- Paris

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Ingrid Pepperle: Herweghs Aufenthalt in Paris im Winter 1841/42 und sein Übergang zum Sozialismus, in:  Philosophie, Literatur und Politik vor den Revolutionen von 1848. Zur Herausbildung der demokratischen Bewegungen in Europa, hg. v. Lars Lambrecht, Frankfurt a. M. 1996.

Im Sommer 1841 waren Herweghs Gedichte eines Lebendigen in Zürich und Winterthur erschienen. Er hatte in diesem schmalen Band eine gezielte Auswahl aus seinem bisherigen lyrischen Schaffen getroffen: ”Alles Erotische” bewußt beiseite lassend und gegen die ”desolate Form” der bisherigen politischen Dichtung angehend, gab er in geschliffener Verstechnik in den Gedichten seine ”aufrichtige politische Confession”, in Sonetten seine ”rein menschliche Confession”, Ansichten zu Welt- und Menschheitsproblemen.[1] An die Tradition der rhetorisch-appellativen Lyrik der Be­freiungs­kriege, der Burschenschaften und an Platen anknüpfend, in sangbaren Versen dem Vorbild Berangérs folgend, war sein Anliegen demokratisch und zum Teil radikaldemokratisch. Es ging gegen ”Pfaffen, Philister und Tyrannen”. Erschienen in einer Zeit, in der Ludwig Feuerbach mit dem Wesen des Christentums und Bruno Bauer mit dem ersten Band  der Kritik der Evangelischen Geschichte der Synoptiker und der Posaune des jüngsten Gerichts über Hegel, den  Atheisten und Antichristen eine neue Etappe im Kampf gegen herrschende Zustände einleiteten, waren die Gedichte bald in aller Munde und wurden ein großer Erfolg. Trotz Verbot in Preußen und den meisten deutschen Bundesländern erlebten sie von Vierteljahr zu Vierteljahr neue Auflagen, bis Mitte 1843 waren es bereits sieben mit ca. 15.600 Exemplaren. Auf diese Weise als deutscher Flüchtling in der Schweiz von den drückendsten Geldsorgen befreit, wollte Herwegh, wie zuvor sein Verleger  Julius Fröbel, eine Informations- und Bildungsreise nach Deutschland unternehmen. Er wandte sich deshalb am 11. September 1841 mit einem dritten Gnadengesuch und mit der Bitte um einen Reisepaß an den württembergischen König. Herwegh muß fest mit der Genehmigung gerechnet haben, denn noch im Brief an Prutz vom 7. Oktober 1841 stellte er diesem  seinen baldigen Besuch in Jena in Aussicht. Von der Stadtdirektion Stuttgart wurde dem Vater Herweghs aber Ende September der abschlägige Bescheid auf das Gesuch mitgeteilt.[2]

Daraufhin faßte Herwegh den Entschluß, nach Paris zu reisen. Er ging nach Bern und hat hier offenkundig auf einen Paß nach Frankreich gewartet. Er wird, wie später noch  oft, zu Gast gewesen sein in der Junkergasse nahe dem Berner Münster, im Hause des weltoffenen Mediziners Vogt, Follens Schwiegervater. Aus Bern ist auch seine Bitte an den Züricher Buchhändler Lindemann gerichtet, um Zusendung von Carlyles French Revolution, datiert vom 18. Oktober 1841.[3] Anfang November ist er dann über Niederbronn im Elsaß nach Paris aufgebrochen.[4] Am 29. November 1841 schickt er nach 14tägigem Paris-Aufenthalt sein erstes Schreiben an Follen.[5] Paris, eines der begehrtesten Reiseziele deutscher Intellektueller, ist - wie aus dieser Zusammenstellung teils bekannter, teils hier erstmals ausgewerteter Fakten hervorgeht - von Herwegh mehr zufällig gewählt worden. Es hatte schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts, mehr noch nach 1789 Künstler und Gelehrte angezogen, die nicht nur, wie in Italien ”in der schönen Vergangenheit schwelgen”,[6] sondern erfahrungs- und erkenntnishungrig das pulsierende Leben der Gegenwart im Mittelpunkt der europäischen Zivilisation kennenlernen wollten. Den Ruf, Hauptstadt der Revolution zu sein, bestätigte Paris 1830 erneut. Seitdem war es zum Mekka der deutschen bürgerlichen Intelligenz geworden. Nicht wenigen, die aufgrund antifeudaler politischer Betätigung aus den Ländern des deutschen Bundes emigrieren mußten, wurde es zum zeitweiligen oder ständigen Wohnsitz. Sie alle gaben politische, kulturelle, ökonomische Berichte aus Frankreich, ohne die keine deutsche Tageszeitung und kein Journal mehr auskam. Lewalds Europa, an der Herwegh mitgearbeitet hatte, sicherte sich beispielsweise auch mit Beilagen, kolorierten Lithographien der neuesten Pariser Mode-Modelle einen großen Absatz.

Herwegh war gut vorbereitet, um sich in Frankreich und Paris zurechtzufinden. Er hatte sich schon im Maulbronner Seminar für die Vorgänge in Frankreich interessiert,[7] hat Büchners Dantons Tod sicher in der Erstveröffentlichung gelesen, kannte sich, wie seine Literaturkritiken belegen - in der modernen französischen Literatur aus, hatte André Chenier und Lamartine übersetzt und begeisterte sich für George Sand. Er war auch mit Börnes Briefen aus Paris und Heines zuerst in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erschienenen Französischen Zuständen bestens vertraut, den wichtigsten aus der Fülle der Paris-Berichte nach der Juli-Revolution. Sicher hat er auch August Lewalds Album aus Paris von 1832 gekannt. Genauer bekannt mit dem politischen Leben Frankreichs wurde er während seiner Mitarbeit an der Deutschen Volks­halle August Wirths, an der Gutzkow schon 1839 bemängelte, daß sie zuviel Artikel aus französischen Zeitun­gen über­nahm.[8] Und doch ging es ihm, wie allen Deutschen: Vor der lebendigen Ansicht der Metropole verblaßten alle indirekt erworbenen Kenntnisse. Das Erlebnis der großen Stadt, der ”Zentralisation der Intelligenzen und sozialen Autoritäten”[9] (Heine) überwältigte den deutschen Parisreisenden.

