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Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe
Ingrid Pepperle: Einleitung zur Neuausgabe der „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz“, Leipzig 1989.

1. Zeitumstände und entstehungsgeschichtliche
Voraussetzungen
Auf dem Vorsatzblatt der Ende Juni, Anfang Juli 1843 ausgegebenen „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz“ teilt die Verlagshandlung mit, daß sie in Übereinstimmung mit Herrn Georg Herwegh aus gebietenden Gründen, deren Erörterung man ihr erlassen möge, sich entschlossen habe, den vielfach angekündigten „Deutschen Boten aus der Schweiz“ als Zeitschrift nicht erscheinen zu lassen und statt dessen die für die ersten Monatshefte bestimmten Aufsätze in einem Band vorzulegen. Sie konnte sicher sein, daß die zeitgenössischen Leser wußten, wovon sie sprach; geraten wir doch bei der Erörterung der gebietenden Gründe mitten ins Zentrum der politischen und sozialen Auseinandersetzungen am Vorabend der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 in Europa.

Der Verleger von Georg Herweghs „Gedichten eines Lebendigen“, der Professor für Mineralogie an der Universität Zürich, Julius Fröbel, hatte seit Januar 1841 die Zeitschrift „Der deutsche Bote auf der Schweiz“ in wöchentlich zwei Nummern zu 8 bis 16 Seiten unter der Redaktion seines Bruders Karl Fröbel und unter „Mitwirkung einer Anzahl von Schweizern und Deutschen“ im Verlag des Literarischen Comptoirs (dessen Miteigentümer und literarischer Geschäftsführer er seit dem 31. Dezember 1840 war) erscheinen lassen. Den Plan dazu trug er schon ein ganzes Jahr mit sich herum. Ihn hatten die politischen Vorgänge, die sich September 1839 bei der Berufung des Junghegelianers David Friedrich Strauß auf den Züricher Lehrstuhl für Theologie abspielten, aus seiner naturwissenschaftlichen Lehr- und Forschungstätigkeit gerissen. Der Verfasser des heiß umstrittenen „Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ von 1835/36 konnte diese Professur niemals antreten. Aufgebrachte Bauern unter Führung des Pfarrers Bernhard Hirzel veranlaßten den Sturz der radikaldemokratischen Regierung, die den vermeintlichen Gottesleugner und Atheisten berufen hatte. Fröbel schrieb seinem Freund, dem Lehrer am Fröbelschen Pädagogikum und Chemiker Schönbein, im Mai 1841: „Der 6. September ruhmwürdigen Andenkens hat kurioserweise bei mir eine solche Vorliebe und ich möchte fast sagen einen verborgenen Sinn für das menschliche und namentlich das öffentliche Leben entwickelt, daß ich bei der Mineralogie vor Ungeduld verbrannt wäre und die Steine für mich nur darum noch interessant sind, weil man mit ihnen einem unausstehlieben Kerl allenfalls den Schädel einwerfen kann.“ (1)
Er hatte aber sehr wohl bemerkt, daß der Sieg der von der städtischen Oberschicht getragenen konservativen Partei im Kanton Zürich im Zusammenhang europäischer Entwicklungen stand. „Ich kenne den politischen Zustand der Welt, namentlich Deutschlands und Frankreichs nicht genug“, gestand er seinem Stuttgarter Freund, Albert Schott, „und mir scheint, daß es darauf bei den hiesigen Verhältnissen wesentlich mit ankommt.“ (2) Um sich zu informieren und aus buchhändlerischen Gründen unternahm er im Sommer 1841 eine siebenwöchentliche Reise durch Deutschland. Hier war um 1840 eine neue politische und gesellschaftliche Situation im Kampf um die Durchsetzung der geschichtlichen Hauptaufgabe, der politischen Machtergreifung des Bürgertums, eingetreten. Internationale Konflikte - die Krise um die Rheingrenze, innerdeutsche Ereignisse, wie der Verfassungsbruch des Königs von Hannover (mit der Landesverweisung der Göttinger sieben Professoren, die an der Verfassung festhielten, unter ihnen die Brüder Grimm, Dahlmann, Gervinus), der Kölner Streit zwischen preußischem Staat und katholischer Kirche um den religiösen Status der aus Mischehen stammenden Kinder, der Thronwechsel in Preußen 1840 und seine Folgen, die Auseinandersetzungen im badischen Landtag - ließen allerorten die Widersprüche der halbfeudalen monarchisch-bürokratischen Regierungen zu der im Gefolge der industriellen Revolution wirtschaftlich erstarkenden Bourgeoisie hervortreten. Zum Überwechseln des preußischen Bürgertums ins revolutionäre Lager trug nicht wenig der den restaurativen Lehren eines Jarke, Haller und Radowitz ergebene Friedrich Wilhelm IV. bei. Er begann seine Idee des Patrimonialstaates zu verwirklichen und wies alle, zuerst auf dein Huldigungslandtag im Herbst 1840, danach auf den Provinziallandtagen und in Petitionsbewegungen wiederholt erhobenen Forderungen nach Gewährung der im Mai 1815 versprochenen preußischen Verfassung schroff zurück.
Vor dem Hintergrund dieser zunehmenden politischen Aktivitäten der antifeudalen Opposition gestalteten sich auch die ideologischen Auseinandersetzungen offener, prinzipieller. Der die Verfassungsforderungen mit seiner Schrift „Woher und Wohin“ unterstützende ostpreußische Oberpräsident Theodor von Schön fiel in Ungnade und ließ sich im Juni 1842 in den Ruhestand versetzen. (3) Der Autor der gleichfalls die Konstitution verlangenden, im Februar 1841 in Mannheim erschienenen Schrift „Vier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen“, der Königsberger Arzt Johann Jacoby, mußte sich vor Gericht wegen Hochverratsversuch, Majestätsbeleidigung und frechem, unerbietigem Tadels der Landesgesetze verantworten. Die Broschüre und der Prozeß, in dem er zum großen Ärger des Königs in zweiter Instanz völlig freigesprochen wurde, erregten großes Aufsehen und machten Jacoby weithin bekannt.
Der antifeudalen Opposition wuchsen in diesen Jahren auch mit der politischen Lyrik und der politisch-philosophischen Bewegung der Junghegelianer neue Kräfte zu.
Georg Herweghs „Gedichte eines Lebendigen“ waren im Sommer 1841 die Sensation. Das schmale Bändchen war in aller Munde und erlebte von Vierteljahr zu Vierteljahr neue Auflagen. Wie kein anderer der jungen Lyriker hatte Herwegh es verstanden, den Ansichten, Stimmungen, Vorstellungen und Forderungen des demokratischen Bürgertums in Versen voll leidenschaftlicher Polemik, mit schwungvollem Pathos und in einprägsamen Wendungen sprachliche Gestalt zu geben, die gerade deshalb angenommen wurden, weil die Methaphorik dieser sangbaren Strophen vielfältige Identifikationsmöglichkeiten zuließ. Andererseits gewann auch die Bewegung der Hegelschen Linken, die in dieser Zeit ihren Höhepunkt erreichte, eine wachsende Anhängerschar und immer mehr politischen Einfluß. Die linken Hegelianer, die sich im Anschluß an Strauß' „Leben Jesu“ (1835/36) formierten, seither in Fortführung der grundlegenden Gedanken der Aufklärung und der Ideen der Französischen Revolution als Begründung bürgerlich-demokratischer Forderungen den gesamten progressiven Gehalt der Hegelschen Philosophie und insbesondere ihre Dialektik zunächst gegen die bestehende Religion, bald gegen den bestehenden Staat und schließlich gegen den gesamten politischen und gesellschaftlichen Zustand der Zeit kehrten, waren seit der Mitte des Jahres 1842 mit ihren bedeutsamsten Werken hervorgetreten. Im Juni war Ludwig Feuerbachs „Wesendes Christentums“ erschienen, im gleichen Monat auch der erste Band des Bruno Bauerschen Hauptwerkes „Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker“, während im Oktober von letzterem anonym die „Posaune des jüngsten Gerichts“ herauskam. Im Gefolge dieser Arbeiten vollzog sich ein tiefgreifender Radikalisierungsprozeß innerhalb der Bewegung: Die Mehrheit der Junghegelianer wurden erklärte Atheisten und Republikaner.
In den Monaten, in denen diese Schriften großes Aufsehen erregten, wurde ein Projekt vorbereitet, das mit dieser ideologischen Strömung in engen Zusammenhang geriet. Im Rheinland waren Verhandlungen zur Gründung einer großen, die bürgerlichen Forderungen begründenden Tageszeitung im Gange, die ab Januar 1842 als „Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Genwerbe“ erschien. Auf diese Zeitung gewannen die linken Hegelianer beachtlichen Einfluß, die nun eine Gelegenheit hatten, auch tagespolitisch ihre Ansichten zu verbreiten.
Der preußische König war durch diese Begebenheiten herausgefordert und bezog Position. Herweghs Lieder traf das Verbot. Nachdem nach Altensteins Tod der konservative und regliös-orthodox gesinnte Eichhorn zum Kultusminister berufen wurde, war einer der wichtigsten Aufträge an ihn, die „Drachensaat des Hegelschen Pantheismus“ (Worte Friedrich Wilhelms IV.) auszumerzen. Schelling wurde nach Berlin berufen, wo er im November seine Vorlesungen begann, vor allem aber unternahm Eichhorn, die linken Hegelianer von den preußischen Universitäten zu entfernen und ihre Publikationsmöglichkeiten einzuschränken.
So mußten die „Hallischen Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst“, die seit 1838 unter der Leitung von Arnold Ruge und Theodor Echtermeyer sich zum publizistischen Zentrum der linken Hegelianer herausgebildet hatten, im Sommer 1841 aus Preußen auswandern, um der preußischen Zensur zu entgehen. Sie kamen ab 1. Juli 1841 als „Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst im gleichen Verlag von Otto Wigand in Leipzig heraus und wurden von Ruge in Dresden redigiert. Ein besonderes Ereignis war in diesem Zusammenhang der Entzug der „venia legendi“ für Bruno Bauer, den Eichhorn anstrengte, nachdem er im Juni 1841 den ersten Band der „Synoptiker“ überreicht bekam und darin einen Angriff auf den „eigentlichen Bestand der christlichen Wahrheit“ erkannte. Der Streit um diesen Entzug der Lehrerlaubnis bewegte die Gemüter schon in der zweiten Hälfte des Jahres, noch mehr aber, als er im März 1842 definitiv verfügt wurde.(4)
Fröbel hatte also auf seiner Reise genügend Gelegenheiten, in die politisch-ideologischen Bewegungen Einblick zu erhalten. Er lernte die oppositionellen bürgerlichen Politiker, Autoren und Verleger kennen. Politisch urteilsfähiger kehrte er mit dem Plan nach Zürich zurück, „gegen Reaktion und Konservatismus in der Schweiz und im Deutschen Bund“ zu wirken. Diese Absicht wurde in der ersten Nummer der neugegründeten Zeitschrift am 5. Januar 1842 sehr diplomatisch damit umschrieben: Für eine freundliche Annäherung zwischen Deutschland und der Schweiz einzutreten, die große kulturhistorische Bedeutung der Eidgenossenschaft herauszuarbeiten - sprich die politische Bedeutung der republikanischen staatlichen Institutionen für die Länder des Deutschen Bundes.
Trotz der Aufmerksamkeit, die Ankündigung und Probeblätter des „Deutschen Boten aus der Schweiz“ in deutschen und Schweizer Blättern erfuhren, (5) - und trotz lobender Rezensionen (6) -, hatte das Blatt nicht die erhoffte überregionale Ausstrahlung und blieb mehr auf politische Entwicklungen in der Schweiz beschränkt. Dazu kam, daß gleich nach der Gründung der Zeitschrift Fröbel in eine heftige politische Fehde mit der regierenden konservativen Partei im Kanton geriet.
An der Spitze stand damals der Staatsrechtler Johann Caspar Bluntschli, Professor an der Universität und seit September 1839 Regierungsrat. Er war ein Schüler Savignys und Vertreter der historischen Rechtsschule, der den romantischen Organismusgedanken auf den Staat übertragen wollte. (7)
Bluntschli hatte sich in seinem Kampf gegen die demokratische Opposition im Kanton Zürich mit Friedrich Rohmer, einem aus Franken stammenden Schellingschüler, verbündet, der mit merkwürdig verworrenen philosophisch-psychologischen Thesen sich als Stifter einer neuen, welterlösenden Lehre ausgab. Sie war gegen die politischen Ergebnisse der Französischen Revolution gerichtet und wollte das Christentum restaurieren. Der Bruder, Theodor Rohmer, hatte diese konservative Prophetie in der im Literarischen Comptoir von Fröbel verlegten Schrift „Deutschlands Beruf in Gegenwart und Zukunft“ (Zürich und Winterthur 1841) propagiert, die in den „Deutschen Jahrbüchern“ von Heinrich Lenz gebührend ironisch abgefertigt worden war.(8) In Zürich durchschaute man sie nicht so schnell. Fröbel erhielt durch Stuttgarter Freunde Informationen über Friedrich Rohmers Verurteilung wegen anstößigem privatem Verhalten. Diese und andere Kenntnisse (z. B. über steckbriefliche Verfolgung einer der Anhänger Rohmers) brachte er voll in die publizistische Fehde ein, die mit Broschüren (9), Artikeln in Schweizer und deutschen Zeitungen (10) von allen Beteiligten mit großer Intensität geführt wurde. Trotz der Entlarvung Rohmers, der im Sommer 1842 den Kanton verließ, hatten sich Julius Fröbel, sein Bruder Karl Fröbel, August Adolf Follen, Georg Herwegh genau wie Bluntschli und die Brüder Rohrner in einem Injurienprozeß zu verantworten.
Im „Deutschen Boten aus der Schweiz“ ist die Rohmer-Affäre neben der konservativen Schweizer Schulpolitik im ersten Halbjahr das wichtigste politische Thema - wodurch der anfangs abgesteckte, die Schweizer Verhältnisse übergreifende Anspruch noch nicht eingelöst worden war. Das sollte Georg Herwegh als Redakteur ändern. Das große Echo auf seine Gedichte in Deutschland, seine Erfahrungen als Journalist und Redakteur, u. a. an August Wirths „Deutscher Volkshalle“ 1839 bis 1840, ließen ihn als die geeignete, integrative Persönlichkeit erscheinen. In der Nr. 75 vom 21. September 1842 wurde die „Veränderung des Plans und der Redaktion“ bekanntgegeben: „Seinen Wesen nach ist der deutsche Bote ein politisches Blatt, d. h. er wird, um eben der Politik die notwendige tiefere Basis zu geben, sich angelegentlich mit dem Besten und Kühnsten in Philosophie und Theologie beschäftigen, immer und überall aber sogleich die politischen Konsequenzen zu ziehen versuchen und so einen Beitrag zu jener vielbegehrten Vermittlung von Wissenschaft und Leben liefern. Er geht, um es offen zu gestehen, von der Überzeugung aus, daß unsere Zeit in letzter Instanz an allem gar kein anderes denn ein politisches Interesse nimmt. Demgemäß wird auch den Ländern, in denen dieser politische Zug unsers Jahrhunderts am meisten zum allgemeinen Bewußtsein geworden, vor allen übrigen Aufmerksamkeit geschenkt, und die kompetentesten Männer werden im deutschen Boten über die badischen und ostpreußischen Zustände ihre freimütigen Artikel niederlegen.“ Diese Sätze der Ankündigung, die u. a. in der „Rheinischen Zeitung“ am 30. September 1842 in Nr. 273 in einer Korrespondenz aus Zürich vom 25. September mitgeteilt werden, machen die Runde durch Presse und Spitzelberichte der folgenden Monate.` Der Prospekt endet mit einer Versicherung, die auch den letzten Ministerialbeamten im Deutschen Bund aufschrecken lassen mußte: „Unser Blatt erscheint ohne Zensur und ist Parteiblatt, wird indessen seine Stellung nie mißbrauchen, und durch seinen Ton und seine ganze Haltung beweisen, wie viel Freiheit man deutschen Männern ohne Gefahr gewähren darf und bald auch gewähren muß.“
Preußen reagierte sofort. Der Minister des Innern, von Arnim, bereitete einen Erlaß an den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, von Bülow, und an sämtliche königliche Oberpräsidenten folgenden Wortlauts vor: „Das in Zürich und Winterthur herausgegebene Blatt Deutscher Bote aus der Schweiz soll mit dem letzten Quartal d. J. in veränderter Form und unter der Redaktion des bekannten Georg Herwegh nach einer in öffentlichen Blättern ergangenen Bekanntmachung 1. d. M. in der dem Junghegelianismus und den Prinzipien der neuen politischen Dichterschule entsprechenden Tendenz erscheinen. Deren unzulässige Verbreitung ist unter allen Umständen wirksam zu verhindern.“ (12) Diese Verfügung blieb jedoch zunächst im ministeriellen Schubfach.
Herwegh korrespondierte indes seit Anfang September 1842 mit potentiellen Mitarbeitern. Erhalten sind die Briefe an Ludwig Feuerbach, an den Dichter, Publizisten und Literarhistoriker Robert Eduard Prutz und in eine namentlich nicht bekannte, von Ruge an Herwegh empfohlene Persönlichkeit. An Ludwig Feuerbach schrieb er am 3. September 1842: „Ich habe Lust, mir den Teufel auf den Hals zu hetzen, ein Journal zu gründen und bedrängten Seelen gegen die deutsche Censur ein Asyl darzubieten. Das Journal ist in höchster Instanz politisch, d. h. es geht von dem Princip der Einheit alles Wissens ans und besieht sich diese Einheit zunächst unter dem Gesichtspunkt der Politik; wissenschaftlich, aber furchtlos und unverschämt sollen einmal die Consequenzen der neuesten philosophischen und theologischen Forschungen gezogen und der Kampf gegen die Theologie und respekt. deren Selbstmord zu Ende geführt werden.“ (13) In ähnlicher Weise äußerte er sich am nächsten Tag seinem Freunde Robert Prutz gegenüber: Der Deutsche Bote aus der Schweiz „wird zu einer Monatsschrift von sechs Bogen umgestaltet und soll zunächst ein Asyl gegen deutsche Censur (im doppelten Sinne, Bekämpfung derselben und Flucht vor ihr) darbieten. Er soll unerschrocken die Resultate und politischen Consequenzen der neuesten Philosophie und Theologie, die ganz nackte Wahrheit geben ... Er wird Parteiblatt, revolutionäres Blatt im besten Sinne des Wortes, und ich denke, Unterstützung zu finden. Anonymität verbürge ich mit meinem Worte.“ (14)
Von Ruge hatte er die leider nicht überlieferte Anschrift einer Persönlichkeit erhalten, die er mit „Hochgeehrter Herr“ anredete. Ihm teilte er am 5. September 1842 mit, daß er mit dem Deutschen Boten versuchen will, „ob sich die Wahrheit nicht auch ein Jahr lang ohne diplomatische Bemühungen (wie in Deutschland), ohne Censur, an den Mann bringen lässt“. Einheit alles Wissens sei sein Wahlspruch und seine Aufgabe zunächst die Beziehung dieses Wissens zum Staat, zur Gesellschaft, zur Politik. Tagespolitik, dem Tageszuschnitt entnommen, sei nicht ausgeschlossen und namentlich die lautere Wahrheit über preußische Verhältnisse höchst willkommen. „Ein Jahr“, meinte Herwegh, sollte sich das Blatt im schlimmsten Falle halten, da es durch den Buchhandel versandt werde und bei dieser Art von Versendung, fügte er hinzu, „ein Verbot nicht viel schadet, wie ich bei meinen Gedichten zu beobachten Gelegenheit hatte.“ (15)
