- Feuerbach

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Ingrid Pepperle: Philosophie und kritische Literatur im deutschen Vormärz – Ludwig Feuerbach und Georg Herwegh, in: Ludwig Feuerbach und die Philosophie der Zukunft, Internationale Arbeitsgemeinschaft am ZT der Universität Bielefeld 1989, hg. v. Hans-Jürg Braun, Hans-Martin Sass, Werner Schuffenhauer, Francesco Tomasoni, Berlin 1990, S. 575-592.


"Feuerbach und Rosenkranz. Seht euch einmal diese Namen recht genau an, und ihr habt den ganzen Unterschied der beiden Männer, die auf so bedeutsame Weise bei der Entwickelung der neuesten Philosophie thätig sind. Ludwig Feuerbach, der - Sohn des schauervoll berühmten Criminalisten; - wirklich ein Alles verzehrendes Feuer, ein erbarmungsloser Zweifler, der dem alten Glauben sein Land Schuh für Schuh abkämpft und mit dämonischem Jubel dem Nichts sich in die Arme wirft; ein begeisterter Nihilist,der die Auflösung aller Dinge nicht erwarten zu können scheint, um im Ocean des Unendlichen seine drückend beengende Endlichkeit auszubaden; ein Spinozist, ein Pantheist, ein Encyklopädist, wenn ihr wollt, und im nächsten Augenblick wieder nichts von allem dem, sondern nur ein ehrlicher Denker, der auf keinen Meister schwört, ein furchtloser Philosoph, der vor keinem Resultat erschrickt, der mit keiner Schule akkordirt, keinem Herkommen sich akkommodirt, der nur glaubt, was sein Geist durch eigene Arbeit sich erobert; der natürliche Enkel Peter Bayle's und doch ein Mann,der nur in Deutschland möglich ist. Kurz, ein ehrlicher Denker, unddarum vielleicht ein einsamer! Darum?“(1)
   Der dies im Mai 1841 geschrieben hatte, war ein dreiundzwanzigjähriger deutscher Flüchtling, der mehr schlecht als recht seinen Lebensunterhalt in Zürich mit publizistischen Arbeiten verdiente. Kaum einen Monat später war er ein berühmter Mann. Seine „Gedichte eines Lebendigen“(2) - in Preußen gleich verboten - erschienen zur selben Zeit wie Feuerbachs „Wesen des Christentums“ und machten Georg Herwegh, den vorm württembergischen Militärdienst geflohenen Stuttgarter, in kurzer Zeit zum wohl erfolgreichsten Lyriker Deutschlands. Sein schmales Bändchen war bald in aller Munde und erlebte von Vierteljahr zu Vierteljahr neue Auflagen, bis Mitte 1843 waren es sieben mit ca. 15.600 Exemplaren.
Worauf gründete sich dieser sensationelle Erfolg?
   Der junge Autor, davon überzeugt, daß  „in diesem Moment die ganze Kraft des deutschen Volkes zu einer entscheidenden That sich vorbereitet“, hatte aus seinem bisherigen lyrischen Schaffen eine gezielteAuswahl nach formellen und inhaltlichen Kriterien getroffen.
„Alles Erotische“ ließ er bewußt beiseite, und gegen die „desolate Form“ der bisherigen politischen Dichtung angehend, gab er in geschliffener Verstechnik in den Gedichten seine „aufrichtige politische Confession“, in Sonetten seine „rein menschliche Confession“, Ansichten zu Welt- und Menschheitsproblemen.(3)
   Mit diesen Liedern und Sonetten wurde Herwegh zum Hoffnungsträger des um demokratische Rechte kämpfenden deutschen Bürgertums. An die Tradition der rhetorisch-appellativen Lyrik der Befreiungskriege, der Burschenschaften und Platens anknüpfend, rief er in klangvollen Rhythmen, mit einprägsamen Bildern, vertrauten Symbolen und packenden Parolen zum Kampf gegen politische Indifferenz, gegen feudale Machthaber und die sie stützende klerikale Ideologie auf (gegen „Pfaffen, Philister und Tyrannen“). Die Gedichte „Der letzte Krieg“, „Das freie Wort“, „Aufruf“, „Der Freiheit eine Gasse“, „ Vive la Republique“, ,,Das Lied vom Hasse“ u. a. bezogen ihre aktivierende Wirkung aus dem ungestümen revolutionären Pathos, das sich nach dem Vorbild Bérangers in sangbaren, vielfach vertonten Versen an ein sozial noch undifferenziert verstandenes „Volk“ wandte. Die Lieder warben mit dem Gestus hinreißender Begeisterung für die Durchsetzung bürgerlich-demokratischer Forderungen, für „Freiheit und Einheit“. Es war dieses appellative Pathos, das Heinrich Heine zwar ob seiner utopischen Siegesgewißheit in den zum geflügelten Wort gewordenen Versen „Herwegh, du ei serne Lerche“ anzweifelte, das die Mehrheit seiner deutschen Zeitgenossen aber begeisterte.
   Bis heute ist es so geblieben, daß die Dominaz der politischen Gedichte dieser Sammlung das Urteil über Herwegh prägt und seine sonstigen Arbeiten, auch die Sonette in den -Gedichten eines Lebendigen-, im Hintergrund der Rezeption stehen. Ludwig Feuerbach aber, der dem „ritterlichen Freiheitssänger“ bei Gelegenheit seine „innige Verehrung“ aussprach, insistierte auf die „menschliche Confession“ der Sonette. Er gestand Herwegh, aus einer „miserablen politischen Zeitung“ sich das Sonett herausgeschnitten zu haben, in dem er sein geistiges Eigentum wiedererkannte: (4)

XXIll.

„Sei mir gesegnet, frommes Volk der Alten,
Dem unglückselig sein hieß: selig sein,
Das jedes Haus, in das der Blitz schlug ein,
Für ein dem Zeus geweihetes gehalten!

Du fühltest wohl, des Himmels heimlich Walten
Enthüll sich den Geschlagenen allein,
Und da leucht erst der Wahrheit voller Schein,
Wo sich das Herz, der Wolke gleich gespalten.

0 sprecht, war's nicht zumeist des Unglücks Stunde,
Die euch hinan zum Ewigen gehoben,
Der Himmelsoffenbarung klang vom Munde?