Die Quellen und Äußerungen, die das bezeugen, sind nicht sehr zahlreich, aber aussagekräftig. Es handelt sich um  vier z.T. unveröffentlichte, jedenfalls schwer zugängliche Briefe an August Follen, Julius Fröbel und rückblickend an  Arnold Ruge und Robert Prutz. Weiterhin sind es die Gedichte Die Epigonen von 1830, die zuerst u.d.T. Paris im Mai 1842 in der Rheinischen Zeitung erschienen, und Die Einbastillierten aus dem 2. Teil der Gedichte eines Lebendigen.

Herweghs Briefe geben seine Wahrnehmungen am unmittelbarsten wieder. Er erlebte die äußere Erscheinung der großen Stadt als unübersehbare Ausdehnung und verwirrende Vielfalt, ”allein auch jetzt weiß ich noch soviel als Nichts, obschon ich Paris seiner Länge und Breite nach so ziemlich durchwandert und in den ersten acht Tagen von Morgens früh bis Abends spät auf den Beinen war”, schrieb er an Follen, und ”die Größe wächst, je länger man in diesem Babel verweilt”.[10]

Anders verhält es sich mit dem Bild, das er sich vom inneren Leben der Stadt machte, hier scheinen sich vorgegebene Muster zu bestätigen. Die Widersprüchlichkeit der Juli-Monarchie, die Börne und Heine so genau schilderten, fällt auch Herwegh auf. Er war im ganzen enttäuscht, weil ihm der Abstand zwischen den Idealen der französischen Revolution und der in dieser Stadt herrschenden kapitalistischen Geschäftigkeit, der ”Geldwirtschaft” zum Bewußtsein kam. Es ist das Paris der ”Verlorenen Illusionen”, das er kennenlernt, des ”Boutiquenregiments”. Er fühlt sich ”mehr ge­drückt als gesteigert” und empfindet ”trostlose Leerheit”. Paris erschüttert ihn mehr, als daß es ihn amüsiert. Er spricht von dem unglücklichen Frankreich am Rande des Abgrunds, und meint, daß die Franzosen wie die Römer zugrunde gehen werden. In diesem Vergleich mit dem alten Rom bringt Herwegh das enorme Krisenbewußtsein einer Umbruchsepoche zum Ausdruck, das wir in dieser oder jener Form bei fast allen Denkern in dieser Zeit finden. Den direkten Vergleich mit dem Untergang der Antike bringen auch Jakob Burckardt, später Marx in dem Aufsatz Die Revolution von 1848 und das Proletariat, am frühesten wohl der deutsche Historiker Niebuhr um 1830.

Die große Enttäuschung, die Herwegh Paris bereitete, hat auch in den vorher genannten Gedichten Gestalt angenommen, wenn es in ersterem heißt:

”Das war ein Sprengen aller Bande
Und durch die Welt ein froher Klang!
Doch überm Rhein am Frankenstrande
Entschlief der Vogel, der da sang.
Ein Krämer hält dort Ährenlese,
Im Staube knirscht ein tapfres Heer:
Das ist das  alte Land nicht mehr,
Das Vaterland der Marseillaise!”[11]

oder wie er im zweiten betont:

”Geschworen hatt ich in der Stille:
Nein, keine Verse in Paris!
Doch dies die Wiege der Camille?
Und Mirabeaus Tribüne dies?

Und dies die Stadt, drin sich geschlagen
Ein Volk im  Julisonnenbrand?
Und dies das Grab, draus nach drei Tagen
Der Christ der Freiheit auferstand?

Die Täuschung ward mir schnell benommen,
Sie fällt vom Auge Stück für Stück;
Ich bin so durstig hergekommen,
und kehre ohne Trunk zurück.

Gern auf die Knie wär' ich gesunken -
Sind eure Buden ein Altar?
Nicht eine Flamme, nicht ein Funken,
Wo des Jahrhunderts Krater war!

Geschändet  selbst die kalte Lave,
In die so heilig Blut getaut,
Daß ihr nun, wie Neapels Sklave,
Drauf  eurer Wollust Reben baut!

O nehmt sie fort, die Trikolore,
Die eurer Väter Taten sah,
Und schreibet warnend an die Tore:
'Hier ist der Freiheit Kapua!'
[...]
Das ist ein Schachern, ein Erwerben,
Ein Räderrasseln Tag und Nacht -
Ich möcht in dieser Stadt nicht sterben,
Die auf den Gräbern Hochzeit macht.”[12]

Die Desillusionierung, die aus diesen Gedichten spricht, die Einsicht, die sich ihm  in Paris unmittelbar aufdrängte, daß die Französische Revolution ihre Ideale nicht verwirklichte, ja daß in ihrem Gefolge Verhältnisse eintraten, die  keine Perspektive erkennen ließen und eine grundsätzliche Reform verlangten, haben  Herwegh nicht resignieren lassen. Dingelstedt, der 14 Tage später eintraf und sich gut mit Herwegh verstand, schilderte ihn seinem Freund Fritz Oetker im Gegenteil als ”Saint-Just”.[13]

