- Herzen

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Ingrid Pepperle: Georg Herwegh und Alexander Herzen. Unbekannte Briefe zum Bruch ihrer Beziehungen von Richard Wagner, François Wille und Georg Herwegh, in: Begegnung und Zeiten. Festschrift für Helmut Richter zum 65. Geburtstag, hg. v. Regina Fasold, Christine Giel, Volker Giel, Michael Masanetz u. Michael Thormann, Leipzig 1999, S. 141-153.

Als Herzen Rußland im Frühjahr 1847 für immer verließ, führte  er u.a. einen Empfehlungsbrief seines Freundes Ogarjow an Herwegh mit sich, der ihn 1842 auf seiner Deutschlandreise kennengelernt hatte. Herzen begegnete Herwegh in Paris 1847 in enger Freundschaft mit  Bakunin und  dann wieder 1848 kurz vor der Juniinsurrektion, als Herwegh und Iwan Turgenjew im gleichen Haus wohnten.[1]

In Gesprächen mit den gemeinsamen Freunden ergab sich Übereinstimmung in der Beurteilung der zeitgenössischen Ereignisse sowie in philosophisch-politischen Grundfragen, die eine produktive publizistische Zusammenarbeit Herzens und Herweghs während ca. zweier Jahre ermöglichte.Beide traten für die Philosophie Ludwig Feuerbachs ein, standen den französischen Sozialisten nahe und hielten nicht zurück mit ihrer Kritik an der politischen Demokratie, die, wie sie meinten,  die Macht  verspielt habe aus Schreck vor der sozialen Demokratie.

Herzen hat diese Gemeinsamkeiten in  der  Einschätzung der Niederlage der europäischen Revolutionen von 1848/49 und ihrer weltpolitischen Auswirkung in einem am  Georg Herwegh gewidmetem Essay in Proudhons La Voix du peuple erörtert.[2] Seine Enttäuschung über die Niederlage und seinen Schmerz über  ihre Opfer hat er im  Epilog zum Jahre 1849 in einem Prosatext niedergeschrieben, der von  Herwegh in Adolph Kolatscheks Deutscher Monatsschrift im Dezember 1850 zur Veröffentlichung gebracht wurde und den, wie Ludwig  Simon  vermutete, Herwegh auch ins Deutsche  übertragen haben soll.[3]

Dieses Lebewohl an die alte Welt, eine der leidenschaftlichsten Anklagen der Konterrevolution, beginnt mit einem Fluch auf das „Jahr des Bluts  und des Wahnsinns, (...) der  triumphierenden Gewalt, der Grausamkeit, des Blödsinns“ und  endet mit der Verpflichtung Herzens, sich nicht zum Schweigen bringen zu  lassen über die begangenen Untaten.

In  Herweghs Korrespondenzen für die Berliner Reform  Arnold Ruges, in Herzens Artikel für  La  voix du peuple und die Deutsche Monatsschrift wurde die Verpflichtung, zu den politischen Ereignissen in Frankreich und Europa nicht zu schweigen, eingelöst.[4] Herwegh hat in der kurzen Zeitspanne bis zum Bruch im Januar 1851 sich auch  vielseitig für Publikationsmöglichkeiten Herzens im deutschen Sprachraum eingesetzt, besonders durch die Verbindung zu Adolph Kolatschek.[5] Er hat für die Drucklegung und kritische  Würdigung der von Herzen zuerst in deutscher Sprache erschienenen Schriften gewirkt und ist als Vermittler aufgetreten bei Herzens Versuch,  eine  russische Druckerei in Deutschland einzurichten.[6] Alle diese Aktivitäten endeten jäh nach dem Geständnis Nataliens, der Frau Herzens, daß sie Herwegh liebe und diese Liebe erwidert werde. Aus der Freundschaft wurde eine  erbitterte Feindschaft mit eskaltierenden Anschuldigungen, Verleumdungen und  Skandalen.