Der Frieden nicht, der Sturm trägt uns nach oben,
Die höchsten Freuden sind auf dunklem Grunde,
Gleichwie des Äthers Sterne, eingewoben.“ (5)

   In diesen Versen ist wirklich eine zentrale Thematik der „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“ erfaßt, der Herwegh schon im X. Sonett über „Des Unglücks Weihe“ Gestalt zu geben versuchte; wie überhaupt eine Reihe weiterer im Herbst 1840 entstandener Sonette (6) sichtlich durch diese Arbeit angeregt worden ist. Feuerbach hatte in dem Dichter einen begeisterten Anhänger gefunden, noch ehe sein Hauptwerk erschienen war.
   Wir wissen nicht, wann zuerst Herwegh die Frühschrift kennenlernte. In seinem anfangs zitierten Aufsatz „Feuerbach und Rosenkranz“ von 1841 setzt er sie, wie auch die philosophiehistorischen Studien der dreißiger Jahre, als bekannt voraus. Es ist durchaus möglich, daß der 1817 geborene, aus einfachen Verhältnissen stammende Herwegh, dessen einzige Bildungschance es war, über Landexamen, Maulbronner Seminar und Tübinger Stift sich auf die theologische Laufbahn vorzubereiten (aus der er allerdings gleich 1837 ausbrach) - es ist möglich, daß Herwegh schon in den dreißiger Jahren mit Feuerbachs Arbeiten vertraut wurde. Denn er bezog das Tübinger Stift im Herbst 1835, in einer Zeit also, in der überkommenes religiöses Bewußtsein in tiefe Krisen geriet. Georg Herwegh konnte die Aufregung und sofort einsetzende öffentliche Dispute um das bis spät ins 19. Jahrhundert hinein wirksame Buch von David Friedrich Strauß „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ an seinem Ursprungsort und von Anbeginn verfolgen; wurde doch Strauß im Herbst 1835 als Repetent vom Stift entfernt.
   Herwegh ist schon vor der politischen Auseinandersetzung um die Berufung von Strauß nach Zürich, vor dem Zürich-Putsch vom September 1839 und erst recht danach für den „Ketzer“ Strauß, für dessen pantheistischen „Kultus des Genies“, eingetreten und hat ihn selbst 1842 als Autor für seine geplante Zeitschrift „Der deutsche Bote aus der Schweiz“ gewonnen. (7)
   Auch die im Dezember 1835 vom Deutschen Bundestag verbotenen Schriften des Jungen Deutschlands waren Herwegh schon im Maulbronner Seminar bekannt. Die Tübinger Stiftsleitung hatte den neuen Stipendiaten sogar in „schlimmen Verdächten“, mit den Häuptern der Schule zu korrespondieren, (8) so auch mit Karl Gutzkow, dessen Roman  „Wally, die Zweiflerin“ wegen seiner religionskritischen Thematik großes Aufsehen erregte und dem Autor eine Gefängnisstrafe einbrachte. Herwegh verehrte Gutzkow als seinen Lehrer, sah in den Jahren, in denen er sich für den Schriftstellerberuf entschied, in ihm sein Vorbild. Er schrieb enthusiastische Briefe nach Hamburg, konnte in Gutzkows „Telegraph für Deutschland“ u. a. seine skeptischen Verse veröffentlichen mit ihrer an Shelley gemahnenden Absage an einen Gott,
„der für der Völker Schicksal blind
und taub für ihre Schrecken, -" (9)
  