Herweghs Vorbereitung auf die neue Aufgabe war intensiv. Neben der Publikation und Versendung des Prospekts, neben der vermutlich ausgedehnten Korrespondenz mit künftigen Mitarbeitern plante er für Herbst 1842 eine Reise nach Deutschland, um durch persönlichen Kontakt mit Lesern und Autoren den abgesteckten Rahmen der Zeitschrift zu präzisieren und zu konkreten Vereinbarungen zu kommen.
Solche Reisen waren nichts Außergewöhnliches. Hatte doch Fröbel im Interesse des Verlages gerade die zweite Deutschlandreise beendet. Ruge war seinerzeit bei der Gründung der „Hallischen Jahrbücher“ monatelang an den mittel- und süddeutschen Universitäten umhergereist und hatte die stattliche Anzahl von 180 im Prospekt namentlich aufgeführter Persönlichkeiten zur Teilnahme gewonnen. Herweghs Reise aber gestaltete sich zu einer öffentlichen Demonstration für die politischen Forderungen der antifeudalen Opposition.
Seine Gedichte waren trotz Verbot in Preußen überall bekannt. Wohin der nach Augenzeugenberichten persönlich eher schüchtern wirkende Dichter sich auch wandte, wurden ihm überschwengliche Ehrungen zuteil. Frankfurt (Main), Darmstadt, Köln, Düsseldorf, Jena, Leipzig, Dresden, Berlin, Stettin, Königsberg waren die Stationen. Es gab Ständchen, Fackelzüge, Festessen, die zu Zweckessen mit politischen Ansprachen gerieten und allerorten staatliche Instanzen, Spitzel und Polizei in Atem hielten. Zur Öffentlichkeit dieser politischen Demonstrationen des oppositionellen Bürgertums trug in allererster Linie die Presse bei. Die Tageszeitungen waren voll von Korrespondenzen und Berichten, Ansprachen, Dankesworten an den Dichter und seinen Erwiderungen. Es war der Beginn - und der Verlauf der Reise belegt dies sinnfällig - des Überwechselns der preußischen Bourgeoisie ins revolutionäre Lager. Herwegh war auf die Rolle, in die er auf diese Weise gedrängt wurde, kaum vorbereitet und ihr bestimmt nicht gewachsen. Sosehr er in seinen Ansprachen immer wieder die persönlichen Huldigungen zurückwies und sie nur im Sinne der gemeinsam zu erkämpfenden Ziele gelten ließ, (16) konnte er den in seine Person gesetzten Erwartungen, zur Realisierung dieser Ziele unmittelbar beizutragen, nicht entsprechen, da die politisch-praktische Arbeit, die diese Willenskundgebungen in Taten, die die Reden in Aktivitäten umsetzen konnte, erst begann. Ernüchterung mußte folgen. Der Anlaß dazu ließ nicht auf sich warten.
Der preußische König gab dem Dichter der in seinem Lande verbotenen Lieder eine Audienz. Fröbel berichtete später in seinen Lebenserinnerungen, daß er den Anstoß dazu gegeben habe, weil er auf seiner Frühjahrsreise von Schönlein in Berlin, Leibarzt des Königs, einem ehemaligen Zürcher Kollegen, davon unterrichtet worden sei, daß der König Herwegh kennenlernen wolle.(17) Wie dem auch sei, Herwegh war unklug genug, mit dem König zu sprechen, sich in eine Marquis-Posa-Rolle zu begeben, was ihm weder von der Reaktion noch von den Demokraten im Deutschen Bund und in der Schweiz so recht verziehen wurde.(18) Sofort gab es Pressemeldungen über den Inhalt des Gesprächs. In den Akten des ehemaligen Geheimen preußischen Staatsarchivs kann man dem Zorn des Königs nachspüren. Er war besonders über eine Berliner Korrespondenz in der „Leipziger Allgemeinen Zeitung“ vom 28. November 1842 erbost. Die vermutlich von Junghegelianern verfaßte Notiz reizte ihn zu einer Gegendarstellung, deren anonyme Veröffentlichung er anordnete.(19) Jetzt auch (am 28. November 1842) ließ er das schon im Oktober beschlossene Verbot des „Deutschen Boten“ für Preußen in Kraft treten.
Herwegh erfuhr davon in Königsberg. Ihm blieb nicht verborgen, daß der Verbots-Erlaß schon vor der Audienz formuliert worden war. Seiner Empörung machte er in einem privaten Brief an Friedrich Wilhelm IV. Luft. Eine Abschrift deponierte er bei Freunden, Verhaftung befürchtend. Diese Abschrift blieb nicht die einzige. In Ostpreußen zirkulierten bald massenweise Abschriften, von denen eine durch Indiskretion des theologischen Privatdozenten Jachmann, eines Anhängers von Johann Jacoby, nach Leipzig geriet in den Kreis der Demokraten um Robert Blum. Sie veranlaßten die Veröffentlichung in der „Leipziger Allgemeinen Zeitung“ am 24. Dezember 1842. Trotz sofortiger öffentlicher Distanzierung Herweghs von dieser Indiskretion (20) wurde er am 28. Dezember aus Preußen ausgewiesen und mußte unter Polizeibewachung am 30. Dezember 1842 das Land verlassen.
Der Ausgang der Reise wirkte wie ein Katalysator für die Differenzierung der antifeudalen Bewegung. Die Liberalen wiesen den Brief als Ungehörigkeit zurück und bezichtigten Herwegh, der „Sache der Freiheit“ einen Bärendienst erwiesen zu haben. Tatsächlich nahm der preußische König die Veröffentlichung des Briefes zum Anlaß, um die ihm seit der Redaktionsübernahme des Junghegelianers Gustav Julius verhaßte „Leipziger Allgemeine Zeitung“ in ihrem größten Absatzgebiet, in Preußen, zu verbieten, womit ihr Untergang besiegelt schien. Diesem Verbot folgten andere. Was Preußen tat, hatte Signalwirkung im Deutschen Bund. Am 3. Januar wurden die „Deutschen Jahrbücher“ von der sächsischen Regierung verboten. Schlag auf Schlag wurde die antifeudale Opposition ihrer soeben erst gewonnenen Öffentlichkeit beraubt. Während die Liberalen Herwegh für diese Rückschläge verantwortlich machten, reagierten die Demokraten, voran die Redaktion der „Rheinischen Zeitung“, entgegengesetzt. Zwar auch nicht erbaut über Herweghs Ungeschicklichkeit, erkannten sie, daß die Knebelung der oppositionellen Presse in anderen ursächlichen Zusammenhängen stand, die preußische Zensurinstruktion vom Dezember 1841 endlich ihres liberalen Anscheins beraubt worden war und eine heilsame Desillusionierung befördert wurde hinsichtlich der Möglichkeit, bürgerlich-demokratische Forderungen in Zusammenarbeit mit den Regierungen des Deutschen Bundes zu realisieren. (21)
Von der Reaktion wurde die „weiche Stelle“ im oppositionellen Lager erkannt und unter Anweisung und Steuerung der preußischen Regierung eine Pressekampagne gegen Herwegh inszeniert, deren geschickte Regie man noch heute in den Geheimakten des Staatsministeriums verfolgen kann. Sie war nicht wirkungslos. In den Geheimberichten frohlockten die Konfidenten. Herwegh war seiner Aura beraubt.(22)
Persönlich hat ihn der Ausgang der Reise zunächst nichts anhaben können - er war fest entschlossen, den „Deutschen Boten“ herauszubringen. (23) Am 10. Januar nach Zürich zurückgekehrt (24) erwarteten ihn hier aber gerade wegen der geplanten Zeitschrift politische Verwicklungen, die ihn doch stärker, als er beispielsweise in den Brautbriefen zugab, belasten sollten.
Zunächst wurde er im Rohrner-Prozeß „wegen Beschimpfung und Verleumdung“ am 25. Januar 1843 in erster Instanz zu 60 Franken Bußgeld verurteilt, wogegen er erfolglos appellierte. Um heiraten und eine Wohnung einrichten zu können, mußte der (in seinem Heimatland steckbrieflich wegen Nichtbefolgung des Einberufungsbefehls gesuchte) Flüchtling, der bisher bei Freunden Unterschlupf gefunden hatte, um eine Aufenthaltsbewilligung nachsuchen. Am 28.Januar 1843 stellte er sich der dazu nötigen polizeilichen Einvernahme, in der er auch nach dem „Deutschen Boten“ gefragt wurde. Seine Antwort lautete: „Ich übernehme allerdings die Redaktion des Deutschen Boten in der Schweiz und werde, da sich die literarischen Angelegenheiten nicht mehr abgesondert von den politischen besprechen lassen, auch die politischen Verhältnisse, jedoch vorzugsweise Deutschlands, und weniger der Schweiz, darin berühren.“ (25) Der Züricher Polizeirat beantragte danach beim Regierungsrat am 8. Februar 1843 die Ausweisung Herweghs mit folgender Begründung: „Es möchte dem Herrn Herwegh in Berücksichtigung 1) daß er nach seiner eigenen Erklärung als Redakteur des Deutschen Boten politische Tätigkeit ausüben werde 2) daß dadurch leicht unangenehme Verhältnisse und Verwicklungen mit fremden Staaten herbeigeführt werden könnten, die verlangte Aufenthaltsbewilligung nicht gestattet [...]werden.“ (26) Schon am 11. Februar beschloß der Regierungsrat die Ausweisung Herweghs aus dem Kanton, die vom Großen Rat, trotz einer Flut von Eingaben, am 15. Februar mit 132 gegen 19 Stimmen bestätigt wurde. Bittschriften zugunsten, Herweghs an den Großen Rat gab es auf Initiative Fröbels und Follens von den aus Deutschland stammenden Neubürgern und deutschen Intellektuellen, die an der Hochschule und als Künstler tätig waren: so von den Medizinern Karl Pfeufer und Jakob Henle, den Professoren Hermann Sauppe, Eduard Bobritz, Ferdinand Hitzig, Karl Fröbel, von 110 im „Jungen Deutschland“ organisierten deutschen Wanderarbeitern, für die Franz Hauser unterzeichnete, von den Eigentümern des Literarischen Comptoirs Julius Fröbel und Reinhart Ulrich Hegner etc. (27) Unter den Eingaben war auch eine von Lorenz Oken, dem Gründungsrektor der Universität, der zu Herweghs Gunsten u. a. schrieb: „Enthält seine Zeitschrift ahndungswürdige Aufsätze, so steht es immer in der Macht der Polizei, dieselben zu unterdrücken, aber ihn des Landes zu verweisen, heißt ein vielversprechendes und bereits anerkanntes Talent zu zerstören.“ (28) Herwegh erlangte gerade noch einen Aufschub der Ausweisung vom 19. Februar bis zum 3. März, an dem er den Kanton verlassen mußte. Da seine Einbürgerungsbestrebungen im jungen, von Demokraten regierten Kanton Basel-Land schon seit Herbst 1842 eingeleitet waren, traf die Ausweisung aus Zürich mit der Einbürgerung in Augst am 12. Februar 1843 und im Kanton am 15. Februar 1843 zwar zeitlich zusammen, aber für die Redaktion des „Deutschen Boten“ ergaben sich durch die Wegweisung aus Zürich doch große Probleme, die im Briefwechsel zur Sprache kamen. So schrieb Herwegh am 11. Februar 1843 an Ruge: „Der arme ungeborne Deutsche Bote ist in den Augen unserer Septembristen schon zu einem solch colossalen Ungethüm herangewachsen, daß der Regierungsrat in seiner Herzensangst vom Auslande Noten über den Hals zu bekommen, nach 2-tägiger Sitzung einstimmig beschlossen, mich aus Zürich auszuweisen [...] Gott weiß, wo mich der Teufel nun hinführt. Zunächst will ich heiraten und dann eine Reise nach dem Süden machen, vorher natürlich den Deutschen Boten und zwar als Vierteljahrschrifi hinauswerfen.“ (29)
Aber auch dieser Plan wurde durch neu eintretende Ereignisse modifiziert. Ende Januar 1843 beschlossen die Zensurminister das Verbot der „Rheinischen Zeitung“ mit Wirkung vom 1. April. (30) Marx, seit Oktober 1842 Chefredakteur, schrieb am gleichen Tag, an dem der Aufsichtsrat davon in Kenntnis gesetzt wurde, am 25.Januar, an Ruge, daß ihn die Regierung durch das Verbot wieder in Freiheit gesetzt habe, denn es sei schlimm, „Knechtsdienste selbst für die Freiheit zu verrichten und mit Nadeln, statt mit Kolben zu fechten“. Er sei der Heuchelei, der Dummheit, der rohen Autorität, des Schmiegens, Biegens, Rückendrehens und der Wortklauberei müde. In Deutschland könne er nichts mehr beginnen. Man verfälsche sich hier selbst. Es wäre ihm lieb, in Zürich mit Herwegh den „Deutschen Boten“ zu redigieren. (31)
Ruge, der seit dem Verbot der „Deutschen Jahrbücher“ auf neue Publikationsmöglichkeiten sann, griff den Vorschlag von Marx sofort auf. Am 1. Februar teilte er ihm mit, daß Herwegh und Prutz den Boten redigieren sollten, er aber mit Marx die Jahrbücher in der Schweiz fortsetzen wolle. Beide Organe könnten sehr wohl nebeneinander bestehen. (32)
Den Gedanken, daß er Herwegh bei der Redaktion unterstützen könne, hatte Ruge seinem Freunde Prutz gerade am 25.Januar 1843 unterbreitet.(33) Dieser wußte seit Sommer 1842, daß er in Jena wegen seiner Zugehörigkeit zum Kreis der Junghegelianer nicht als außerordentlicher Professor berufen werden würde. 1843 wies man ihn dann wegen eines Zensurvergehens aus dem Herzogtum aus. Am 3. Februar (fälschlich Januar datiert) entwickelte Ruge seinen neuen Plan dem Bruder: „Zunächst kam Marx' Anzeige über die Unterdrückung der ,Rheinischen Zeitung’. Dadurch sind wieder schöne Kräfte freigeworden, und es ist nun klar, daß der Bote nicht ausreicht, die ganze Last derselben zu tragen, um das Steuerruder zu führen, bedarf es außerdem der Philosophie. Nun ist Marx ein ganz ausgezeichneter Kopf [...]. (34) Marx hatte sich indessen auch an Herwegh gewandt mit der Anfrage, ob er den Boten mitredigieren könne. Der Brief ist nicht erhalten, wohl aber eine Mitteilung über dessen Inhalt von Herwegh an seine Braut vom 30. oder 31. Januar 1843. (35) Herwegh antwortete am 17. Februar Marx: „Mit Zürich ist es vor der Hand Nichts. [...] Für den Deutschen Boten nehme ich Ihre thätigste Mitwirkung in Anspruch; er erscheint unter allen Umständen, und es soll mir lieb sein, wenn Sie mir aus Ihrer Feder schon für das 1. Vierteljahr Beiträge senden; natürlich so schnell Sie können. Stellen Sie doch einige rücksichtslose, censurwidrige Betrachtungen über das Verbot der Deutschen Jahrbücher und der Rheinischen Zeitung an; es läßt sich so viel daran anknüpfen. [ ... ] Schicken Sie für den Deutschen Boten, was Ihnen nur immer auf der Seele brennt, bis ich etwas Bestimmteres für Sie ausfindig.“ Nachdem er noch die Honorarbedingungen mitgeteilt hat, bedauerte er, Marx nicht in Zürich empfangen zu können. „Auch das ist zu Wasser geworden. Von allen Seiten gehetzt - nun, das ist auch gut, man bekommt dadurch wenigstens das Gefühl, daß man existirt.“ (36)
Für Marx, der sich in einer existentiellen Notlage befand, heiraten wollte und eine berufliche Stellung suchte, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, war dieser Bescheid nicht ausreichend, weshalb er auf Ruges Projekt der neugestalteten Jahrbücher nun näher einging. Ruge bat ihn am 18. Februar: „Wenn Ihre Redaktionsqual in Köln zu Ende ist, müssen wir zusammenkommen, und da wird es wohl das Gescheiteste sein, daß Sie nach Leipzig kommen. [...] Sie sehen, lieber Freund, daß ich nicht die Absicht habe, einseitig unsern Plan auszubilden [...]. (37) Am 28. Februar erschien in der „Mannheimer Abendzeitung“ in einem Artikel über die „Rheinische Zeitung“ der Hinweis, daß Marx mit Ruge die „Deutschen Jahrbücher“ unter fremdem Titel fortführen werde. (38)
 Als retardierendes Moment in der Entstehungsgeschichte der neuen Jahrbücher kamen die Möglichkeiten ins Spiel, daß 1. das Verbot der „Deutschen Jahrbücber“ in Sachsen aufgehoben werden kann und daß 2. sie zensurfrei als Vierteljahrsschrift über 20 Bogen dort weitergeführt werden.(39) Deshalb schrieb Ruge am 8. März noch einmal an Herwegh, daß es möglich wäre, Marx nach Freiwerden von der „Rheinischen Zeitung“ bei der Redaktion des Boten doch zu beteiligen; er selbst die Fortsetzung der Jahrbücher mit Marx aber noch nicht aufgegeben habe.“ (40) Vom 13. März ist der Brief von Marx an Ruge datiert, der ihm die Reise nach Leipzig ankündigt und zum erstenmal den Vorschlag formuliert: „Dagegen ,Deutsch-französische Jahrbücher’ das wäre ein Prinzip, ein Ereignis von Konsequenzen, ein Unternehmen, für das man sich enthusiasmieren kann..“ (41) Mit der Gewinnung Fröbels als Verleger der neuen Zeitschrift und der weiteren Konkretisierung des Plans durch Marx und Ruge, die man in der von Ruge zusammengestellten und redigierten Brieffolge auf den ersten Seiten der „Deutsch-franzäsischen Jabrbücher“ nachvollziehen kann, war es wohl klar, daß der „Deutsche Bote“ als Vierteljahrsschrift kaum eine Fortsetzung finden werde und die für ihn gewonnenen Autoren sich den Jahrbüchern zur Verfügung stellen. Zwar sind die dann gesammelt herausgegebenen Artikel und Gedichte noch als Erster Teil der „Einundzwanzig Bogen“ deklariert, aber an eine Weiterführung war, nachdem dieser Band sofort beschlagnahmt wurde, nicht mehr zu denken. 1844 ist der großen Nachfrage wegen eine zweite Auflage in Glarus in der Schmidt'schen Buchhandlung und Buchdruckerei herausgekommen .(42)
Obwohl diese Entwicklung den Umständen geschuldet war, machten nicht wenige Herwegh für die Verzögerung verantwortlich. Karl Gutzkows „Telegraph für Deutschland“ forderte im Mai 1843 jedenfalls die Herausgabe dieses so nachdrücklich verheißenen Organs und rügte Herwegh dafür, daß er „uneingedenk des versprochenen Asyls der unterdrückten deutschen Journalistik, in Lust und 'Freude Hochzeit macht und nach Italien reist!“ (43)
Nun hatte Herwegh im April 1843 wirklich diese Reise angetreten, so daß Julius Fröbel die Endredaktion zu leisten hatte, sich aber bis zur Abfahrt mit dem Zustandekommen des Boten beschäftigt. Das belegt u. a. ein noch am 29. März 1843 aus Baden im Kanton Aargau an Julius Fröbel gerichtetes Schreiben mit Anweisungen für die Drucklegung. Ein am selben Tag von Fröbel an Herwegh gerichteter Brief meldet, daß die ersten 10 Bogen gedruckt sind. (44)
Wann genau die seit Herbst 1842 eingegangenen Gedichte und Artikel mit dem veränderten Titel „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz“ erschienen sind, ist nicht ganz sicher auszumachen: Ende Juni, Anfang Juli. Ab 7.Juli werden sie von deutschen Polizeiorganen verfolgt, die sich durch die, die Zensur ausschließende, Titelanspielung nicht irritieren ließen. Denn Bücher über 20 Bogen waren nach den Pressegesetzen des Deutschen Bundes zensurfrei, wenn die Landesregierungen nichts anderes verfügten. Der preußische König hatte erst am 4. Oktober 1842 in einer Kabinettsorder bestimmt, daß die in seinen Staaten erscheinenden Bücher, „deren Text mit Ausschluß der Beilagen 20 Druckbogen übersteigt, wenn sowohl der Verfasser als der Verleger auf dem Titel genannt sind, der Censur ferner nicht mehr unterworfen sein sollen.“ (45) Eine ähnliche Verfügung wurde im April 1843 von der sächsischen Regierung erlassen, die der Verleger der „Deutschen Jahrbücher“, Otto Wigand, nutzte, um mit den in Deutschland verbliebenen Autoren der verbotenen Zeitschriften die „Wigandsche Vierteljahrsschrift“ und nach deren Verbot die „Epigonen“ herauszugeben.
Bücher über 20 Bogen waren, wie Marx Ruge im Brief vom 3. März 1843 zu bedenken gab, keine Schriften fürs Volk, trotzdem galt die Befreiung von der Vorzensur nicht für im Ausland verlegte Schriften, die in jedem Falle eine Debitserlaubnis zur Verbreitung haben mußten.