Herzen hat seine Sicht auf diesen Konflikt in  Erlebtes und Gedachtes ausführlich dargelegt.[7] Er war zu sehr von Haß und Trauer durchdrungen, um objektiv bleiben zu können. Seine Erinnerungen vermitteln daher „kein glaubhaftes Bild  der Affaire“, wie es neuerdings  Michail Krausnick  formulierte.[8] Allein seine Zeichnung Natalien wird problematisch, wenn man ihre Briefe an Herwegh  hinzuzieht.[9] Da sich Herwegh bis auf die Zurückweisung öffentlicher Anschuldigungen  in der Neuen Zürcher Zeitung [10]  dazu nur  in Briefen geäußert hat, ist ohne ihre Aufarbeitung eine  sachliche Auseinandersetzung nicht  möglich. Von dem  englischen Slavisten Edmund H. Carr ist das im Ansatz versucht worden. Er hat anhand der Briefe, die er von  Herweghs Sohn Marcel erhielt, zwei Kapitel seines  Werkes über Herzens Exil, dem Konflikt Herzens mit Herwegh gewidmet.[11] In der germanistischen Forschung sind die Zusammenarbeit und die Feindschaft beider Schriftsteller auf der Grundlage von Briefen zuerst von Bruno Kaiser im Lebensabriß  Georg Herweghs Exil in der Schweiz erörtert worden.[12] Allerdings nahm er noch an, daß die Briefe Nataliens verschollen seinen. Um die Kenntnis  der im Zusammenhang des Konflikts geschriebenen Briefe zu erweitern, werden hier einige von Georg Herwegh  an  François Wille sowie  seiner Freunde  Richard Wagner und François Wille an Alexander Herzen mitgeteilt.
Wille muß Herwegh gleich nach seiner Übersiedlung von Hamburg in die Schweiz kennengelernt haben. Im Juli 1851 unterhielt er sich mit Herwegh über Heine,[13] den er seit dessen Deutschlandreisen 1843 und 1844 persönlich kannte.[14]  Wille hatte  im Vormärz als demokratischer Publizist u.a. mit Ludwig Wienbarg an den Literarischen und kritischen Blättern der Börsenhalle  gearbeitet, die Hamburger Neue Zeitung, die Börsenhalle selbst und das Wandsbecker Intelligenzblatt geleitet. 1848 war er als Abgeordneter  der Frankfurter Nationalversammlung für  Schleswig-Holstein politisch engagiert. Nach der Revolution faßte er  zusammen mit seiner Frau, der Hamburger Reederstochter und Schriftstellerin Eliza Wille den Entschluß, in der Schweiz „Demokratie und freie Verfassung zu suchen“, um in der Realität zu erleben, wofür er eingereten war.[15] Im Herbst 1851 erwarb er  das Landgut Mariafeld bei Zürich, das bald zum Treffpunkt deutscher demokratischer  Emigranten, Schweizer Gelehrten und Kunstschaffenden werden sollte. So waren Herwegh und Kolatschek noch vor dessen Abreise nach Paris im Herbst 1851 Gäste auf dem Landgut.[16]

Herwegh war es auch, der im Frühjahr 1852  Richard Wagner  mit den Willes zusammenführte, die sehr enge und hilfreiche Freunde des Komponisten werden sollten. Wagner selbst lernte Herwegh im Frühjahr 1851 kennen. Er begegnete ihm zuerst in der Wohnung Kolatscheks, in dessen  Deutscher Monatsschrift er ebenfalls veröffentlichte.[17] Herwegh und Wagner kamen sich u.a. durch ihr gemeinsames Interesse für Feuerbach nahe, den sie beide vergeblich  nach Zürich einluden.[18] Herwegh wurde für Wagner in dieser Zeit zum anregenden Ideenvermittler und wichtigen Partner im Austausch über philosophische, politische, kunsttheoretische und literarische Fragen. Er hat  sich dazu immer wieder geäußert. An Julie Ritter schrieb er   am 4. April 1852. „Herwegh ist wohl der einzige, dem ich mich bis zur vollsten Sympathie verständlich machen kann“.[19]  Mit ganz  ähnlichen Worten berichtet Herwegh seiner Frau  über Wagner: „Der Komponist - Revolutionär - Musiker - Richard Wagner, die  bedeutendste Natur, die  lebt, mein einziger Freund in tiefster Sympathie - (...)“.[20]

