- GEORG HERWEGH - Rezensionen | EDITION

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Auszüge aus Rezensionen zur Gesamtausgabe:

Die neue, auf sechs Bände angelegte „Kritische und kommentierte Gesamtausgabe“ ist die erste, die Herweghs Nachlass und sämtliche in anderen Archiven und Privatsammlungen verstreuten Materialen auswertet, wodurch sich der Textbestand gegenüber der Ausgabe von Tardel vervierfacht hat. [...] Herweghs Gedichte sind wegen ihres Anspielungsreichtums und ihrer Zeitgebundenheit ausgesprochen kommentarbedürftig. Hier leistet die Edition Vorbildliches; der Kommentar ist überaus detailliert und materialreich, wobei gerade die kürzesten Texte wegen der knappen, oft stark chiffrierten Allusionen die umfangreichsten Erläuterungen erfordern [...] Im Kommentarteil der Ausgabe wird die umfassende Kompetenz des gesamten Editionsteams besonders deutlich. [...] [D]ie „Kritische und kommentierte Gesamtausgabe“ der Werke und Briefe Herweghs [ist] schon jetzt als editorische und verlegerische Großtat zu preisen. Wenn in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft der noch ausstehende zweite Band der Gedichte und die zweibändige Abteilung der Prosaschriften vorliegen, wird eine empfindliche Lücke in der editorischen Erschließung der Literatur des Vormärz endlich geschlossen sein. Und vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der auch die Briefe an Herwegh ediert.
Walter Hettche, Universität München, Institut für Deutsche Philologie, in: Arbitrium
. Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft, hg. v. W. Harms, P. Strohschneider u. F. Vollhardt, Bd. 29, H. 2, Tübingen: Max Niemeyer 2011, S. 208–212.

Michail Kausnick: Germania, mir graut vor dir. Klarer als andere sah Georg Herwegh Deutschlands Weg in den Ersten Weltkrieg voraus. Jetzt ist das Werk des großen politischen Dichters neu zu entdecken. Nachlesen auf http://www.zeit.de/2014/15/georg-herwegh-dichter.





Auszüge aus den bisher erschienenen Rezensionen zum Band 1 der Gesamtausgabe:

Georg Herwegh – who? Die letzte Generation, die den Stuttgarter Revolutionsdichter Herwegh schätzte, war beim Widerstand gegen die AKW in Whyl oder Fessenheim dabei. Der Freiheitspathos von Herweghs Gedichten und Liedern wirkt heute uncool. Die Zensoren seiner Zeit allerdings erhitzte der radikaldemokratische Geist so sehr, dass Herwegh in die Schweiz auswanderte; er liegt in Liestal begraben. Die kritische Gesamtausgabe, besorgt von Ingrid Pepperle für den 1985 gegründeten Aisthesis-Verlag, wartet jetzt mit seinen Gedichten auf – unabdingbar für Universitäten, aber auch von Interesse für politische und literarische Köpfe der Region.
Christine Richard
Nachzulesen in: Kulturmagazin der Basler Zeitung v. 6. Oktober 2006, S. 11.

Als vor gut einem Jahr mit Band 5 [...] der erste Band der lange erwarteten historisch-kritischen Ausgabe [...] erschien, waren sich Kritik und Forschung über die herausragende Qualität und Bedeutung dieses [...] Editionsunternehmens einig [...]. Wer sich mit der Lyrik Herweghs beschäftigen wollte, war bisher auf die Ausgaben des 19. Jahrhunderts und die von Hermann Tardel zu Beginn des 20. Jarhhunderts besorgte dreiteilige Auswahl der Dichtungen angewiesen. Das wird sich in Zukunft ändern. Der jetzt vorgelegte, von Volker Giel bearbeitete Band 1 der historisch-kritischen Ausgabe umfasst die Gedichte von 1835 bis 1848 [...]. Zurecht betont Giel in seinem Vorwort, dass gerade für die Darstellung der Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte eines 'Erfolgsautors' wie Georg Herwegh [...] der jeweilige Publikationskontext der Werke einen bedeutsamen Anhaltspunkt für deren Interpretation darstellt. Der sehr übersichtlich gestaltete Apparat zu den einzelnen Gedichten bietet daher nicht nur eine jeweils ausführliche Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte samt Varianten und Lesarten, sondern verzeichnet auch alle weiteren Abdrucke der Gedichte in Zeitschriften, Zeitungsbeilagen und Anthologien bis in die 1850er-Jahre hinein, aus denen schon mit einem Blick die Bedeutung der Herwegh'schen Lyrik dieser Zeit ablesbar ist. Daneben erschließt der Stellenkommentar literarhistorische Zusammenhänge und gibt einen Einblick in die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen im Vormärz [...]. Besonderen Wert legt Giel hier auf die Dokumentation von Referenzgedichten, die im Hinblick auf Motivwahl, Bildkonstruktion und Sprechsituation die Herkunft, aber eben auch Neuprägungen der Hewergh'schen Lyrik im Zusammenhang mit älteren politischen Dichtungen [...] deutlich werden lassen [...]. Trotz aller Gründlichkeit bei der Quellensuche und der Kommentierung [...] vermisst man doch bisweilen [...] Hinweise auf die (aktuelle) Forschungsliteratur zu den einzelnen Motiv- und Stoffkomplexen, die in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte verzeichnen konnte. Allerdings schmälert dies kaum die Leistung des ohnehin schon insgesamt über 550 (!) Seiten starken Kommentarteils. [...] Dass Lyrik nicht auf einen absoluten 'ästhetischen Wert' hin interpretiert werden darf, dessen Vorgaben durch einen bestimmten Kanon und eine nur auf Innovationen ausgerichtete Literaturgeschichte bestimmt sind, sondern dass nach den Wirkabsichten und den damit zusammenhängenden, sehr wohl zur lyrischen Redeweise gehörenden rhetorischen Überzeugungsstrategien und Produktionsbedingungen gefragt werden muss, kann niemandem mehr nach der erfrischenden Lektüre dieser Gedichte verborgen bleiben. Eben darin besteht nicht zuletzt das Verdienst des Bandes von Volker Giel, der durch die sorgsame und wohlüberlegte Textpräsentation und den vorbildlichen, im besten Sinne philologischen Kommentar den (Vor-)Urteilen gegenüber so genannter "operativer Literatur" die Grundlage entzieht und mit diesem ersten Gedichtband der Ausgabe den Weg für hoffentlich anschließende, neue wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Herweghs Lyrik frei gemacht hat. [...] Man kann, wie es oft in Rezensionen zu Einzelbänden noch nicht abgeschlossener Werkausgaben heißt, auch im Falle der historisch-kritischen Herwegh-Ausgabe auf die noch ausstehenden Bände gespannt sein.
Bernhard Walcher (Heidelberg) in „literaturkritik.de“ (Nr. 11, November 2006)
Vollständig nachzulesen unter http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10106&ausgabe=200611 oder in: Jugend im Vormärz, hg. v. Rainer Kolk, Bielefeld: Aisthesis 2006, S. 235-238 (= Forum Vormärz Forschung, Jahrbuch 2006, 12. Jg.).