II- Autoren, Inhalt und Thematik

Das verzögerte Erscheinen und die Tatsache, daß sie ein Torso blieben, nahm den „Einundzwanzig Bogen“ nichts von ihrer Bedeutung. So fehlte zwar Herweghs programmatische Vorrede, von der noch im Brief an die Braut vom 9. Januar 1843 die Rede ist. (46) Nicht enthalten sind auch die politischen Revuen, die die Tagesereignisse und Provinziallandtage kommentieren sollten.
Trotz Ludwig Feuerbachs allgemein gehaltener Zusage mit dem Anerbieten, seine theologisch-satirischen Xenien „gereinigt von den jugendlichen Auswüchsen und Fehler“ zur Verfügung zu stellen, ist es Herwegh nicht gelungen, ihn zu einem Artikel zu bewegen, der das Verhältnis des süddeutschen Liberalismus zur Religion kritisch beleuchten sollte. (47) Auch die angekündigte Arbeit Bakunins, „ein bedeutender Aufsatz von der tiefsten Einsicht in unsere Zustände wie sie kein Deutscher besitzt, von einem Russen“, ist in den „Einundzwanzig Bogen“ nicht enthalten. Bakunin arbeitete bis zum Februar 1843 an diesem Aufsatz, den er schon in Dresden begonnen hatte und der „besser und praktischer werden sollte“ als der unter dem Pseudonym Jules Elysard in den „Deutschen.Jahrbüchern“ veröffentlichte. (48) Die dennoch erschienenen gesammelten Gedichte und Aufsätze machen im nachhinein verständlich, weshalb die deutschen Regierungen das Zustandekommen des „Deutschen Boten“ mit solcher Vehemenz zu verhindern suchten.
Die „Einundzwanzig Bogen“ haben nach der von Herwegh im Prospekt und in den Briefen vom September 1842 entwickelten Konzeption für den Boten eine den „Anekdota“ (49) von Arnold Ruge vergleichbare Schwerpunktsetzung in Politik, Poesie, Philosophie und Theologie. Die Losung von der Einheit alles Wissens, der Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Leben, Theorie und Praxis, die die Junghegelianer auf der Grundlage des Hegelschen Totalitätsdenkens propagierten, waren indessen von einer breiten Schicht bürgerlicher Intellektueller akzeptiert. Das findet seinen Ausdruck in der Dominanz des alles durchdringenden politischen Interesses, durch das sich auch die Hereinnahme der politischen Dichtung in die „Einundzwanzig Bogen“ als Neuerung gegenüber den „Deutschen Jahrbüchern“ und den „Anekdota“ rechtfertigt. Diese Neuerung ist auch in den „Deutsch-französischen Jahrbüchern“ beibehalten worden. Dazu kommt, daß mehr noch als in den „Anekdota“ in den „Einundzwanzig Bogen“ die direkt in die politische Auseinandersetzung eingreifenden Artikel im Vordergrund stehen. Hier wird eine politische Publizistik vorgestellt, deren Analysen tatsächlicher Vorgänge und Ereignisse immer konkreter werden. In den „Einundzwanzig Bogen“ ist von demokratischen Positionen aus die politische Situation in den Ländern des Deutschen Bundes im Jahre 1842 durchleuchtet worden mit Konzentration auf Baden und Preußen, wie das Herwegh angekündigt hatte.
Während der Kritik der preußischen Zustände eine eigene Rubrik eingeräumt wurde, gibt es zu Baden nur einen anonymen Artikel. Auf Grund des im Anhang mitgeteilten Schreibens von Herwegh an Julius Fröbel vom November1842 kann Friedrich Hecker als Verfasser identifiziert werden. (50)Hecker war damals als junger Advokat am Oberhofgericht in Mannheim tätig und zum erstenmal als Abgeordneter 1842 in das badische Parlament gewählt worden. Er gehörte bald zu den Führern der Opposition und erlangte mit seinen radikal-demokratischen Reden große Popularität unter breiten Kreisen des politisch interessierten Bürgertums. Baden gehörte seit 1819 zu den konstitutionellen deutschen Kleinstaaten, in deren Parlamenten ein zähes Ringen der Repräsentanten des Bürgertums um mehr Beteiligung an politischer Macht stattfand. So war 1841 die badische zweite Kammer nach dem Urlaubsstreit aufgelöst worden. Dieser Streit ging darum, ob Abgeordnete ihr politisches Mandat wahrnehmen können, wenn ihnen als Beamten die für die Sitzungsdauer nötige Arbeitsbefreiung vom Staat verweigert wird. Trotz massiver offener Wahlbeeinflussung seitens der Regierung wurde 1842 erneut ein Parlament gewählt, in dem die liberale Opposition in der Mehrheit war. Hecker dokumentierte in seinem Beitrag diese Vorgänge und setzte sich mit Anschuldigungen der regierungstreuen Presse gegen die badische Zweite. Kammer auseinander. In einer von ihm angekündigten Fortsetzung wollte er diejenigen Beamten, die bei der Einschüchterungskampagne der Wähler am tätigsten waren, „samt der Art und Weise ihrer Umtriebe der Öffentlichkeit übergeben“. (51)
Herwegh erwartete von Hecker noch einen Artikel über „Deutschlands Landstände in der älteren und neueren Zeit“, der jedoch in den „Einundzwanzig Bogen“ nicht enthalten ist.
Herwegh hat auch versucht, einen Aufsatz über die politischen Verhältnisse im Bundesstaat Hannover zu bekommen, die seit dem Verfassungsbruch des Königs und der Vertreibung der Göttinger Sieben immer ein besonderer Gegenstand der bürgerlichen Kritik waren. Da ihm dies nicht gelang, richtete sich der Hauptstoß in den „Einundzwanzig Bogen“ fast ausschließlich gegen Preußen; so sehr, daß in Spitzelberichten der „Deutsche Bote“ schlechthin als Herweghs Schrift gegen Preußen angesprochen wurde.(52)
Gleich der erste Aufsatz gibt einen Abriß jüngstvergangener preußischer Politik. In Herweghs im Anhang mitgeteilten Brief an Fröbel wird Karl Reinhold Jachmann als Autor genannt.
Jachmann war Privatdozent der Theologie an der Universität Königsberg und gehörte zum Kreis der ostpreußischen Liberalen und Demokraten um Johann Jacoby, die auf der theoretischen Grundlage der Kantschen Philosophie den politischen Forderungen des Bürgertums Ausdruck verliehen. Ihr Organ war die Königsberger Zeitung (eigentlich Königlich-preuflische Staats-Kriegs- und Friedenszeitung), die in den Jahren 1841/42 eine radikale Richtung einschlug und mit ihrer Tendenz den Schriften Jacobys an die Seite zu stellen ist. Ihre Redakteure waren in diesen Jahren u. a. Friedrich August Witt und Karl Reinhold Jachmann, die es verstanden, die mit dem Zensuredikt vom Dezember 1841 erlassenen neuen Bestimmungen geschickt für die bürgerlich-demokratischen Forderungen nach Verfassung, öffentlicher Gerichtsbarkeit, Presse- und Versammlungsfreiheit auszunutzen.` Besonders in der Rubrik "lnländische Zustände" wurde den Verhältnissen in Preußen der Kampf angesagt, und zwar in einer Weise, die Friedrich Wilhelm IV. veranlaßten, die Königsberger Zeitung als „Hurenschwester“ der „Rheinischen Zeitung“ zu bezeichnen` und damit Maßnahmen gegen die Zeitung zu fordern.
Eichhorn veranlaßte im Oktober 1842 die Entfernung des Oberlehrers Wirt vom Königsberger Gymnasium. Die preußische Regierung wechselte im Januar 1843 den Zensor aus. und enthob Polizeidirektor Abegg von dieser Funktion. Am 15. Februar 1843 wurde schließlich die Rubrik „Inländische Zustände“ ganz verboten. (55)
Jachmanns hier vorliegende Chronik der politischen Ereignisse seit dem Regierungsantritt des neuen Königs ist, wie aus der redaktionellen Anmerkung hervorgeht, im September 1842 geschrieben. Sie resümiert die Wertungen des Zeitgeschehens, wie sie von der „Königsberger Zeitung“ vorgetragen wurden. Besondere Hervorhebung verdienen Jachmanns Argumentation zu den retardierenden Bestrebungen der preußischen Regierung in bezug auf die Emanzipation der Juden, seine Ansichten über das Unzeitgemäße an den Lehren Arndts sowie seine Position in der Parteienfrage. So heißt es hier sehr markant: „Nur der Kampf führt zum Siege, zur Wahrheit; nur wo Parteien sind, ist geistiges Leben, die notwendige Bedingung des Kampfes. Bei einem Volke, das den Gegensatz der Partei nicht kennt und eine uniforme Färbung in Ansichten und Wünschen trägt, kann man sicher sein, Indifferentismus als Grundzug des Charakters zu finden.“ (56) Passagen des Artikels gerade in dieser Hinsicht sind mit der anonym veröffentlichten Broschüre „Über Partei und das Parteinehmen der Köngsberger Zeitung“ (Königsberg 1842) identisch, die deshalb ebenfalls von Jachmann und nicht, wie Gustav Mayer noch angenommen, von Carl Witt, dem Bruder Friedrich August Witts, herrührt.(57)
Schon die Zeitgenossen wußten, daß Johann Jacoby maßgeblich auf die Gestaltung der „Königsberger Zeitung“ Einfluß nahm, in ihr anonyme Leitartikel schrieb. Herwegh, der sich auf seiner Reise durch Deutschland mit den Berliner Junghegelianern, den „Freien“, nicht befreunden konnte, ihren Radikalismus politisch wirkungslos fand und mit seiner von Marx am 29. November 1842 in der „Rheinischen Zeitung“ veröffentlichten Einschätzung zum Bruch zwischen Marx und den Berliner Junghegelianern um Bruno Bauer beitrug; Herwegh lernte die praktisch-politische Richtung der ostpreußischen Oppositionellen am meisten schätzen. Deshalb legte er auf ihre Mitarbeit besonderen Wert. Schon im November 1842 hatte er Jacobys Zusage, und am 14. Januar 1843 bat er ihn noch einmal: „Kannst Du es irgend möglich machen, mir das bewußte schandbare Dokument, welches mit einem Schlage unsere brutale, ideenlose Haus- und Familienpolitik enthüllt, mitzuteilen, so sorge, daß ich dasselbe [ ... 1 unmittelbar nach Empfang dieses Briefes, Deinerseits erhalte. Auf meine Verschwiegenheit magst Du bauen.“ (58) Offensichtlich ist es Jacoby nicht gelungen, das Dokument zu besorgen, zumindest ist es nicht in den „Einundzwanzig Bogen“ enthalten. Heute ist nicht mehr festzustellen, ob es sich um Materialien zu Jacobys Hochverratsprozeß oder um den Wortlaut des Schlußprotokolls der Wiener Ministerialkonferenzen von 1834 handeln sollte. Jedenfalls enthalten die „Einundzwanzig Bogen“ nur einen anonymen Artikel über den Minister Eichhorn, der durch Herweghs Brief an Fröbel vom November 1842 als eine Arbeit Jacobys ausgewiesen wird. Die redaktionelle Anmerkung unterbreitet dabei den Plan einer „Gallerie deutscher Minister, die ohne viel Räsonnement nur bewährte Fakten aufnehmen soll“. Ihr wollte man eine Zusammenstellung berüchtigter deutscher Zensoren, objektiv und historisch angelegt, zur Seite geben, in der Absicht, Material für künftige Geschichtsschreiber der „literarischen Eunuchenwirtschaft“ bereitzuhalten. (59)
Jacobys Charakteristik des preußischen Ministers des Kultus und der Schulangelegenheiten macht den Anfang. Sein Beitrag liefert eine übersichtliche, geradezu lückenlose Darstellung der mit dem Namen Eichhorn verbundenen reaktionären Kulturpolitik. Nüchtern wird in vierzehn Punkten zusammengetragen, was sich seit der Ernennung dieses Ministers im Bereich der „geistigen Angelegenheiten“ zugetragen hat. Von der Relegierung von Studenten, der Verfolgung Bruno Bauers, Vorgängen in der Akademie, über die Förderung von Pietisten und frommen Fanatikern bis hin zur Suspendierung von Hoffmann von Fallersleben ist alles Wesentliche aufgelistet. Jacobys Devise „Jacta loquuntur“ geht dabei voll auf. Ebenso wird deutlich, wen Jacoby eigentlich treffen wollte: die Monarchen können aus ihren Beamten erkannt werden, heißt es am Schluß des Beitrages.
An die so gegebene Charakteristik Eichhorns schließt sich auch inhaltlich die Einschätzung Friedrich Wilhelms IV. an, mit der Friedrich Engels die Rubrik“"Kritik der preußischen Zustände“ eröffnet. Engels hat diesen Aufsatz zwischen Mitte Oktober und dem 15. November 1842, bevor er nach England ging, geschrieben. Es ist die letzte Arbeit, die mit
den Initialen des Pseudonyms Friedrich Oswald gezeichnet ist (60).
Wie Jachmann und Jacoby gibt auch Engels eine resümierende Einschätzung der preußischen Politik seit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. Die von ihnen im Detail erörterten und bewerteten Vorfälle, Edikte und Verfügungen kann Engels als „weltkundige“ Tatsachen, die den reaktionären Charakter des neuen Regimes hinlänglich dokumentieren, voraussetzen. Ihm geht es um Analysen und Bewertung der Strategie und Taktik, mit der Friedrich Wilhelm IV. sein an Haller und der historischen Rechtsschule orientiertes Konzept des Patrimonialstaates durchzusetzen gedenkt. Dieses Vorhaben, den christlichen Staat zu restaurieren, kennzeichnet Engels als ein in sich äußerst widersprüchliches System der Vermittlung und Vertuschung absoluter Gegensätze. Folgerichtig schätzt er auch die Maßnahmen zur Durchsetzung eines am mittelalterlichen Korporationswesen orientierten Ständestaats als halbe Maßnahme ein, da sie sich mit den Gegebenheiten arrangieren müsse. Wichtig ist in der Argumentation von Engels die Feststellung, daß der von Friedrich Wilhelm III. übernommene Beamtenstaat bei aller Zurückdrängung der Stein-Hardenbergischen Reformen weder ein feudalständiges Staatsgebilde ist noch sich in solches zurückverwandeln lassen wird. Engels kommt zu dem Schluß, daß angesichts der von der preußischen Bevölkerung immer massiver erhobenen Forderung nach Repräsentativverfassung und Pressefreiheit Friedrich Wilhelms IV. Konzept keine Chance hat, sich durchzusetzen. Auf Grund des Widerspruchs zwischen den Absichten des Monarchen und den Forderungen der Öffentlichkeit vergleicht er die Situation in Preußen mit der des vorrevolutionären Frankreichs.
Der Beitrag von Engels ist mit seinen bündigen Schlußfolgerungen zweifellos einer der gewichtigsten zur Kritik Preußens in den „Einundzwanzig Bogen“. Die Aufsätze von Karl Nauwerck über den preußischen Landadel, von Ludwig Seeger über die Anglikanisierungsbestrebungen in der evangelischen Kirche Preußens, die anonymen Ausführungen über das Verhältnis von preußischen Beamten und Volk, über die Briefschnüffelei des Schwarzen Postkabinetts in Berlin geben Beispiele, weitere Tatsachen, die das einhellige Urteil der Autoren über den reaktionären Charakter preußischer Politik erhärten.
 Wenn im Vorangegangenen betont wurde, die politische Kritik richte sich in den „Einunazwanzig Bogen“ gegen Baden und vor allem gegen Preußen, so heißt das nicht, daß die Analyse der politischen Situation auf den Deutschen Bund beschränkt bleibt.
Karl Nauwerck bringt in einer Rezension den Standpunkt deutscher Demokraten zur polnischen Teilung ein, und ein anonymer Beitrag behandelt die Jesuitenfrage in der Schweiz.
Karl Nauwerck, der dem Kreis der Berliner Junghegelianer angehörte, war Privatdozent für Arabisch und Geschichte der Philosophie an der Berliner Universität. Er hatte noch vor Veröffentlichung des neuen Prospekts bei Ruge angefragt, ob dieser mit dem „Deutschen Boten“ in Verbindung stehe.(61) Anlaß war ein Artikel, den die „Rheinische Zeitung“ nicht bringen konnte. Nauwerck schlug vor, falls der Aufsatz nicht in die „Deutschen Jahrbücher“ aufgenommen werden könnte, ihn an den „Deutschen Boten aus der Schweiz“ zu schicken. Nauwercks politische Publizistik war direkt und konkret auf die politischen Ziele des demokratischen Bürgertums ausgerichtet. Er hatte in den „Hallischen Jahrbüchern“, der „Rheinischen Zeitung“, den „Anekaota“ geschrieben, Pamphlete zur Verfassungsfrage und Pressefreiheit verfaßt, war am „Athenäum“ beteiligt und versuchte 1844, eine eigene Zeitschrift „Berliner Blätter“ herauszugeben. In den „Einunazwanzig Bogen“ rezensierte Nauwerck die deutsche Übersetzung von Adam Gurowskis „Pensées sur l'avenir des Polonais“, Berlin 1841, die 1842 in Leipzig u. d. T. „Der Polen Zukunft“ herausgekommen war. Adam Gurowski, einer der Führer der polnischen Revolution 1830/31, bezweifelte in den Jahren danach, ob Polen ohne das zaristische Rußland als selbständige Nation lebensfähig sein könne. Er wurde zum Verräter an polnischen Patrioten, die er der zaristischen Geheimpolizei auslieferte, trat in den Dienst des russischen Zaren, den er erst 1844 wieder quittierte.`
Nauwerck setzt sich mit Gurowskis Argumenten gegen den Konstitutionalismus, gegen Demokratie und Republik auseinander und tritt für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein, für das Recht der Polen, Ungarn, Italiener und Deutschen auf einen unabhängigen, einheitlichen Nationalstaat. Insgesamt ist der Beitrag ein charakteristisches Dokument hinsichtlich der Stellungnahme der deutschen Vormärzdemokraten zur Polenfrage, der kenntnisreich geschrieben ist, überzeugend argumentiert und vor allem den typischen Standpunkt einer agierenden Bewegung zum Ausdruck bringt: Über das Schicksal der Völker entscheiden nicht irgendwelche „Zwänge“ oder „Unvermeidlichkeiten“, sondern allein der Kampf der Menschen und Völker selbst.
Der anonyme Beitrag über die Jesuitenfrage muß aus dem Kreis der Demokraten in Zürich herrühren. Nach der 1814 erfolgten Wiederherstellung des Ordens hatte er sich am raschesten in der Schweiz restauriert, weshalb hier die Auseinandersetzung auch am heftigsten geführt wurde. Im Sonderbundskrieg von 1847 war einer der Streitpunkte die Ausweisung der Jesuiten aus der Schweiz. In vorliegendem Beitrag wird anhand neuerer Veröffentlichungen vor allem das jesuitische Erziehungssystem angeprangert.
Zu den bisher genannten Artikeln, die sich mit zeitgenössischen politischen Vorgängen direkt auseinandersetzen, kommen diejenigen Beiträge, die die politischen Ziele des demokratischen Bürgertums mit theoretischen Argumentationen zu unterstützen suchen. Hierher gehören zwei Aufsätze zur Rechts- und Staatstheorie und die Abhandlung von Bruno Bauer zur Emanzipation der Juden. Adolf Seeger beurteilte die deutsche Rechtswissenschaft in ihrem Verhältnis zu seiner Zeit. Eine nur mit den Initialen F. v. L. S. gezeichnete Betrachtung über ,,Fragen der Gegenwart“ knüpft an Paul Achatius Pfizers 1842 in Stuttgart erschienene „Gedanken über Recht, Staat und Kirche“ an. Beide Autoren standen dem süddeutschen Liberalismus nahe. Adolf Seeger war Richter und Rat bei der württembergischen Regierung. Als Student hatte er trotz polizeilichen Verbots die Burschenschaft in Tübingen wiedererweckt. In der Revolutionszeit von 1848 ist er Stadtdirektor in Stuttgart, später einflußreicher liberaler Abgeordneter im württembergischen Landtag. Sein Aufsatz verdeutlicht, wie allgemein indessen Ruges Forderung geworden war, „die freie Staatsform im Sinne der neuesten Form der philosophischen Wissenschaft zu erörtern - und das schon eingetretene Bewußtsein prinzipiell zu begründen“ (63). Adolf Seeger wägt zwischen unterschiedlichen deutschen Rechtsschulen ab und bescheinigt ihnen allen, daß sie zuwenig philosophisch und zuwenig praktisch sind. Zuwenig philosophisch in dem Sinne, daß sie zu den Konflikten zwischen Staat und Kirche, zur Repräsentativverfassung, zur Forderung nach Öffentlichkeit der Gerichte, der Presse, zur Meinungsfreiheit kaum theoretische Erörterungen liefern. Zuwenig praktisch sind sie ihm deshalb, weil in historisch-antiquarischen Forschungen das Recht vergangener Stände und Zeiten zum Scheinleben erweckt werden soll, anstatt die Gegenwart mit ihren Bedürfnissen (beispielsweise nach einem bürgerlichen Gesetzbuch) zu befriedigen. Der Beitrag dürfte vor allern für den Rechtshistoriker interessant sein, insofern er das Verhältnis des römischen zum alten germanischen Recht untersucht und eine treffende Charakteristik der in Deutschland wirkenden Rechtsschulen auch im Hinblick auf die historische Entwicklung liefert; die historische Rechtsschule wird dabei differenziert beurteilt, kein Zweifel aber darüber gelassen, wo die Vormärzdemokratie ihre ,Traditionslinien sieht: Justus Möser, Grohmann, Anselm Feuerbach, Thibaut, Eduard Gans.
Auch die Betrachtungen des unbekannten Autors (64) über den württembergischen Liberalen Paul Achatius Pfitzer gehen mit den reaktionären Rechts- und Staatstheorien eines Jarcke, Haller, Phillips, Stahl, Savigny ins Gericht, aber auch mit beschränkten liberalen Auffassungen. Die Kritik am Liberalismus der dreißiger Jahre wird dahingehend formuliert, daß die große Bedeutung der Hegelschen Philosophie für den Kampf um bürgerlich-demokratische Rechte nicht erkannt worden war. Diese bestehe besonders darin, daß die religiöse und wissenschaftliche Befreiung in die politische miteinbezogen wird. Interessant ist weiterhin an diesem Aufsatz - der auch eine ausgeprägte Kritik an der kantianisch orientierten Gesellschaftsauffassung von Pfizer enthält -, daß Erbschaftsfragen, wie die ungleiche Verteilung der Güter, zur Erörterung der sozialen Frage veranlassen. Dem Autor sind die Vorschläge Saint-Simons, Fouriers, Owens zur Erlangung sozialer Gerechtigkeit geläufig. Mit großem Nachdruck wird am Schluß betont: Sollte das von diesen Autoren aufgeworfene Problem nicht gelöst werden, sollten sich „Selbstsucht und Eigennutz“ der „besitzenden Klasse“ der Entwicklung des Menschheitsgesetzes feindselig entgegenstellen, „dann wird allerdings ein Konflikt entstehen, welcher mehr als jeder vorangegangene die innersten Fugen der Gesellschaft aufzulösen und die festesten Stützen zu erschüttern geeignet ist“. (65)
Bruno Bauers Aufsatz gehört zu den ersten, die Herwegh für den „Deutschen Boten“ erhalten hatte. Er nennt ihn im Brief an Fröbel vom November 1842.(66) Bruno Bauer hatte vorher schon für die „Rheinische Zeitung“ über die Judenfrage geschrieben und an die in diesem Blatt geführte Diskussion der Judenemanzipation angeknüpft. Weil die Veröffentlichung in der „Rheinischen Zeitung“ von der Zensur verboten wurde, erschien diese Artikelfolge im November in den „Deutschen Jahrbüchern“. (67) Die Abhandlung kam danach, um einen Abschnitt vermehrt, als selbständige Broschüre im März 1843 in Braunschweig heraus.Seit im Zusammenhang mit den Stein-Hardenbergschen Reformen 1812 das „Edikt über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden“ zumindest den preußischen Schutzjuden wirtschaftliche und juristische Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern gewährt hatte, war die Forderung nach vollständiger - auch der politischen - Emanzipation aller Juden nicht wieder verstummt. Der preußische König gedachte jedoch, im Zuge der Durchsetzung seiner mittelalterlichen Staatsidee die Juden durch gesonderte Korporationen wieder von den christlichen Bürgern zu isolieren. Darauf liefen die im Mai 1842 vom Innenminister veröffentlichten „Prinzipien eines neuen Gesetzes über die Juden“ hinaus, die ein heftiges Für und Wider in der Presse hervorriefen. (68)
Bruno Bauer beantwortet die Frage nach der politischen Gleichberechtigung der Juden im Rahmen seiner emanzipatorischen Philosophie und Gesellschaftstheorie, die er in vorliegendem Aufsatz, wenn auch nicht im Hinblick auf die konstitutiven Elemente der Philosophie des Selbstbewußtseins, so doch in bezug auf deren Konsequenzen für die Geschichtsauffassung in außerordentlich klarer und nachvollziehbarer Weise darlegt. Danach ist der Mensch, dessen innerstes Wesen Tätigkeit bedeutet, Schöpfer seiner selbst und seiner Geschichte; in dem Sinne, daß alle ihm in der Geschichte objektiv gegenüberstehenden und ihn beherrschenden Mächte Produkte seiner eigenen Tätigkeit sind. Diese Einsicht in den Produktcharakter von Staat, Verfassung, Recht, Moral, Religion löst die Menschen aus ihrer Abhängigkeit und befähigt sie, sich von allen überlebten Beschränkungen und Bindungen zu befreien. Bruno Bauer hat in seiner Religionskritik analysiert, wie im geschichtlichen Vergegenständlichungsprozeß die Menschen immer mehr ihre Wesenskräfte aus sich herausarbeiten, objektivieren, mit dem Ergebnis, in immer größere Abhängigkeit von ihren eigenen Schöpfungen zu gelangen. Den christlichen Staat charakterisiert er als diejenige Institution, die am perfektesten die Knechtung der Individuen beherrscht, weil hier die Vergegenständlichung als Entäußerung, Entleerung des Menschen am weitesten vorangetrieben ist. Auf Grund dieser totalen Verkehrung von Subjekt und Objekt ist die Gegenwart für Bruno Bauer derjenige welthistorische Moment, in dem die Erkenntnis dieser Verkehrung erst möglich ist und die Entfremdung aufgehoben werden kann. Voraussetzung dafür ist, daß die Menschen die „Illusion“, den „Urirrtum“, die fundamentale „Selbsttäuschung“ der religiösen Entfremdung als Grundlage und Ursache aller anderen Entfremdung durchschauen. Ist die Voraussetzung erfüllt, kann die freie Gesellschaft sich selbst bestimmender tätiger Menschen entstehen, deren Wesen die Beherrschung gesellschaftlicher Prozesse und eine bewußte Gestaltung der Geschichte ist.
Die befreiende Wirkung dieser Erkenntnis will Bauer auch in vorliegendem Artikel vermitteln. Die Judenfrage ist für ihn deshalb „nicht von der allgemeinen Frage der Zeit“ [d. i. die Freiheit - 1. P.1 zu trennen (69). Juden wie Christen müssen sich emanzipieren. Erst wenn der Protestantismus und mit ihm das Christentum - als Vollendung der Religion - aufgelöst sind, „steht der volle, freie Mensch, die schöpferische und für ihre höchsten Schöpfungen nicht mehr gehinderte Menschheit auf dem Platze“.(70) Erst ein Kampf, „der gegen die Unfreiheit überhaupt und gegen den Urirrthum durchgesetzt ist, gibt der Menschheit alle ihre Kräfte und zwar mit einer Elasticität zurück, die unwiderstehlich ist und alle Schranken, die sie bisher einengten, über den Haufen wirft“. (71) Bauers Resümee in diesem Aufsatz lautet also: Wollen die Juden sich befreien, mögen sie zuerst nicht nur ihre Religion, sondern jede Religion aufgeben und sich auf den Stand des modernen Bewußtseins begeben: „Wenn sie frei werden wollen, so dürfen sich die Juden nicht zum Christentum bekennen, sondern zum aufgelösten Christentum, zur aufgelösten Religion überhaupt, d. h. zur Aufklärung, Kritik und ihrem Resultate, der freien Menschlichkeit“. (72)
Dem Beitrag Bauers kommt schon allein auf Grund der Wirkung, d. h. auf Grund der Kritik, die Marx daran in den „Deutsch-französischen Jahrbüchern“ entwickelt und in deren Zusammenhang er erste Grundlagen der materialistischen Geschichtsauffassung darlegt, eine besondere Bedeutung zu. Ein noch größeres Gewicht haben demgegenüber nur die Aufsätze von Moses Heß, weil darin der bürgerliche Horizont überhaupt überschritten wird: „Sozialismus und Kommunismus“, „Die Eine und ganze Freiheit“, „Die Philosophie der Tat“.
Die Autorschaft ist durch den Hinweis „vom Verfasser der europäischen Triarchie“ bzw. im Hinblick auf „Die Eine und ganze Freiheit“ durch Korrespondenzzeichen und Inhalt (73) eindeutig geklärt. „Sozialismus und Kommunismus“ und „Die Eine und ganze Freiheit“ hatte Herwegh schon im November 1842 in den Händen. Die „Philosophie der Tat“ ist erst zu Beginn des Jahres 1843 vollendet worden .(74)
Um den Platz dieser Aufsätze zu bestimmen, muß man sich noch einmal die Grundlinien in der Entwicklung der von Hegel herkommenden intellektuellen Oppositionsbewegung vergegenwärtigen .(75) Die Entwicklung der Theorie war in dieser Bewegung bis in das Jahr 1842 getragen von dem Bestreben, die bürgerlich-demokratischen Forderungen zu rechtfertigen. Im Laufe dieses Jahres tritt jedoch eine Änderung ein, insofern die Junghegelianer die „soziale Frage“, d. h. den Gegensatz von Besitzenden und Besitzlosen, Bourgeoisie und Proletariat, zu beschäftigen beginnt und damit wesentliche Fragestellungen sich verändern.
Dieser Sachverhalt bedeutet nicht, daß den Hegelschen Linken das Problem etwa vorher unbekannt gewesen wäre. Selbstverständlich waren ihnen die wichtigen Äußerungen Hegels geläufig. Sie sind auf dieses Problem auch gestoßen worden durch ihre Lektüre des „Berliner Politischen Wochenblattes“, das in einem streitbaren romantischen Antikapitalismus von einem urkonservativen Standpunkt aus die sozialen Folgen der Kapitalisierung in England in bunten Farben ausmalte. Auch auf Grund der Schriften von Gans und Heine, der Presse allgemein, die natürlich über Arbeitererhebungen u. a. in anderen Ländern berichtete, wurden sie mit dieser Frage konfrontiert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie jedoch der Überzeugung, daß die Erkämpfung der politischen Demokratie auch dieses Problem lösen werde. Im Laufe der zweiten Hälfte des Jahres 1842 beginnt sich in dieser Hinsicht eine Änderung abzuzeichnen.
Die Ursachen dafür waren vielfältig: rapide Ausweitung der kapitalistischen Produktionsweise mit all ihren Begleiterscheinungen, Konsequenzen der eigenen Theorieentwicklung, Einflußnahme vielfältiger utopisch-soz'ialistischer Literatur, über die die Presse berichtete, darunter besonders die Schriften Proudhons und Weitlings, eigene und unmittelbare praktische Erfahrungen, z. B. Marx' Tätigkeit an der „Rheinischen Zeitung“, Engels' erste direkte Berührung mit den sozialen Verhältnissen in England und nicht zuletzt die Wirkung des von Lorenz von Stein im September 1842 bei Wigand in Leipzig erschienenen Buches „Sozialismus und Kommunismus des heutigen Frankreichs“, das sofort die Gemüter bewegte.