In dieser Verfassung beschäftigte ihn die Revolutionsgeschichte in gleichem Maße, wie sich die linken  Hegelianer in allen Entwicklungsphasen ihrem Studium widmeten. Hatte er sich in Bern  Carlyles French Revolution besorgt, las er in Paris ”unbekanntere, bedeutende Bücher und Journale der Revolution” und dies nicht nur studienhalber und als Stoff für das geplante André-Chenier-Stück. Es war auch nicht der Revolutionsmythos oder Heroenkult, der ihn veranlaßte, sich in die Vergangenheit zu vertiefen, sondern das dringende Bedürfnis, Antworten, Lösungen zu finden für die angestauten Probleme der Gegenwart, nicht zuletzt der deutschen. Follen gegenüber erklärte er dieses Interesse damit, den günstigen Augenblick, ”der für eine Reform aller unserer Verhältnisse eingetreten ist, nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.”[14] Deshalb auch konnten ihn, trotz gewissenhaften Studiums, die Kunstschätze des Louvre zwar erfreuen, aber nicht so begeistern, wie Politik und Geschichte, die den ”Tummelplatz” der jungen Generation abgeben. Auf diesem ”Tummelplatz” hat er sich tüchtig umgetan. Das bestätigen die Berichte über ihn während und nach der Reise. Er konnte an Prutz zu Recht schreiben, daß er glaube, tiefer gesehen zu haben, als die meisten deutschen Parisbesucher und Berichterstatter: ”Das sitzt und schwitzt und schreibt den ganzen Tag auf seinen räucherigen Lesekabinetten die jämmerlichsten Correspondenzen nach Deutschland”.[15] Während er die Unkenntnis der neuesten deutschen philosophischen und politischen ”reformatorischen Bestrebungen” dafür verantwortlich machte, daß die deutschen Korrespondenten auch in Paris nicht das entdeckten, was für Deutschland wichtig war, hörte man von ihm seit Mitte 1841 immer öfter, daß er die neue deutsche Philosophie sehr ernst nehme, und er meinte damit in erster Linie Ludwig Feuerbach.[16]

Das wichtigste Ergebnis der Parisreise war, daß Herwegh im Zusammenhang seiner genauen Beobachtungen des Pariser Lebens und der Revolutionsstudien Kontakt zu Frühsozialisten und ihren Lehren aufnehmen konnte. Dadurch wandelten sich seine Auffassungen von der Gesellschaft und Herwegh gelingt es früher als den Junghegelianern und Moses Hess die Unzulänglichkeit der ausschließlich politischen Emanzipation zu begreifen.

Herwegh hatte schon vor seinem Paris-Aufenthalt vom französischen utopischen Sozialismus Kenntnis, nicht nur durch Wirths Adaption des Fourierismus in der Deutschen Volkshalle. Er kannte die Berichte in Börnes und Heines Schriften, aber auch das kritische Referat über die Lehren der Schüler Saint-Simons, das Eduard Gans in seinen Rückblicken auf Personen und Zustände Berlin 1836 veröffentlichte.[17] Gewiß hat er die Besprechung Fouriers 1839 in den Hallischen Jahrbüchern[18] gelesen, wie auch die Artikel Fourier, Owen, und ihre socialen Systeme, sociales Leben der Gegenwart und Sozialisten in England im Conversationslexikon der Ge­genwart.[19] Aber auch hier ist es so, daß die lebendige Anschauung, die un­mittelbare Teilnahme am Leben einer Millionenstadt[20], das erlebte Versagen des ”Boutiquenregiments” vor den sozialen Problemen, das latente Wissen erst verfügbar machte. Daß Herwegh an den Diskussionen über die proletarischen Lebensumstände, wie sie in den Zirkeln und in der Presse der verschiedenen sozialistischen und kommunistischen Gruppierungen in Paris damals stattfand, teilnahm, dafür gibt es Indizien. Herwegh hatte Kontakte zu den Fourieristen; er berichtete beispielsweise Julius Fröbel, daß er mit ihnen zum Essen gehen werde.[21] Herwegh und Dingelstedt wollten G. Sand besuchen,[22] die sich 1840 mit dem Roman Le compagnon du Tour de France sozialer Thematik und dem religiösen Sozialismus P. Leroux’ zugewandt hatte, und von L. von Stein 1842 der Rousseau ihrer Zeit genannt wurde. Herwegh und Dingelstedt lasen gemeinsam ihren gerade in der Revue indepéndante erschienen Roman Horace.[23] Herwegh war vor allem von der  von G. Sand und P. Leroux 1841 neugegründeten Zeitschrift Revue indépendante beeindruckt, von der er sagte, daß sie ”das Bedeutendste zu werden verspricht, was die französische Journalistik je besessen”.[24] Vor allem beschäftigte er sich mit Leroux, den er Follen gegenüber zu Recht als den einzigen Franzosen würdigte, der einem Philosophen ähnlich sehe, ein Urteil, das später Lorenz von Stein wiederholen sollte, der über Leroux schrieb, daß man in ihm einen ”hochwichtigen Mann” findet, wenn die gegenwärtige Gestalt der französischen Philosophie und der ”Charakter ihrer neuesten Geschichte” bezeichnet werden sollten.[25] Herwegh versuchte auch Follen gegenüber den Grundgedanken seines Systems zusammenzufassen, wie er es in seinem Hauptwerk Das Wesen der Menschheit und ihre Zukunft in zwei Bänden 1840 entwickelte: ”Leroux sucht eine neue Offenbarung, aber nicht durch den einzelnen Menschen, durch einen sogenannten Messias, sondern durch den Gesamtmenschen, durch die Menschheit und deren Hauptorgan, die Presse. Die französische Revolution ist nach ihm wie nach den Fourieristen, nur zur Hälfte vollendet, statt aber von einer sozialen Revolution zu reden, packt er die Sache weit tiefer und erklärt unumwunden: 'Die französische Revolution ist eine Religion im Keime.' Das Volk soll souverän sein, aber erst ein neuer Glaube kann es in der Tat und Wahrheit souverän machen. Du siehst, auch Leroux drückt sich noch etwas französisch aus; ich hätte gesagt: Die Revolution überhaupt ist die Religion unserer Zeit. Sie ist wenigstens meine Religion.-”[26]