Als zweiter Band der kritischen und kommentierten Gesamtausgabe von Georg Herweghs Werken sind nun die Gedichte 1835-1848 erschienen. Darunter findet sich eine Reihe von Texten, die […] in archivarischer Kleinarbeit aus Zeitungs- und Zeitschriftendrucken zusammengetragen wurden, teilweise aber auch erstmals überhaupt publiziert werden. Erstmals in historisch-kritischer Kommentierung zugänglich sind […] die Gedichte eines Lebendigen […]. Aus einer einfachen Lektüre vermag sich die zeitgenössische Begeisterung für die Gedichte eines Lebendigen nicht mehr zu erschließen, der erfolgreichste Lyriker des Vormärz ist dringend auf Kommentierung angewiesen. Volker Giel kommt das Verdienst zu, diese […] minutiös geleistet zu haben: Neben Nachweisen einzelner Entstehungsstufen und Überlieferungsgeschichte der Gedichte werden in dem umfangreichen Apparat ausführlich die historischen wie zeitgenössischen politischen und die biographischen Kontexte aufgearbeitet und durchgängig auf weiterführende Literatur hingewiesen. Hilfreich ist vor allem auch die Anführung korrespondierender Textstellen in den Schriften anderer Autoren sowie in Herweghs eigenen Werken. Für diese Präsentation einer Fülle schwer zugänglicher Daten in überdies benutzerfreundlicher Gestaltung ist man Herausgeberin und Bearbeiter zu Dank verpflichtet. Zu kritisieren bleibt dennoch […] ein Hang zur Überkommentierung in Form von überflüssigen Ausdruckserklärungen sowie die Neigung, an überholten literaturhistorischen Zuschreibung von Herwegh als „Freiheitsdichter“ und ergo irgendwie „fortschrittlich“ festzuhalten.
Esther Kilchmann (Berlin)
Vollständig nachzulesen in: Zeitschrift für Germanistik (Z. f. Germ.), XVII. Jg., Neue Folge, Heft 1/2007, S. 230-231.

Volker Giel hat den Band mit viel Übersicht bearbeitet. Der Apparat zu den einzelnen Gedichten bietet sehr ausführlich die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte, die aufgrund eines übersichtlichen Verzeichnisses der Siglierung der Drucke und der unterschiedlichen Handschriftenstandorte im eigentlichen Kommentar zu den Einzelgedichten nie ausufert. […] Da dem Bandbearbeiter die ganze Breite der Biedermeier- und Vormärzlyrik vertraut ist, bieten seine Einzelstellenkommentare kluge Einblicke in die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen im Vormärz, die in Herweghs Gedichten vielfach verarbeitet und thematisiert werden. Literarhistorische Zusammenhänge werden dem Leser erschlossen […]. Manche überraschende Einsichten warten auf den Leser, versenkt er sich in diesen von Volker Giel kompetent erarbeiteten Band. Für einen kurzen Moment versinkt man in die „Herwegh-Zeit“, wie Fontane die 40er Jahre im zweiten Buch seines autobiographischen Werks Von zwanzig bis dreißig nennt (2. Buch, 3. Kap.).
Dr. Bernd Füllner (Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf)
Vollständig nachzulesen in: IASLonline [27.02.2007] unter http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/Fuellner3895284858_1771.html

Die von V. Giel vorgelegte editorische Pionierleistung […] führt erstmals – von der Zeit der frühen Gedichtspublikationen in Lewalds Europa bis zum Revolutionsjahr 1848 – „alle bis heute bekannten und erhaltenen […] eindeutig zuordenbaren Texte“ (X) H.s zusammen und stellt diese auf gesicherter Textgrundlage der Wissenschaft zur Verfügung. […] Der Apparatteil begleitet die Texte mit allen wichtigen Informationen zur Überlieferung, Wirkungsgeschichte und Entstehung. Umfassende Erläuterungen erhellen die vielfältige Metaphorik und die gezielten Anspielungen auf den literarischen, zeitgeschichtlichen und biographischen Kontext. […] Satz und Typographie geben ein ansprechendes, lesefreundliches Druckbild.
Thomas Lindenberg, Berlin
Vollständig nachzulesen in: Germanistik, Bd. 47 (2006), Heft 3-4, S. 839 f.

Wenn Herweghs Gedichte aus der Zeit bis 1848 für den heutigen Geschmack etwas Staub angesetzt haben, so hängt dies nicht zuletzt damit zusammen, dass sich unser Verständnis von Poesie in den letzten 150 Jahren zum Teil stark gewandelt hat. Wer aber damit leben kann, wird auch unter den im Band 1 versammelten Gedichten manch ansprechendes Werk finden. Ausgesprochen hilfreich ist der kenntnisreiche Kommentar des Bearbeiters Volker Giel. Seine Ausführungen und Verweise ermöglichten es immer wieder, den literarischen und politischen Kontext des einzelnen Gedichts zu verstehen, wodurch es für heutige historisch interessierte Leserinnen und Leser an Interesse gewinnt.
Martin Stohler, Basel
Vollständig nachzulesen in: Baselbieter Heimatblätter, hg. v. Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte Baselland u. der Gesellschaft Raurachischer Geschichtsfreunde, 72. Jg., Nr. 2, Liestal Juni 2007, S. 119 ff.