Die Dokumentation für dieses Umdenken ist recht lückenlos gegeben. Linke Hegelianer versuchen, kommunistische Ideen in der Form von „Theaterkritiken“, wie Marx in seinem Briefwechsel schrieb, in die „Rheinische Zeitung“ einzuschmuggeln. Die „Rheinische Zeitung“ druckt die Wiedergabe eines Artikels von Weitling über die kommunistische Regierungsform aus dem „Telegraph für Deutschland“ ab. Im Juli erscheint in dieser Zeitung der „juste-Milieu“-Artikel von Edgar Bauer, der in äußerster Radikalität den Übergang zu neuen Positionen ankündigt. Derselbe Autor veröffentlicht im Dezember 1842 in den „Deutschen Jahrbüchern“ seinen „Alison“-Artikel über die Französische Revolution mit der prinzipiellen Aussage, daß diese Revolution die Freiheit nicht brachte, weil sie das Eigentum unter die Menschenrechte aufnahm. Im gleichen Monat wurden in der „Rheinischen Zeitung“ die ersten Beiträge von Engels aus England abgedruckt, ebenfalls mit der neuen Einsicht: Er prophezeite England eine „unausbleibliche Revolution“, fügte aber hinzu, diese Revolution werde „keine politische, sondern eine soziale Revolution“ sein .(76) Im Oktober war schließlich in der „Rheinischen Zeitung“ Marxens Beitrag über das Holzdiebstahlgesetz erschienen, in dem grundsätzlich das Problem materieller Interessen im Leben der Gesellschaft angesprochen und die Zusammenhänge zu den „Rechtsprinzipien“ hergestellt wurden.
Die wichtigsten Äußerungen in dieser Hinsicht stammen jedoch von Moses Heß, der darum von Engels zu Recht als der „erste Kommunist“ in der Bewegung bezeichnet wird. Heß, der nicht zur Hegelschen Linken gehörte und eine eigene Entwicklung genommen hatte, war in der „Rheinischen Zeitung“ schon im Juni mit einigen Beiträgen (vor allem: „Über eine in England bevorstehende Katastrophe“, „Die politischen Parteien in Deutschland“) hervorgetreten, in denen er unumwunden davon sprach, daß das Problem der Zeit ein soziales sei, nämlich der „Gegensatz von Pauperismus und Geldaristokratie“, den keine politische Reform, auch die radikalste nicht, zu lösen im Stande sei. In einer seiner markantesten Äußerungen heißt es hier: „Wie es im Altertume dem gebildetsten Griechen nicht einfiel, daß die vielgepriesene Freiheit seiner sozialen Zustände durch die mit denselben eng verbundene S k 1 a v e r e i eine höchst einseitige und illusorische war, so dachte bis vor Kurzem noch Niemand daran, daß in den republikanischen Institutionen unserer Zeit die Freiheit an dem Elend scheitert, welches noch einem großen Teile unserer Gesellschaft, jede Möglichkeit einer freien Entwicklung der Kräfte abschneidet. Der P a u p e r i s m u s, die Verarmung des Volkes, hat erst in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen gewußt, und er hat den Bestrebungen der Zeit eine ganz neue und eigentümliche Richtung gegeben. Man fühlt, daß die freisinnigsten Bestrebungen bis jetzt unzureichend waren, die Mehrzahl der Menschen aus einem Zustande zu ziehen, der der Sklaverei faktisch gleichkommt; man macht plötzlich die Entdeckung, daß es noch im neunzehnten Jahrhunderte Heloten gibt. Seitdem ist es nicht mehr die Feudalaristokratie, nicht mehr der Absolutismus allein, was dem Zeitgeiste widerspricht: die ganze Organisation oder vielmehr Desorganisation unseres sozialen Lebens erheischt einer Reform.“. (77)
Die Beiträge in den „Einundzwanzig Bogen“ sind im Grunde nur eine Fortführung der hier aufgeworfenen Probleme freilich nun frei von Zensur -, ausführlicher, gründlicher, sicher auch theoretischer. Die drei Beiträge sind dabei durchaus als eine Einheit zu betrachten.
In den beiden zuerst geschriebenen entwickelt Heß zunächst einen Gedanken, der in der sozialistischen Bewegung bis in die Gegenwart seine Gültigkeit bewahrt hat: ohne soziale Gleichheit gibt es keine wirkliche Freiheit. Heß betont aber auch die Kehrseite: keine Gleichheit, keine wirkliche Gerechtigkeit, wo die geistige und politische Freiheit vernichtet ist. (78) Es gibt nur die eine Freiheit wie es nur die eine Knechtschaft gibt. Beide, soziale und geistige Freiheit, sind derart miteinander verbunden, bedingen sich gegenseitig, und zwar derart eng, daß man noch nicht einmal sagen könne, daß die eine oder die andere im Emanzipationsprozeß vorhergehen müsse.
Was Heß damit sagen will, macht er vor allem deutlich am Zusammenhang zwischen der sozialen und politischen Unterdrückung auf der einen und der religiösen auf der anderen Seite - unbedingt, wenn auch unausgesprochen gegen die Positionen Bruno Bauers: „Die wirkliche und die geistige Knechtschaft, das Unglück und die Religion, bedingen sich gegenseitig, und so wie die wahre Religion, das Christenthum historisch nachweisbar eine Tochter des Unglücks ist, so hat das Unglück wiederum seine größte Stütze und stärkste Garantie seiner Fortdauer in der Religion. - Die dem Volke die soziale Freiheit ohne die geistige geben wollen, unternehmen ein ebenso unmögliches Werk wie die Philosophen, die die Geistesfreiheit allein verbreiten möchten.“ (79)
Bei alledem vertritt Heß die Ansicht, daß diese Wahrheit eine aus dem Verlauf der Geschichte nahegelegte Schlußfolgerung ist. Die Aufgabe des 18. Jahrhunderts wäre eine doppelte gewesen, einen neuen Staat, den Rechtsstaat, und eine neue Religion, die Vernunftsreligion, zu schaffen. Zwei Nationen, die französische und die deutsche, hätten sich die Aufgabe geteilt. Doch kaum hatte man den negativen Zweck, den Umsturz der alten Politik und Religion, erreicht, schon zeigte sich der innere Widerspruch der weiteren Bestrebungen. Auch die demokratischste ließ erkennen, daß sie den Gegensatz von Herrschaft und Knechtschaft zur Voraussetzung hat und an der sozialen Ungleichheit ihre Schranke findet; wie andererseits mit der Religion, nicht mit dieser oder jener, sondern der Religion überhaupt, Geistesknechtschaft n o t w e n d i g verbunden ist. (80)
In dem Aufsatz „Philosophie der Tat“ werden diese Ansichten eingebaut in eine allgemeine philosophische Theorie der Vergegenständlichung und Entfremdung des Menschen. Heß beruft sich dabei sehr viel auf Spinoza und Fichte, läßt aber deutlich auch die Einflüsse Bruno Bauers erkennen, dessen Vorlesungen er mit Marx in diesem Jahre in Bonn gemeinsam hospitierte; daß es nicht allein um Einflüsse Fichtes geht, zeigt sich vor allem daran, daß sein Subjektbegriff, sein Ich nicht das absolute Fichtesche Ich, sondern das empirische, individuelle Ich, der natürliche Mensch im Sinne Bruno Bauers ist. Dieser Mensch ist seinem innersten Wesen nach Tätigkeit. Heß formuliert hier sehr entschieden: „Nicht das S e i n, sondern die T a t ist das Erste und Letzte.“ (81) Als tätiges Wesen hat der Mensch naturgemäß, als Ergebnis der Tätigkeit, Resultate, Objekte, Vergegenständlichungen, die sich verselbständigen, die sich ihm entfremden und als fremde Mächte sein Leben beherrschen. Das gilt zumindest so lange, bis diese Produkte als die eigenen erkannt sind. Darauf hinzuarbeiten ist die Aufgabe der Geschichte, in der nach einer langen Entwicklung „das Selbstbewußtsein am Ende“ die Produkte als eigenen erkennt? (82)
Soweit es um diesen Grundgedanken geht, ist die Konzeption von Heß der Bruno Bauers zum Verwechseln ähnlich. In zwei Punkten gibt es jedoch nicht unwesentliche Modifikationen. 1. Heß geht natürlich wie Bauer von solchen charakteristischen Tätigkeitsformen wie der geistigen in der Religion oder politischen aus, wobei die Entfremdung der letzteren darin besteht, daß dem Menschen im Staat sein Wesen als eine selbständige Wirklichkeit gegenübersteht, die ihn bestimmt und durch äußerlich auferlegte Gesetze in seiner Freiheit beschränkt. Gegenüber Bauer wird aber sichtbar, daß Heß sich entsprechend dem in den ersten beiden Beiträgen entwickelten Gedanken weigert, im Verhältnis der beiden Formen der Entfremdung der religiösen irgendein Primat zuzuerkennen. 2. Noch, wichtiger ist das Faktum, daß Heß unter die Tätigkeitsformen nachdrücklich eine soziale aufnimmt, ja direkt eine ökonomische anspricht, der gegenüber die Entfremdung darin besteht, daß der arbeitende Mensch vom Genuß seiner Arbeit getrennt ist, Produkt und Produzent durch die Eigentumsverhältnisse unterschieden werden und das Wesen der menschlichen Tätigkeit im Eigentum verdinglicht wird. Es ist verständlich, daß Marx solche Gedanken anregend finden mußte, den damals ähnliche Probleme bewegten und der in seinem Brief an Ruge vom 3. November 1842 bereits sehr bestimmt erklärte: Die Bauersche Verfolgung der Religion ist überzogen, die Religion ist mehr in den politischen Zuständen als die politischen Zustände in der Religion zu kritisieren, und zwar deshalb, weil „die Religion an sich inhaltlos nicht vom Himmel, sondern von der Erde lebt und mit der Auflösung der verkehrten Realität, deren Theorie sie ist, von selbst stürzt“. (83)
Was dagegen die Lösung anbetrifft, so sind die Gedankengänge wieder ähnlich. Aufgabe der Gegenwart ist es, alle Entfremdungen aufzuheben, d. h., wie es mehrfach formuliert wird, „die Aufhebung der Naturbestimmtheit in Selbstbestimmung“ zu vollziehen. Heß verbindet diese Aufgabe mit dem Ziel des Sozialismus und schreibt dazu: „Das Ziel des Sozialismus ist kein anderes, als jenes des Idealismus; es ist dieses: nichts von alle dem Plunder übrig zu lassen, als die Thätigkeit. Keine von den Formen, in welchen sich diese letztere bisher fixirte, kann bestehen vor dem freien Geiste, der sich eben nur als thätiger erfaßt, nicht bei irgend einem gewonnenen Resultate stehen bleibt, dieses fixirt, verkörpert, materialisirt und als sein Eigenthum' aufspeichert - der vielmehr als die Macht über alles Endliche, Bestimmte, stets darüber hinausgeht, um sich stets von Neuem als Thätiger - freilich jedesmal in bestimmter Weise - zu erfassen. Darin eben unterscheidet sich die freie That von der unfreien Arbeit, daß hier, in der Knechtschaft, die Schöpfung den Schöpfer selbst fesselt, während dort, in der Freiheit, jede Beschränkung, in welche der Geist sich entäußert, nicht zur Naturbestimmtheit, sondern überwunden und so Selbstbestimmung wird“. (84)
 Mit diesem Inhalt gehören diese Aufsätze zu den bedeutenden Dokumenten der Geschichte der intellektuellen Bewegung im deutschen Vormärz; sie lassen zudem tief in die innerste Denkstruktur vieler Ideologen der damaligen Zeit blicken. Auch ist nicht zu verkennen, daß sie in beachtlicher Weise über den Junghegelianismus und speziell über die Auffassungen Bruno Bauers hinausgehen; es wäre auch zu sagen: wie sie über ihn „hinauswachsen“.
Freilich springen demgegenüber auch die Mängel ins Auge. Damit ist nicht gemeint, daß Heß sich mitunter etwas verschwommen ausdrückt, daß diese Beiträge nicht frei sind von utopischen Zügen („Zu irgend einer Thätigkeit, ja zu sehr verschiedener Thätigkeit hat jeder Mensch Lust“) (85), daß der vielfach gebrauchte Begriff der „Anarchie“ leicht mißverstanden werden kann, daß im Sinne des Materialismus letztlich nichts entschieden ist oder daß überhaupt die Theorie „unfertig“, im Flusse befindlich ist, wie ja der letzte Beitrag auch nur als Einleitung zu einem größeren Werk gedacht war. Das Hauptproblem besteht in etwas anderem. Es besteht darin, daß Heß den vergegenständlichten Formen so gar nichts Positives abzugewinnen vermag, daß die Kategorie der Aneignung für ihn keine Bedeutung besitzt und er offenkundig jede rückwirkende Determination der geschaffenen Gegenständlichkeiten auf den Menschen ausschalten möchte. Es ist jene Position, mit der Marx aus Einsicht in die Natur der materiell-gegenständlichen Arbeit und ihrer Resultate für den Verlauf der Geschichte auf das entschiedenste brechen wird. Heß hat dazu die entgegengesetzte Auffassung in einer Radikalität vertreten, wie man sie bei den linken Hegelianern selbst in ihrer „subjektivistischen“ Phase nicht in dieser Weise finden wird. So heißt es z. B. bei Moses Heß (um eine der charakteristischen Stellen zu zitieren): „In der Geschichte, im Leben des Geistes, handelt es sich nicht um Resultate, sondern um das Hervorbringen derselben. Das ,Wirken’, nicht das ,Werk' ist die Hauptsache. Mit dem ‚Werk’ hat der Geist nichts weiter zu schaffen, als neuerdings daraus zu wirken, zu spinnen und zu spannen. - Resultate sich aneignen, heißt, alte Flicken auf alte Kleider setzen.“ (86)
 