Es ist denkbar, daß er durch Gutzkows „Jahrbuch der Literatur“ von 1839 und die darin enthaltenen Skizzen Karl Riedels „Friedrich Damer“ und „Ludwig Feuerbach“ auf die „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" aufmerksam wurde, die ihn als einen Verehrer Shelleys sicherlich stark anziehen mußten. Er hat sie jedenfalls mit Gewinn für seine weltanschauliche Entwicklung und poetische Reife verarbeitet. Sein in der frühen Lyrik dokumentiertes Unbehagen an der überkommenen Glaubenslehre, den damit verbundenen Kämpfen und religiösen Zweifeln als auch die Vorliebe für die damals weitverbreitete Weltschmerzproblematik mit düsterer Todessehnsucht fanden Halt und theoretische Klärung. Herwegh wandelte sich vom Deisten zum Pantheisten. Das bezeugt u. a. die Elegie „Ich möchte hingehn, wie das Abendrot“, die oftmals als Herweghs schönstes Gedicht genannt wird,(10) oder das IX. Sonett „Den Naturdichtern“ mit der Aussage: Poesie ist, wie Gott, in allen Dingen.
   Feuerbachs pantheistisches Konzept, das den Glauben an eine persönliche Unsterblichkeit ablehnte, zu Tod und Vergänglichkeit eine neue Haltung bezog, Tod und Leben als gleichwertige, zusammengehörige, sich bedingende Seinsweisen begriff, ermöglichte Herwegh, dem Tod mit heiterer Gelassenheit zu begegnen, ihn gleichsam zu feiern wie im XVIII. Sonett „Der Tod, ihr Freunde, ja der Tod soll leben“. Er fand seit 1838 in den Metaphern von Tropfen, Welle, Ozean poetischen Ausdruck für den Gedanken der Endlichkeit individuellen Seins und der Unvergänglichkeit des Allgemeinen," der die tröstliche Idee des Aufgehobenseins im und des Anteils des Einzelnen am Allgemeinen bereithielt.
   Diese Idee ist es, die er gleichfalls 1843 im zweiten Teil der „Gedichte eines Lebendigen“ (11) im XXXIV. Xenion „Ludwig Feuerbach (Wie muß des Denkers scharfes Schwert)“ gegen die Kritiker des Philosophen verteidigt.
   Wahlverwandt mit Feuerbach ist auch Herweghs schon in frühen Gedichten präsentes enges Verhältnis zur Natur, das in den bisher kaum bekannten „Waage“-Gedichten von 1841 „Im Herbst (Die Erde fordert kalt zurück)“ und „Naturstimmen“ (12) mit ihrer pantheistischen Grundausrichtung noch an Intensität gewinnt. Wie den „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“ begegnete Herwegh allen weiteren Arbeiten Feuerbachs mit Aufmerksamkeit. Aus dem „Neuesten Messkatalog“ hat er 1839 Feuerbachs Schrift „Über Philosophie und Christentum“ als das vielleicht „Kostbarste im philosophisch-theologischen Fache“ empfohlen.(13)
   Ausführlicher ist er in dem schon erwähnten Aufsatz „Feuerbach und Rosenkranz“ auf diese „neueste und verwegenste“ Schrift des „philosophischen Rebellen“ eingegangen.(14) Herwegh, der ein genauer Leser der „Hallischen Jahrbücher“ war und sich oft genug an ihren ästhetischen Urteilen rieb, hat Feuerbach damals schon nicht mehr zu den Hegelianern gerechnet. Er fand es aber verdienstvoll, daß dieser die Angriffe Leos gegen die Hegelsche Philosophie und die Schüler Hegels durch eine grundsätzliche Erörterung des Verhältnisses von Wissenschaft und Glauben, Philosophie und Theologie, Vernunft, Erfahrung und religiösem Dogma abwehrte.
   Feuerbachs Argumentation, daß es eine christliche Philosophie genausowenig geben könne wie eine christliche Mineralogie, Medizin oder Mathematik, unterstrich er mit der ironischen Frage, warum die frommen Züricher nur gegen David Friedrich Strauß revoltierten und nicht gegen Lorenz Oken, den Naturforscher und ersten Rektor der Züricher Universität, weil dieser noch von anderen Steinen, von anderen Tieren, von anderen Pflanzen als denen des heiligen Landes spräche.(15) Etwas schadenfroh meinte er, die Hegelsche Lehre habe sich die Auseinandersetzung selbst zugezogen, weil sie Philosophie und Theologie zu versöhnen trachtete ein Unternehmen, das seiner Meinung nach von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Deshalb auch schätzte er ein: „Die Opposition Feuerbachs gegen die Hegel'sche Philosophie ist eigentlich noch verdienstvoller als deren Vertheidigung.“ (16)
   Mit dieser Äußerung muß sich Herwegh auf Feuerbachs Aufsatz „Zur Kritik der Hegelschen Philosophie“ bezogen haben, der Ende August/Anfang September 1839 in den „Hallischen Jahrbüchern“  erschienen war. Mit den darin enthaltenen Kritikpunkten konnte sich Herwegh sofort identifizieren, trafen sie doch im wesentlichen mit den eigenen Polemiken gegen die damals so übermächtig dominierende Hegelsche Theorie zusammen. Feuerbach erklärte in diesem Beitrag zum einen, wieso es ihm nicht mehr möglich sei, die Verabsolutierung der Hegelschen Philosophie als der Philosophie schlechthin aufrechtzuerhalten, die die Schüler Hegels ganz im Einklang mit dessen System betrieben. In unmittelbarem Einverständnis mit dieser Feststellung schrieb Herwegh am 19. September 1839 in der „Deutschen Volkshalle“: „Hegel's Philosophie ist ein großes Resultat tausendjährigen Denkens, aber der Abschluß ist sie noch nicht; und es ist gewiß nicht einmal in Hegel's eigenem Sinne gedacht, wenn man seine Philosophie als Richtschnur für alle zukünftigen Gestaltungen brauchen will.“(17)
   Der zweite Einwand, den Feuerbach gegen die Hegelsche Philosophie erhob, war der Vorwurf des Idealismus überhaupt, der darin gipfelte, daß Hegel das im Denken, im Begriff gefaßte Allgemeine zur wahrhaften Wirklichkeit erkläre, während die in der Sinnlichkeit gegebene gegenständliche Weit zum bloßen Schein herabgewertet werde, eine Auffassung, die Hegel dazu führe, daß er nicht das empirische, wirkliche Sein, sondern die Abstraktion des Seins, die Idee des Seins, das reine leere Sein zum Ausgangspunkt seiner Philosophie mache und - statt die Gedanken aus den Dingen zu gewinnen - in den Fehler verfalle, die Dinge aus den Gedanken zu gewinnen. Dieser von materialistischen Positionen aus an die ganze neuere Philosophie von Cartesius bis Spinoza herangetragene Vorwurf des Bruchs mit der sinnlichen Anschauung (18) ist sicherlich derjenige, der dem Dichter Herwegh sofort einging, wenn er ihn auch nicht in allen theoretischen Konsequenzen gleich nachvollziehen konnte. Denn an den junghegelianischen Literaturkritiken störte ihn die sekundäre Behandlung des im Kunstwerk vorhandenen Besonderen, Einmaligen. Für die „Hallischen Jahrbücher existirt keine Individualität, Originalität“, beklagte er.(19) Er hat erst später die in der frühen Publizistik zu den unterschiedlichsten Anlässen verstreut geäußerte Kritik an der spekulativen Ästhetik zusammenhängend formuliert. Sie ist von Gottfried Semper in seinem Werk über den Stil als  „Worte eines Dichters und Kunstkenners“ aufgenommen worden. Ähnlich wie in Hermann Hettners Abhandlung von 1844 ist also Herweghs Einwand gegen eine idealistische Ästhetik von Feuerbachs Grundüberzeugung der Priorität des Seins vor dem Bewußtsein, des Einzelnen, Konkreten vor dem Allgemeinen und Abstrakten geprägt. Für die Kunstkritik bedeutet das, die Priorität des real vorhandenen Kunstwerks in allen seinen Bestandteilen vor den begrifflichen Verallgemeinerungen seines Gehalts. Herwegh verbat sich den absoluten Maßstab, dem das „konkrete Verständnis des Schönen“ abgeht und der sich damit begnügt, „aus der vollen Traube nur den abstrakten Schnaps des Gedankens abzudestillieren“. „Wenn aber Form, Farbe, Quantität, um sie recht zu empfinden, erst in der Kategorienretorte sublimiert werden müssen“, gab er zu bedenken, „wenn das Sinnliche als solches keinen Sinn mehr hat, wenn das Leibliche, wie in dieser Ästhetik, sich erst entleiben muß, um seinen Reichtum aufzuschließen, - geht da nicht für die Kunst der Grund selbständiger Existenz zugrunde?“ (20) Das war seine prinzipielle Infragestellung spekulativer Kunsttheorie. Er forderte eine „empirische Ästhetik“, die das „unmittelbare anschauende Denken“ erlaube.
   Der Einfluß der Feuerbachschen Kritik in den Aufsätzen von 1839 war aber nicht nur unmittelbar für die Ausprägung von Herweghs philosophischen Ansichten und für sein ästhetisches Credo bedeutsam. Insofern Feuerbach mit dieser Kritik einen tiefgreifenden Einfluß auf die junghegelianische Bewegung ausübte, brachte er auch Herwegh und die Junghegelianer zusammen. Seine konsequente und überzeugende Forderung, über Hegel hinauszugehen, führte dazu, daß die linken Hegelianer allgemein ein kritischeres Verhältnis zu ihrem Lehrer fanden und durch die Ausweitung der Kritik die konservativen Seiten des Systems auch auf anderen Gebieten zu überwinden versuchten. Die Kritik der Theologie und Religion machten sich die Junghegelianer sofort zu eigen, wodurch verständlicherweise die Gegensätze zu den konservativen Kräften vertieft wurden und es im Zusammenhang mit politischen Erfahrungen zur Radikalisierung der Bewegung kam. Herwegh hat den neuen bedeutenden Entwicklungsabschnitt der „Apostel des Bestehenden“, wie er sie noch 1839 nannte, sehr schnell akzeptiert und von nun an ihre politischen Artikel, in denen sie zur Kritik Preußens übergingen, zum Gegenstand eigener zustimmender Erörterung gemacht. (21) Aus der gegenseitigen Akzeptanz - Ruge widmete den „Gedichten eines Lebendigen“ eine enthusiastische Besprechung - erwuchs gemeinsamer politischer Handlungswille, wie er sich in der publizistischen Zusammenarbeit der nächsten Jahre dokumentiert, an der auch Feuerbach seinen Anteil hatte. So war es dann sein epochemachendes Hauptwerk, das mit der großen, sofort einsetzenden Wirkung zum Übergang der linken Hegelianer auf atheistische und republikanische Positionen beitrug.
   Wie die Junghegelianer wird auch Herwegh das „Wesen des Christentums“ nach Erscheinen im Sommer 1841 rezipiert haben. Eindeutig weist erst der Entwurf einer Rezension des lyrischen Werkes von Eduard Duller  „Der Fürst der Liebe“, das im Herbst 1842 herauskam, auf Herweghs Lektüre hin. (22) Allerdings gibt es im Nachlaß ein ironisches Gedicht „An Ludwig Feuerbach“(Laßt den Dichtern ihre Federn, steckt die Philosophen ein), das Herwegh während seines Paris-Aufenthaltes im Winter 1841 niederschrieb. Diese, wie auch andere aus dem Nachlaß veröffentlichte Verse dieser Zeit, belegen, wie Herwegh sehr früh die politische Bedeutung erfaßt hat, die Feuerbachs religionsphilosophischem Grundsatz im „Wesen des Christentums“ innewohnt: Das Geheimnis der Religion ist der Mensch.
   Die Erkenntnis, daß Gott keine reale Existenz hat, nichts anderes darstellt als die Verkörperung der menschlichen Gattungseigenschaften und der religiöse Mensch folglich von einem Produkt seiner eigenen Tätigkeit beherrscht wird, diese Erkenntnis, die bei  Feuerbach in die Schlußfolgerung mündet, daß die Liebe des Menschen zum Menschen der ethische Imperativ des neuen Humanismus ist und den obersten praktischen Grundsatz gebiert: Homo homini deus est - für Herwegh hat sie die ganz konkrete praktisch-politische Konsequenz, die er dem Philosophen in den Mund legt:

„Such, o Volk, dein Heil auf Erden,
 Einen Himmel gibt's nicht mehr.(...)

Brich noch heute deine Ketten,
Gleich als ob kein morgen wär'.“ (23)

   Ein anderes, gleichfalls „Feuerbach“ überschriebenes Gedicht variiert das Thema, die Ironie bleibt:
„Göttliches Recht, den Hut zu zieh'n und die Kniee zu beugen,
 o unseliges Volk, dem er auch das noch geraubt!
Nicht nur will er die gnädigen Herrn von der Erde vertreiben,
Aus dem Himmel sogar wirft er die letzten hinaus!“(24)

„An Feuerbach und Strauß“ ist folgende lakonische Anrede gerichtet: „Ihr nehmt den Himmel, damit wir auf der Erde was nutz werden.“(25)
   Die Einsicht, daß das Ende der christlichen Religion die Stellung der Menschen in der Welt und das Verhältnis zur Praxis fundamental verändert, hatte Herwegh nicht allein. Aber es bleibt ein Charakteristikum seiner Feuerbach-Rezeption, daß er so ziemlich der erste war, der direkt von der moralphilosophischen auf die politischsoziale Wichtigkeit der Feuerbachschen Theorie kam. Das ließe sich außer an den hier angeführten Beispielen noch an vielerlei gelegentlichen Äußerungen in Artikeln und Briefen dieser Zeit belegen, etwa wenn er sich über die Mißachtung der Philosophie, die die Revolution gebiert, bei den deutschen Zeitungsschreibern in Paris beklagt, oder darüber, daß seine Zürcher Freunde keine Ahnung haben von der politischen Bedeutung „der Feuerbachschen religiösen Reforrn“. Ganz im Gegensatz zu seinem vorherigen Tadel philosophischer Konstruktionen fühlte er sich selbst nun wohl „im Himmel der Abstraktionen“ und versprach sich von ihm einen Jungbrunnen für die deutsche Literatur.(26)
   Das sofortige Insistieren auf konkreten Folgerungen ist hauptsächlich seinem revolutionären Demokratismus geschuldet. Etwas anderes aber mußte hinzukommen, denn Herweghs Forderung schloß die in der politischen Emanzipation enthaltene soziale Dimension mit ein.
   Sicher hat seine Kenntnis französischer Soziallehren dabei eine Rolle gespielt. Zu wenig beachtet wurde bisher in der Forschung die Tatsache, daß August Wirths „Deutsche Volkshalle“, an der Herwegh 1839-1840 mitarbeitete, eher als irgendein anderes deutsches Blatt die utopischen Sozialisten, Fourier, St. Simon, Owen, Lamennais, den Babouvismus, Malthus, die Chartistenbewegung besprach.(27) In Paris wurde dieses latente Wissen aktiviert. Herwegh schrieb begeistert von Leroux' philosophischem Sozialismus in der gerade neugegründeten „Revue Independente“. Er lernte die Fourieristen kennen. Diese damals durch den unermüdlichen Einsatz von Victor Considerant sehr agile sozialistische Gruppierung hat einen starken Eindruck auf ihn gemacht, Noch ein Jahr später bezeichnete er sich selbst als Fourieristen.(28)
   Es sei die These erlaubt, daß das Zusammendenken Feuerbachscher Axiome und frühsozialistischer Lehren Herwegh befähigte, in Paris sein erstes sozialkritisches Gedicht, „Die kranke Lise“, zu schreiben. In balladesker Form wird hier nach einer wahren Begebenheit ein dramatisches Geschehen berichtet: Die Frau eines Webers bricht am Weihnachtsabend beim Weg ins Hospital auf dem Bastille-Platz an der Juli-Säule in Geburtswehen zusammen. Der Leser erfährt dies aus dem diesen Vorgang begleitenden Selbstgespräch der Frau. Der Ort des Geschehens, die Geburt und die Reflexionen der Gebärenden mit dem sich wiederholenden Marseillaise-Zitat sind eindeutig. Ihre Metaphorik besagt, daß die bisherigen Revolutionen soziale Gerechtigkeit nicht erbracht haben. Akteure und Aufgaben der kommenden Revolution aber schon geboren werden. Für dieses Gedicht gab es keine Vorbilder oder Anknüpfungspunkte in der bisherigen politischen Lyrik. Es unterscheidet sich aber auch durch den aggressiven Ton, das artikulierte proletarische Selbstbewußtsein, die Entlarvung religiös motivierter Wohltätigkeit als Heuchelei von der bis dahin üblichen Behandlung sozialer Thematik in der deutschen Literatur, die an religiöse Mitleidsgefühle appellierte. (29)
   Das prinzipiell Neue diese Gedichts war den Freunden Herweghs und ihm selbst bewußt. Ende 1843 erklärte er damit die „wichtigste Wendung“ seines Dichtens, den Abschied von pathetisch überhöhter politischer Lyrik. (30)
   Wenn Feuerbachs Atheismus und Humanismus Herwegh vornehmlich in den politisch-sozialen Konsequenzen beschäftigte, bedeutet das jedoch keine Einschränkung seines Verständnisses der philosophischen Problematik, die Feuerbach bewegte. Im Gegenteil, sie interessierte ihn nach wie vor sehr intensiv. So bat er Fröbel, als er aus Zürich ausgewiesen war, um Nachsendung von Verlagsartikeln, u. a. auch von Feuerbachs „Religion der Zukunft“. (31) Unveröffentlichte und aus dem Nachlaß veröffentlichte Vorarbeiten zu einem Aufsatz oder einer Broschüre (32) über Konstellationen innerhalb der neuesten philosophischen Bewegung sind m. E. als Reaktion auf die 1843 in Tübingen erscheinenden „Jahrbücher der Gegenwart“ von Albert Schwegler zu verstehen. Über diese philosophische Zeitschrift waren die Junghegelianer empört, weil sie sich anmaßte, in die Fußstapfen der verbotenen „Deutschen Jahrbücher“ treten zu können, ohne deren Demokratismus und Atheismus zu übernehmen.(33) Herweghs Notizen über „Feuerbach und die Schwaben“, seine Auseinandersetzung mit einer Kritik der „Anekdota zur neuesten deutschen Philosophie“ und Bruno Bauers in den „Jahrbüchern der Gegenwar“ und die Gedanken zum Verhältnis Feuerbach-Schelling-Hegel gehören hierher.(34)
   Es sei dahingestellt, ob es äußere Umstände waren, die diese Arbeit unterbrachen. Es kam die Reise nach Italien und Belgien dazwischen, ab September 1843 der Wohnsitz in Paris zusammen mit Ruge und Marx, die notwendig gewordene Sammlung des zweiten Teils der „Gedichte eines Lebendigen“, in denen das „Heidenlied (Wie lebten doch die Heiden)“ und besonders einige der Xenien (35) Feuerbach verpflichtet sind. Unvermögen, die philosophische Problematik zu bewältigen, war es jedenfalls nicht. Wie genau er die philosophische Grundstruktur erfaßt hatte, geht aus dem „roten Faden“ hervor, den er der Gräfin d'Agoult für die Lektüre der Werke Feuerbachs empfahl:
  „Das Geheimnis jeder Theologie - jeder Doktrin über Gott, also auch der Philosophie, die nicht über die Theologie hinausgegangen ist - ist der Mensch, nicht das menschliche Individuum, sondern die Gattung. Die Religion hat sozusagen nichts anderes getan als vom Menschen das sentimentale Wesen des Menschen (das Gemüt) abzutrennen, ihm dieses objektiv zu machen, es ihm wie in einen Spiegel vorzuzeigen, und sie hat dieses reflektierte Bild Gott genannt, der selber nichts anderes ist als die eigene Natur des Menschen.