Wagner und Wille  waren nach  Kolatscheks Abreise neben Emma Herwegh offenbar auch die  einzigen, denen sich Herwegh in der 1852 immer dramatischer sich zuspitzenden Auseinandersetzung mit Herzen anvertraute. Zu Beginn des Jahres  hatte er es für  nötig befunden, Herzen zum Duell zu fordern.[21] Dieser beauftragte den russischen Emigranten Wladimir Engelson angesichts der schweren Erkrankung  Nataliens, Herwegh um Aufschub einer Antwort  nachzusuchen .[22] Indessen  unternahm er allerlei, um den Gegner unter den demokratischen Emigranten in Europa  als satisfaktionsunwürdig darzustellen. Nach dem Tod Nataliens am 2. Mai 1852 eskaltierten diese Bemühungen. Herzen machte den Konflikt öffentlich  u.a. in einem Aufruf  An die Brüder  der Demokratie.[23]. Ende Juni kamen  Ernst Haug und Tessiè du Motay als Abgesandte Herzens nach Zürich, um Freunde und Bekannte gegen Herwegh einzunehmem. Wagner erwähnt den Besuch Haugs in seinen Memoiren.[24] In dem hier mitgeteilten Brief (Nr.4) an Herzen reagiert er auf das Ansinnen Haugs[25]. Dieser und Tessié du Motay versuchten auch Herwegh selbst zu provozieren, indem sie sich gewaltsam Zugang zu seinem Logis im Hotel du Lac verschafften.[26] Herwegh sah sich genötigt, die Forderung an Herzen  der Form halber  durch Wille  wiederholen zu lassen (Nr. 8). Die Briefe Georg Herweghs an François Wille  und der Entwurf eines Schreibens an Herzen werden hier erstmals veröffentlicht (Nr .1-3 und Nr.5-7). Die Handschriften werden  diplomatisch getreu wiedergegeben. Herweghs Schreibweise von Doppelkonsonanten ( ein  Buchstabe mit  Strich darüber) wurde aufgelöst. Abkürzungspunkte bei Mr. , die  Herwegh auch mal wegließ, wurden durchweg gesetzt. Ergänzungen der Bearbeiterin stehen in  eckiger Klammer.

Ich schulde Herrn Dr.  Jürg Wille besonderen Dank für die freundliche Erlaubnis, diese Briefe aus dem Archiv der Familie Wille, Mariafeld  mitzuteilen. Danken  möchte ich  ebenfalls Herrn  Ingo Fellrath, der die  französischen Handschriften (Nr.5 u.6) diplomatisch getreu transskribiert und deutsch übersetzt hat.

1.
Georg Herwegh an François Wille

[Zürich, nach dem 16. November1851][27]

Lieber Wille -

Ich habe wieder meinen Sonnabend. Ich erhalte die Felicitas! Ihrer Frau[28] zugleich mit einer Nachricht der meinigen,[29] die mich so confus u[nd] consternirt macht, daß ich Furcht habe wie ein Kind u[nd] vor mir selbst davon laufen möchte. Das Dampfboot zwischen Mar­seille u[nd] Nizza ist gescheitert. Herzens Mutter, ein Knabe Herzens, dessen Lehrer u[nd] Gott weiß wer noch sind "bei dieser Gelegenheit" ertrunken. Es muß Donnerstag den 13. gewesen sein - wir sprachen noch von der Frau, Kolatschek hatte über sie geschrieben.[30] -
Ich habe das Kind geliebt um seiner Mutter willen,[31] als ob es mein eigenes gewesen! Amen. Mir ist, wie wenn das Schicksal Bresche geschossen hätte u[nd] nun mit Macht hereinbrechen wollte -
Hier auch der Roman, der viel persönliches Leben enthält u[nd] vorahnend auch in die Zukunft gegriffen.[32] Wenn Sie ihn gelesen, mehr davon!
Lassen Sie sich bald sehen -
Herzliche Grüsse an die Frauen und Kinder.
Ihr Herwegh

2.
Georg Herwegh an François Wille

[Zürich, Mitte Januar 1852][33]

