auf dieser Seite finden Sie auch ein Video sowie zwei Aufsätze Georg Herwegh: ,Ehrenbürger von Liestal‘? und Zur Geschichte des Dichter- und Stadtmuseums Liestalvon Martin Stohler.

Das Denkmal Herweghs in Liestal wurde am 16. Oktober 1904 eingeweiht.

Georg Herwegh 1817-1875
Dem Freiheitssänger und -kämpfer in Dankbarkeit gewidmet von Männern der Arbeit Freunden der Freiheit.

Zum Volke standst du ohne Wanken,
Am Throne gingst du stolz vorbei -
Laß es dir noch im Tode danken,
O freies Herz, nun bist du frei.
Zu den Gestirnen wirst du schweben,
Dein Sängername lischt nicht aus,
Und der Lebendige wird leben
Weit über Tod und Grab hinaus.*

*dritte Strophe des Gedichts „An Herweghs Grab“ vom Frankfurter Dichter Friedrich Stoltze anläßlich des Todes Herweghs. Vollständig abgedruckt in: Herwegh, Georg: Der Freiheit eine Gasse. Hg. v. Bruno Kaiser, Berlin: Volk und Welt 1948, S. 398.


Von diesem Video gibt es auch eine Fassung in Mundart.

Grabplatten in Liestal.

Emma Herwegh 10. Mai 1817 - 24. März  1904

Hier ruht, wie er's gewollt, in seiner Heimat freien Erde
Georg Herwegh 31. Mai 1817 - 7. April 1875
Von den Mächtigen verfolgt,
Von den Knechten gehaßt,
Von den meisten verkannt,
Von den Seinen geliebt.


Das Herwegh-Archiv in Liestal

1946 bis 1999 war das Herwegh-Archiv als bedeutendster Teil des Dichtermuseums Liestal im obersten Stockwerk des Rathauses untergebracht. Heute ist der Herwegh-Nachlaß in dem im Sommer 2001 eröffneten „Dichter- und Stadtmuseum Liestal“ zu finden.

Dichter- und Stadtmuseum Liestal
Rathausstrasse 30
CH-4410 Liestal
Tel. 0041-61-9237015
Fax 0041-61-9237016
mail@dichtermuseum.ch





Georg Herwegh: „Ehrenbürger von Liestal“?

von Martin Stohler

Dieser Beitrag ist erschienen in: Baselbieter Heimatblätter, 70. Jahrgang, Nr. 4, Dezember 2005, S. 175-181.

Im Jahr 1839 setzte sich der Dichter und Publizist Georg Herwegh (1817–1875) wegen eines Konfliktes mit seinen militärischen Vorgesetzten von Württemberg in die Schweiz ab. Als Anfang 1843 klar wurde, dass die konservative Mehrheit in Zürich, wo Herwegh in der Zwischenzeit untergekommen war, ihn ausweisen würde, erwarb er das Bürgerrecht von Baselland. Das Liestaler Ehrenbürgerrecht hat er allerdings nie erhalten, obwohl eine entsprechende Angabe in einem Schreiben von Emma Herwegh aus dem Jahr 1890 (im Anhang zu diesem Beitrag wiedergegeben) steht und auch Eingang in die Geschichtsschreibung und ins „Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft“ gefunden hat. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass das Versehen von Emma Herwegh zum Teil auf einen Brief von Georg Herwegh aus dem Jahr 1843 zurückgehen dürfte.