 

Auszüge aus den bisher erschienenen Rezensionen zum Band 4 der Gesamtausgabe:

Es ist das große Verdienst von Ingrid und Heinz Pepperle, diese Prosatexte nunmehr in angestrebter Vollständigkeit zusammengetragen zu haben. [...] Eine vorbildliche Edition, die Voraussetzungen für ein angemessenes Verständnis des Dichters schafft. [...] Herweghs späte Prosa bietet wertvolle Einblicke in Zeitkontexte aus der Sicht eines demokratischen Republikaners. Sie liefert zudem Beispiele eines sprachlich pointierten, engagierten Journalismus, wie er heute rar geworden ist. 
Christine Weckwerth aus „Auf einen Schelmen anderthalbe. Der politische Journalist Georg Herwegh“, in: „Neues Deutschland“ (9. bis 13. Oktober 2013, Messebeilage, S. 19).

Der neueste Band der maßgebenden Edition zu Georg Herwegh [...] führt den Nutzer auf Seitenpfade der Literaturgeschichte. [...] Die chronologisch nach dem Entstehen bzw. Erscheinen dargebotenen Texte enden 1871 mit den gedruckten und ungedruckten Korrespondenzberichten H.s für die République Française. Kommentar und Register erschließen die Texte erstmals in ihrer Tiefe.
Thomas Lindenberg in „Germanistik. Internationales Referatenorgan mit bibliographischen Hinweisen“ (Band 54 Heft 1-2 2013).

[...] die Bandbearbeiter [standen] von Beginn an vor Problemen eines eindeutigen Autorschafts-Nachweises, denn von den 80 präsentierten Texten sind nur 22 von Herwegh gezeichnet. Bei dieser komplexen Identifizierungsarbeit erwies es sich als vorteilhaft, dass die Bearbeiter auf die bereits erschienenen Briefbände zurückgreifen konnten, immerhin konnten so acht Beiträge durch Herweghs eigene Briefe oder Briefe an ihn identifiziert werden 
[...] Im Apparat des vierten Bandes stellen die BandbearbeiterInnen Ingrid und Heinz Pepperle sowie Hendrik Stein wie in den bereits erschienenen Bänden einen in Umfang und Inhalt ausgewogenen Kommentar zu Verfügung. Aufgrund der jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Dichter, die als geballte Kompetenz dahinter steht, gelingt es mit sicherer Hand, erläuterungswürdige Stellen in den Artikeln, Korrespondenzen und politischen Stellungnahmen auszumachen und den Leser mit präzisen, mit der erforderlichen Akribie recherchierten Informationen zu versorgen. Auch bei komplizierten historischen oder biographischen Hintergründen kommen die Erläuterungen mit einer gewissen Leichtigkeit daher, lassen dabei aber den erforderlichen Tiefgang nicht vermissen. [...] Besonderes Augenmerk wurde auch im vorliegenden Band auf eine Entschlüsselung der zahllosen kleinen, heute kaum mehr bekannten, Personen aus dem kulturellen und politischen Umfeld jener Zeit gelegt. Dabei konnten zahlreiche bisher bestehende Unsicherheiten beseitigt werden, Lücken anderer Ausgaben zur Literatur des Vormärz geschlossen bzw. Fehler beseitigt werden. [...] Das ausgezeichnete Personenregister, das in der vorliegenden Qualität längst nicht trivial ist, soll hier nicht unerwähnt bleiben. [...] Nach wie vor gibt es nur zu einigen wenigen Autorinnen und Autoren des Vormärz verlässliche Editionen, eine Lücke, die die seit 2006 erscheinende „Kritische und kommentierte Gesamtausgabe der Werke und Briefe Georg Herweghs in hervorragender Weise zu schließen hilft.  [...]
Bernd Füllner in Heine-Jahrbuch 2013, hg. v. Sabine Brenner-Wilczek, Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf, Stuttgart Weimar: Metzler 2013, S. 265-268.


Mit der Edition des nach 1848 erschienenen publizistischen Werkes erschließt sich nun insgesamt, was sich schon im Briefwerk (1849-1875) deutlich erkennbar abzeichnete, die Tatsache nämlich, dass Georg Herwegh nach der Revolution von 1848/49 in seinen politischen Ansichten und seinem Engagement keineswegs nachließ bzw. gar resignierte. [...] Insgesamt zeigt sich, dass der Schriftsteller Herwegh nicht auf den vormärzlichen politischen Lyriker verkürzt werden darf, sondern endlich auch als nachmärzlicher Publizist anerkannt werden muss, der mit der Zeitkritik von Engels bis Lassalle in einer Reihe steht. Der Grund für diese Unterschätzung bzw. Missachtung lag nicht zuletzt in der unbefriedigenden Editionslage, die nun durch den vorliegenden Band von Grund auf verbessert worden ist. [...] Die hinzugekommenen Texte erbringen sicherlich keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse für diejenigen, die sich bislang mit Herwegh beschäftigt haben. [...] Die Texte, jetzt erstmals vollständig versammelt, verfeinern aber das Bild und ergänzen es - besonders in den Beiträgen zum Züricher Kulturleben sowie vor allem zur italienischen Frage. Nicht zu vergessen ist dabei eine weitere Herausgeber-Leistung: Von den 80 Texten waren nur 22 signiert. Auch wenn durch Fleury und Kaiser bereits schlüssige Zuweisungen zu Herweghs Autorschaft erfolgt waren, blieben noch viele Texte übrig, für die die Herausgeber durch Heranziehung der Belegsammlung in Liestal, der Korrespondenz sowie durch Stilvergleich Herwegh als Urheber identifizieren konnten. Auf diese überaus verdienstvolle und schwierige Arbeit kann sich die künftige Forschung verlassen.
Peter Stein
Nachzulesen in: Geld und Ökonomie im Vormärz, hg. v. Jutta Nickel, Bielefeld 2014, S. 358 ff. (=Forum Vormärz Forschung, Jahrbuch 2013, 19. Jg.).