Es gibt von Herwegh keine überlieferte Äußerung darüber, welchen Einfluß der Parisaufenthalt auf seine Entwicklung hatte. Daß sich Herwegh aber nach  seiner Parisreise als Sozialist bekennt, dafür finden sich eine Reihe von Belegen und außerdem zeugen die Veränderungen in seinem literarischen Schaffen davon.

Mehrere Berichte aus der Zeit seiner im Herbst 1842 angetretenen Deutschlandreise charakterisieren Herwegh als Revolutionär, Fourieristen und Kommunisten. Beispielsweise schrieb der Dramatiker Julius Mosen, der Herwegh im Oktober 1842 in Dresden kennenlernte: ”Er war in Paris, wo er sich viel mit dem Kommunismus beschäftigt hat. In diesem sieht er das Heil der Welt.”[27] Auch Karl Stahr berichtete damals an seinen Bruder Adolf aus Stettin, nachdem er mit Herwegh zusammengetroffen war: ”Herwegh ist ein deutscher Jacobiner, und macht sogleich den Eindruck eines überaus tüchtigen Men­schen. Seine Augen, in einem wilden Feuer lodernd, wirken wie Messerschnitte. Er meint, mit all unserem Liberalismus, mit Gedichten und Dramen ist es nichts. Man muß auf die Massen wirken, man muß diese, die bis jetzt den tiefen Todesschlaf schlafen, durch alle Mittel ins Leben rufen. Dieses Mittel ist der Communismus. Es kommt nicht darauf an, ob dieses Mittel probehaltig ist, wenn es nur aufregt, nur destruiert. Je mehr Destruction, je mehr Gewinnst.”[28] Am interessantesten dürfte aber ein in der Herwegh-Forschung kaum beachteter Vorgang sein, der ebenfalls bezeugt, daß sich Herwegh seit seines Paris-Aufenthaltes zum Fourierismus bekannte. In einem öffentlichen Vortrag in Danzig Ende Dezember 1842 bezeichnete der Lehrer der Danziger Petrischule, Dr. Grubnau, Herwegh als Fourieristen. Der Regierungspräsident von Blumenthal mußte daraufhin dem preußischen Staatsminister Bericht erstatten.[29] Über diesen Vortrag gab es auch eine Korrespondenz vom 29. Dezember 1842 aus Danzig im Elbinger Anzeiger, in der Dr. Grubnau mit folgenden Ausführungen zitiert wird: ”Da Herwegh einen neuen Stand der Dinge wünscht, so ist es interessant, zu wissen, was er denn eigentlich wünscht. Zur Beantwortung dieser Frage dürfte die Mitteilung führen, daß er ein Anhänger der in Frankreich entstandenen Kommunisten ist, für deren Stifter Fourier gilt, der im Jahre 1837 im 65. Lebensjahre zu Lyon als Mäkler starb. Um der übergroßen Wichtigkeit, die man dem Handel einräumt, entgegenzuwirken und den Pauperismus zu bekämpfen (man denke an die Noth der Fabrikarbeiter in Lyon, die Fourier vor Augen hatte, in England u.s.w.), verlangt Fourier, daß die Menschen in Gruppen von etwa 1800 Seelen und zwar in Einem großen Hause und bei Einer Haushaltung zusammen leben sollen. Das Erbrecht soll abgeschafft oder wenigsten sehr modifiziert werden u.s.w. Diese Wünsche theilt nun auch Herwegh, der seinen Gedichten nur einen geringen Werth beilegt und nur durch sie seinen kommunistischen Ideen Bahn zu bre­chen hofft; als Organ derselben soll das Journal der Bote aus der Schweiz, welches er vom Jahre 1843 an herauszugeben beabsichtigt, dienen...”[30]. Herwegh weilte auf der Rückreise aus Königsberg einen Tag in Danzig.[31] Wann, wo und ob er überhaupt den Referen­ten Dr. Grubnau je persönlich gesprochen hat, ist nicht auszumachen. Sicher aber basieren dessen Angaben auf authentischen Informationen, wenn nicht von Herwegh selbst, so aus dem Kreis seiner Königsberger Bekannten.