Es ist oft leichter, falsche Informationen in Umlauf zu setzen als sie wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Dies trifft auch im Fall des Ehrenbürgerrechts zu, das Georg Herwegh 1843 von Liestal erhalten haben soll. Carl August Ewald hat zwar 1967 in einem Beitrag in den „Baselbieter Heimatblättern“ deutlich gemacht, dass von einem solchen nicht die Rede sein kann. (1) Diese Richtigstellung hat allerdings nicht verhindern können, dass Herwegh unter anderem im „Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft“ wieder als Liestaler Ehrenbürger erscheint. (2) Die Zählebigkeit dieser Fehlinformation hängt wohl auch mit der vermeintlichen Güte der zu vermutenden „Quelle“ für Herweghs Ehrenbürgerrecht zusammen, handelt es sich dabei doch um einen Brief Emma Herweghs an Theodor Opitz aus dem Jahr 1890. Justus Stöcklin, dem dieser Brief vorlag, übernahm die darin gemachten Angaben für die Herwegh-Skizze in seinem Buch „Ein Poetennest“ (Liestal 1922, S. 177). Es ist wahrscheinlich, dass sie so auch ihren Weg in die zehn Jahre später erschienene „Geschichte der Landschaft Basel und des Kantons Basel-Landschaft“ (3) fanden.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass bereits vor Stöcklins Publikation einmal von Herweghs angeblichem Liestaler Ehrenbürgerrecht die Rede ist, nämlich in den Berichten über die Einweihung des Herwegh-Denkmals im Oktober 1904. So heisst es in den „Basler Nachrichten“ unter anderem: „An dem im übrigen schön und würdig verlaufenden Feste der Einweihung beteiligten (!) sich ausser den stark vertretenen Gewerkschaften und Arbeitervereinen und den Abordnungen der kantonalen und städtischen Behörden auch der jüngste Sohn des gefeierten Sängers der Freiheit und einstigen Ehrenbürgers von Liestal, Marcel Herwegh mit Gemahlin, die aus Paris herbeigeeilt waren.“ (4) Allerdings scheinen die Redner der Einweihungsfeier unterschiedlich informiert worden zu sein. So sagte Robert Seidel, der die eigentliche Festrede hielt, laut „Basellandschaftlicher Zeitung“: „Wir stehen hier, weil Liestal dem Dichter das Ehrenbürgerrecht schenkte“, während Gustav Eulert-Frey, der Präsident des Initiativkomitees, in seiner Ansprache bemerkte: „Es war die kleine Gemeinde Augst des Kantons Baselland, welche ihm das Ehrenbürgerrecht schenkte.“ (5) Als Ehrenbürger von Augst wird Herwegh auch in der von Eulert-Frey verfassten Festschrift bezeichnet. ( 6 ) Da Eulert-Frey Emma Herwegh 1900 in Paris besucht hat, (7) wird sie oder jemand aus ihrer Familie die Quelle für Herweghs angebliches Augster Ehrenbürgerrecht sein. Von einem solchen ist auch im Anhang zu „Georg Herwegh’s Briefwechsel mit seiner Braut“ die Rede, der unter Mitwirkung von Victor Fleury und C. Haussmann von Marcel Herwegh herausgegeben wurde und zwei Jahre nach Emma Herweghs Tod 1906 in Stuttgart erschien. „Das Ehrenbürgerrecht von Augst (Kanton Basellandschaft)“, heisst es dort (S. 219), „war Herwegh (…) von der dortigen Gemeinde angetragen und von ihm dankend angenommen worden.“ Von Victor Fleury dürfte dieser Satz kaum stammen. In seiner 1909 angenommenen Dissertation schreibt er: „Après les formalités nécessaires, le canton de Bâle-Campagne lui octroyait finalement le droit de cité : Herwegh avait présenté sa demande à la municipalité de Basel-Augst, le Grand Conseil cantonal l’agréa le 1er mars et lui délivra le diplôme le 10 avril 1843. “ (8)