Auszüge aus den bisher erschienenen Rezensionen zum Band 5 der Gesamtausgabe:

Der erste Band, der eigentlich der fünfte ist, liegt vor: Er bietet Briefe, die der revolutionär-demokratische deutsche Dichter Georg Herwegh in den Jahren 1832 bis 1848 geschrieben hat. Der erfolgreichste deutsche Lyriker im Vormärz des 19. Jahrhunderts wird mit einer sechsbändigen kritischen und kommentierten Gesamtausgabe seiner Werke und Briefe gewürdigt. Herausgegeben von Ingrid Pepperle erscheint sie im Bielefelder Aisthesis-Verlag und darf schon jetzt als ein bemerkenswertes literaturgeschichtliches Ereignis gewertet werden. [...] Die Gesamtausgabe wird veröffentlichte und unbekannte Gedichte, Texte aus dem Nachlass und weitere Briefe erfassen. Bereits der vorliegende Band erhält viel Neues und zeugt von einer beispielhaften wissenschaftlichen Akribie der Herausgeberin und der sie unterstützenden Kollegen. Die geschmackvolle, solide Ausstattung verheißt, dass diese Edition auch eine bibliophile Kostbarkeit wird.
Wolfgang Büttner (†) in „Neues Deutschland“ (21.01.2006)
Vollständig nachzulesen unter http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=84428&IDC=29&DB=Archiv

[...] Was die Darbietung des Materials und den Apparat zumindest des jetzt vorliegenden ersten Briefbands anbelangt, kann nur von einem mustergültigen und viel versprechenden Auftakt dieser Edition die Rede sein. [...] hervorragende[r] und vorbildliche[r] Kommentar, der [...] auch Stellenkommentare zu Personen der Zeitgeschichte, politischen Ereignissen und Sachbegriffen enthält. [...] Bei all dem ist die Lektüre der Briefe alles andere als trocken. Im von Herwegh vielfach geäußerten „Drang zum Briefeschreiben“ kommt die Ureigenschaft des Mediums, nämlich Informationsvermittlung und Gedankenaustausch, in sehr eindrucksvoller Weise zum Ausdruck. [...]
Bernhard Walcher in „literaturkritik.de“ (Nr. 3, März 2006)
Vollständig nachzulesen unter http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=9123


Den Zeitgenossinnen und Zeitgenossen war Georg Herwegh (1817-1875) vor allem wegen seiner Gedichte eines Lebendigen oder seiner Teilnahme an einem reichlich verunglückten Freischarenzug im April 1848 bekannt. Später rief er sich der Öffentlichkeit mit dem für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Erinnerung oder mit Gedichten, die Bismarcks Politik und den nationalistischen Taumel nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 geißelten.
Dass seine Werke heute kaum mehr auf Büchergestellen stehen, hat damit zu tun, dass die Auseinandersetzungen jener Tage in weite Fernen gerückt scheinen. Es hat aber auch einen ganz praktischen Grund: Nach einer Edition seiner Gedichte und einzelner Aufsätze in drei Teilen im Jahr 1909 gab es nur vereinzelte Publikationen, die Einblick in Herweghs Schaffen bieten. Letzteres soll sich nun mit einer auf sechs Bände angelegten kritischen und kommentierten Gesamtausgabe seiner Werke und Briefe ändern. Ein erster Band mit Briefen aus den Jahren 1832-1848 liegt seit letztem Herbst vor. [...]
Martin Stohler in „SoZ - Sozialistische Zeitung“ (März 2006)
Vollständig nachzulesen unter http://members.aol.com/sozabc/0603211.htm

Georg Herwegh, obwohl seit Erscheinen seines ersten aufsehenerregenden Gedichtsbandes im Jahre 1841 und selbst heute noch heftig umstritten, gehörte zu den bedeutendsten Lyrikern seiner Zeit. Doch erst über drei Jahrzehnte nach seinem Tode, zu Anfang des 20. Jahrhunderts, erschien, herausgegeben von Hermann Tardel, eine Werkausgabe in Bongs damals weitbekannter Goldener Klassiker-Bibliothek. […] Sicher war schon diese Ausgabe verdienstvoll, doch wurden mit ihr die Arbeiten des Dichters keineswegs editorisch erschöpfend erschlossen. Eine kritische und kommentierte Gesamtausgabe blieb ein Desiderat. […] Erst während des Zweiten Weltkriegs hat sich Bruno Kaiser in seinem vom Faschismus erzwungenen Schweizer Exil [wieder] dem Werk Herweghs gewidmet […] Mit dem Ziel einer umfassenden Werkausgabe initiierte er in den 60er Jahren die Einrichtung einer entsprechenden Arbeitsstelle […] an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. […] Die Ungunst der Zeitumstände verhinderte die Weiterführung der anspruchsvollen Aufgabe. … Nur Ingrid Pepperle gab die Idee einer Ausgabe der Werke Herweghs nicht auf […] 130 Jahre nach dem Tod des Dichters erscheint nun erstmals eine Ausgabe, die nicht nur die Gedichte und die Prosa umfassend ediert, sondern auch die Briefe einschließt. Der Herausgeberin und dem kleinen Kreis von Wissenschaftlern, die sie unterstützt haben und weiter unterstützen, gebührt Anerkennung und Dank für diese bedeutende Bereicherung der deutschen Literaturgeschichte. Nicht zuletzt verdient auch das Engagement des Verlags betont zu werden, der hierfür die Voraussetzungen schuf. […] Derzeit liegt Band 5 vor, […] besonders wertvoll [ist], daß nicht nur neue Schriftstücke […] in diesem Band erschlossen wurden, sondern frühere „bruchstückhafte Darbietung“ einzelner Briefe und eine „Editionspraxis“, die „in vielerlei Hinsicht unzulänglich“ war [Zitate aus Vorwort zur Ausgabe], mit der vorliegenden Ausgabe überwunden wurden. […] Dankbar wird jeder Leser der historisch interessanten Briefe für die umfangreichen Kommentare sein. […] Der Band zeugt von beispielhafter wissenschaftlicher Akribie und empfiehlt sich zudem durch seine geschmackvolle, solide Ausstattung.
Wolfgang Büttner (†)
Vollständig nachzulesen in: Europäische Karikaturen im Vor- und Nachmärz, hg. v. Hubertus Fischer u. Florian Vaßen, Bielefeld 2006, S. 317-319 (=Forum Vormärz Forschung, Jahrbuch 2005, 11. Jg.).