Liebster Wille - Namenlose Furcht vor mir selbst, noch mehr aber vor zufälliger Berührung mit aller Welt, lassen mich bereits wieder an Ihrem stillen Hause anklopfen. Ich will Morgen (Sonntag) früh mit Eichelberg[34] bei Ihnen vorsprechen, möchte mir aber gern den süßen Zwang anthun lassen u[nd] bis Montag oder Dienstag zurückgehalten werden.
Denken Sie - ich sei noch krank, wenn mir auch der Arzt nicht helfen kann.
Die Zertrümmerung u[nd] Zerbröcklung meines ganzen Daseins geht im Sturmschritt vorwärts.
Noch steh’ ich hoch genug, um mir im Notfall mit Ehren den Hals brechen zu können - Nur nicht herabsteigen u[nd] zu ebener prosaischer Erde ankommen, um am Ende im Koth stecken zu bleiben!
Vixi - dixi. Amen!
Auf Morgen denn-
Ihr Herwegh

3.
Georg Herwegh an François Wille

[Zürich,  nach dem 2. Mai 1852][35]

Lieber Wille -
Natalie ist tot.
Das ist nur der äußere Tod, der zum innern getreten, u[nd] den die Welt Zerfall, Krankheit, Pleuresie, fausse couche nennen wird.
Ich wußt' Alles - ich wußte, daß Herzen sie getötet, darum mein Wahnsinn, ihn töten zu wollen.
Das ändert sich nun, u[nd] ich glaube nicht, daß wir uns auf diesem Grab erwürgen werden.
Ihm ist der Schein gerettet u[nd] er weiß nicht, daß sie an der Wahrheit zu Grund gegangen. Aber er ist elend u[nd] einsam wie ich -
Wenn wir Menschen wären, H[erzen] u[nd] ich, müßten wir uns die Hände reichen -
Sind wir's? -
Da ich im Moment so kopf- wie herzlos bin, möcht' ich Sie bald sprechen.
Zwischen dem vorgeschlagenen Vermittler u[nd] mir hängt eine Forderung von Seite des Ersteren,[36] in Folge einer Antwort meinerseits. Ich habe die Forderung nicht gelesen, da ich seinen Brief uneröffnet zurückschicken mußte, aber beigefügt, wenn er Genugthuung verlange, so soll er sie haben, nach Herzen.
Das war einige Tage vor N[atalien]s Tod. Zwischen mir und H[erzen] scheint mir Alles verändert - Was hab' ich Ihrer Meinung nach zu thun? Ist jetzt der Moment, mich herumzuschlagen mit einem Menschen, der es sich in H[erzen]s Augen als Verdienst anrechnen wird, zum Spadassin[37] an mir zu werden, denn er schießt vortrefflich?
Daß mir am Leben gar Nichts mehr gelegen ist, brauch' ich Ihnen wahrlich nicht zu versichern.
Es handelt sich nur noch darum, es auf die edelste Weise los zu werden.
Ich wollte versuchen, hinauszukommen - ich konnt’ es nicht.
Lassen Sie sich bald sehen - ich verlange nur die Meinung eines Freundes, keinerlei Dienst und Einmischung.
Gott wie ist mir zu Mut.
Ihr H[erwegh]
Sie haben meine Menschenscheu, die sich bis auf die Scheu vor Ihnen ausdehnte, wie ich weiß, falsch gedeutet.
Eben erhalte ich Ihr Bilett. Sie kennen den "ungerechten Grund". Der Brief, den ich erwartete, war die Todesanzeige.