Das Gemeindebürgerrecht, in das ihn die Gemeinde Augst am 5. März 1843 aufnahm, kostete Herwegh 600 Franken und einen Feuereimer, für das basellandschaftliche Staatsbürgerrecht hatte er 500 Franken zu bezahlen. (9) Während die Bürgerrechtserteilung in Augst problemlos über die Bühne ging, fand die Aufnahme ins Staatsbürgerrecht nicht ungeteilte Zustimmung. Zwar war der Landrat bei der zweiten Behandlung des Geschäfts an seiner Sitzung vom 10. April 1843 bereit, Herwegh das Staatsbürgerrecht zu erteilen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass er „die gesetzl. Requisite vor Ausfertigung des Bürgerrechtsdiploms oder Heimathscheins beizubringen habe“. (10) Dazu gehörte namentlich eine Bestätigung Württembergs, dass Herwegh aus dem dortigen Bürgerrecht entlassen sei. In der von der Mehrheit der Regierung gewünschten Form traf diese erst im Februar 1844 bei der Landeskanzlei ein, die sie am 22. Februar an die Regierung weiterleitete. (11)
Wie harzig es bei der Aufnahme Herweghs ins kantonale Bürgerrecht zuging, ist seinerzeit bereits Reinhold Rüegg aufgefallen. So heisst es in einem von ihm verfassten Artikel zur Biografie Herweghs, der 1904 erschien: „Sie (der Taufschein und andere Papiere, die Herwegh dem Gesuch um das Bürgerrecht beigelegt hatte sto) sind im staatlichen Archiv zu Liestal und dort entnahm ich auch den Ratsprotokollen, dass diese Einbürgerung recht lange nicht perfekt war, weil Matadore dagegen intrigierten.“ (12)

Anzumerken ist, dass Herwegh, obwohl noch nicht in Besitz des Bürgerrechtdiploms und des Heimatscheins, in seinem am 8. März 1843 in Baden ausgestellten Trauschein als Bürger von Basel-Augst bezeichnet wird. (13)

Bleibt die Frage, wie Emma Herwegh dazu kam, 1890 an Opitz zu schreiben, Georg Herwegh sei „Anfang März 1843 zum Ehrenbürger in Liestal (Baselland) ernannt“ worden. Die Antwort auf diese Frage ist möglicherweise in einem Brief zu finden, den Georg Herwegh am 9. Januar 1843 aus Basel an seine damalige Verlobte und spätere Ehefrau schrieb. Darin heisst es: „Baselland wird mir das Bürgerrecht, ohne Zweifel das Ehrenbürgerrecht erteilen, was freilich, trotzdem dass es geschenkt wird, dreimal mehr Kosten macht, als das gekaufte.“ (14) Georg Herwegh war in jenen Tagen klar geworden, dass die konservativen Kräfte in Zürich höchstwahrscheinlich seine Wegweisung erwirken würden. (15) Daher war er bemüht, ein kantonales Bürgerrecht zu erwerben, wofür die Chancen für Republikaner im Kanton Baselland nicht schlecht waren.

Sieht man vom Brief vom 9. Januar 1843 einmal ab, so ist in Herweghs Briefwechsel mit seiner Braut immer von Bürgerrecht, nicht von Ehrenbürgerrecht die Rede. (16) Wenn Emma Herwegh mehr als 40 Jahre später ihren 1875 verstorbenen Gatten zum Ehrenbürger von Liestal macht, so wird sie sich wohl nicht mehr ganz richtig an die weit zurückliegenden Einzelheiten erinnert haben. Ihr Versehen ist umso verständlicher, als ihr Brief offenbar in grosser Eile und unter Zeitdruck verfasst wurde.