Das Denkmal, das ihm in Liestal fast 30 Jahre nach seinem Tod dank Spenden von deutschen und schweizerischen Arbeitervereinen errichtet werden konnte, wirkt schwer und statisch. Herweghs Briefe aus den Jahren 1832 bis 1848, die als Teil einer auf sechs Bände angelegten kritischen Herwegh-Ausgabe erschienen sind, vermitteln ein etwas anderes Bild des Dichters. Der junge Herwegh ruht keineswegs derart in sich selbst, wie es das Medaillon des gereiften Dichters in Liestal suggeriert. Herwegh kann schroff sein, etwa wenn er gegen Philister wettert. Er kann sich auch martialisch gebärden, wenn von der erhofften deutschen Revolution die Rede ist. Doch so entschieden Herwegh an seinen politischen und künstlerischen Ansichten festhält – unter der Oberfläche hausen Zweifel und Selbstzweifel. […] Das folgende Jahr [1848] mit seinen revolutionären Erschütterungen bedeutete nicht nur für Georg Herwegh einen wichtigen Einschnitt, sondern auch für die europäische Geschichte. Wie Herwegh diesen Wendepunkt gedanklich verarbeitet hat, ist bisher nur zum Teil bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob der Band mit den Briefen von 1849 bis 1875 hier neue Einsichten liefert.
Martin Stohler
Vollständig nachzulesen in: Sektor Erziehung, Basel, 2/06, S. 7.

Die besondere Leistung der Edition besteht in der Neuerfassung der Briefe, Briefentwürfe und -fragmente […] in möglichster Vollständigkeit und gesicherter Chronologie. Die unbefriedigende Situation der vereinzelten bisherigen, meist sehr viel älteren Veröffentlichungen machte das Vorgehen notwendig. Ein weiterer Gewinn liegt in der nun erstmals nach modernen editionswissenschaftlichen Kriterien erfolgten Darbietung des Briefkorpus. Ein Namenregister erleichtert den Zugriff auf Text und Kommentar. Der Verlag hat der Bedeutung der Ausg. mit einer aufwendigen und benutzerfreundlichen Gestaltung entsprochen.
Thomas Lindenberg
Vollständig nachzulesen in: Germanistik, Bd. 46 (2005), Heft 3-4, S. 888.


Ein Band mit Briefen Georg Herweghs gibt Einblick in den Alltag, das Seelenleben und die politischen Überlegungen
des deutschen Poeten mit Baselbieter Staatsbürgerrecht.
Martin Stohler
Vollständig nachzulesen in: Volksstimme Sissach, Nr. 24 vom Freitag, 24. Februar 2006, S. 8. [Herunterladen]


Zum Ziel kommen damit Bemühungen um eine Herwegh-Ausgabe, die ihren Ausgang im Ost-Berlin der Nachkriegszeit nahmen […] Von der neuen Edition ist nicht zuletzt auch eine Klärung abweichender Varianten zwischen Tardel und Kaiser zu erwarten, wie jener in Herweghs Aufsatz Die Literatur im Jahre 1840, wo der Satz "[wir] zerschlagen getrost unsere Harfe" bei Tardel und in den Sammelbänden von Katharina Mommsen und Hans-Georg Werner mit: "ehe sie in die Hände eines Moskowiten fällt" fortgeführt wird, während Kaiser (ohne klärende Anmerkung) eine politisch korrektere Variante überliefert: "wenn ein Schwert, für unsern Heerd erhoben, mehr Ehre bringt". Auch wenn sich für die abweichenden Wortlaute eine Erklärung in Originalpublikationen und Manuskripten findet, sind sie doch auch Zeichen dafür, dass in der Einleitung zur Gesamtausgabe eine historisch-politische Kontextualisierung der Herwegh-Forschung angebracht wäre. Zu wünschen gewesen wäre in der Einleitung auch eine Differenzierung statt einer Wiederholung der Kategorisierung Herweghs als durch und durch politischer Zeitgenosse […] Einer Präzisierung hätte überdies der Entscheid bedurft, die je zwei Bände, die für Gedichte, Prosa und Briefe vorgesehen sind, in bis 1848 erstens und von 1848 bis zu Herweghs Tod 1875 entstandene Texte zweitens zu unterteilen […] Als erster Band von Pepperles Ausgabe liegt nun Band 5 Briefe 1832-1848 vor. Darin sind, einladend gestaltet und benutzerfreundlich geordnet, erstmals alle noch vorhandenen Briefe Georg Herweghs gesammelt. Die 272 chronologisch angeordneten Schreiben, darunter 99 Erstpublikationen, wurden, soweit möglich, aus den Originalen neu erfasst und in einem übersichtlich gestalteten Apparat, ergänzt durch ein Personenregister sorgfältigst kommentiert.
Esther Kilchmann
Vollständig nachzulesen in: Zeitschrift für Germanistik (Z. f. Germ.), XVI. Jg., Neue Folge, Heft 3/2006, S. 679 f.