Wenn Herwegh im Prospekt und in den ankündigenden Briefen zum „Deutschen Boten“ den konzeptionellen Grundgedanken der Einheit alles Wissens entwickelte, bezog er immer auch die neue Poesie mit ein, diejenige, „die Früchte bringt für das Leben und die Freiheit“ (87). Er war schon in seinen frühen Kritiken vehement für die junge Literatur und ein neues Verständnis ihrer gesellschaftlichen Funktion eingetreten, und es war nur folgerichtig, daß er ihr in seiner Zeitschrift ein Asyl anbot.
Neben Herweghs eigenen, in der Zeit des Bemühens um den Boten entstandenen Versen, die danach im 2. Teil der „Gedichte eines Lebendigen“ Aufnahme fanden und von denen das Eingangsgedicht „Die Lerche wars, nicht die Nachtigall“ noch ganz an den Schwung des ersten Teils der „Gedichte eines Lebendigen“ anknüpft, stehen Gedichte Ludwig Seegers (aus dessen 1843 erschienener Sammlung „Der Sohn der Zeit“), Strophen von Rudolf Gottschall und Xenien von David Friedrich Strauß. Auch in den unter der Rubrik „Kritik“ versammelten Besprechungen neuester Literatur dominiert die politisch engagierte. Ludwig Seeger setzt sich mit Jeremias Gotthelf und Wilhelm Wackernagel auseinander. Herwegh und Nees von Esenbeck stellen Betrachtungen über Friedrich von Sallet an.
Rudolf Gottschall, damals ein junger Jurastudent, hatten Herweghs Gedichte zu eigenen „Liedern der Gegenwart“ angeregt, die 1842 anonym in Königsberg erschienen waren. Wie alles, was mit den ostpreußischen Demokraten zusammenhing, fanden sie sofort Beachtung, beispielsweise in der Besprechung von Arnold Ruge in den „Deutschen Jahrbüchern“. (88) Obwohl der Zensor schon die Hälfte der Lieder gestrichen hatte, brachten sie dem entdeckten Autor Verweisung von der Universität ein. Herwegh hat Gottschall in Königsberg kennengelernt, als dieser auf dem Bankett zu Ehren des Gastes einen gereimten Toast vortrug. (89) Herwegh wird auch die Veröffentlichung der gestrichenen Gedichte aus den „Liedern der Gegenwart“ vermittelt haben, die anonym u. d. T. „Zensurflüchtlinge. 12 Freibeitslieder“ 1843 vom Literarischen Comptoir verlegt wurden. Die in den „Einundzwanzig Bogen“ mitgeteilten „Zensurschnitzel aus Hamburgs Brand“ sind ebenfalls vom Königsberger Zensor nicht genehmigte Strophen aus den „Liedern der Gegenwart“. Gottschall bedauert in ihnen, daß der Brand eine Bürgerstadt und nicht eine der Residenzstädte deutscher Feudalmächte wie Berlin oder München heimgesucht hat.
Die Xenien von David Friedrich Strauß dürften zu dessen wenigen veröffentlichten lyrischen Produktionen gehören. An seinen Bruder Wilhelm schrieb er im Oktober 1843, daß er sich, wie jeder andere, auch literarisch versucht habe, aber der Meinung sei, daß er in der Poesie nur Dilettant bleibe. Wirkliches leisten könne er nur auf theologischem Gebiet. (90) Ganz so talentlos sind seine Xenien aber nicht. In den Distichen spießt er mit spitzer Feder die politischen Tagesereignisse in der zeitlichen Abfolge der astronomischen Tierkreiszeichen auf, so u. a. die Berufung Schellings und Tiecks 1841 durch den neuen König nach Berlin, das Verfassungsbegehren der Preußen vom Herbst 1840, die deutschen Einheitsbestrebungen überhaupt, die Schwaben, ihr Schiller-Denkmal samt Denkmalsfeiern vom Herbst 1839, die Walhalla des Bayernkönigs, das Dombaufest zu Köln vom September 1842, dem auch Ludwig Seeger in den „Einundzwanzig Bogen“ kritische Verse widmet. Aber auch demagogische Sprüche der politischen und ideologischen Gegner, wie sie die Presse kolportierte, werden geprüft: „Hört man euch zu; stets sprecht ihr vom stetigen Fluß der Geschichte. Sieht man euch handeln; stets dämmt ihr den Strom zurück.“(91)

Im ersten seiner literaturkritischen Beiträge nimmt Ludwig Seeger einen von Wacketnagel herausgegebenen Almanach aufs Korn, der ebenfalls aus Anlaß von Hamburgs Brand entstanden war. (92)
Ludwig Seeger, älterer Bruder Adolf Seegers und ausgebildeter Theologe, hatte sich. schon während des Studiums, als er u. a. an Ludwig Uhlands „Stilistikum“ teilnahm, mehr für Literatur und Philosophie interessiert. Seit 1835 Professor für alte Sprachen am Berner Gymnasium und Universitätsdozent, kam er als konsequenter hegelianischer Pantheist und revolutionärer Demokrat in den vierziger Jahren zu Einsichten in die soziale Problematik seiner Zeit. Er forderte die Beseitigung der Ungleichheit der Klassen durch Abschaffung der Vorrechte des Adels und der Übermacht des bourgeoisen Reichtum. (93) Als Lehrer und Organisator beteiligte er sich tatkräftig am Aufbau des Arbeiterbildungsvereins in Bern. (94) Er hat von Anbeginn am „Deutschen Boten“ mitgearbeitet. Seine an Béranger geschulte Lyrik (95) gab er erstmals 1843 u. d. T. „Der Sohn der Zeit. Freie Dichtungen“ im Literarischen Comptoir heraus. Mit dem Mitglied des Bundes der Gerechten, August Becker, dem Freund Büchners und Genossen Wilhelm Weitlings, veröffentlichte er 1844 in Bern „Politisch-soziale Gedichte von Heinz und Kunz“.
Mit Wilhelm Wackernagel hat er sich schon in einer Rezension „Deutsche Lyrik in der Schweiz“ im September 1842 im Deutschen Boten beschäftigt. In den „Einundzwanzig Bogen“ setzt er seine Kritik an Wackernagels konservativer politischer Lyrik fort: Er verbittet sich im Namen der geschädigten Hamburger Bürger eine solche „Bettelpoesie“, wie die in dem Almanach „Weihnachtsgaben für Hamburg“ von Wackernagel gesammelten Verse, in denen er nur „bare Geistesarmuth in Düten aus gebornen Makkulaturbogen“ erkennen kann. (96)
Unter dem Titel „Politische Afterpoesie“ nimmt er in einer zweiten Rezension die „Zeitgedichte“ von Wackernagel und Reber unter die kritische Lupe. Er kann sie ebenfalls nicht mehr als Poesie akzeptieren. Sie sind ihm unpoetischer, verifizierter Lärm, politische Afterpoesie, die als „ekler Schweif“ der Poesie der Wirklichkeit sich anhängt. (97) Wackernagel ist dem Kritiker das Beispiel aus dem konservativen Lager für die zuerst von Heine vorgetragene Einsicht, daß die „Rosen und Gelbveigeleinspoesi“" endgültig passé ist. (98) Wie aber kommt der Basler Germanist, der bekannte Sprachforscher zu so schlechten Versen? Seeger hat die Antwort schon im „Deutschen Boten“ gegeben: Wackernagel ist bigott geworden. Er sieht die Welt durch die Fenster des Basler Missionshauses. Seine „Neueren Gedichte“ (Zürich und Frauenfeld 1842) sind für Seeger der Sarg des Poeten Wakkernagel. (99) Etwas anderes kam noch hinzu. (100) Wackernagel hatte sich 1839 öffentlich für den Zürichputsch erklärt, durch den sein, Schwager Bluntschli Regierungsrat geworden war. Er unterstützte seitdem dessen Kampf gegen die Schweizer Demokraten, griff besonders Herwegh als „radikalen Buben“ in unsäglichen Versen an, die Seeger u. a. zitiert.
 Auf den letzten Seiten der „Einundzwanzig Bogen“ gibt Ludwig Seeger eine Rezension der „Bilder und Sagen aus der Schweiz“ von Jeremias Gotthelf, die an seine anonyme Besprechung des Romans „Ulli der Knecht“ im „Deutschen Boten“ vom August 1842 anknüpft. Hatte er dort diesem Roman wie überhaupt der poetischen Gestaltungskraft Gotthelfs hohe Anerkennung gezollt, findet er hier bezeichnenderweise zur Erzählung „Die schwarze Spinne“, da er sie nicht zu den Aufklärungs- und Jugendschriften zählen konnte, keinen Zugang wenngleich er in Gotthelf einen der begabtesten Schweizer Autoren sieht.
Da Herweghs geplante Einleitung nicht erschienen ist, bleiben seine anonymen Ausführungen zu Friedrich von Sallet der einzige Prosabeitrag von ihm in den „Einundzwanzig Bogen“.
Der preußische Offizier Friedrich von Sallet hatte 1837 nach dreijährigem Studium an der Berliner Kriegsakademie, bei dem er sich besonders mit der Philosophie Hegels vertraut machte, seinen Abschied genommen und lebte seitdem als freier Schriftsteller in Schlesien. Das 1839 entstandene und 1842 erschienene „Laien-Evangelium“ hatte die unterschiedlichsten Reaktionen hervorgerufen. (101) Nees von Esenbeck, der zum Breslauer Freundeskreis des Dichters gehörte, sandte Herwegh am 1. Dezember 1842 „einige Worte über Sallets Laienevangelium“ mit der Bitte um Veröffentlichung im „Deutschen Boten“. (102) Sallet selber ließ Herwegh im Dezember 1842 in Königsberg ein handschriftlich gewidmetes Exemplar seiner gerade erschienenen „Gesammelten Gedichte“ (103) überreichen. Sallet starb im Februar 1843 an Tuberkulose. Der plötzliche Tod des jungen Dichters, dem Herwegh die Antwort schuldig bleiben musste, veranlaßte ihn nun, den eigenwilligen Ausführungen Esenbecks eigene Betrachtungen voranzustellen. Für die Fortsetzung der „Einundzwanzig Bogen“ kündigte er eine Kritik der Gedichte Sallets an.
Esenbeck, der bedeutende Naturwissenschaftler, Freund Goethes und Altensteins, Mitglied sämtlicher naturwissenschaftlicher Gelehrtengesellschaften der damaligen Welt, Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, nach der Revolution von 1848 wegen seiner revolutionären Aktivitäten (besonders als Vorsitzender des Breslauer Arbeitervereins) seines Amtes als Ordinarius für Botanik an der Universität Breslau enthoben, hatte wachen Sinnes die gesellschaftlichen Probleme seiner Zeit wahrgenommen. Er begründete in dem begleitenden Brief an Herwegh seine Abhandlung über Sallet im Dezember 1842 damit, daß in Norddeutschland die Fragen der Religion und des Christentums eigentlich in die Politik gehören. (104) Esenbeck teilte allerdings die religionskritische Richtung der Bauer und Feuerbach nur bedingt, insofern sein soziales Engagement auf einem ernst genommenen humanistischen Ethos beruhte und auf die emanzipatorischen Potenzen eines erneuerten Christentums baute. In diesem Sinne sind auch seine Ausführungen zu Sallets Jambendichtung gehalten. Den Grundgedanken dieses philosophischen Lehrgedichts sieht er darin, daß Sallet, von der ursprünglichen Lehre ausgehend, u. a. auch die Lebensumstände Jesu Christis nacherzählend, die Geschichte der christlichen Religion und Theologie als herrschender Ideologie des Abendlandes scharf kritisiert. Sallet zeichnet sie als eine Entwicklung, die das Gemüt vom „Verständniß seines Gottes das zugleich sein Verständniß mit sich selber ist“, scheidet.(105) Die Einsicht in diese „Entartung des Sinnes und Willens“ der Religion, die der Dichter aus der Religionsphilosophie Hegels und der junghegelianischen Religionskritik gewinne, ermögliche Sallet die volle Erkenntnis der ursprünglichen Lehre und gebe ihm gleichzeitig die Kraft, sie den Zeitgenossen verständlich nahezubringen.
Herwegh erklärte sich nicht einverstanden mit der Deutung der christlichen Dogmen, wie sie Sallet in der Nachfolge Lamennais' gab und Nees von Esenbeck hier darbot. Er schätzte an ihnen, am Dichter und seinem Kritiker, daß sie „den Mut haben, den freiesten und kühnsten Inhalt ihrer Zeit in sich aufzunehmen“. Er fand keinen Unterschied zwischen der Salletschen Weltanschauung und den „Resultaten der neuesten Philosophie, wie sie durch Feuerbach und Bruno Bauer gewonnen wurden“ (106). Aber er konnte nicht akzeptieren, daß Sallet und Esenbeck den neuen Geist in alten Formen darbieten, in der Annahme, das Volksbewußtsein leichter verändern zu können, wenn mit neugewonnenen Inhalten an bereits vorhandenen angeknüpft werde. (107) Herwegh deutet allerdings an, daß Sallet in seinen neuesten Gedichten diese Position zu überwinden begann, da es ihm immer fragwürdiger erschienen sei, noch länger mit der Religion zu argumentieren. In den „Ernsthaften Gedichten“ findet Sallet in der Tat einen neuen philosophischen Ansatz für sein soziales Engagement, das sich ausspricht in solch ahnungsvoller Gestaltung kommender Klassenkämpfe wie dem Gedicht „Fernsicht“. Herwegh hat über die konkreten Aussagen zu Esenbeck und Sallet hinaus in seinem Beitrag eindeutig zu den ideologisch-ästhetischen Prinzipien einer parteilichen Kunst Stellung genommen, einer Kunst, „deren Inhalt überhaupt immer Einer ist mit dem Inhalt der Geschichte“ (108).