   So wie die Religion dem Menschen das menschliche Gefühl entzogen hat, hat ihm die Philosophie den Verstand (die Vernunft) entzogen, indem sie sie objektiviert und als Gott qualifiziert hat, oder als Substanz oder als einen anderen Begriff.
   Was also die Philosophie als Gott bezeichnet, ist nichts anderes als die Natur des Menschen, hier seine rationale Natur, wie in der Religion seine Gefühlsnatur. Hier hat sich die Menschheit mit ihrem Kopf geäußert, in der Religion mit dem Herzen; sie ist außerhalb von sich selber, und es ist an der Zeit, daß sie wieder in sich zurückkehrt, daß sie wieder sie selber wird, daß sie keine falsche künstliche Autorität anerkennt, nicht über sich, nicht außerhalb von sich. Die politischen Konsequenzen einer solchen Philosophie sind recht naheliegend, wenn auch nicht unbedingt konservativ.“ (36)
   Hieraus ist zu entnehmen, daß Herwegh auch Feuerbachs Ansicht teilte, wonach idealistische Philosophie nur denkend ausgeführte Religion ist. Bei diesem Grad an Übereinstimmung ist es nicht verwunderlich, daß Herwegh mit dem ersten eigenen publizistischen Unternehmen, der geplanten Fortführung des „Deutschen Boten aus der Schweiz“, im September 1842 Feuerbach zur Mitarbeit aufforderte. Sein Anliegen erklärte er ihm unumwunden: Ausgehend vom Prinzip der Einheit alles Wissens soll dieses Wissen unter dem Gesichtspunkt der Politik besehen werden, „wissenschaftlich, aber furchtlos und unverschämt sollen einmal die Konsequenzen der neuesten philosophischen und theologischen Forschungen gezogen und der Kampf gegen die Theologie und resp. deren Selbstmord zu Ende geführt werden ... wir lassen uns Revolutionär und irreligiös mit Vergnügen heißen...“. (37) Feuerbach unterstützte Herweghs Anliegen, versprach ihm die überarbeiteten „Satirisch-theologischen Xenien“ gereinigt von den „jugendlichen Auswüchsen“,(38) brachte es zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht zuwege. Herwegh und Prutz haben ihm zwar wieder „Geschmack an der Poesie beigebracht“,wie er Arnold Ruge schrieb. (39) Dennoch bedurfte es eines zweiten, von Herweghs Dichtungen ausgehenden Anstoßes, um Feuerbach in die Stimmung zu versetzen, seine Xenien wieder hervorzuholen. Nach dem Sommer 1845, als sich die beiden Briefpartner endlich persönlich kennen und nun auch als Freunde schätzen gelernt hatten, berichtet Feuerbach an Herwegh: „Das erste, was ich nach der Rückkehr von Heidelberg vornahm, waren meine Xenien. Ihre Wiedergeburt hat zwar unzähligen das Leben gekostet, aber sie ist mir, ich glaube, selbst metrisch gelungen... Ich glaube daher, daß ich nur in Deiner Atmosphäre diesen poetischen Duft bekommen habe.“ (40)
   Die Bereicherung war gegenseitig. Herwegh hat zeit seines Lebens an Feuerbachs Welt- und Menschenbild festgehalten. In einer Hinsicht ist es sogar über den schon aufgezeigten Einfluß auf seine Dichtungen noch bestimmender gewesen: hinsichtlich des Verhältnisses zur Natur und den Naturwissenschaften. Feuerbach beneidete Herwegh um die Möglichkeiten, die dieser in Paris hatte und wahrnahm, sich naturwissenschaftliche Kenntnisse anzueignen.(41) Er hat auf vielen Gebieten dem damaligen Stand der Naturwissenschaften entsprechende bedeutsame Kenntnisse erworben.(42) Für Herwegh war dies eine wichtige Ergänzung seines monistischen Weltbildes und eine bereichernde Erfahrung. Seine naturwissenschaftlichen Studien beschäftigten ihn in Jahren politischer Stagnation teilweise ausschließlich.(43)
   Der seit 1845 fortwährende Briefwechsel zwischen den beiden Freunden und ihren Familien(44) bezeugt überdies die Vertrautheit des Philosophen und des Dichters auf der Grundlage gemeinsamer philosophischer und kunsttheoretischer Überzeugungen, die die Beurteilung der politischen Konstellationen im Vor- und Nachmärz einschloß. So nannte Ludwig Feuerbach nach den ersten gemeinsam verbrachten Wochen Georg Herwegh dem Bruder Anselm gegenüber seinen „Geistes- und Leibesfreund“, „eine echt poetische Natur“, die er erst verehrt habe und nun liebe.(45) Und Georg berichtete an Emma: „Feuerbach verschiebt seine Abreise von einem Tag zum andern, zu meinem großen Vergnügen. Wir lieben uns gegenseitig und harmonieren mit unserer ganzen Weltanschauung... Ich glaube, ich könnte mit ihm zusammen leben, undDu weißt, was das für mich heißen will.“ (46) Auch von Dritten ist das Einvernehmen im Umgang dieser beiden Freunde während ihres ersten Zusammentreffens beobachtet worden. Karl August Mayer,ein dem Oldenburger Kreis um Adolph Stahr angehörender Philologe, vermittelt sehr anschaulich Gespräche und Atmosphäre einer Begegnung mit Feuerbach, Herwegh sowie den Medizinern Pfeufer und Henle eines Sommerabends auf dem Heidelberger Schloß.(47)
   Die Freundschaft war von Dauer, bewährte sich während langer Jahre und füllt ein eigenes Kapitel in den Biographien beider Persönlichkeiten. Hierher gehören die seit 1845 wiederholten Besuche Georg und Emma Herweghs, ihre Einladungen an Feuerbach nach Paris (1845) und Zürich (1851 u. ö.), die gegenseitige Hilfe in akuten materiellen Notsituationen (48) und besonders die Haltung Feuerbachs nach dem ersten gescheiterten badischen Aufstand vom April 1848, an dem Herwegh als politischer Berater der Deutschen Demokratischen Legion teilgenommen hatte. Feuerbach schrieb aus Frankfurt an Berta: „Herwegh hat sogar in der hiesigen Reichstagszeitung sich wieder als politischer Dichter vernehmen lassen. Du siehst hieraus, daß ihn seine Niederlage nicht besonders angefochten hat. Seine Feinde freilich verachten und verspotten ihn,seine Freunde aber entschuldigen ihn. Auch hier gilt es, den Zeitungsberichten der königlichen Partei nur die halbe Wahrheit zuzutrauen, aber die halbe Wahrheit ist oft ärger als eine volle Lüge.“(49)
Große Achtung und enge Vertrautheit sprechen aus Emma Herweghs Nachruf, der die Persönlichkeit Feuerbachs lebendig würdigt, (50) und aus den Versen Georgs bei der Todesnachricht des Freundes:
   “Seinem Ludwig Feuerbach“.
„Durch Himmel und durch Hölle deinen Gang
Hast du gemacht , wie jener große Dante.
Von göttlicher Komödie sprach man lang,
Bis sie als menschliche dein Blick erkannte.“ (51)