4.
Richard Wagner an Alexander Herzen[38]

Geehrter Herr!
Vor Kurzem gab mir Herr Haug,[39] der mir bis dahin  unbekannt war, die Ehre seines Besuches, um mir Enthüllungen in einer Angelegenheit zu machen, die Sie leicht errathen werden, und von der ich bisher nur mit innerem Widerstreben und zu meiner wahrhaften Pein Kenntniß’ hatte gewinnen müssen. Aus den Mittheilungen Herrn Haug’s glaubte ich entnehmen zu dürfen, daß Sie ein mir nicht ungünstiges Interesse darein setzten, mich auch Ihrerseits von  dem Charakter jenes Verhältnisses belehrt zu wissen,  in welchem  Sie selbst auf eine so leidenvolle Weise betheiligt, und somit fühlte ich mich gedrungen, im unparteilichsten Sinne Sie meiner hochachtungsvollen Theilnahme  versichern zu lassen - einer  Theilnahme, von der ich zu erkennen gab, daß namentlich Herwegh’s eigene Mittheilungen über sein Verhältnis zu Ihrer Person, gerade auch der Intention dieser Mittheilungen angemessen,  zuvor bereits sie mir geweckt hatten. Ich mußte es jedoch aufgeben, Herrn Haug  mich darüber verständlich zu machen, was ich bei genauerer  Kenntnißnahme des von ihm mir dargestellten Verhältnisses im besondern Bezug auf Herwegh empfand; die mir gegenüberstehende Meinung zeigte sich mir so fertig und fest begrenzt, und sie wurde mir in einer so prompten und kategorischen Weise mitgetheilt, daß ich die Unmöglichkeit fühlte, die meinige, auf unendlich weil motivirter Beurtheilungsbasis  ruhende, eben so prompt und fertig mittheilen zu können, ohne mich nicht einem, zunächst vielleicht mir nachtheiligen,  Mißverständnisse auszusetzen. Im Bewußtsein von dieser meiner Lage begnügte ich mich damit, Herrn Haug zu bedeuten, daß es mir unmöglich sei ihm die Empfindungen deutlich  auszudrücken, die ich,  namentlich auch nach seinen Eröffnungen in Betreff  Herwegh’s, seines Verhältnisses zu Ihnen und seines Benehmens gegen Sie, hegte.
Der unverkennbar widerliche Eindruck, den einzelne Züge seiner Enthüllungen auf mich machten, mein offenes  Zugeständniß der Schwächen Herwegh’s, sowie der Verweichlichung seines Wesens unter gesellschaftlichen Einflüssen, denen er in einer früheren Periode seines Lebens glücklich fern stand; endlich meine  vollständige  Enthaltung von irgend welchem Versuche, Ihrem Freund  von dem , was er  in seinem ferneren Verhalten  zu Herwegh für gut und und anständig finden möchte, abzubringen: dieß zusammen dürfte jedoch , wie ich jetzt Grund erhalte zu vermuthen, Herrn Haug vielleicht zu einem wirklichen Mißverständniße jener Aeußerung von mir verleitet haben, indem er sie  etwa dahin verstand , daß meine Meinung eine der seinigen gleiche, prompte und fertige sei - Wäre dieß der Fall und wäre es Ihnen so berichtet worden, so müßte ich einen Widerruf für angemessen halten, da ich in dem vorliegendem Falle zu sehr  ohne Leidenschaft bin, um meiner nur im Erfaßen des weitesten Zusammenhanges entstehender und  wachsender Situationen  sich gefallenden Weltanschauung so  schroff  zu  widersprechen, als  in der Kundgebung einer solchen Meinung es meinerseits geschehen sein würde.
Sie begreifen gewiß die Pein, die mich die vorliegende Erklärung kostete, zumal wenn ich Sie versichere, daß der Gegenstand derselben mir, von seinem ersten Bekanntwerden an, nur den Wunsch erweckte, ihn nicht kennengelernt zu haben. Meine Theilnahme für Herwegh gilt einer Hoffnung - einer Hoffnung, mit der ich  die Zukunft im Auge habe, keinesweges aber einer Erinnerung an Vergangenes. Ich begreife dagegen, daß Sie einzig nur noch eine Erinnerung an Herwegh empfinden können -  eine Erinnerung, die , wie ich tief fühle, für Sie so höchst trauriger Art sein muß, daß ich unmöglich im Stande wäre, Sie durch die Mittheilung des Charakters meiner Hoffnung zu verletzen. Dennoch muß ich wünschen, daß diese Erklärung Ihnen einen Fingerzeig zur Beurtheilung meines eigenen Charakters gebe,  u[nd] wenn Sie erfahren sollten , daß ich in Betreff Herwegh’s wahrlich nicht blind bin, und dennoch ihn - nicht aufgebe !
In aufrichtiger Hochachtung
empfiehlt sich Ihr
sehr ergebener
Richard Wagner
Zürich
30. Juni 1852