III. Zeitgenössische Reaktionen und Wirkung

Als die Einundzwanzig Bogen Ende Juni/Anfang Juli die Druckerei verließen, traten die durch Spitzelberichte (109) informierten deutschen Behörden sogleich in Aktion. Verständlicherweise reagierten sie am gereiztesten auf die kritischen Analysen der Situation in den Ländern des Deutschen Bundes. Diese direkt in die politische Auseinandersetzung eingreifenden Aufsätze werden als die gefährlichsten eingestuft. Beschlagnahme der eingeführten Exemplare, Entzug der Debitserlaubnis, Bestrafung der Buchhändler - die Akten der geheimen Staatsarchive der Bundesstaaten horten solche Verfügungen, beispielsweise in Württemberg, das Herwegh gerade ohne Strafverfolgung aus seinem Staatsverband entlassen hatte.
In Stuttgart wurde am 8. Juli 1843 beschlossen, „die Druckschrift wegen ihres zur Unzufriedenheit mit den in Deutschland bestehenden Staatsverhältnissen aufrufenden Inhalts mit Beschlag zu belegen; nach der Schrift in den Buchläden zu recherchieren, etwa vorrätige Exemplare einzuziehen, den bereits erfolgten Absatz zu erheben und den Buchhändlern den Debit vorläufig zu entziehen“. Am 30. September 1843 wurde dann der Band in ganz Württemberg verboten. (110)
Über den Vertrieb und die Wirkung liegen eine Reihe von Angaben vor. Aus Leipzig schrieb ein Agent Metternichs, daß Herweghs „Einundzwanzig Bogen“ sehr verbreitet seien, viel gelesen würden und alles gegen Preußen Gerichtete großen Anklang und Beistimmung findet. (111) Der Oberpräsident der Rheiniprovinz v. Schaper meldete dem preußischen Innenminister v. Arnim am 14.Juli 1843 persönlich, daß die „Einundzwanzig Bogen“ mit den Beiträgen für den verbotenen „Deutschen Boten“ erschienen seien. Minister Arnim wiederum setzte am 21.Juli den Berliner Polizeipräsidenten eigens davon in Kenntnis, daß das höchst verwerfliche Buch kursiert, obwohl es ohne Erteilung der Debitserlaubnis zu den verbotenen gehöre. (112) Der König in Berlin war regelrecht über die Beiträge Nauwercks in den „Anekdota“ und den „Einundzwanzig Bogen“ erbost.(113)
Minister Eichhorn beeilte sich, die Frage zu entscheiden, ob der Privatdozent, „der als Verfechter subversiver Grundsätze“ auftrete und sich“"zur Verbreitung derselben des Literarischen Comptoirs in Zürich und Winterthur bediene, einer Universitätskorporation in dem preußischen Staate angehören könne“ (114). Er hatte es schwer mit der Fakultät, die sich zur Einschätzung ihres Kollegen auf die „Göttinger Gelehrten Anzeigen“ berief. Hier war Nauwerck „sprudelnder Geist, feine Sarkastik, geharnischter Witz, jedoch auf der Grundlage einer ehrlichen deutschen Gesinnung“ bescheinigt worden.(115) Der Widerstand der Fakultät half jedoch nichts. Da es schon bei seiner Ernennung zum Privatdozenten Einwände gegeben hatte und er besonders durch seine Vorlesungen Anstoß erregte, ergab sich Nauwerck schließlich dem zunehmenden Kesseltreiben gegen ihn und die widerspenstige Fakultät. Im Januar 1844 legte er sein Lehramt nieder. (116)
So hektisch die Behörden reagierten, so gelassen verhielten sich die meisten deutschen Rezensenten nicht nur im Fall Nauwerck. Mehr oder weniger ausführlich ließen sie es bei sachlichen Angaben und höchst allgemeinen Einschätzungen bewenden. (117) Der „Telegraph für Deutschland“ hob beispielsweise nur die lyrischen und literaturkritischen Beiträge hervor und vermutete, daß diesem Werk „ein großer Leserkreis nicht fehlen werde“. Hermann Hettner hebt 1844 in seiner Abhandlung über Friedrich von Sallet Herweghs anonyme Ausführungen in den „Einundzwanzig Bogen“ hervor. In dem bekannten Aufsatz über die politische Literatur der Deutschen in der „Revue des deux Mondes“ bespricht Saint-René Taillandier auch die Bogen positiv.(118)

Ganz anders reagierte man in der Schweiz. (119) Bluntschli hatte kurz vor Erscheinen der „Einundzwanzig Bogen“ eine denunziatorische Besprechung von Weitlings im Dezember 1842 in der Schweiz erschienenen „Garantien der Harmonie und Freiheit“ im „Beobachter aus der östlichen Schweiz“ abgedruckt. (120) Noch während die Besprechung erschien, wurde Weitling verhaftet, sein im Druck befindliches Manuskript „Das Evangelium des armen Sünders“ beschlagnahmt. In den bei Weitling vorgefundenen Papieren sah Bluntschli Beweise einer Kommunistenverschwörung gegen Staat und Kirche. Sein nachmals so berühmter Kommissionalbericht vor dem Großen Rat „Die Kommunisten in der Schweiz“ (Zürich 1843) erwähnt auch Julius Fröbel, August Follen, Georg Herwegh. (121) Dem konservativen Regierungsrat schien nun die Zeit gekommen, mit der demokratischen Opposition und ihrem unliebsamen Verlag abzurechnen. In der Rezension der „Einundzwanzig Bogen“ im „Beobachter aus der östlichen Schweiz“, die am 18. Juli 1843 u. d. T. „Grundsätze des deutschen Radikalismus“ erschien, erfährt der Leser: „Die Einundzwanzig Bogen enthalten Beiträge der Häupter der Partei: Strauß, Bruno Bauer, Heß, Herwegh etc. In allen Teilen, in Poesie und Prosa, weht ein Geist, es ist als ein Manifest der Partei anzusehen; es enthält das System, ihre ganze Weltanschauung aufs Klarste.“ Die Spitze aber, auf die dieses System des Radikalismus hindränge, sei der Kommunismus. Dieser aber, obwohl er sich auf wirkliche Bedürfnisse, auf gegründete Klagen eines Teils der Völker, auf unerträgliches Elend von Tausenden in Frankreich und England herleite, sei unannehmbar.
Zum Beweis werden Auszüge aus den Beiträgen von Heß und Bauer wiedergegeben. In der nächsten Nummer folgen Zitate aus Bruno Bauers „Entdecktem Christentum“.
Am 19.Juli holte Bluntschli zum Schlag gegen das Literarische Comptoir und Julius Fröbel aus: Die Zürcher Regierung konfiszierte die ganze Auflage des „Entdeckten Chriftentums“ und die im Verlag verbliebene Restauflage der „Einundzwanzig Bogen“.(122) Fröbel und sein Teilhaber Hegner mußten sich in einem Prozeß wegen Religionsstörung verantworten. Fröbel wehrte sich öffentlich gegen diese Beschuldigung mit einer Verteidigungsschrift. (123) Beide wurden trotzdem in erster und zweiter Instanz im Frühjahr 1844 zu den Kosten, zu Geldbußen (400 Franken) und Gefängnisstrafen von zwei bzw. drei Monaten verurteilt.
Der Verlag erlitt dadurch so große Einbußen (etwa 7000 Franken), daß das Erscheinen der „Deutsch-französischen Jabrbücher“ aufs neue gefährdet war. (124) Zwar erholte sich der Verlag durch finanzielle Hilfe August Adolf Ludwig Follens wieder etwas bis zum endgültigen Einfuhrverbot seiner Erzeugnisse in die Länder des Deutschen Bundes durch den Bundestag vom Juni 1845. An eine Fortsetzung der „Einundzwanzig Bogen“ konnte nicht mehr gedacht werden.
 Aber der Sieg Bluntschlis erwies sich als Phyrrussieg. Nicht nur der „Kornmunistenbericht“ machte allerorten unfreiwillige Propaganda für die neue Lehre. Auch die „Einundzwanzig Bogen“ wirkten. Heß schätzte 1845 nicht zu Unrecht ein: „So viel ist, gewiß, wenn die ,Einundzwanzig Bogen’ nicht unter der Ägide des berühmten Dichters der philosophischen Bewegungspartei erschienen wären, und wenn andererseits Bluntschli nicht über sie hergefallen wäre, dann hätten sie keinen so großen Widerhall in Deutschland gefunden.“ (125)
Über diesen allgemeinen Widerhall hinaus kommt Herweghs Band auch eine bestimmte Bedeutung im Kontext der Herausbildung der Marxschen Theorie zu. Marx hat in seiner theoretischen Entwicklung gerade in der Frühzeit vielfache Einflüsse und Anregungen verarbeitet. Das gilt auch für die im Jahre 1843 sich anbahnende Hinwendung von der Kritik der Politik zur Kritik der Gesellschaft und Ökonomie, die damals eine Reihe der entschiedensten linken Hegelianer bewegte, die keiner aber so eigentümlich, prinzipiell und folgenreich vollzog wie Karl Marx. Welche Umstände dabei eine Rolle spielten, ist weiter oben angedeutet worden. Unbedingt gehört zu ihnen die in der „Rheinischen Zeitung“ zuerst von Moses Heß mit äußerster Radikalität ausgesprochene und dann in den „Einundzwanzig Bogen“ ausgeführte Einsicht, daß politische Reformen allein unzulänglich sind, daß das Grundproblem der Zeit ein soziales ist und daß der Sozialismus und Kommunismus berufen sind, dieses Problem zu lösen. Weiter dürfte es für Marx interessant gewesen sein, daß Heß diese Einsicht in eine Philosophie der Tat einbaute, indem er die Herrschaft des Produkts über den Produzenten in seinen verschiedenen Erscheinungsformen als religiöse, politische, soziale und ökonomische Entfremdung in den Mittelpunkt des Interesses rückte, diese Erscheinungsformen in Beziehung zueinander zu setzen versuchte und dabei das Primat der religiösen Entfremdung in Abrede stellte. Marx mußte solche Auffassungen zumindest bestätigend finden. (Auch wenn er zu dieser Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem Einfluß Feuerbachs die ganze Dialektik der Vergegenständlichung schon unter den Konsequenzen materiell-gegenständlicher Arbeit zu sehen begann.) Schrieb er doch, als die „Einundzwanzig Bogen“ erschienen, an der „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, ebenfalls mit dem prinzipiellen Inhalt einer Untersuchung des Verhältnisses von Staat und Gesellschaft, wobei er im Sinne Hegels das Bedingungsverhältnis materialistisch umkehrte und mit der ihm eigenen Konsequenz nach der Ursache des von Hegel vorausgesetzten Dualismus der beiden Sphären überhaupt fragte. Das Wichtigste für Marx war jedoch mit Sicherheit, was Heß über die ökonomische Entfremdung, über das Privateigentum, den Besitz, über die „Kategorie des Habens“ usw. ausführte. Es ist jedenfalls aufschlußreich, daß Marx dort, wo er selbst direkt auf die von Heß in den „Einundzwanzig Bogen“ publizierten Beiträge zu sprechen kam, diese geradezu unter dem Gesichtspunkt der „Nationalökonomie“ und der „Wissenschaft vom Sozialismus“ mit ihren ökonomischen Inhalten anführte. Als er in der Vorrede zu den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ aus dem Jahre 1844 den Plan für diesen ersten Grundriß seiner Theorie darlegte und betonte, daß es ihm vor allem darum gehe, den „Zusammenhang von Nationalökonomie mit Staat, Recht, Moral, bürgerlichem Leben etc.“ zu entwickeln, schrieb er: „Den mit der Nationalökonomie vertrauten Leser habe ich nicht erst zu versichern, daß meine Resultate, durch eine ganz empirische, auf ein gewissenhaftes kritisches Studium der Nationalökonomie gegründete Analyse gewonnen worden sind. Es versteht sich von selbst, daß ich außer den französischen und englischen Sozialisten auch deutsche sozialistische Autoren benutzt habe. Die inhaltsvollen und originellen deutschen Arbeiten für diese Wissenschaft reduzieren sich indes - außer Weitlings Schriften - auf die in den Einundzwanzig Bogen gelieferten Aufsätze von Heß und auf Engels' Umrisse zur Kritik der Nationalökonomie in den deutsch -französischen Jahrbüchern, wo ich ebenfalls die ersten Elemente der vorliegenden Arbeit in ganz allgemeiner Weise angedeutet habe.“ (126) Auch eine zweite Stelle, in der Marx in den „Manuskripten“ auf Heß Bezug nimmt, ist in diesem Zusammenhang zu sehen, insofern in einem sehr wichtigen Passus darüber, was positive Aufhebung des Privateigentums, „Aneignung“ der geschaffenen Wirklichkeit eigentlich heißt, ein Charakter im Sinne des „Besitzens“ und „Habens“ nachdrücklich verneint und dazu auf Heß' Kategorie des Habens in den „Einundzwanzig Bogen“ verwiesen wird. Dieser ganze Abschnitt lautet: „Wie das Privateigentum nur der sinnliche Ausdruck davon ist, daß der Mensch zugleich gegenständlich für sich wird und zugleich vielmehr sich als ein fremder und unmenschlicher Gegenstand wird, daß seine Lebensäußerung seine Lebensentäußerung ist, seine Verwirklichung seine Entwirklichung, eine Fremde Wirklichkeit ist, so ist die positive Aufhebung des Privateigentums, d.h. die sinnliche Aneignung des menschlichen Wesens und Lebens, des gegenständlichen Menschen, der menschlichen Werke für und durch den Menschen, nicht nur im Sinne des unmittelbaren, einseitigen Genusses zu fassen, nicht nur im Sinne des Besitzens, im Sinne des Habens. Der Mensch eignet sich sein allseitiges Wesen auf eine allseitige Art an, also als ein totaler Mensch. jedes seiner menschlichen Verhältnisse zur Welt, Sein, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Denken, Anschauen, empfinden, wollen, thätig sein, lieben, kurz alle Organe seiner Individualität, wie die Organe, welche unmittelbar in ihrer Form als gemeinschaftliche Organe sind, sind in ihrem gegenständlichen Verhalten oder in ihrem Verhalten zum Gegenstand die Aneignung desselben, die Aneignung der menschlichen Wirklichkeit; ihr Verhalten zum Gegenstand ist die Bestätigung der menschlichen Wirklichkeit (sie ist daher eben so vielfach, wie die menschlichen Wesensbestimmungen und Tätigkeiten vielfach sind), menschliche Wirksamkeit und menschliche Leiden, denn das Leiden, menschlich gefaßt, ist ein Selbstgenuß des Menschen.
Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, daß ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben, also als Kapital für uns existiert, oder von uns unmittelbar besessen, gegessen, getrunken, an unsrem Leib getragen, von uns bewohnt etc. kurz gebraucht wird. Obgleich das Privateigentum alle diese unmittelbaren Verwirklichungen des Besitzes selbst wieder nur als Lebensmittel faßt und das Leben, zu dessen Mittel sie dienen, ist das Leben des Privateigentums, Arbeit und Kapitalisierung.