(1) G. Herwegh, Frühe Publizistik 1837-1841. Unter Leitung von B. Kaiser bearbeitet von I. Pepperle, J. Rosenberg, A. Ziegengeist, Berlin 1971, S. 267 (zuerst in: Die Waage. Blätter für Unterhaltung, Literatur und Kunst [Beiblatt der Stuttgarter Allgemeinen Zeitung], hrsg. v. H. Elsner, Nr. 61 vom 5. Mai 1841, S. 243).

(2) Die „Gedichte eines Lebendigen. Mit einer Dedikation an den Verstorbenen“ sind im
Juni 1841 im Literarischen Comptoir Zürich und Winterthur anonym erschienen. Allerdings war das Dedikationsgedicht an den Verstorbenen (d. i. Fürst Pückler-Muskau) mit „Georg Herwegh“ unterschrieben.

(3) Nach den Begleitbriefen Herweghs zum Versand der ersten Exemplare der „Gedichte eines Lebendigen“ an Karl Gutzkow und Robert Eduard Prutz vom 1. und 6. Juni 1841. Hss. in Gutzkow-Nachlaß der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a. M. und in der Bibliothek Jagiellonska Krakow.

(4) L. Feuerbach an G. Herwegh vom 23./27. September 1842, in: ders., Gesammelte Werke, hrsg. v. W. Schuffenhauer (= GW), Bd. 18: Briefwechsel 11, Berlin 1988, S. 212.

(5) G. Herwegh, Werke in drei Teilen, hrsg. v. H. Tardel, Berlin-Leipzig-Wien-Stuttgart (1909), Teil 1, S. 77.

(6) Außer den weiter unten erwähnten vgl. noch die Sonette XIX. „Von Hermelin den Mantel umgeschlagen“; XXIV. „Nimm nicht als Himmel die Wolkenschichte“; XLIII.  „Ich stand auf einem Berge“.

(7) Vgl. G. Herwegh, Wolfgang Menzel. Die Correspondenz der deutschen Zeitschriften, in: Frühe Publizistik, a.a.O., S. 44/45, 33. - Strauß hat für Herweghs geplante Zeitschrift Xenien verfaßt. U. d. T. „Ein Tierkreis“ spießt er in den Distischen die politischen Tagesereignisse in der zeitlichen Abfolge der astronomischen Zeichen auf. (Vgl. die Neuausgabe der „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz“, hrsg. v. 1. Pepperle, Leipzig 1989, S. 364-367.)

(8) Nach dem Bericht des Jugendfreundes Emil Feuerlein in dem anonymen Artikel
„Aus Georg Herweghs Jugendzeit“, in: Der Beobachter aus Schwaben, Stuttgart, Nr. 34 vom 10. Februar 1877.

(9) Innere Religionsgeschichte, in: Telegraph für Deutschland, Nr. 181 vom November 1839, S. 1444/1445. - Weitere Gedichte Herweghs, die seine religiösen Kämpfe, seinen Skeptizismus thematisieren: „Lied von der Weisheit“, in: Deutsche Volkshalle, Nr. 27 vom 6. Februar 1840, S. 105; die Sonette im 1. Teil der „Geclichte eines Lebendigen“: Vl. „Ich zähle gern bei guten Christen“, VII. „Die uns als wilde rohe Zweifler“; XXXII. „Wie Jacob hab ich oft mit Gott gerungen“; und die 1839/409 entstandenen Weihnachtslieder, in: Jahreszeiten. Hamburger Neue Mode-Zeitung 1844, Bd. 2, Juli-Dezember, Sp. 1345-1348.

(10) Unter verschiedenen Titeln veröffentlicht. Zuerst in der „Deutschen Volkshalle“
von Johann Georg August Wirth, Nr. 8 vom 10. Januar 1840, S. 31, danach im „Deutschen Musenalmanach“, Leipzig 1840, und in den „Gedichten eines Lebendigen“ 1841.

(11) Vgl. die Sonette XXIX. „Tief tief im Meere sprach die Welle“, XVI. „Ich kann oft stundenlang am Strome stehen“ aus dem 1. Teil der „ Gedichte eines Lebendigen“ und „Wellenklage“, veröffentlicht im „Album der Boudoirs“, Beilage zu „Europa. Chronik der gebildeten Welt“, hrsg. v. A. Lewald, Stuttgart 1838, S. 5.

(12) Im Herbst, in: Die Waage, a.a.O., Nr. 14 vom 19. Januar 1841, S. 56. - Naturstimmen 1. und II, in: Die Waage, a.a.O., Nr. 136 vom 4. November 1841, S. 539.