5.
Georg Herwegh an François Wille

[Zürich, vor dem 7.Juli 1852][40]

Mon cher Wille. En vous demandant un service j'aime mieux à soumettre desuite le brouillon ci-joint à votre approbation ou à votre rejet qu'à vous expliquer longuement ce que je voudrais faire dire par votre bouche. J'espère au moins que vous trouverez la tenue de cette lettre digne sous tous les rapports de la triste situation et des deux adversaires. Vous apprecierez en même tem[p]s la bonne volontè que j'ai montrée de faire de vous une personne completement neutre et de vous engager moralement par rien, absolument rien.
J'ai fait cela, non pas par calcul, pour vous décider à me rendre ce service - je l'ai fait dans l'impossibilité où je me trouve de porter sur tous les points une lumière suffisante pour éclairer la religion d'un tiers. Les tristes détails de ces jours - vous les avez appris sans doute ou vous les apprendrez lors de l'arrivée de cette lettre.[41] Je plie sous la necessité en me montrant encore prêt à ce que je regarde comme un acte de barbarie - depuis la mort de N. Mais si j'ai à rendre compte à quelqu'un c'est à Herzen - et c'est la seule chose que je veux lui faire comprendre. Je doute qu'il donne suite à cette lettre - mais le cas échéant je subirai cette entretuerie en maudissant la perversité de la nature humaine et de la mienne propre, victime de cette farce qu'on est convenu d'appeler honneur.
Il s'entend, mon cher, que je ne vous emploie pas comme une machine à copier - ce brouillon ne doit vous servir que comme regulatif - Vous avez toute votre liberté pour changer la composition, comme pour la conserver telle qu'elle est.
A vous         G. H.

Übersetzung

Mein lieber Wille, indem ich Sie um einen Gefallen bitte, lege ich Ihnen lieber gleich den beigefügten Entwurf vor, damit Sie ihm zustimmen oder ihn ablehnen, als Ihnen lang und breit zu erklären, was ich durch Sie mitteilen lassen möchte. Ich hoffe wenigstens, daß Sie die Haltung in diesem Brief  der traurigen Lage und den beiden Gegnern in jeder Hinsicht angemessen finden. Sie werden zugleich den guten Willen zu würdigen wisssen, den ich gezeigt habe: Ich mache Sie zu einer  völlig neutralen Person, und ich verpflichte Sie moralisch zu nichts, zu absolut nichts.
Das ist nicht aus Berechnung geschehen, um Sie zu veranlassen , mir diesen Dienst zu erweisen. Es ist geschehen, weil es mir unmöglich ist, im Glauben eines Dritten in allen Punkten hinreichend Klarheit zu schaffen.  Sie werden die traurigen Einzelheiten der letzten Tage erfahren haben, oder Sie erfahren sie, wenn dieser Brief eintrifft. Ich füge mich ins Unvermeidliche, indem  ich mich weiterhin zu dem bereit erkläre, was ich seit dem Tod N[atalien]s für einen Akt der Barbarei erachte. Aber wenn ich jemandem Rechenschaft schuldig bin, dann Herzen, und das ist das einzige, was ich ihm begreif­lich machen will. Ich bezweifle, daß er diesem Brief Folge leisten wird - aber sollte es der Fall sein, so werde ich  mich diesem gegenseitigen Totschlag unterziehen, wobei ich das Abartige der menschlichen Natur und meiner eigenen verwünsche, die Opfer einer Posse ist, die man gemeinhin Ehre nennt.
Es versteht sich von selbst, mein Lieber, daß ich Sie nicht als Kopiermaschine gebrauchen will. Dieser Entwurf soll Ihnen bloß als Richtschnur dienen. Es steht Ihnen völlig frei, die Abfassung  zu ändern, oder sie so zu lassen, wie sie ist.
Ihr G. H.