Der nachhaltige Einfluß der Erfahrungen des Paris-Aufenthaltes auf ihn, den diese Aussagen über sein Bekenntnis zu Fourierismus und Kommunismus noch ein Jahr danach bezeugen, ist bisher in der biographischen Literatur kaum verarbeitet. Zu sehr wurde Herwegh durch den Erfolg des ersten Teils der Gedichte eines Lebendigen auf Stil und Aussagen dieser Gedichte festgelegt. Man übersah, daß er in dieser Zeit allgemeiner stürmischer politischer Entwicklung auch bei ihrer theoretischen Reflexion weitergekommen war. Herweghs Paris-Erlebnis, seine Bekanntschaft und sein Bekenntnis zu den neuesten sozialistischen und kommunistischen Theorien, seine neuartigen Erfahrungen und Einsichten haben Stil und Aussagen seiner Dichtungen verändert. Am eindrucksvollsten dokumentieren das die ersten sozialkritischen Gedichte Herweghs und von ihnen am überzeugendsten die Verse von der kranken Lise. Dieses Gedicht, das im 2. Teil der Gedichte eines Lebendigen unter der Überschrift Vom armen Jacob und von der kranken Lise an zweiter Stelle gebracht wurde, ist ca. ein halbes Jahr früher als Der arme Jacob noch in Paris entstanden.[32] In balladesker Form wird ein dramatisches Geschehen berichtet: Die Frau eines Webers bricht am Weihnachtsabend auf dem Weg ins Hospital auf dem Bastille-Platz an der Juli-Säule in Geburtswehen zusammen. Der Leser erfährt dies aus dem, den Vorgang begleitenden Selbstgespräch der Frau. Der Ort des Geschehens, die Geburt und die Reflexionen der Gebärenden ab der 2. Strophe:

”Mein armer Weber mag nur zetteln
Sein Fleiß und Schweiß - was helfen sie?”

mit dem wiederholten Marseillaise-Zitat:

”Allons, enfants de la patrie!”

sind eindeutig. Ihre Metaphorik besagt, daß die bisherigen Revolutionen soziale Gerechtigkeit nicht erbrachten, Akteure und Aufgaben der kommenden Revolution schon geboren werden. Für dieses Gedicht gibt es keine Vorbilder oder Anknüpfungspunkte in der bisherigen politischen Lyrik. Es unterscheidet sich auch von der bisherigen Behandlung sozialer Thematik in der deutschen Literatur durch den aggressiven Ton, das artikulierte proletarische Selbstbewußtsein, die Entlarvung der religiösen Wohltätigkeit als Heuchelei. In einer detaillierten Analyse des Gedichts und seiner Entstehung hat Ingo Fellrath jetzt nachgewiesen, auf welchem wirklichen Vorfall Die kranke Lise beruht und inwieweit dieses Gedicht ange­regt wurde durch die, in der Revue indépendante und der Revue des deux Mondes u. a. von George Sand geführten Debatte über den Charakter proletarischer Literatur, veranlaßt durch die Sammlung Poésies sociales des ouv­riers, die der Schüler Saint-Simons, Olinde Rodrigues gerade herausgegeben hatte.

Herweghs Freund Follen und er selbst haben um das prinzipiell Neue dieses Gedichtes gewußt. Emma Siegmund, mit der er sich während der Deutschlandreise 1842 verlobte, meinte, daß er mit solchen Gedichten die Massen erreichen werde.[33] Follen sagte wiederholt bei der Vorbereitung des 2. Teils der Gedichte eines Lebendigen, daß ihm Die kranke Lise das ”liebste Gedicht überhaupt” sei und das ”beste lyrische Gedicht der deutschen epigrammatischen Raketen”. Er schätzte es mehr als Herweghs ”gegenwärtige und alle zukünftigen Xenien”.[34] Herwegh selbst schrieb Ende Dezember 1843 an die Gräfin Marie d'Agoult, daß die beiden Gedichte Die kranke Lise und Der arme Jacob ”die wichtigste Wendung” in seiner Dichtkunst darstellen, seine nächste Sammlung zweifellos genau den gleichen Charakter haben werde. ”Trotzdem”, fuhr er bezeichnenderweise in diesem Brief fort, ”genüge ich mir nicht damit, wie Eugène Sue zu fordern, daß wir dem Volke helfen, vielmehr glaube ich, daß nur das Volk unserer polierten, blasierten, zivilisierten Gesellschaft Kraft geben kann, daß die Kunst selber durch das Volk befruchtet, erneuert wird und daß es so einen Gewinn nicht nur für das Volk, sondern auch für uns geben wird.”[35]

Dieses Vorhaben ist allerdings nur Programm geblieben. In den Notizbüchern dieser Zeit finden sich etliche lyrische Versuche mit sozialer Thematik, die Fleury teilweise aus dem Nachlaß veröffentlichte.[36] Herweghs in diesem Brief formuliertem Maßstab einer Literatur, die das Volk, d. h. die arbeitenden Menschen nicht als leidende Masse, als Objekt, sondern als handelndes Subjekt, als selbstbewußten Akteur begreift, haben diese Verse nicht standhalten können. Deshalb wohl sind sie Fragment geblieben.

Diese Wendung in seinem Schaffen und die damit verbundene Radikalisierung seiner Auffassungen brachten für Herwegh auch Probleme. Während die Gedichte der ersten Sammlung trotz Verbot immer neue Leserkreise fanden, hatte er alle Mühe, neuen Gedichten Aufnahme in deutschen Zeitungen und Zeitschriften zu verschaffen; eine Erfahrung, die er von nun an zeit seines Lebens immer wieder machen mußte. Es war nicht nur die Zensur, die ihm zu schaffen machte. Je radikaler er sich aussprach, desto mehr Gegner erwuchsen ihm auch unter Redakteuren und Herausgebern. Im bisher unveröffentlichten Brief an Arnold Ruge vom 16. Januar 1842, in dem er sich für Ruges Rezension der Gedichte eines Lebendigen in den Deutschen Jahrbüchern bedankte, schickte er ihm seine neuen Gedichte zur Veröffentlichung in den Jahrbüchern mit der Bemerkung: ”Ich bin in der That in Verlegenheit, wo ich sie in einem Augenblick abdrucken lassen soll, da Görres und Amand. Huber ein paar neue Sporen an mir verdienen wollen. Das Morgenblatt geht ja so weit, meinen Namen aus seinen Artikeln, selbst in den harmlosesten Beziehungen auszumerzen.”[37]