(1) C. A. Ewald: Georg Herweghs Beziehungen zu Liestal und Baselland. Separatdruck aus Baselbieter Heimatblätter Nr. 3/September 1967 (32. Jahrgang). – Zur Frage, die uns hier beschäftigt, äussert sich Ewald (S. 8) wie folgt: „Sowohl in der literarischen Skizze <Ein Poetennest> von Justus Stöcklin (S. 177) als auch in der <Geschichte der Landschaft Basel und des Kantons Basel-Landschaft> (2. Bd., S. 513) wird behauptet, Herwegh sei seit 1843 Ehrenbürger von Liestal gewesen. Meine Nachforschungen, in verdankenswerter Weise unterstützt durch die Herren Adolf Rebmann, Zivilstandsbeamter, und Dr. Hans Sutter, Kantonsarchivar, haben ergeben, dass dies nicht stimmt.“ Das Buch von Justus Stöcklin erschien 1922, die „Geschichte der Landschaft Basel und des Kantons Basel-Landschaft“ 1932. Die Stelle im 2. Band, auf die Ewald sich bezieht, lautet: „Seit 1843 war Georg Herwegh, der Freiheitssänger, Ehrenbürger von Liestal. Als seine republikanischen Ideen in Baden durch die Aufstände von Hecker und Struve verwirklicht werden sollten, fanden viele Freischärler und Verfolgte im Kanton Unterschlupf.“

(2) Kaspar Birkhäuser u. a.: Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1997, S. 83: „Herwegh, Georg Friedrich Rudolf Theodor (…) von Schwieberdingen (Württemberg), Augst 1843 und Liestal (Ehrenbürger) 1843.“ – Siehe auch: Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920. Liestal. Separatdruck aus Band 5 der Gesamtreihe, Bern 1990, S. 399, 1. Spalte: „Georg Herwegh (1817– 1875), Freiheitsdichter aus Stuttgart, Bürger von Baselland und Augst BL, Ehrenbürger von Liestal 1843. Grab und Denkmal in Liestal.“

(3) Vgl. Anmerkung 1

(4) Basler Nachrichten, Mo. 17. Okt. 1904/ Nr. 285, S. 3.

(5) Basellandschaftliche Zeitung, Mo. 17. Okt. 1904/Nr. 246, S. 1 – Gemäss National-Zeitung (18. Okt. 1904/Nr. 245, S. 1) sagte Seidel: „(…) als er in die Schweiz zurückkehrte, verwehrte ihm auch Zürich das Asylrecht, aber Liestal gab ihm das Ehrenbürgerrecht“. In der gedruckten Fassung von Seidels Ansprache (Georg Herwegh – ein Freiheits-Sänger, Frankfurt a. M. 1905) ist nicht mehr von einem Ehrenbürgerrecht Herweghs die Rede. „Wir stehen hier“, heisst es dort S. 7, „weil die kleine, junge Bauernrepublik Baselland 1843 dem verfolgten Freiheitsdichter nicht nur ein Asyl gewährte, sondern ihn auch als Bürger aufnahm und sich dadurch einen Ehrenplatz in der Geschichte der Dichtung erwarb.“ Und (S. 12): „Herwegh wurde also von der reaktionär-revolutionären Regierung ausgewiesen, aber die kleine baselländische Gemeinde Basel-Augst und der junge Halbkanton Baselland nahmen ihn als Bürger auf und gaben damit den Zürcher Aristokraten eine schallende Ohrfeige vor dem ganzen Schweizerlande.“ Woher Seidel seine Informationen bezog und was ihn bewog, nicht mehr von einem Ehrenbürgerrecht Herweghs zu sprechen, konnte ich nicht eruieren.

(6) Festschrift zur Einweihung des Georg Herwegh-Denkmals am 16. Oktober 1904 in Liestal. Bearbeitet und herausgegeben von G. Eulert-Frey. Basel 1904, S. 13 f. („Das Fleckchen Augst schenkte ihm das Ehrenbürgerrecht und bald wurde er als Bürger des Kantons Baselland aufgenommen.“)

(7) Vgl. das Vorwort der Festschrift

(8) Victor Fleury: Le poète Georges Herwegh (1817–1875), S. 110

(9) Vgl. Martin Leuenberger: Frei und gleich und fremd. Flüchtlinge im Baselbiet zwischen 1830 und 1880. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel-Landschaft, Band 54. Liestal 1996, S. 107 f. – Bei Leuenberger findet man auch die übrigen Details des Verlaufs von Herweghs Einbürgerung.