6.
Entwurf Georg Herweghs für François Wille

[Zürich,  vor dem 7. Juli 1852][42]

Monsieur Herwegh apprend, que, pour justifier des provocations insensées de la part de tiers,[43] on a entre autre découvert une faute de forme dans le défi qu'il a envoyé à Monsieur Herzen vers la fin du mois de Janvier, défi auquel pourtant fut répondu le 25 du même mois par Monsieur Engelson qui a exigé un sursis et reclamé le droit pour Monsieur Herzen de choisir le moment convenable. Pour remplir cette formalité qui n'a été omise que par un sentiment de délicatesse parceque la haine aussi a ses secrets, Mr. Herwegh, bien attristé et contre coeur, se voit dans la necessité de faire repéter ce défi purement et simplement par le soussigné Dr. Fr. W[ille] Mr. Herwegh laisse Mr. Herzen parfaitement maitre de faire ce qui bon lui semble; il ne pouss à rien, il ne recule devant rien, il veut, par l'accomplissement tardif de cette formalité seulement ôter tout pretexte des tiers et rappeler, qu'il n'a à faire qu’ à Mr. Herzen seul, qu'il ne connait pas même ni Mr. Haug ni aucune autre personne, qui, s'appuyant sur des motifs plus ou moins specieux ou sur des écritures plus ou moins apocryphes, oserait venir lui demander un compte quelconque. Aussi Mr. W[ille] se bornera-t-il à ne recevoir que strictement telle resolution, concernant ce défi et ce défi seul, qu'il plaira à Mr. Herzen de prendre. Pour couper court à des récriminations inévitables et interminables, Mr. W[ille] croit devoir rester complètement étranger à la question intime et il prie par conséquent de vouloir bien ne pas engager son jugement d'aucune manière, en s'écartant des limites tracées d'avance à une réponse par cette lettre ci-même qu'il a l'honneur de faire parvenir à Mr. Herzen au nom de Mr. Herwegh.

Übersetzung

Herr Herwegh bringt in Erfahrung, daß man, um sinnlose Provokationen von seiten Dritter zu rechtfertigen, unter anderem einen Formfehler in der Forderung entdeckt hat, die er Herrn Herzen Ende Januar geschickt hat. Es wurde jedoch auf diese Forderung von Herrn Engelson am 25. dieses Monats geantwortet, der einen Aufschub  verlangte und für Herrn Herzen das Recht beanspruchte, den geeigneten Zeitpunkt zu bestimmen. Um diese Formalität zu erfüllen, die nur aus Taktgefühl übergangen wurde, weil auch der Haß seine Geheimnisse hat, sieht sich Herr Herwegh tiefbetrübt und  widerwillig gezwungen, seine Forderung schlicht und einfach durch den unterzeichneten Dr. Fr. W[ille] wiederholen zu lassen. Herr Herwegh läßt Herrn Herzen völlig freie Hand zu tun, was ihm beliebt. Er drängt zu nichts, er weicht vor nichts zurück. Er will nur, indem er verspätet diese Formalität erfüllt, jedem Vorwand von seiten Dritter zuvorkommen und daran erinnern, daß er einzig und allein mit Herrn Herzen zu tun hat, daß er weder Herrn Haug noch eine andere Person kennt, die, auf mehr oder weniger echte Gründe oder auf mehr oder weniger echte Schriftstücke gestützt, es wagen würde, Rechenschaft von ihm in irgendeiner Sache zu verlangen. Herr W[ille] wird sich deshalb strikt darauf beschränken, einen die  Forderung, und  zwar nur die Forderung betreffenden Entschluß entgegenzunehmen, den Herr Herzen zu fassen beliebt. Herr W[ille] glaubt, daß er sich, um  unvermeidlichen,  endlosen Anschuldigungen vorzubeugen, aus dem privaten Bereich der Angelegenheit gänzlich herauszuhalten hat und bittet daher, ihn in keiner Weise zu einem Urteil nötigen zu wollen, indem im Antwortschreiben die in diesem Brief gesetzten Grenzen überschritten werden, den er die Ehre hat,  Herrn Herzen im Namen von Herrn Herwegh zu übersenden.