Eines dieser Gedichte war das an Ferdinand Freiligrath gerichtete, das im zweiten Teil der Sammlung unter dem Titel Die Partei aufgenommenen wurde. Das ist dem Brief Ruges an Ludwig Feuerbach vom 23. Januar 1842 zu entnehmen, in dem es heißt: ”Ein herrliches Gedicht für 'die Poeten' und die eigentliche Bedeutung der Parteinahme hat mir Herwegh aus Paris geschickt. Ich will es durch Wigand separat drucken lassen. Es sagt alles und ist köstlich. Dieser Mensch ist Feuer und Geist, ein braver! [...] Das Gedicht, wenn wir's durch die Zensur bringen, schick' ich Ihnen...”[38] Ruge schaffte es. Als erstes schrieb er eine fingierte Pariser Korrespondenz an die Rheinische Zeitung, in der er nicht nur die wichtigsten Passagen aus Herweghs Brief verarbeitete, sondern auch das Gedicht vorstellte: ”Sie erinnern sich der Gedichte von Freiligrath 'aus Spanien', im Morgenblatt, worin die Zeilen vorkommen:

Der Dichter steht auf einer höhern Warte,
Als auf der Zinne der Partei.

Dagegen hat Herwegh, der von diesem unglücklichen Gedanken einer Generalunparteilichkeit, also einer Unparteilichkeit auch gegen Pilatus und Herodes, gegen Alba und die Menschenschinder, nicht angesteckt ist, ein treffliches Gedicht, eine neue Rakete des neuen Geistes, den er in der Lyrik vertritt, geschildert, aus dem ich Ihnen zur Probe nur den 2ten Vers mittheile:

Partei! Partei! wer sollte sie nicht nehmen [...]”[39]

Alsdann veranlaßte Ruge den Abdruck in den Sächsichen Vaterlandsblättern Nr. 14, 1842, an denen Robert Blum mitarbeite­te, sicherlich ein Trick gegen die Zensur. Denn nun übernahm es Ruge in die Deutschen Jahrbücher, indem er einen grundsätzlichen Arti­kel der Frage widmete ”Wer ist und wer ist nicht Partei?”, unter dem Vorwand, sich mit dem Morgenblatt und den Sächsichen Vaterlandsblättern auseinanderzusetzen und das Gedicht nur nachzudrucken.[40] Nun erst konnte es auch die Rheinische Zeitung bringen. Es erschien dort einen Tag später am 27. Februar in Nr. 58 unter dem Titel An Ferdinand Freiligrath. Von Georg Herwegh in Paris. Ruge hat es sicherlich mit den anderen aus Paris von Herwegh erhaltenen Gedichten nach Köln geschickt, die ebenfalls in späteren Nummern in der  Rheinischen Zeitung veröffentlicht wurden. Von allen seinen Gedichten im Vormärz ist dieses Bekenntnis zur Parteinahme im großen historischen Sinn das politische Gedicht Herweghs mit der direktesten Wirkung unter den Zeitgenossen und darüber hinaus. Es ist im gleichen Versmaß und Reimschema wie Freiligraths Gedicht geschrieben, aber mit ungleich eindringlicherem und hinreißenderem rhetorischen Pathos. Herwegh findet einprägsame Bilder, schlagwortartige Wendungen für gegensätzliche ästhetische Positionen. Angeregt durch Freiligraths Einstieg in die Debatte um Berechtigung und Nichtberechtigung politischer Literatur, hat Herwegh nicht nur das ästhetische Problem, entkleidet von der Schlacke langer Abhandlungen, auf einen kurzen Nenner gebracht; er hat auch alle Argumente gebündelt für die damals so aktuelle Aufgabe der Bildung politischer Parteien- und, wie an Ruges Artikel abzulesen, diese Aufgabe im demokratischen Sinne vorangebracht. Obwohl Freiligrath, trotz eines erklärenden und werbenden Briefes von Herwegh, zunächst verstimmt war, hat auf längere Sicht auch bei ihm im Zusammenspiel mit anderen Faktoren einen Denkprozeß eingesetzt, der diesen Autor bald auf revolutionär-demokratische Positionen führte.[41]


[1]      G. Herwegh an K. Gutzkow und R. Prutz vom 1. und 6. Juni 1841 Hss. im Gutzkow-Nachlaß der Stadt- und Universitätsbibliothek Fr/M. und in der Bibliothek  Jagiellonska Krakow.

[2]      Das Gesuch ist abgedruckt bei G. Taddey: G. Herwegh und Württemberg. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte. 19. Jg. 1970 Stuttgart 1971 S. 211. Siehe dort auch Daten und Fakten zum Vorgang. S. 203-204.

[3]      Siehe Herweghs Brief an ”Buchhändler Lindemann” aus Bern vom 18. Oktober 1841. Im Auktionskatalog, Lagerkatalog. Liepmannssohn Nr. 220, S. 22.

[4]      Vgl. G. Herweghs Brief an J. Fröbel vom 8. Dez. 1841 aus Paris. Hs. im ehem. Institut für Marxismus-Leninismus Moskau.

[5]       Herweghs Brief an A. A. L. Follen vom 29. Nov. 1841 veröffentl. v. F. Vogt in: Frankfurter Zeitung v. 2. Juni 1917.

[6]      H. Wittmann: Paris in deutschen Schilderungen. (1789-1814).In: Westermann's illustrierte deutsche Monatshefte. Hg. v. F. Spielhagen. 50. Bd. 1881, S. 357.