Diese der Forschung hinderliche weiträumige Verteilung der Quellenstandorte sowie eine vor allem mit Blick auf die Korrespondenz Herweghs wenig befriedigende gegenwärtige Editionslage […] sind der Hintergrund der eingeleiteten historisch-kritischen Gesamtausgabe. Entsprechend zeichnet sich der nun vorliegende erste Briefband vor den bereits existierenden Veröffentlichungen daher nicht nur durch die mögliche Vollständigkeit der verfügbaren Herwegh-Autographen aus, sondern auch durch die einbekannte moderne Editionspraxis. […] In der Transkription wird mit philologischer Genauigkeit verfahren […]. Fremdsprachigen Briefen wird jeweils eine deutsche Übersetzung beigestellt, einzelne nichtdeutsche Passagen werden im Kommentarteil übersetzt. Wir verfügen so über einen authentischen, aufgrund einer sauberen Hand mit wenig Streichungen aber dennoch lesefreundlichen Text. Eine äußerst kompetente und auch im Umfang ausgewogene Kommentierung gibt gezielt Lesehilfen. […] Einzig dass entgegen gültigen editorischen Standards der Brief(wechsel)edition die Korrespondenz nur einseitig erfasst wird und die Briefe an Herwegh nicht wenigstens systematisch in Regesten aufgenommen werden, ist bedauerlich, auch wenn im Kommentarteil entscheidende inhaltliche Angaben gemacht sowie die Standorte etlicher für den Kontext relevanter Briefe angegeben werden und die aufwendige Aufgabe „wegen der Materialfülle“ (S. III) und damit einhergehender „Transkriptionsprobleme[]“ (S. III) gewiss eine besondere Herausforderung darstellen würden. […] Vor allem leisten die Herausgeber eine sorgfältig bestellte Edition eines bis heute nur unzureichend erschlossenen Werkbestands eines der bedeutendsten Lyriker seiner Zeit. Der noch ausstehende Briefband (Briefe 1849-1875) sowie die Bände zu den Werkabteilungen Lyrik und Prosa sind demselben Ziel verpflichtet, auf ihr Erscheinen darf man deshalb gespannt sein.
Stefan Humbel
Vollständig nachzulesen in: Heine-Jahrbuch 2006, hg. v. Joseph A. Kruse, Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf, Stuttgart Weimar: Metzler 2006, S. 287-289.

Das Jahr 1848 bedeutete nicht nur für Georg Herwegh einen wichtigen Einschnitt, sondern auch für die europäische Geschichte. Wie Herwegh diesen Wendepunkt gedanklich verarbeitet hat, ist bisher nur zum Teil bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob der Band mit den Briefen von 1849 bis 1875 hier neue Einsichten liefert.
Martin Stohler (Basel)
Vollständig nachzulesen in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, Vol. 56, Nr. 3, 2006, S.370-371.

Die Edition von G. Herweghs dichterischem Werk und seinen Briefen war lange Zeit ein unbefriedigendes Kapitel in der deutschen Literaturgeschichte. Zunächst monopolisierte Herweghs Ehefrau Emma und ihr Sohn Marcel mit Teilausgaben die Publikation. Die von H. Tardel herausgegebene erste Werkausgabe (1909) war verdienstlich, war aber nicht an den Handschriften geprüft und enthielt keine Briefe. [...] [I. Pepperle] war es [...], die nach ihrer Habilitationsarbeit über Herwegh (1990) das Projekt einer neuen kritischen und kommentierten Gesamtausgabe vorantrieb und nun mit dem fünften Band [...] den Anfang macht. Es ist schön und vielversprechend zugleich, dass das Briefwerk zuerst ediert wird, liegt hier doch auf Grund der völlig zersplitterten Editionslage (die die Einleitung genauestens beschreibt) das größte Desiderat vor. [...] Es versteht sich, dass der Band ausführlich mit Quellennachweisen, Erläuterungen, Querverweisen und einem Personenregister ausgestattet ist. Es versteht sich des weiteren, dass die schier unermessliche Detailarbeit, die die Bearbeiterin unter Mitarbeit von H. Pepperle, N. Rothe und H. Stein geleistet hat, sich letztendlich nur dem erschließt, der editorischer Praxis nicht fern steht. Natürlich ist das Werk nicht nur als Editionsprojekt äußerst verdienstlich. Herwegh ist ein politischer Schriftsteller, dessen Briefwerk neben seinen vergleichsweise schmalen dichterischen Arbeiten beträchtlich auch deswegen ist, weil es den Typ des operativen Schriftstellers in seinem Kontext zeigt: Die epistolographischen Kommentare zu Zeit, Zeitgenossen und Werk eröffnen eine tiefere Dimension des literarischen Wirkens und das umso mehr, je umfassender das Korpus an zur Verfügung stehenden Briefen ist.
Peter Stein
Vollständig nachzulesen in: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz, hg. v. Wolfgang Bunzel u. Uwe Lemm, Band 18, Berlin 2006, S. 196-197.

 

Das Verdienst, eine kritische Herwegh-Ausgabe in Angriff zu nehmen […] gebührt an erster Stelle Ingrid Pepperle, die ihr ganzes Forscherleben Georg Herwegh gewidmet hat, und die […] immer wieder kluge Aufsätze über den Dichter verfasst hat. […] An zweiter Stelle sei allerdings auch dem Aisthesis Verlag in Bielefeld gedankt, der nun schon seit nahezu zwanzig Jahren eine erste Adresse für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Literatur des Vormärz darstellt und mit der kritischen Herwegh-Ausgabe nun auch auf dem Sektor der Vormärz-Edition vorbildliches leistet. […] So bietet die kritische Herwegh-Ausgabe zweierlei, zum einen werden endlich die teilweise korrumpierten Texte der bisherigen Briefausgaben korrigiert, zum anderen wird das Briefkorpus erheblich erweitert, so dass die Herwegh-Forschung nun auf eine solide Grundlage zurückgreifen kann. Hinzu kommt, dass die BandbearbeiterInnen dem Leser einen in Umfang und Inhalt ausgewogenen Kommentar zu Verfügung stellen. Aufgrund der jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Dichter, die als geballte Kompetenz hinter dem Apparat der Ausgabe steht, gelingt es Ingrid Pepperle, mit sicherer Hand erläuterungswürdige Stellen in den Brieftexten auszumachen. Auch bei komplizierten historischen oder biographischen Hintergründen kommen die Erläuterungen mit einer gewissen Leichtigkeit daher. Der Aufbau des Apparats ist leicht überschaubar. […] Besonderes Augenmerk wurde auf eine weitestgehende Entschlüsselung der zahllosen kleinen Personen gelegt. […] Auch das ausgezeichnete Personenregister, das in der vorliegenden Qualität längst nicht trivial ist, soll hier nicht unerwähnt bleiben, der Rezensent hat es mit Freude zu einem ersten Durchgang genutzt.
Dr. Bernd Füllner (Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf)
Vollständig nachzulesen in: IASLonline [27.02.2007] unter http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/Fuellner3895284858_1771.html