(10) Leuenberger, S. 108

(11) Leuenberger, S. 111

(12) Reinhold Rüegg: Zu einer Herwegh-Biographie. Die Neue Zeit (1904/2. Band, S. 492–496). Der zitierte Satz findet sich auf Seite 496.

(13) Leuenberger, S. 107 – Herweghs Bürgerbrief ist im Übrigen auf den 10. April 1843 datiert. Hat die Kanzlei im Nachhinein die Urkunde auf den Tag des Landratsentscheids zurückdatiert oder wurde er trotz des landrätlichen Vorbehalts kurz nach der Beratung im Landrat ausgestellt:

(14) Georg Herwegh’s Briefwechsel mit seiner Braut, S. 112 – Ähnlich tönt es in einem Brief vom Vortag, dem 8. Januar 1843, ebenfalls in Basel abgefasst, an Otto Wigand: „… ist in Zürich meinetwegen ein starker Parteikampf; die Aristokraten wollen mich auf das königl. précédent hin auch fortschicken. Es wird aber nichts daraus u. ich darf den Hunden dicht auf der Nase sitzen; Baselland gibt mir das Bürgerrecht, wahrscheinl. das Ehrenbürgerrecht, was mich freilich das Dreifache kosten wird. So bin ich denn unvertreibbar.“ Hier zitiert nach Ulrich Enzensberger: Herwegh – ein Heldenleben, Frankfurt am Main 1999, S. 131.
Zu diesem Brief an Wigand schrieb mir Ingrid Pepperle, die Herausgeberin der im Bielefelder Aisthesis-Verlag erscheinenden kritischen und kommentierten Gesamtausgabe von Herweghs Werken und Briefen: „In einer Voredition des Briefes vom 8. 1. 1843 bin ich einem Fehlurteil aufgesessen. Er ist in Moskau katalogisiert als Brief an Ruge. Die Bakunin-Forschung aber hat herausgefunden (was man sogar in der ersten MEGA nachlesen konnte), dass unter den Junghegelianern Otto Wigand den ehrenvollen Beinamen <Papa Blücher> hatte, als welchen Herwegh den Empfänger seines Briefes vom 8. 1. 43 anredet“ (E-Mail vom 3. 11. 2005).
Herweghs Schreiben an Wiegand sowie seine Briefe an seine Braut findet man jetzt auch in Band 5 (Briefe 1832 bis 1848) der oben erwähnten kommentierten Gesamtausgabe, der mir bei der Arbeit an diesem Text noch nicht zur Verfügung stand.

(15) So schrieb er am 6. Januar 1843 aus Strassburg an seine Braut: „In Zürich wollen sie mich auch vertreiben; eine hübsche Aussicht. Doch werde ich wohl in Baselland Bürger sein oder nächstens werden, kann also den Züricher Aristokraten getrost auf der Nase sitzen bleiben.“ (Herwegh’s Briefe an seine Braut, S. 105). Vgl. dazu auch den in Anmerkung 14 zitierten Brief an Otto Wigand. Bereits in den Dezembertagen 1842, etwa um den 10. Dezember, schrieb Herwegh aus Berlin an Fröbel zuhanden der Freunde in Zürich:“… was Ihr vorläufig für Erwerbung des Bürgerrechts in Baselland thun könnt, das thut“ (Brief Nr. 61, S. 63 in: Werke und Briefe, Bd. 5, Bielefeld 2005; freundlicher Hinweis von Ingrid Pepperle).

(16) Vgl. Herweghs Briefe vom 6., 13., 20. und 30. oder 31. Januar sowie 12., 18. und 20. Februar 1843 an seine Braut.

Anhang

Emma Herweghs Brief an Theodor Opitz aus dem Jahr 1890


Paris, d. 19. Februar 1890.