(13) Die Schrift erschien 1839 bei Hoff in Mannheim u. d. vollst. Titel „Über Philosophie und Christentum in Beziehung auf den der Hegelschen Philosophie gemachten Vorwurf der Unsterblichkeit“. Sie ist bekanntlich aus einem nach der 2. Fortsetzung von der Zensur verbotenen Artikel Feuerbachs in den „Hallischen Jahrbüchern“, hervorgegangen. Herweghs Rezension „Der neueste Messkatalog“ erschien am 18. Oktober 1839 in Nr. 28 der „Deutschen Volkshalle“, S. 111/112. Siehe auch Frühe Publizistik .... a.a.O., S. 68-71.

(14) Frühe Publizistik .... a.a.O., S. 269.

(15) Ebenda.

(16) Ebenda, S. 270.

(17) Ebenda, S. 36/37.

(18) Vgl. dazu L. Feuerbach, Zur Kritik der Hegelschen Philosophie, in: Hallische Jahrbücher, 1839, Sp. 1700.

(19) Frühe Publizistik.... a.a.O., S. 243.

(20) G. Herwegh, Die spekulative Ästhetik, Hs. im ZPA des IML in Moskau, veröffentlicht in: G. Semper, Der Stil, Bd. 1, Frankfurt a. M. 1860, S. XIV.

(21) Vgl. u. a. K. Streckfuß, Frühe Publizistik.... a.a.O., S. 83-86.

(22) Hs. im Herwegh-Archiv des Dichtermuseums Liestal (Schweiz), Darin heißt es u. a., daß zu oft ein Widerstreit entstehe zwischen Liebe und Glaube, wie Feuerbach in seinem „Wesen des Christentums“ so meisterhaft gezeigt habe. - Vgl. dazu auch A. Lévy, La philosophie de Feuerbach et son influence sur la littérature állemande, Paris 1904, S. 438.

(23) Aus Herweghs Nachlaß, hrsg. v. V. Fleury, Lausanne 1911, S. 10/11. - Zur selben Zeit und in derselben Tonlage wurde die Frage niedergeschrieben:
„Gibt es nicht schon hier im Erdentale
Nektar und Ambrosia?
Soll ich warten aufs Finale
Dieser Erdenopera“
(V. Fleury, Neue Bruchstücke aus Herweghs Nachlaß, in: Euphorion, Bd. 21, Wien 1913, S. 473.) Desgleichen die Notiz:
„Was geht Euch doch der Himmel an?
Beschränkt Euch auf die Erde!
Die Knecht und Herrn hinausgetan,
Daß sie ein Himmel werde!“
(V. Fleury, Le pòete Georges Herwegh, Paris 1911, S. 337.)

(24) Aus Georg Herweghs Nachlaß, in: Die Gegenwart, Bd. 50, Nr. 40 vom 3. Oktober 1896, S. 215.

(25) Aus Herweghs Nachlaß, hrsg. v. V. Fleury, a.a.O., S. 80.

(26) Vgl. dazu Herweghs Brief vom 16. Februar 1842 aus Paris an Arnold Ruge in
Dresden. Hs. in der Stadt- und Universitätsbibliothek Dortmund. - An Robert Eduard Prutz vom 8. April 1842 aus Zürich, veröff. in: Die Zeit, Wien, Nr. 131 vom 3. April 1897, S. 6 (G. Herwegh und R. E. Prutz); An Arnold Ruge vom April aus Zürich, veröff. in: 0. Fiebiger, G. Herwegh an A. Ruge, in: Zeitschrift für die österreichischen Mittelschulen, Wien, H. 1, Januar 1924, S. 384-387.

(27) Vgl. u. a. die Artikel in der „Deutschen Volkshalle“: Über die Lage der arbeitenden
Klasse (Nr. 56 vom 5.12.1839, S. 222-223); Das Jahrhundert der sozialen Reform
(Nr. 74 vom 28.12.1839, S. 293-294); Die volksthümlichen und socialen Ideen des
19. Jahrhunderts (zur Rechtsgleichheit der Massen - Sismondi, Babeuf, Owen,
Fourier, Beginn Nr. 29 vom 8.2.1840, S. 111-159); vgl. J. Venedey, Die schweben-
den Fragen der Zeit. 2. Sociale Reform (Fourier, St. Simon, Malthus, Beginn Nr. 55 vom 11.3.1840, S. 217-249); Kritik der socialen Institutionen und Systeme (Beginn Nr. 103 vom 31.5.1840, S. 420 ff); Winke des Radikalismus (Über Wahlreform und Organisation der Arbeit) (Nr. 115 vom 18.6.1840, S. 459).

(28) Vgl. den Brief Herweghs aus Paris an Julius Fröbel, vom 8. Dezember 1841. Hs. im
IML Moskau. - Vgl. auch den Bericht aus den  „Elbinger Anzeigen“ vom 29. Dezember 1842 über eine Vorlesung Dr. Grubnaus in Danzig über Herwegh, die gleichfalls in den Akten des Preußischen Innenministeriums über politisch verdächtige Personen vermerkt ist (DZA. Abt. Merseburg Rep. 77, Tit VI, Acta betr. den Schriftsteller und Dichter Dr. Georg Herwegh wegen verdächtigen und revolutionären Treibens 1842-1848, Lit. H. Nr. 124, Blatt 50).

(29) Vgl. dazu ausführlich I. Fellrath, Quand un poéme de Georg Herwegh trouve sa
source â Paris, in: Revue de Littérature compareé, (1988)1, S. 57-65.

(30) Georg Herwegh an Marie d'Agoult von Ende Dezember 1843 in Paris, veröff. in: Au Printemps des Dieux, hrsg. v. M. Herwegh, Paris 1929, S. 19.

(31) Ob es sich um Ludwig Feuerbachs „Grundsätze der Philosophie der Zukunft“ oder um Friedrich Feuerbachs allgemein verständliche, in Paragraphen abgehandelte Zusammenfassung: „Philosophie der Zukunft“ handelt, oder um beide 1843 im Literarischem Comptoir Zürich und Winterthur erschienene Schriften, ist aus dem am 29. März 1843 von Herwegh in Baden (Argau) an Julius Fröbel gerichteten Brief nicht zu ersehen. (Vgl. die Hs. in der Zentralbibliothek Zürich)

(32) Wilhelm Bolin spricht nach Einsicht in die Notizen vom Plane einer besonderen Schrift. (Vgl. seine Einleitung zum Briefwechsel Georg Herweghs mit Robert Prutz und Ludwig Feuerbach, hrsg. v. M. Herwegh, in: Deutsche Dichtung, hrsg. v. K. E. Franzos, Berlin 1897, Bd. 21, Nr. 14, S. 29.)