Die lange überfällige große Herwegh-Ausgabe […] soll insgesamt sechs Bd. umfassen […]. Zufälle, wie sie bei großen Vorhaben einzutreten pflegen, bedingten es, daß der Bd. 5 als erster erscheint. Kein Zufall jedoch ist es, daß [Ingrid] P[epperle], die jahrzehntelang als treue Fortsetzerin des Wirkens Bruno Kaisers und als selbständige Herwegh-Forscherin tätig war, nun als Hrsg. auftritt. Überhaupt ist zu sagen, daß in dieser Edition eine Leistung steckt, die eigentlich nur von einer größeren, langjährig beschäftigten Forschungsgruppe zu erwarten ist. Wir haben hier ein prächtiges Beispiel von der Produktivität ehemaliger DDR-Wissenschaftler, die auch ohne institutionelle Bindungen weiter wissenschaftlich tätig sind. […] es geht wohlgemerkt um Briefe, nicht um einen Briefwechsel, denn die Briefe an Herwegh sind leider nicht berücksichtigt. Auf S. III der Einleitung ist nur knapp gesagt, daß dies zu viel Arbeit gewesen wäre, aber es ist nun mal eben nicht von der Hand zu weisen, daß erst aus dem Dialog eines wirklichen Briefwechsels die historische Wahrheit erkennbar wird. […] Doch auch aus dem, was wir glücklicherweise in Händen halten, ist viel über Herweghs Leben und Werk zu erfahren, wie es eben nur aus Briefen erfahrbar ist. […] Die angewandten Editionsprinzipien entsprechen dem modernen Standard kritischer Textbearbeitung, nur die Übersetzung französischer Textstellen zeigt ein zu großes Entgegenkommen gegenüber dem wissenschaftlichen Nutzer. Der Sprachgebrauch des 19. Jh. wurde nicht in jedem Fall beachtet. Der kommentierende Apparat enthält eine immense Forschungsarbeit. Das Namenregister ist hervorragend.
Martin Hundt
Vollständig nachzulesen in: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 2007/II, hg. v. Förderverein für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 6. Jg., Berlin 2007, S. 182-184.

Das Liestaler Herwegh-Denkmal mit seinen drei Felsblöcken und dem Medaillon des Dichters wirkt statisch und gravitätisch. Ein ganz anderer Herwegh tritt dem Leser der Briefe aus den Jahren 1832 bis 1848 entgegen. Hier begegnen wir dem jungen Dichter und Publizisten, dem radikalen Republikaner, dem schwankenden Stimmungen unterworfenen Freund und Gemahl.
Martin Stohler, Basel
Vollständig nachzulesen in: Baselbieter Heimatblätter, hg. v. Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte Baselland und der Gesellschaft Raurachischer Geschichtsfreunde, 72. Jg., Nr. 2, Liestal Juni 2007, S. 119 ff.





Auszüge aus den bisher erschienenen Rezensionen zum Band 6 der Gesamtausgabe:

 Von den 366 dargebotenen Briefen werden etwa zwei Drittel zum ersten Mal publiziert. Damit und mit der ausgezeichneten Kommentierung haben die beiden Bandbearbeiter Ingrid und Heinz Pepperle eine beachtliche Leistung erbracht.
Christine Weckwerth, Berlin
Vollständig nachzulesen in: Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft, hg. v. Rolf Gössner, Ulla Jelpke, Arno Klönne, Otto Köhler und Eckart Spoo, Nr. 25, Berlin 2010. [im Internet unter http://www.sopos.org/aufsaetze/4d0a1c0ef24c9/1.phtml]

[...] Der Leser wird mit 366 kritisch edierten, sorgfältig und spannend kommentierten Briefen [...] auf eine biographische und zeitgeschichtliche Entdeckungsreise entlang der Lebenswege H.s geführt [...]. Den zahlreichen französischen Briefen sind deutsche Übersetzungen nachgestellt. Zum besseren Verständnis wurden notwendige Inhalte und Zitate aus Antwortbriefen in die Erläuterungen eingeflochten. Ein Personenregister vervollständigt diese vorzüglich gestaltete Edition.
Thomas Lindenberg (Berlin) in „Germanistik. Internationales Referatenorgan mit bibliographischen Hinweisen“ (Band 51, Heft 1-2, 2010)

[…] vorbildlich edierte Briefedition […] Dass Herweghs Lebensweg nicht ohne Spur bleibt, ist ein Verdienst der sechsbändigen kritischen Gesamtausgabe […] Dass die Bearbeiter, allen voran Ingrid und Heinz Pepperle, die ihr ganzes Forscherleben Herwegh gewidmet haben, im Kommentar auch Auszüge aus den Gegenbriefen abdruckten, muss hier noch einmal lobend hervorgehoben werden, ermöglicht es doch dem Leser ein besseres Verständnis. Ebenso hilfreich für den Leser ist, dass die fremdsprachigen Briefe in der Originalfassung gegeben und von einer deutschen Übersetzung begleitet werden. Ein Verdienst der Edition ist es zudem, dass die meisten, nämlich 335 Briefe, nach der handschriftlichen Originalfassung ediert werden – die Briefausgabe damit selbst bei bereits veröffentlichten Briefen die dort korrumpierte Fassung korrigiert. Der Kommentar ist inhaltsreich und ausgewogen. Der Leser erfährt alles, was er wissen muss und selbst komplizierte historische und biographische Vorgänge werden für den Leser nachvollziehbar dargestellt. Diese Kunst der Erläuterung kann man den Herausgebern nicht hoch genug anrechnen, ebenso wie das vorzügliche Personenverzeichnis, das die Ausgabe beschließt. Insgesamt liefert die Edition die Grundlagen dafür, sich neu und differenzierter mit dem Werk Georg Herweghs zu beschäftigen.
Joachim Seng, vollständig nachzulesen unter http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=15415&ausgabe=201104