[7]      Dazu Feuerleins Angaben in: Aus  G. Herweghs Jugendzeit (anonym)In: Der Beobchter, Stuttgart 1877, Nr. 32 u. Nr. 34 v.8. u.10. Febr. 1877.

[8]       Telegraph. Nr. 207 (Dezember) 1839, S. 1656 unter Kleine Chronik.

[9]       Heinrich Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. 1. Buch. In: H. Heine: Sämtliche Werke. Hg. v. Ernst Elster. Leipzig u. Wien 1890, Bd. 7, S. 35.

[10]      Vgl. Brief wie Anm. 5 aus dem auch die anschließenden Ausführungen entnommen sind.

[11]      Vgl. Brief wie Anm. 5 aus dem auch die anschließenden Ausführungen entnommen sind.

[12]      Ebd. S. 104-105.

[13]      Franz Dingelstedt in Paris am 24. Januar 1842 an Fritz Oetker. In: Franz Dingelstedt. Blätter aus seinem Nachlaß. Mit Randbemerkungen von Julius Rodenberg. Bd. 1, Berlin 1891, S. 199-200: ”Von Herwegh willst Du wissen? 25 Jahre alt, ein echter Fanatiker, ein St. Just. Ein Robespierre, nicht ein Mirabeau wie Heine, schwarzes Haar und ein wunderhübsches Auge, schwäbischer Dialekt, bei Weibern unbeholfen, bei Männern wütend. Immer von Bastille-Tagen in Deutschland träumend. Jetzt noch ein Schwärmer, sogar ein unschädlicher, weil er ins Allgemeine geht und mit Inspiration statt durch die Ironie wirkt, in zehn Jahren ein gefährlicher Mensch, in zwanzig entweder todt oder verheiratet. Er sagte neulich, als wir beide betrunken waren: 'Dich laß' ich köpfen' und ich erwiderte: 'Nachdem ich Deinen Kopf um zwei Hörner erhöhet habe.' Herwegh hat eine Zukunft, wenn Deutschland eine Revolution erlebt, sonst nicht. Wir zwei verstehen und ergänzen und vertragen uns prächtig. Er geht in vier Wochen, und dann kommt zu meinem Troste Gutzkow her.”

[14]      Vgl. Anm. 5. Auch die folgenden Zitate entstammen diesem Brief.

[15]       Herweghs Brief aus Zürich an R. E. Prutz in Jena vom 8. April 1842. Veröff. in: G. Herwegh und R. Prutz I. Folge. Die Zeit Wien, 1897, S. 6.

[16]      Vgl. dazu ausführlicher: I. Pepperle: Philosophie und kritische Literatur im deutschen Vormärz - Ludwig Feuerbach und Georg Herwegh In: L. Feuerbach und die Philosophie der Zukunft. Berlin 1990 S. 575-592.

[17]      Im Kapitel Paris im Jahre 1830. Wiederabgedruckt in Eduard Gans: Philosophische Schriften. Hg. u. eingel. v. H. Schröder. Berlin 1971, S.48-106. Herwegh hat auf Eduard Gans’ Rückblicke auf Personen und Zustände im Artikel Die Aufgabe der Kritik und deren Hauptorgane in Deutschland Bezug genommen. In: G. Herwegh, Frühe Publizistik, Berlin 1971, S.72. 18 R. Lippert: Charles Fourier. In: Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst. Nr. 225 v. 19. September 1839, Sp. 1797-1800.

[18]      R. Lippert: Charles Fourier. In: Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst. Nr. 225 v. 19. September 1839, Sp. 1797-1800.

[19]       Conversationslexikon der Gegenwart. Brockhaus. Leipzig 1841, Bd. 2, S. 58-65, Bd. 4/1, S. 1151-1162 u. S. 1162-1163.

[20]      Wenn im Jahre 1839 Stuttgart 38.450 Einwohner und Zürich 14.243 Einwohner hatte (Conversationslexikon der Gegenwart. Brockhaus, Leipzig 1841. Bd. 4/2, S. 447 und Bd. 4/1, S. 1041) überschritt Paris, das 1837 schon 909.126 Einwohner zählte (ebd. Bd. 2, S. 82) 1841 die Millionengrenze. Siehe auch Jaques Grandjonc: Die deutschen Emigranten in Paris. In: Internationaler Heine-Kongreß 1972. Referate. Diskussionen. Hamburg 1973 (Heine-Studien) S. 165-177.

[21]      Vgl. Anm. 4.

[22]      Siehe den Brief von Herwegh und Dingelstedt an G. Sand (Ende November oder Dezember 1841). Entwurf in Herweghs Notizbuch (Herwegh-Archiv, Liestal) Veröffentl. V. Fleury: Le poète G. Herwegh. Paris 1911, S.74. Neben vielen Betrachtungen hat Herwegh ihrem Werk 2 Artikel gewidmet George Sand. Leia in drei Bänden und Faust bei drei Nationen. In: Frühe Publizistik a.a.O., S. 38-43 u. S. 122-127.

[23]      Brief von Herwegh und Dingelstedt an G. Sand, a.a.O. Zu Leroux siehe auch: Joachim Höppner, Waltraud Seidel-Höppner: Von Babeuf bis Blanqui. Französischer Sozialismus und Kommunismus vor Marx. Leipzig 1975, Bd. 1, S. 127 ff.

[24]      Siehe Brief wie Anm. 5 aus dem auch die folgenden Ausführungen entnommen sind.

[25]      L. v. Stein: Der Sozialismus und Kommunismus in Frankreich von 1830 bis 1848. Hg. v. G. Salomon als Bd. 2 der Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf unsere Tage. München 1921, S. 455 u. 463.