12 rue Darcet-Batignolles

Geehrter Freund;

Ich komme Sie um einen für mich wichtigen Dienst zu bitten, den ich bei meiner Unbekanntschaft mit den Personen an die ich mich deshalb in Liestal zu wenden hätte, um so lieber Ihnen anvertraue, da ich Ihrer Bereitwilligkeit im Voraus versichert bin. –
Es handelt sich für mich darum mir, wo möglich umgehend, den Todtenschein meines lieben Mannes zu verschaffen, ohne den der Abschluß einer äußerst äußerst wichtigen Angelegenheit für mich hier unmöglich wird. Die Sache muß bis Ende dieser Woche in Ordnung kommen. –
Georg Herwegh starb am 7 April 1875 zu Baden-Baden – ward am 31 Mai 1817 in Stuttgart geboren, flüchtete sich im Jahr 1841* in die Schweiz u. wurde daselbst Anfang März 1843 zum Ehrenbürger in Liestal (Baselland) ernannt. –
Die dortige Behörde, muß den einfachen beglaubigten Todtenschein sehr schnell ausfertigen können u. Sie werden jedenfalls das Ihre thun ihn mir sofort zuzustellen oder zustellen zu lassen. Die Auslage werde ich Ihnen ungesäumt u. dankbar zurückerstatten. –
Alles Andere das Nächstemal.
Ich habe diesen Brief so abgefaßt, daß Sie denselben im Notfall der betreffenden Behörde in Liestal zeigen können.
Mit aufrichtiger Freundschaft
Emma Herwegh.

* Hier handelt es sich ebenfalls um ein Versehen; Georg Herwegh setzte sich Anfang Juli 1839 in die Schweiz ab, vgl. Victor Fleury: Le poète Georges Herwegh, S. 30, Ulrich Enzensberger: Herwegh – ein Heldenleben, S. 52 f.

Der Brief – zu finden unter der Signatur Oz 13 – befindet sich im Herwegh-Archiv des Dichter- und Stadtmuseums Liestal. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Sabine Kronenberg vom Dichter- und Stadtmuseum und Michael Kohlenbach (Basel) bedanken, die meine Umschrift durchgesehen und, wo nötig, ergänzt oder korrigiert haben.





Zur Geschichte des Dichter- und Stadtmuseums Liestal

von Martin Stohler

Den Grundstock seiner Bestände verdankt das Liestaler Museum Marcel Herwegh, einem Sohn des streitbaren deutschen Dichters und Publizisten Georg Herwegh (1817–1875). Nach dem Tod seiner Mutter – sie wurde 1904 an der Seite ihres Gatten auf dem Liestaler Friedhof bestattet – vermachte Marcel Herwegh der Stadt Liestal im Laufe der Zeit eine Fülle von handschriftlichen Dokumenten und Druckschriften sowie diverse Bilder und Fotografien seiner Eltern.

Mit der Schenkung verband Marcel Herwegh die Hoffnung, dass in Liestal eine Herwegh-Erinnerungsstätte entstehen würde. Über die von den Liestaler Behörden zunächst gewählte Form der Präsentation seiner Gaben dürfte er allerdings nicht glücklich gewesen sein: Die Porträts wurden in einen Raum im oberen Stockwerk des Rathauses gehängt, der auch anderen Zwecken diente, Manuskripte sowie weitere Erinnerungsstücke wurden in einem einfachen Ausstellungsschrank gezeigt.

Kaisers Herwegh-Archiv.

Dies änderte sich mit der Eröffnung des eigentlichen Dichtermuseums im dritten Stock des Rathauses am 7. Juli 1946. Mit ihm wurde neben Herwegh an die beiden durch ihre Kinder- und Jugendjahre mit Liestal verbundenen Schriftsteller Josef Viktor Widmann (1842–1911) und Carl Spitteler (1845–1924) erinnert. Kernstück war aber das sogenannte Herwegh-Archiv, ein Raum, in welchem in mehreren Vitrinen anhand von Dokumenten, Briefen, Werken und Zeitungsartikeln die verschiedenen Lebensabschnitte des Dichters veranschaulicht wurden.