Diese Briefe werden in „möglicher Vollständigkeit“ [...] abgedruckt und äußerst sorgfältig kommentiert. Im Kommentar werden auch, soweit zum Verständnis nötig, Briefe an Herwegh in Auszügen zur Kenntnis gebracht - jedes andere Verfahren hätte den Umfang gesprengt. Der Abdruck der Briefe ist diplomatisch getreu und bei französischen Texten mit Übersetzung versehen. Es versteht sich, dass der Band ausführlich mit Quellennachweisen, Erstdruckort, Erläuterungen, Querverweisen und einem Personenregister ausgestattet ist. Es versteht sich des Weiteren, dass die schier unermessliche Detailarbeit, die die Bearbeiterin unter Mitarbeit von V. Giel, H. Pepperle, N. Rothe und H. Stein geleistet hat, sich letztlich nur dem erschließt, der editorischer Praxis nicht fern steht.
Peter Stein

Nachzulesen in: Literaturbetrieb und Verlagswesen im Vormärz, hg. v. Christian Liedtke, Bielefeld 2010, S. 311 ff. (=Forum Vormärz Forschung, Jahrbuch 2010, 16. Jg.).

[...] Das Verdienst, nach über 30 Jahren erneut eine kritische Herwegh-Ausgabe in Angriff zu nehmen, gebührt an erster Stelle Ingrid Pepperle, die ihr ganzes Forscherleben Georg Herwegh gewidmet hat [...] Die kritische Herwegh-Ausgabe bietet zweierlei, zum einen werden endlich die teilweise korrumpierten Texte der bisherigen Briefausgaben korrigiert, zum anderen wird das bisher bekannte Briefkorpus in ganz erheblichem Maße erweitert - ein Glücksfall für die Herwegh-Forschung, die nun auch für die zweite Schaffenshälfte des Autors auf eine solide Grundlage zurückgreifen kann. Hinzu kommt, dass dem Leser ein in Umfang und Inhalt ausgewogener und überaus verdienstvoller Kommentar zur Verfügung gestellt wird. [...] 
Bernd Füllner in Heine-Jahrbuch 2011, hg. v. Sabine Brenner-Wilczek, Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf, Stuttgart Weimar: Metzler 2011, S. 223-226.

Mit dem vorliegenden Band ist die schon lange Zeit in Arbeit befindliche Ausgabe von Georg Herweghs Briefen im Rahmen der laufenden Gesamtausgabe zum Abschluss gekommen. [...] Wie schon der erste Briefband ist auch der vorliegende Band hervorragend kommentiert. I. Pepperle hat hier [...] Vorbildliches geleistet. [...] Dieser Kommentar ist es, der die manchmal stolze, manchmal nachlässige, manchmal verletzte Schweigsamkeit der Briefe zum Sprechen und auf diese Weise die solitäre Stellung des Schriftstellers Herwegh überzeugend zum Ausdruck bringt. 
Peter Stein in: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz, hg. v. Wolfgang Bunzel u. Uwe Lemm, Band 22/23, Berlin 2010/2011.

[...] Folglich macht die Herausgeberin 252 Briefe zum ersten Mal der Forschung und anderen interessierten Lesern zugänglich. Ein bedeutendes Verdienst! [...] Die Textkonstitution erfolgt diplomatisch getreu, philologische Präzision bestimmt die Transkription. Die Editionsrichtlinien zielen auf höchstmögliche Authenzität [...] Unterschiede und Uneinheitlichkeiten in der Textgestalt sind also bewußt in Kauf genommen [...], auch um die partiell korrumpierten Texte der bisherigen Briefausgaben zu berichtigen. Wiederum ein großes Verdienst der Herausgeberin! [...] In der Maßstäbe setzenden Erweiterung des Briefbestandes und dessen sorgfältig bestellter Herausgabe liegt ein unschätzbarer Gewinn für die Vormärz- und Herwegh-Forschung. [...] Ein wichtiger Teil des Apparates macht die luzide Kommentierung aus, die von der bewundernswerten Kompetenz der Herwegh-Spezialisten Ingrid und Heinz Pepperle zeugt. Ihr großes Wissen über den Dichter lassen sie im Kommentar klar und gut lesbar mit einfließen und spüren genau die kommentarbedürftigen Stellen auf. [...] Ingrid Pepperle ist die Herwegh-Expertin, die sich Zeit ihres Lebens mit dem Dichter auseinandersetzte und die Herwegh-Forschung [...] immer wieder vorantrieb. Ihr ist mit Band 6 (wie mit Band 5) etwas eminent Wichtiges gelungen, nämlich den Briefbestand des zu seinen Lebzeiten erfolgreichsten deutschen Lyrikers Georg Herwegh endlich komplett mit größter Sorgfalt und höchster Fachkompetenz erschlossen und ediert zu haben. Damit wird nicht nur eine gravierende Forschungs- und Editionslücke geschlossen, sondern es dürfen neue Forschungsansätze für das Bild des nicht unumstrittenen Dichters erwartet werden. [...] Bis in die heutige Zeit währt die Herwegh-Debatte. Doch mit der Gesamtausgabe der Werke und Briefe schuf Ingrid Pepperle die entscheidende Basis für ein versachlichtes und differenziertes Erforschen und Einschätzen des Dichters.
Sabine Bierwirth in: Editionen in der Kritik. Editionswissenschaftliches Rezensionsorgan, hg. v. Alfred Noe, Bd. 5, Berlin: Weidler 2012, S. 248-250 (= Berliner Beiträge zur Editionswissenschaft, hg. v. Hans-Gert Roloff, Bd. 11).

  

Georg Herwegh

Am Steinberg 104 B, 13086 Berlin Tel. 030 - 472 38 50, Fax: , E-Mail: he.stein@t-online.de