[26]      Siehe Brief wie Anm. 5.

[27]      27  J. Mosen an A. Stahr am 30. Oktober 1842. In: Aus Adolf Stahrs Nachlaß. Hg. v. Ludwig Geiger. Oldenburg u. Leipzig, 5. Aufl. 1903, S. 38. Mosen gibt in diesem Brief außerdem eine einprägsame Schilderung Herweghs: ”Ich komme auf diese Reflexion durch Herwegh, welcher jetzt hier ist. Er ist ein schlanker, brünetter Mann, einfach und gemütlich, nur leidet er schwer an der Zerrissenheit dieser Zeit aus welcher er einen Weg durch die Politik sucht auf der äußersten Linken. Dort wirder aber nur eben ein Parteimann sein, aber kein Dichter.”

[28]      Ebd., S. 44. Auch Wilhelm Marr erinnert sich dieser Zeit in der Gartenlaube. Hg. v. Ernst Keil, Nr. 19, 1875, S. 320 (Georg Herwegh. Literarisches Stimmungsbild) ”Bald darauf machte Herwegh eine Reise nach Paris, besuchte Börnes Grab und schloß intime Freundschaft mit Heinrich Heine, hingerissen von dessen 'unwiderstehlicher Liebenswürdigkeit', wie er mir selbst erzählte. Er kehrte von Paris mit einer feinen Außenseite zurück: sein Geist war voll der widersprechendsten Richtungen, welche in der Seinestadt damals Mode waren. Der Socialismus spielte darin keine Nebenrolle. Das melodramatisch ergreifende Gedicht 'Die kranke Lise' im zweiten Theile der 'Gedichte eines Lebendigen' ist ein auf dem Pariser Pflaster gereifter Vorwurf.”

[29]      Ehem. Deutsches Zentralarchiv  Merseburg Rep. 77. Tit. VI, Polit. verdächt. Pers. Lit. H. Nr. 124, Blatt 50.

[30]       Zeitungsausschnitt im Deutschen Literaturarchiv Marbach a. N.

[31]      Vgl. den Brief Georg Herweghs vom Sonnabend (10. Dezember 1842) an Emma Siegmund. In: G. Herweghs Briefwechsel mit seiner Braut. Hg.  M. Herwegh, V, Fleury, C. Haußmann. Stuttgart 1906, 2. Aufl. 1911, S. 97.(Im folgenden = Brautbriefe)

[32]      Vgl. dazu und zum folgenden: Ingo Fellrath: Quand un poème de Georg Herwegh trouve sa source á Paris. In: Revue de Littérature Comparée 1988, 1, S. 57-65. Siehe auch seine These an der Universität Tours: Les Orientations Litteraires de Georg Herwegh, Tours 1991.

[33]      G. Herwegh: Brautbriefe. a.a.O. S. 110 u. 113.

[34]      Vgl. die beiden unveröffentlichten Briefe A. A. L. Follens an Georg und Emma Herwegh (vor dem 4. November 1843) und vom 4. November 1843, Herwegh-Archiv Liestal.

[35]      M. Herwegh (Hg.): Au Printemps des dieux. Correspondance inédite de la Comtesse Marie d' Agoult et du poéte Georges Herwegh. Paris 1929. Brief Nr. 4 (Ende Dezember 1843), S. 19.

[36]      V. Fleury: Neue Bruchstücke aus Herweghs Nachlaß. In: Euphorion. Bd. 20, Wien 1913, S. 475.

[37]      V. Fleury: Neue Bruchstücke aus Herweghs Nachlaß. In: Euphorion. Bd. 20, Wien 1913, S. 475.

[38]      38  Arnold Ruge an Ludwig Feuerbach am 23. Januar 1842. In: Ludwig Feuerbach. Briefwechsel II (1840-1844). Bd. 18 der Gesammelten Werke. Hg. v. Werner Schuffenhauer. Berlin 1988, S.154. Hier wird allerdings auf S.478 unrichtig angemerkt, daß essichum Herweghs Gedicht An die deutschen Dichter handele, das schon in den Gedichten eines Lebendigen erschienen war.

[39]      (Arnold Ruge): Deutsche in Paris. Paris, 24. Januar. In: Beiblatt zu Nr. 32 der Rheinischen Zeitung, v. 1. Februar 1842. Diese Korrespondenz enthält Zitate aus Herweghs Brief an ihn vom 16. Jan. 1842. Vgl. Anm. 37.

[40]      Arnold Ruge: Wer ist und wer ist nicht Partei? Das Morgenblatt und die Sächsichen Vaterlandsblätter. In: Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst. Nr. 48 v. 26.2.1842, S. 190-192. Ruge nimmt Herweghs Gedicht zum Anlaß, um seinen Parteigedanken im System junghegelianischer Geschichtsphilosophie zu entwickeln.

[41]       Freiligraths Gedicht Aus Spanien, das die Hinrichtung eines carlistischen Offiziers im spanischen Bürgerkrieg zum Thema hat, erschien zuerst im November 1841 im  Morgenblatt Nr. 286. Herweghs Brief vom 4. März an F. Freiligrath ist zuerst abgedruckt bei W. Buchner: F. Freiligrath. Ein Dichterleben in Briefen. Bd. 1, Lahr 1882, S. 427-428. Freiligraths auf Herwegh bezogene Äußerungen in diesem Zusammenhang in den Briefen an Karl Buchner, vom 26. Februar 1842, an Ch. Matzerath vom 1. März 1842 und Levin Schücking, vom 23. März 1842. Ebd., S. 423-431.

Georg Herwegh

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