An die Stelle aller physischen und geistigen Sinne ist daher die einfache Entfremdung aller dieser Sinne, der Sinn des H a b e n s getreten. Auf diese absolute Armut mußte das menschliche Wesen reduziert werden, damit es seinen innern Reichtum aus sich heraus gebäre. (Über die Kategorie des H a b e n s siehe Heß in den Einundzwanzig Bogen.)“ (127)
Es ist hier selbstverständlich nicht der Ort, um solchen Zusammenhängen im Detail nachzugehen. Dem aufmerksamen Leser der „Manuskripte“ kann jedoch nicht entgehen, daß Marx in dieser Arbeit Gedanken von Moses Heß aus den „Einundzwanzig Bogen“ aufgegriffen und verarbeitet hat.
Bauers Beitrag ist dagegen wirkungsgeschichtlich interessant auf Grund des Umstandes, daß Marx ihn zum Anlaß nimmt, um seine erste öffentliche Kritik an der junghegelianischen Ideologie vorzutragen und in diesem Zusammenhang wichtige eigene Anschauungen zu entwickeln.
Worin bestand das Grundproblem dieser Kritik? Als Marx in den „Deutsch-französischen Jahrbüchern“ sowohl Bauers selbständige Broschüre als auch den Aufsatz in den „Einundzwanzig Bogen“ zum Gegenstand der Auseinandersetzung machte, zollte er ihm zunächst Anerkennung; Bauer habe die Frage der Judenemanzipation neu gestellt, nachdem er andere Vorstellungen der Kritik unterzogen: „Wie, fragt er, sind sie b e s c h a f f e n, der Jude, der emanzipiert werden, der christliche Staat, der emanzipieren soll? Er antwortet durch eine Kritik der jüdischen Religion, er analysiert den religiösen Gegensatz zwischen Judentum und Christentum, er verständigt über das Wesen des christlichen Staates, alles dies mit Kühnheit, Schärfe, Geist, Gründlichkeit in einer ebenso präzisen als kernigen und energievollen Schreibweise.“ (128) Wie aber ist sein Lösungsvorschlag? Er verlangt die religiöse Emanzipation als Voraussetzung der politischen, und er meint, der Jude habe dabei eine Hürde mehr zu nehmen: er muß sich nicht nur von seiner, sondern von der Religion überhaupt befreien. Marx betrachtet diesen Standpunkt für nicht haltbar, widersprechen ihm doch die empirischen Gegebenheiten. Es gäbe nämlich moderne Staatsverhältnisse mit völliger politischer Gleichstellung, ohne daß die beteiligten Staatsbürger ihre Religion aufgaben. Marx verweist dazu auf die amerikanischen Freistaaten als das Land der vollendeten politischen Emanzipation, in dem eine solche Gleichstellung verwirklicht ist, das aber gleichzeitig nicht nur die Existenz, sondern eine „lebenskräftige“ Existenz der Religion aufweist. Wie ist dies Phänomen zu erklären? Nach Marx weiß Bauer hierauf keine überzeugende Antwort; wie die Junghegelianer bei all ihren großen Verdiensten um die Religionskritik überhaupt zu keinem Zeitpunkt die eigentlichen Wurzeln der religiösen Entfremdung aufzudecken vermochten.
Wodurch ist dies bedingt? Marx sieht die tiefere Ursache darin, daß Bauer fortdauernd alle weltlichen Fragen in theologische verwandelt, statt es umgekehrt zu versuchen, die theologischen in weltliche zu verwandeln. Er habe dementsprechend auch nur den christlichen Staat und nicht den Staat überhaupt kritisiert und dabei zudem die politische mit der menschlichen Emanzipation verwechselt.
Die politische Emanzipation, so fortschrittlich und wertvoll sie auch sein mag, ist jedoch noch nicht die menschliche Emanzipation. Sie ist im Gegenteil nur der vollendete Ausdruck eines geschichtlichen Zustandes, der die Menschen zu einem Doppelleben zwingt-. einerseits als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, in der Genuß das Prinzip, der Eigennutz herrscht, einer den andern als Mittel gebraucht und letztlich ein Kampf aller gegen alle stattfindet, andererseits als Mitglied des Staates, in dem der Mensch als Gemeinwesen gilt, sein Leben aber als solches nur auf eine scheinbare und illusionäre Weise zu führen in der Lage ist. Bei der näheren Bestimmung dieser beiden Sphären, die den Hauptteil seiner Darlegungen ausmacht, führt er dabei seine Analysen in der „Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie“ fort. Dort hatte er gezeigt, daß Hegel bereits tiefgründig jenen Zustand reflektiert, den Widerspruch zwischen den beiden Sphären zu versöhnen suchte, jedoch scheiterte, weil er den Dualismus als einen gegebenen, unvermeidlichen hinnahm und die Gretchenfrage umging: Warum eigentlich eine solche Trennung? Marx' Antwort ist dagegen so radikal, wie sie einfach ist: Er sieht die Wurzel des Übels im Privateigentum und behauptet, daß eine auf dieser Institution gegründete Gesellschaft zwangsläufig eine politische Sphäre über sich etablieren wird, in der wenigstens zum Schein, als Surrogat der verlorenen Gemeinschaft, das gesellschaftliche Wesen des Menschen Anerkennung findet; freilich auch aus dem Grunde, weil bei dieser Institution eine Einrichtung notwendig wird, die den in der Gesellschaft stattwaltenden Kampf aller gegen alle in Grenzen hält und verhindert, daß sich die Gesellschaft in fruchtlosem Kampf verzehrt. Umgekehrt aber hebt man das Privateigentum auf, kann ein Weg zu einem völlig anderen Gesellschaftszustand gegangen werden, dessen wesentliches Kennzeichen darin bestünde, daß gesellschaftliches und politisches Leben wieder unmittelbar eins werden. Das wäre dann auch die wirkliche, die menschliche Emanzipation. Marx schreibt: „Alle Emanzipation ist Zurückführung der menschlichen Welt, der Verhältnisse, auf den Menschen selbst.  Die politische Emanzipation ist die Reduktion des Menschen, einerseits auf das Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, auf das egoistische unabhängige Individuum, andererseits auf den Staatsbürger, auf die moralische Person.
Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurücknimmt und als individueller Mensch in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verhältnissen, Gattungswesen geworden ist, erst, wenn der Mensch seine ,forces propres' als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht.“ (129)
Für die Auseinandersetzung mit Bruno Bauer ist diese Betrachtungsweise grundsätzlich. Marx macht deutlich, daß Bauer auch nicht annähernd zu solchen Überlegungen fortschreitet und darum ein tieferes Verständnis der Religion verfehlt. Die Religion ist nämlich nur der ideologische Widerschein solcherart charakterisierter Verhältnisse. Wie die durch das Privateigentum zerrissene Gesellschaft mit Notwendigkeit den Staat aus sich hervorbringt, so ist auch die Religion auf der geistigen Ebene nur der ideologische Reflex der damit gegebenen Probleme und Widersprüche. Obwohl die Sphären durchaus verschieden, so scheut Marx doch den Vergleich mit dem Staate nicht. Wie der Staat in dieser Zeit nur das illusorische Gattungsleben ist, so ist auch die Religion nur die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens - aber eben darum, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt.
Von hier ausgehend ist dann der Vorwurf an Bruno Bauer nur ein einziger: Bauer schlägt sich andauernd mit der Religion herum, ohne sich um ihre weltliche Grundlage und Wurzel auch nur zu kümmern.
Sicher ist mit diesen knappen Ausführungen der Reichtum der Marxschen Gedanken in seinen Beiträgen zur Judenfage nicht ausgeschöpft. Sie enthalten aber den Kern seiner Überlegungen und lassen auch von dieser Seite her erkennen, welche theoriegeschichtliche Relevanz den „Einundzwanzig Bogen“ als einem Quellenband aus der Zeit des deutschen Vormärz zukommt.

Berlin, September 1987  Ingrid Pepperle

NB. I.P. 2006: Die in den Anmerkungen verzeichneten Archivalien aus Merseburg befinden sich jetzt im Geheimen preußischen Staatsarchiv Berlin-Dahlem , die Materialien des ehem. Zentralen Parteiarchivs der SED im Bundesarchiv Berlin, Stiftung und Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR.


(1) Julius Fröbel aus Zürich an Schönbein vom 7. Mai 1841. Abschrift in der Zentral-Bibliothek Zürich (Ms Z 1184) nach der Handschrift in der Universitätsbibliothek Basel.

(2)Julius Fröbel aus Zürich an Albert Schott in Stuttgart vom 6. Mai 1841 (Zentral-Bibliothek Zürich Ms Z 1184).

(3) Vgl. Robert Eduard Prutz: Zehn Jahre. Geschichte der neuesten Zeit. 1840-1850, Bd. 1 und 2, Leipzig 1850, Bd. 1, S. 352ff., Bd. 2, Anhang, S. XX ff.

(4) Vgl. dazu insgesamt: Die Hegelsche Linke. Dokumente zu Philosophie und Politik im deutschen Vormärz. Hg. von Heinz und Ingrid Pepperle, Leipzig 1985.

(5)Beispielsweise in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ am
3. Dez. 1841 in Nr. 337.

(6) So in den „Hamburger Literarischen und Kritischen Blättern“ Ludwig
Wienbargs am 8. Juni 1842, Nr. 2 137.

(7) Vgl. u. a. den von Fritz Fleiner hg. Briefwechsel zwischen Johann Caspar Bluntschli und Wilhelm Wackernagel aus dieser Zeit. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Alterskunde,
5. Bd. (Basel 1906, S. 206-266), desgleichen die Lebenserinnerungen von Robert Mohl, Bd. 2. Stuttgart und Leipzig 1902, S. 153.

(8) In Nr. 47-49 vom 25. bis 28. Febr. 1842, S. 185-196. Bruno Bauer besprach die Rohmer-Schrift in Nr. 158 vom 7.Juni 1842 im Beiblatt der „Rheinischen Zeitung“.

(9) Z. B. von Julius Fröbel: Friedrich Rohmer aus Weißenburg in Franken und seine messianischen Geschäfte in Zürich. Ein Wort in eigener Sache und zugleich ein Beitrag zur Geschichte reaktionärer Spekulationen unserer Tage, Zürich und Winterthur 1842.

(10) Vom „Beobachter auf der östlichen Schweiz, der Solothurner Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung bis zur Augsburger Allgemeinen Zeitung und Rheinischen Zeitung“.

(11)Vgl. die Konfidentenberichte vom Herbst 1842 in Karl Glossy: Literarische Geheimberichte aus dem Vormärz, Teil 1, S. 319-361, Wien 1913 (= Jahrbücher der Grillparzergesellschaft, Bd. 21) - Abgekürzt Glossy.

(12)Deutsches Zeritralarchiv Abt. Merseburg. Acta betr. den Schriftsteller und Dichter Dr. Georg Herwegh wegen verdächtigen und revolutionären Treibens 1842-1848 (Rep. 77, Tit. Vl. Polit. verdächt. Pers. Lit. H. Nr. 124) - Abgekürzt DZA Merseburg.

(13) Vorl. Ausg. S. 458. Die Antwort Feuerbachs an Georg Herwegh vom 23./27. Sept. In: Ludwig Feuerbach: Briefwechsel. Hg. von Werner Schuffenhauer, Leipzig 1963, S. 167.

(14) Vorl. Ausg., S. 459.

(15) Vorl. Ausg., S. 462.

(16) Herweghs Erwiderungen sind beispielsweise wiedergegeben in der „Schweizerischen National-Zeitung“, Basel, vorn 22. Okt. 1842 (aus Jena), vorn 1. Nov. 1842 (aus Leipzig), in dem „Scbweizerischen Republikaner“ vom 17.Jan. 1843 (aus Zürich). Vgl. dazu Bruno Kaiser: Georg Herweglis Exil in der Schweiz. In: Vom glückhaften Finden. Essays. Berichte. Feuilletons, Berlin und Weimar 1985, S. 177-196.

(17) Julius Fröbel: Ein Lebenslauf, 1. Bd., Stuttgart 1890, S. 131.

(18) Vgl. beispielsweise „An Georg Herwegh auf seinen Besuch des Königs von Preußen“. In: Schweizerischer Bildkalender für das Jahr 1843 von Martin Disteli, Solothurn 1843, S.44-45.

(19) Vgl. Theophil Zolling: Georg Herwegh und Friedrich Wilhelm IV. In: Die Gegenwart, Berlin, Bd. 54, 27. jg., Nr. 39; Nr. 41 vom 1. bis 15. Okt. 1898.

(20) Wiedergegeben u. a. in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ Nr. 3 vom 3. Jan. 1843, S. 23.

(21) Moritz Fleischer veröffentlichte unter Korrespondenzzeichen in der „Rheinischen Zeitung“ u a. „Herwegh und das deutsche Publikum“, eine Herwegh verteidigende Betrachtung der gegen ihn gerichteten Pressestimmen. Im Wiederabdruck fälschlich Robert Eduard Prutz zugeschrieben. In: Georg Herwegh: Briefwechsel mit seiner Braut. Hg. von Marcel Herwegh, Stuttgart 1906, S. 275 - Abgekürzt Brautbriefe.) Darüber und über Herweghs Reise und ihre Auswirkungen insgesamt auch sehr instruktiv Werner Feudel: Herweghs „Gedichte eines Lebendigen“ und die Deutschlandreise des Dichters im Spiegel der zeitgenössischen deutschen Presse. In: Heinrich Heine und die Zeitgenossen. Geschichtliche und literarische Befunde, Berlin und Weimar 1979, S. 37-64.

(22) Vgl. dazu die Anweisung des Kabinettsministers General von Thile an den Minister Graf von Arnim im Zentralen Staatsarchiv Merseburg. Rep. 77, Tit. Vl. Lit. 11. Nr. 124, Bl. 34. Des weiteren ist fast in jedem Konfidentenschreiben ab September 1842 von Herweghs Reise die Rede und von der kommentierenden Presse vor und nach dem Besuch bei Friedrich Wilhelm IV., von Herweghs Brief an ihn und des Dichters Ausweisung aus Preußen und Sachsen. Vgl. Glossy, Teil 1, S. 319-361; Teil 11, S. 4-22. Ähnlich neuerdings bei Hans Adler: Literarische Geheimberichte. Protokolle der Metternich-Agenten 1840-1848, Bd. 1, Köln 1977, S. 162-196.

(23) Im Brief an Johann Jacoby vom 14. Jan. 1843 schreibt er u. a.: „Zur Hauptsache, die den Deutschen Boten betrifft, der gleich in den ersten beiden Heften ein bißchen sturmläuten sollte und hoffentlich auch läuten wird.“ Vorl. Ausg., S. 476. Am 9.Jan. 1843 teilte Herwegh auch seiner Braut mit, daß er sich in einen neuen Kampf stürzen und die Vorrede zum Deutschen Boten schreiben will (Brautbriefe, S. 113).

(24) Daten der Rückreise nach den Briefen an die Braut: 6.Jan. Straßburg, 9.Jan. Basel, 10.Jan. 1843 Zürich (Brautbriefe, S. 104 und S. 112).

(25) Alfred Stern: Aktenstücke zur Geschichte der Ausweisung Herweghs aus Zürich im Jahre 1843, In: Süddeutsche Monatshefte, Stuttgart, 5. Jg., 2. Bd., Juli-Dez. 1908, S. 156.

(26) Ebd., S. 157.

(27) In Nr. 13 des „Schweizerischen Repulikaners“ vom 14. Febr. 1843 abgedruckt. In der Erklärung an das schweizerische Publikum (Beilage zu Nr. 16 des „Schweizerischen Repubikaners“ vom 24. Febr. 1843) wird sich mit den im Großen Rat erhobenen Vorwurf auseinandergesetzt, daß der Verlag nur Bücher veröffentliche, die in den Deutschen Bundesländern verboten werden und zensurflüchtig seien. Das hatte u. a. der Stadtschreiber
Gysi in seinem Votum im Großen Rat behauptet, als er die Frage über die „Tendenz des Herrn Herwegh und des Literarischen Comptoirs zu entscheiden vermeinte“, indem er die Vorrede Arnold Ruges zu den „Anekdota“ vorlas.Vgl.a.a.O.,S.74.

(28) Alfred Stern: Aktenstücke, a. a. 0., S. 160.

(29) In vorl. Ausg. erstveröffentlichter Brief Georg Herweghs an "Mein lieber Freund" [d. i. Arnold Ruge - I. P.], S. 468. Vgl. dazu noch die in vorl. Ausg. veröffentlichten Briefe Herweghs an Johann Jacoby vom 14. Jan. 1843, S. 466, und an Karl Marx vom 17. Febr. 1843, S. 469.

(30) DLZ Merseburg. Rep. 101. E. Lit. R. Nr. 20.

(31) MEW, Bd. 27, S. 414f.

(32) MEGA(1) I/1/2, S. 295ff.

(33) Arnold Ruges Briefwechsel und Tagebuchblätter. Hg. von Paul Nerrlich, Berlin 1889, Bd. I, S. 296 - Abgekürzt Nerrlich.

(34) Nerrlich I, S. 295.

(35) Brautbriefe, S. 162.

(36) Vorl. Ausg., S. 469.

(37) MEGA(2) III/l, 393/783.

(38) Vgl.: MEGA (1) 1/1/2, S. 152ff.

(39) Vgl. Brief Ruges an Marx vom 8. März 1843. In: MEGA (2) III/1, 399/787; Ruge an Adolph Stahr 23. Febr. 1843. In: Nerrlich I, S. 299. Vgl. dazu auch MEGA (2) 1/2, Apparat „Zur publizistischen Arbeit“ Die Herausgabe der „Deutsch-französischen Jahrbücher“, S. 533.

(40) Nerrlich I, S. 301.

(41) MEGA (2) III/l, S. 44.

(42) Diese 2. Aufl. wurde nach der Information des Innenministers von Arnim an die preußischen Oberpräsidenten vom 4. Okt. 1844 „unter dem Schutz des unauffälligen Titels Stunden der Andacht von der Schweizer Buchhandlung vertrieben“ (DZA Merseburg).

(43) Unter der Rubrik „Aus der Schriftstellerwelt“ in: Telegraph für Deutschland, Hamburg Nr. 70, S. 279, Mai 1843.

(44) ZB Zürich Ms. Briefe: Vgl. dazu auch Julius Fröbel an G. Herwegh vom 29. März 1843. Darin heißt es u. a.: „Ich treibe an den Druckereien was ich kann, aber es geht leider nicht schnell genug. Den zehnten Bogen bekommst Du morgen.“ (Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, Zentrales Parteiarchiv.)

(45) Zitiert nach dem Abdruck bei Robert Eduard Prutz: Zehn Jahre. Geschichte der neuesten Zeit. 1840-1850. 2. Bd., Leipzig 1856, S. LXIX.

(46) Vgl. Herweghs Brief an Fröbel vom Nov. 1842, vorl. Ausg., S. 463, und Georg Herweghs Brautbriefe, S. 113.

(47) Vgl. L. Feuerbachs Brief an Herwegh, Bruckberg, 23. Sept. 1842. In: L. Feuerbach. Briefwechsel, hg. von W. Schuffenhauer, Leipzig 1963, S. 167-169. Vgl. auch Herweghs Brief an J. Fröbel, vorl. Ausg., S. 464.