Treibende Kraft hinter der Herwegh-Ausstellung war Bruno Kaiser, ein deutscher Nazigegner, der über Belgien und Frankreich im Jahr 1942 in die Schweiz gelangte und in Arisdorf im Kanton Basel-Landschaft interniert wurde. Kaiser, der literaturhistorisch sehr interessiert war und wusste, dass ein Teil des Herwegh-Nachlasses Liestal vermacht worden war, erhielt die Erlaubnis, im Rathaus Material für einen Vortrag zu suchen. Dort erinnerte sich – wie Kaiser rückblickend einmal bemerkte – „der Gemeindesekretär Strübin dunkel, dass auf dem Dachboden noch eine Kiste oder vielleicht zwei liegen mussten“. Sie wurden gefunden – und während der nächsten drei Jahre war Kaiser damit beschäftigt, die diversen Dokumente zu ordnen und zu katalogisieren. Daneben stellte er auch intensive Nachforschungen zu Herweghs Biografie an. So wurde schliesslich aus dem Referat für seine in Arisdorf internierten Schicksalsgenossen ein eindrücklicher Vortrag anlässlich der feierlichen Eröffnung des Museums.

In der Folge zog es Kaiser nach Deutschland zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1982 in der DDR lebte und forschte. Den Kontakt zu „seinem“ Liestaler Museum liess er aber nicht abbrechen.

Feste Institution.

Möglich wurde das Museum auch dank tatkräftiger Unterstützung durch Liestaler Persönlichkeiten. Zu nennen sind hier etwa der damalige Kantonsbibliothekar Otto Gass oder Carl August Ewald. Die beiden finden wir auch in der Museumskommission, die fortan für den Betrieb des Museums im Namen der Stadt Liestal zuständig war

Eine Neuregelung erfuhr das Verhältnis des Dichtermuseums zu den städtischen Behörden später insofern, als seit dem Jahr 2000 das Dichtermuseum durch eine von der Stadt Liestal subventionierte Stiftung betrieben wird. Seit 2001 besteht zudem ein Gönnerverein.

Neue Räume.

Seit dem 9. Juni 2001 befindet sich das Dichtermuseum nicht mehr unter dem Dach des Rathauses, sondern ein paar Häuser weiter an der Rathausstrasse 30, und zwar mit Räumen auf drei Etagen. Wie sein heutiger Name „Dichter- und Stadtmuseum“ deutlich macht, ist mit der Ausstellungsfläche auch sein Aufgabenkreis gewachsen. Den Kernbestand des alten Dichtermuseums – den „Salon“ von Emma und Georg Herwegh sowie die Schreibtische von Widmann und Spitteler – findet man zusammen mit Erinnerungsstücken an weitere Autoren im 2. Obergeschoss. Das 3. Obergeschoss ist der Geschichte und dem Brauchtum Liestals gewidmet. Hier sind auch Werke der Künstler Otto Plattner und Martin Disteli zu sehen. Das 1. Obergeschoss ist für Wechselausstellungen reserviert.

Literatur
Gass, Otto: Das Dichtermuseum, in: Baselbieter Heimatbuch, Band 4, Liestal 1948.
Kaiser, Bruno: Bücher für die Zukunft, in: Bruno Kaiser: Vom glückhaften Finden. Essays, Berichte, Feuilletons. Berlin und Weimar 1985.
Schneider, Hans Rudolf: Mitten in Liestal: Ein neuer Bücherturm für den Bücherwurm, in: Drucksachen, Baselbieter Heimatbuch, Band 24, Liestal 2003.

Georg Herwegh

Am Steinberg 104 B, 13086 Berlin Tel. 030 - 472 38 50, Fax: , E-Mail: he.stein@t-online.de