(33) „Den deutschen Jahrbüchern gleichen zu wollen und dabei der Politik sich zu enthalten, fürwahr es wäre dasselbe, wie leben zu wollen und kein Herz haben“, schrieb Robert Prutz (unter der Sigle R. Leipzig im Januar) im Beiblatt der „Rheinischen Zeitung“ vom 12. Februar 1843. - Vgl. dazu auch A. Ruge, Briefwechsel und Tagebuchblätter, hrsg. v. F. Nerrlich, Berlin 1986, Bd. 1, S. 306.

(34) Unveröffentlichte Notizen im Herwegh-Archiv Liestal (Schweiz), veröff. in: Aus Herweghs Nachlaß, a.a.O., S. 81 (Fichte und Schelling, Feuerbach und die Schwaben). Herwegh bezieht sich auf die Kritiken in Nr. 6-11 vom Juli 1843 und 35-43 vom September 1843 in den „Jahrbüchern der Gegenwart“.

(35) G. Herwegh an M. d'Agoult Anfang 1844, in: Au Printemps des Dieux, a.a.O., S. 22
(franz.).

(36) G. Herwegh an M. d'Agoult Anfang 1844, in: Au Printemps des Dieux, a.a.O., S. 22
(franz.).

(37) G. Herwegh an L. Feuerbach, Zürich, 3. September 1842, in: L. Feuerbach, GW,
Bd. 18, a.a.O., S. 206-208.

(38) L. Feuerbach an G. Herwegh vom 23./27. September 1842, ebd., S. 213.

(39) A. Ruge, Briefwechsel und Tagebuchblätter, a.a.O., Bd. 1, S. 289.

(40) L. Feuerbach an G. Herwegh, Bruckberg, 25. November 1845, in: ders., Briefwech-
sel, hrsg. v. W. Schuffenhauer, Leipzig 1962, S. 209.

(41) Ebenda, S. 208.

(42) So wurde er von Jacob Henle bei seinen pathologischen Studien unterstützt, im Botanischen Garten von Paris hospitierte er bei Brongnait, und bei Beaumont beschäftigte er sich mit Vulkanologie. (Vgl. V. Fleury, Le poète Georges Herwegh, a a.O., S. 136.) - Mit Carl Vogt zusammen unternahm er 1846/47 zoologische Exkursionen an Ozean und Mittelmeer, wobei er biologische Vorgänge an niederen Meerestieren aufklären konnte (vgl. C. Vogt, Ozean und Mittelmeer (1848) und H. Misteli, Carl Vogt, Zürich 1938, S. 71/72). Der Mineraloge Otto Volger führte einen wissenschaftlichen Briefwechsel mit Herwegh und beriet sich bei der Berufung von Naturwissenschaftlern an das Freie Deutsche Hochstift mit ihm (vgl. den Briefwechsel im Herwegh-Archiv Liestal).

(43) Seine von Freunden oft mißverstandenen naturwissenschaftlichen Studien erklärte er so: „Es ist das Bedürfnis, mich zu komplettieren, das Bedürfnis sinnlicher Anschauung, der Objektivität, der Überwindung des alten Dualismus von Natur und Geschichte, was mich dazu getrieben, und darin festhält.“ (Brief an Emma Herwegh vom 30. Oktober 1847, in: Briefe von und an Georg Herwegh, hrsg. v. M. Herwegh, München 1896, S. 38.)

(44) In diese freundschaftlichen Beziehungen der Familien gibt immer noch den geschlossensten Einblick der von M. Herwegh und V. Fleury veröffentlichte Briefwechsel Georg und Emma Herweghs mit Ludwig Feuerbach, in: Nord und Süd. Berliner Monatsschrift, Januar-April 1909, H. 382.

(45) L. Feuerbach am 26. Juli 1845 an Anselm Feuerbach in Freiburg. Nach Wilhelm Bolins Einleitung in Georg Herweghs Briefwechsel mit Robert Prutz und Ludwig Feuerbach, hrsg. v. M. Herwegh, in: Deutsche Dichtung, Bd. 21, April-September 1897, S. 32. Hier teilt Bolin noch eine weitere Einschätzung mit (aus dem Brief Feuerbachs an Hermann Kriege vor dem 1. August 1845), nach der Herwegh die wertvollste Bekanntschaft war, die er in Heidelberg machte: „In ihm fühle ich eine verwandte Seele; er ist grundfrei, ernst, tief, wahrhaft. Er ist Communist von Profession, kein orthodoxer, kein buchstäblicher, kein absolutistischer Communist,-...“- Vom 1.12. August 1845 stammt auch die Charakteristik Herweghs, die Feuerbach seinem Freund Christian Kapp gibt: „Auch beurteilt er die Dinge nicht nach dem, was sie für jetzt, für uns, die gerade in diesen erbärmlichen Schranken Lebenden, sondern was sie an sich, d. h. was sie dem freien Verstande, dem freien, dem eigenen Herzen des Menschen sind.“ (zit. nach der Einleitung H. Tardels zu Teil 2 der Werke G. Herweghs, a.a.O., S. 11.)

(46) G. Herwegh am 21. Juli 1845 an Emma Herwegh in Paris. Nach W. Bolins Einleitung in Georg Herweghs Briefwechsel, a.a.O., S. 32. - Dort ebenfalls ein Zitat aus Georg Herweghs Brief an Emma vom 3. Juli 1845: „Obschon letzterer das Aussehen eines bayrischen Lieutnants hat, ist er ein Mensch von großer Energie und mir durchaus sympathisch. Wir fanden uns auch gleich zusammen. Er ist eine komplete Natur und über die Einseitigkeiten und Geschmacklosigkeiten Ruges und Marx's sehr im Klaren. Er trägt einen grünen Rock, eine Weste von ich weiß nicht wie viel Couleurs und eine feuerfarbene Halsbinde. Das tut Deinen Augen weh, wenn sie es lesen, schadet aber nichts: er gefällt mir sehr und wir werden wohl einen Monat zusammen verbringen. Er war im Begriff, abzureisen, bleibt nun aber längere Zeit auf meine Bitte in Heidelberg.“

(47) K. Mayer, Mit Herwegh und Ludwig Feuerbach (am 24. Juli 1845), in: Die Gegenwart, 1880, Nr. 13, S. 196-199.

(48) Über die gegenseitige materielle Hilfe geben Auskunft u. a. die Briefe Emma Herweghs und Berta Feuerbachs (Hs. im Herwegh-Archiv Liestal) und der Brief Feuerbachs an Friedrich Kapp vom 1. März 1866, in: Briefwechsel, hrsg. v. W. Schuffenhauer, a.a.O., S. 325-331.

(49) L. Feuerbach an Berta Feuerbach vom 14. Juli 1848 aus Frankfurt, ebd., S. 225.

(50) E. Herwegh, Ein Wort zur Erinnerung, in: Der Beobachter. Ein Volksblatt aus Schwaben, Nr. 22 vom 20. September 1872.

(51) G. Herwegh, Neue Gedichte, Zürich 1877, S. 266.

Georg Herwegh

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