(48) Siehe dort „Reaktion in Deutschland“ in Nr. 247-251 vom 17. bis 21. Okt. 1842. Vgl. weiter dazu Herweghs im Anhang dieser Ausgabe mitgeteilter Brief, S. 464, und Bakunins Brief an Ruge vom 19.Jan. 1843. In: Bakunin. Gesammelte Schriften und Briefe, Bd. 3, 1840-1849, Moskau 1935, S. 173-177; sowie Bakunins Brief an Emma Siegmund vom 3. Febr. 1843 (Brautbriefe, S. 271-273).

(49) Ruge legte hier aktenmäßig die Zensurverhältnisse der „Hallischen und Deutschen Jahrbücher“ von 1839 bis 1842 vor. Marx stellte mit seinen „Bemerkungen über die neueste preußische Zensurinstruktion“ die reaktionären Ziele dieser sich liberal gebenden Anordnung vom Dezember 1841 heraus. Dem Kampf gegen den Entzug der Lehrerlaubnis für Bruno Bauer sind Artikel von Arnold Ruge und Moritz Fleischer gewidmet. Breiten Raum nehmen der preußische Verfassungsstreit und die Analyse der Schriften von Schön und Jacoby ein. Friedrich Köppen stellt Fichtes Revolutionsschriften vor. Die „Anekdota zur neuesten deutschen Philosophie und Publizistik“ erschienen in zwei Teilen im Februar 1843 in Zürich und Winterthur. Arnold Ruge hatte von der Zensur verbotene und nicht der Zensur vorgelegte Artikel seit Frühjahr 1842 darin versammelt. Die gerade erschienene Schrift spielte bei der Ausweisungsdebatte im Großen Rat in Zürich eine Rolle.

(50) Siehe vorl. Ausg., S. 463.

(51) Vgl. vorl. Ausg., S. 124.

(52) Vgl. dazu den Konfidentenbericht (Ebner) vom 5.Jan. 1843 und 8. Febr. 1843. In: Hans Adler: Literarische Geheimberichte, a. a. 0., Bd. I, S. 192 und S. 204.

(53) Diesen fortschrittlichen Charakter schätzten die Zeitgenossen beispielsweise in der in Zürich und Winterthur 1842 anonym erschienenen Schrift „Deutschlands politische Zeitungen“ (S. 36) so ein, daß die „inländischen Angelegenheiten des preußischen Staates noch nie mit soviel Gründlichkeit, Umsicht und Freimut besprochen worden seien“. Die Wünsche der freisinnigen Mehrheit Preußens, heißt es weiter, „werden namentlich ihrer praktischen Seite nach, hier vor die öffentliche Meinung Preußens gebracht und das in so klarer, bestimmter, unverhohlener Sprache, daß der Verfasser und der Censor in gleicher Weise durch den Geist der Zeitung geehrt werden.“

(54) Friedrich Wilhelm IV. an Theodor Schön am 21./28. Dez,1842. Zitiert nach Hans Rothfels: Theodor Schön, Friedrich Wilhelm IV. und die Revolution von 1848, Halle (Saale) 1937, S.241.

(55) Die Artikel erschienen auch gesammelt als Broschüre: Inländische Zustände. Der „Königsberger Zeitung“ mit Genehmigung des Verlegers derselben entnommen. Königsberg, Gräfe und Unzer 1842, 3 Hefte zu 98, 100 und 106 S.

(56) Vgl. vorl. Ausg., S. 82.

(57) Vgl. Gustav Mayer: Die Anfänge des politischen Radikalismus im vormärzlichen Preußen. In: Zeitschrift für Politik, 6. Bd., Jg. 1913, S. 6.

(58) Georg Herwegh an Johann Jacoby am 14.Jan. 1843. Vorl. Ausg., S. 467.

(59) Vgl. vorl. Ausg., S. 314.

(60) Vgl. zur Einordnung in Engels' Entwicklung und zur Entstehungsgeschichte MEGA(2) 1/3, S. 1032-1050.

(61) Vgl. Karl Nauwerck an Arnold Ruge vom 18. Sept. 1842. In: MEGA (2) 1/3, S. 1036.

(62) Vgl. dazu auch den Aufsatz von Friedrich Engels 1844 in „The Northern Star“ : „Fate of a traitor“, MEGA (2) 1/3, S. 599-600.

(63) Arnold Ruge an Karl Rosenkranz am 25. Febr. 1841. In: Die Hegelsche Linke, Hg. von H. und I. Pepperle, Leipzig 1986, S.805.

(64) Das Pseudonym war nicht aufzulösen. Der hier veröffentlichte Aufsatz ist nur der erste Abschnitt von drei geplanten. In den „Deutschen Jahrbüchern“ hatte schon im Oktober 1842 der württembergische Jurist Reinhold Köstlin eine ausführliche Rezension der Schrift geliefert. Begonnen mit Nr. 246 vom 15. Okt. 1842, S. 983.

(65) Vorl. Ausg., S. 292.

(66) Vgl. vorl. Ausg., S. 463.

(67) Vgl. dazu den Brief Bauers an Ruge vom 27. Okt. 1842. Sächs. Landesbibliothek Dresden, h 46, Bd. 1, Nr. 20. Teilweise veröffentl. bei Wolfgang Mönke: Die heilige Familie, Berlin 1972, S. 90. Vgl. auch B. Bauer: Die Juden-Frage. In: Deutsche Jahrbücher, Nr. 274 vom 17. Nov. 1842 bis Nr. 282 vom 26. Nov. 1842, S. 1093-1126.

(68) Vgl. dazu und zu den Absichten von Marx, im Jahre 1842 selbst einen Artikel zur Judenfrage zu schreiben, MEGA(2) 1/2, S.649-650.

(69) Vgl. vorl. Ausg., S. 148.

(70) Ebd., S. 146.

(71) Ebd., S. 147.

(72) Ebd., S. 153.

(73) „Die Eine und ganze Freiheit“ ist mit den Korrespondenzzeichen von Heß aus der „Rheinischen Zeitung“ versehen. Es ist durchaus möglich, daß es sich - wie bei den Arbeiten Nauwercks - um einen von der Zensur zurückgewiesenen Aufsatz für die „Rheinische Zeitung“ handelt. In Herweghs Brief vom November 1842 an Fröbel nennt er Heß zweimal, vgl. S. 464 vorl. Ausgabe. Heß sagte am 6. Dez. 1842 seinem Freund Berthold Auerbach, daß er für Herweghs Boten schreibe und sich hier ganz frei aussprechen könne. Vgl. Moses Heß: Briefwechsel. Hg. von E. Silberner und W. Blumenberg, Den Haag 1959, S. 101.

(74) In diesem Aufsatz wird eine weitere Rezension von Lorenz v. Steins Buch „Der Sozialismus und Kommunismus des heutigen Frankreichs“ (Leipzig 1842) erwähnt, die erst im Beiblatt zu Nr. 75 der „Rheinischen Zeitung“ am 16. März 1843 erschien. Heß' Aufsatz „Sozialismus und Kommunismus“ ist als Rezension des Steinscheu Buches angelegt.

(75) Vgl. dazu genauer: I. Pepperle: Junghegelianische Geschichtsphilosophie und Kunsttheorie, Berlin 1978, S. 90-98.

(76)F. Engels: Die inneren Krisen. In: Rheinische Zeitung Nr. 344 vom 10. Dez. 1842, MEGA(2) 1/3, S. 473.

(77) Vgl. M. Heß: Die politischen Parteien in Deutschland. In: Rheinische Zeitung Nr. 254 vom 11. Sept. 1842. Neu hg. von A. Cornu und W. Mönke: Philosophische und sozialistische Schriften. 1837-1850, Berlin 1961, S. 192. Zu Heß' vorhergehender Entwicklung vgl. die Einleitung zu dieser Werkauswahl.

(78) „Ohne die absolute Gleichheit, ohne den französischen Communismus einerseits, andererseits aber ohne die absolute Freiheit, ohne den deutschen Atheismus, kann weder die persönliche Freiheit, noch die soziale Gleichheit eine wirkliche Wahrheit werden.“ Vorl. Ausg., S. 165.

(79) Ebd., S. 180.

(80) Ebd., S. 159,

(81) Ebd., S. 426.

(82) Ebd., S. 429.

(83) Marx an Ruge am 30. Nov. 1842, MEGA(2) III/1, S. 38.

(84) Vorl. Ausg., S. 440-441.

(85) Ebd., S. 172.

(86) Ebd., S. 445.

(87) Vgl. „Veränderung des Plans und der Redaktion“. In: Der deutsche Bote aus der Schweiz, Nr. 75 vom 21. Sept. 1842.

(88) Vgl. Nr. 213-214 vom 7. bis 8. Sept. 1842.

(89) Vgl. dazu R. Gottschall: Aus meiner Studienzeit. In: Die Gegenwart, Bd. 52, Juni-Dez. 1897, Nr. 41, S. 232-236.

(90) Vgl. dazu D. F. Strauß an W. Strauß vom 10. Okt. 1843. In: Ausgewählte Briefe. Hg. von E. Zeller, Bonn 1895, S. 154. Zur sonstigen literarischen Tätigkeit von Strauß vgl. I. Pepperle:
Junghegelianische Geschichtsphilosophie und Kunsttheorie, a. a, 0., S. 135.

(91) Vgl. vorl. Ausg., S. 366.

(92) Der große Brand vom Mai 1842, der das Zentrum der Hansestadt fast völlig verwüstete, hat allerorten die Gemüter bewegt. Es gab vielfältige Hilfsangebote, Spendenaktionen, Benefizveranstaltungen. Das Ereignis veranlaßte nicht nur Herwegh, Gottschall, Prutz, Hoffmann von Fallersleben zu politischen Versen, selbst Annette von Droste-Hülshoff stellte dazu ihre Betrachtungen an. Vgl. ihr Gedicht: Die Stadt und der Dom. Erstdruck in den Gedichten von 1844.

(93) Vgl. dazu A. Gerlach: Deutsche Literatur im Schweizer Exil, Frankfurt (Main) 1975, S. 398.

(94) Im „Generalbericht an den Staatsrat von Neuchâtel über die geheime deutsche Propaganda, über die Klubs des jungen Deutschlands und über den Lemanbund“ von A. Favre und Ch. L. Lardy wird über seine Tätigkeit im Berner Arbeiterbildungsverein berichtet: „Er gibt ihnen Unterricht in der Geschichte und in andern Fächern und tut überhaupt alles mögliche für die weitere Ausbildung des Vereins.“ In: Eidgenössische Monatsschrift. Hg. von mehreren schweizerischen Schriftstellern, H. 4, Zürich 1845, S. 242.

(95) Vgl. seine Übersetzung „Sämtlicher Gedichte“ Bérangers von 1839 bis 1842 unter dem Pseudonym L. S. Rubens.

(96) Vgl. vorl. Ausg., S. 409.

(97) Ebd., S. 417.

(98) Ebd., S. 415.

(99) Vgl. (Ludwig Seeger): Deutsche Poesie in der Schweiz. Die neueste Lyrik 1) W. Wackernagel, 21. Sept. 1842, Nr. 75, S. 340-341.

(100) Vgl. dazu den schon erwähnten Briefwechsel Bluntschli-Wackernagel, a. a. 0., Anm. 7.

(101) So wird in den „Deutschen Jahrbüchern“ in Nr. 204 vom 27. August 1842, S. 816 (gez. W. T.), eingeschätzt: „Der Dichter huldigt der allerneuesten und freiesten Richtung und spricht das ganz unverhohlen in seinen Versen aus. Dagegen könnte man nun nichts haben. Aber wenn er diesen seinen modernen Reflexionen durchgängig biblische Texte zugrunde legt [ ... ] so muß man hingegen in jedem Betrachte sich erklären.“ Vgl. weiter: Laienevangelium in Jamben von Sallet, Leipzig 1842. In: Deutsche Jahrbücher, Nr. 289 vom 5. Dez. 1842, S. 1153-1156 (gez. K. L.). Marx hat sich in seinem vorletzten Artikel in der „Rheinischen Zeitung“ am 12. März 1843, Nr. 71: „Die Rhein- und Mosel-Zeitung“ als „Großinquisitor“ zu Sallets Dichtung geäußert. Vgl. MEGA(2) 1/1, S. 360-362.

(102) Der unveröffentlichte Brief befindet sich im Herwegh-Archiv Liestal, Schweiz.

(103) Das Exemplar ist im Herwegh-Archiv Liestal aufbewahrt. Es ist in Königsberg 1843 erschienen.

(104) Vgl. den Brief im Herwegh-Archiv. Liestal.

(105) Vorl. Ausg., S. 400.

(106) Vorl. Ausg., S. 387.

(107) Vgl. vorl. Ausg., S. 386.

(108) Vorl. Ausg., S. 382.

(109) „Herwegh wird, nach Mitteilung aus Zürich demnächst seine Schrift gegen Preußen vom Stapel laufen lassen und hat Anordnung getroffen, daß sie überall Eingang findet. Sie wird teilweise über Straßburg nach Deutschland eingeschmuggelt werden“. Konfidentenbericht, Frankfurt, den 8. Febr. 1843. Glossy, Bd. 2, S. 204.

(110) Vgl. dazu die Unterlagen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Z. T. ausgewertet bei Gerhard Taddey: Georg Herwegh und die Württemberger. Ideologisches Wunschbild und Wirklichkeit. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Stuttgart 1971, S. 209.

(111)Vgl. Glossy, Bd. 2, S. 109.

(112) DZA Merseburg. Rep. 77, Tit. Vl. Polit. verdächt. Pers. Lit. H. Nr. 124.

(113) Vgl. Friedrich Wilhelm IV. an Thile am 30. Nov. 1843: „Lösen Sie mir das Rätsel wie der p. Nauwerck, ein bekannter patentierter Revolutionär, hier an der Universität Privatdozent geworden ist und wie man ihm den größten Hörsaal, d. h. Schellings und Savignys Katheder einräumt.2 Zitiert nach Heinrich Treitschke: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, 5. Teil, Leipzig, 1920, S. 233. Nauwercks „Vorlesungen über die Geschichte der philosophischen Staatslehren“ erschienen in „Wigands Vierteljahreschrift“, Leipzig 1844, H. 1-4, und 1845, H. 1.

(114) Vgl. Max Lenz: Geschichte der Universität Berlin, 2. Bd., 2. Hälfte, S. 74, Halle 1918 (Antwort von Eichhorn an Innenminister Arnim).

(115) Ebd., S. 80.

(116) Ebd.

(117) Vgl. die Rezension in der „Allgemeinen Press-Zeitung“ Nr. 42 vom 21. Okt. 1843. Den Artikel aus Köln vom 15. Juli in Nr. 168 des „Hamburger Correspondenten“.

(118) „Telegraph für Deutschland“ Nr. 122, Juli 1843, S. 475 (verdruckt), eigentlich 487f. Vgl. auch die Polemik wegen der „Einundzwanzig Bogen“ gegen die „Hannoversche Zeitung“ im „Telegraph für Deutschland“ Nr. 127, August 1843, S. 508. Die Arbeit von Hettner nach „Schriften zur Literatur und Philosophie“, Frankfurt (Main) 1967 ' S. 27. - Saint-René Taillandier: La poésie et les poètes démocratiques. Revue des deux Mondes, l` juin 1844, S. 1030ff.

(119) Vgl. Johann Caspar Bluntschli: Denkwürdiges aus meinem Leben. Teil 1, Nördlingen 1884, S. 341.

(120) Von Nr. 43 bis Nr. 48 vom 30. Mai 1843 bis 16. Juni 1843 u. d. T.: Die Kommunisten. In Nr. 47 unter der Rubrik „Vaterland“ wird bekanntgegeben, daß am 8.Juni der „bekannte Kommunist W. Weitling arretiert und seine sämtlichen Schriften mit Beschlag belegt wurden“.

(121) Vgl. dazu Bluntschlis Bericht: Die Kommunisten in der Schweiz, Zürich 1843, S. 56-57 und S. 77-78. Vgl. dazu auch Julius Fröbel, August Adolf Ludwig Follen an den Zürcher Regierungsrat am 20. Juli 1843 (Zürich, Staatsarchiv, Prozeßmaterial: Untersuchung gegen Weitling 1843. Fasz. a/No. 1 Brief Fröbels an Reg. Abschrift in ZB Zürich Ms Z II 84,4). Vgl. auch Ernst Barnikol: Weitling der Gefangene und seine Gerechtigkeit, Kiel 1929. Darin auf den Seiten 186 bis 194 Gerichts- und Polizeidokumente zu Weitlings Verhaftung und Prozeß mit Hinweisen auf Julius Fröbel.

(122) Vgl. „Der Beobachter aus der östlichen Schweiz“ Nr. 58 vom 21.Juli 1843. Siehe auch die „Offene Erklärung“ Hegners im „Schweizerischen Republikaner“ am 21.Juli 1843, datiert vom 19. Juli 1843.

(123) Julius Fröbel: Das Verbrechen der Religionsstörung nach den Gesetzen des Kantons Zürich. Eine Beleuchtung zur Belehrung des Volkes, angeknüpft an den Prozeß des Literarischen Comptoirs wegen der beiden Schriften: „Das entdeckte Christentum“ und „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz“. Zürich und Winterthur 1844. Vgl. dazu auch: J. Fröbel: Ein Lebenslauf, 1. Bd., Stuttgart 1890, S. 112. Zur Konfiszierung des „Entdeckten Christentums“ vgl. Ernst Barnikol: Das Entdeckte Christentum im Vormärz, Jena 1927, S. 9-16.

(124) Dazu genauere Angaben MEGA(2) 1/2, S. 536. Vgl. auch den Brief Ruges an Fröbel vom 18. August 1843 (ZB Zürich Fröbel).

(125) Moses Heß: Über die sozialistische Bewegung in Deutschland. In: Neue Anekdota. Hg. von K. Grün, Darmstadt 1845; neu hg. von A. Cornu und W. Mönke, a. a. 0., S. 301-302.

(126) MEGA(2) 1/2, S. 317.

(127) MEGA (2) 1/2, S. 268-269.

(128) MEGA(2) 112, S. 142.

(129) MEGA(2) 1/2, S. 162-163.


Der Text ist diplomatisch getreu nach der ersten Auflage der Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz wiedergegeben; d. h. Orthographie und Interpunktion der Textgrundlage sind erhalten geblieben. Das Inhaltsverzeichnis auf S. 456 wurde mitsamt den Seitenangaben aus dem Original übernommen. - Die Brief-Texte im Anhang entsprechen der Erstveröffentlichung bzw. der Handschrift. Es wurden diejenigen Briefe Herweghs zusammengestellt, die sich auf die vorliegende Publikation beziehen. Für das Einverständnis zur Veröffentlichung sei dem Herwegh-Archiv im Dichtermuseum Liestal (Schweiz) und dem Deutschen Literaturarchiv/Schiller-Nationalmuseum Marbach (Neckar) gedankt. Danken möchte ich auch Frau Karin Gurst für die Betreuung seitens des Verlages sowie Frau Gerda Paff für die Anfertigung des Personenregisters und die Hilfe beim Korrekturlesen.

Georg Herwegh

Am Steinberg 104 B, 13086 Berlin Tel. 030 - 472 38 50, Fax: , E-Mail: he.stein@t-online.de