7.
Georg Herwegh an François Wille

[Zürich, vor dem 7. Juli 1852][44]

Lieber Wille  -  Sie sind mir heute früh so schnell abhanden gekommen, daß ich fürchte Ihnen nicht eindringlich genug vorgestellt zu haben, wie kalt und formell ich das Schreiben an Herzen verfaßt wünsche. Ich danke Ihnen für Ihre Bereit­willigkeit, mir diesen Dienst zu erweisen, würde aber doch nur in dem Fall von derselben Gebrauch machen, wenn Sie sich entschließen könnten, sich einfach auf die, durch die Schurkerei Haugs[45] mir abgedrungene schmerzliche Wiederholung der Herausforderung zu beschränken.
Es wird keine Ruhe eintreten, wenn nicht durch absolute Unterdrückung jeder subjektiven Meinung - Seitens Dritter - alle weitern Explikationen von vornherein abgeschnitten werden. Man hat die Infamie bis zum falsum getrieben - u[nd] die alberne Verliebtheit Haugs aus früherer Zeit exploitirt, um ihn als Don Quixote gegen mich in den Kampf zu schicken. - Ich habe Nichts zu entgegnen, als Herzen daran zu erinnern, wie ich es mit ihm u[nd] mit ihm allein zu thun habe.
Ich allein habe noch in zweihundert Briefen den Schlüssel zum Räthsel[46] - ich hab bereits erklärt, daß ich auch nicht eine Linie profaniren werde, um einem Skandal auszuweichen. Das audiatur et altera pars, ist hier unmöglich - da ich mich nicht herablassen werde zu sprechen. -
Und somit appellir’ ich nicht einmal an einen Schatten von Freundschaft, sondern rein an das menschliche Zartgefühl, wenn ich kategorisch von denen, die nicht geradezu meine Feinde sein wollen, verlange, daß Sie Niemandem mehr das Wort vergönnen über eine Angelegenheit, welche ihrer Natur nach vor kein Tribunal der Welt gebracht werden darf.
Der Schritt, zu dem ich Ihre Hilfe in Anspruch nehme, soll endlich auch Herzen zu dieser Überzeugung bringen. Eine weitere Folge davon erwarte ich nicht.
Mit diesem Schritt sei für die Welt zunächst Alles begraben; vielleicht daß es später in einer schöneren Form seine Auferstehung vor ihr feiern darf.[47]
Ich bitte Sie, aus diesem Brief Nichts Anderes zu lesen als den Wunsch, die einzig ehrenhafte Stellung, die mir bleibt, das "Procul profani", unerschütterlich zu behaubten, u[nd] darum zu keiner weitern Erörterung durch mich oder meine Bekannten Anlaß zu geben.
Herzlich grüßend der Ihrige
Herwegh.

8.
François Wille an Alexander Herzen[48]

P.  P.[49]
Herr G. Herwegh hat den  Unterzeichneten beauftragt, Herrn  v. Herzen die die  demselben bereits Ende Januar von ihm (Herwegh) gestellte Herausforderung zu wiederholen. Herr Herwegh  erklärt aber ausdrücklich dabei, daß dies einzig und allein  deshalb geschieht , weil man den angeblichen Formfehler - , daß nemlich Herwegh diese Forderung damals selbst, direkt an Herrn v. Herzen gerichtet hatte, - jetzt zum Vorwande gänzlich unbegründeter und unzurechtfertigender Angriffe und Anfälle macht, obgleich jene Forderung damals durch Herrn Engelson beantwortet wurde, der einen Aufschub begehrte und für Herrn Herzen das Recht wahrte, selbst den angemessnen Zeitpunkt zu bestimmen. Herr Herwegh erklärt, daß er durch diese  Wiederholung jener Forderung Herrn Herzen zu Nichts drängen will daß er ihm gänzlich Alles  freistellt und diesen ihm schmerzlichen Schritt nur deshalb thut, um nochmals feierlich zu bestätigen, daß er in dieser Angelegenheit nur mit Herrn Herzen zu thun haben kann und darf und daß er Niemanden, weder Herrn  Haug noch sonst Jemanden, aus irgend welchem Grunde, gestützt auf irgend welche mehr oder weniger echte Schriften, das Recht zugesteht ihm Rechenschaft abzuverlangen.
Indem der achtungsvoll Unterzeichnete Herrn Herwegh diesen Auftrag nicht ablehnen wollte und demgemäß die Ehre hat Herrn Herzen gegenwärtiges Schreiben zukommen zu lassen, will er Nichts als diese Herrn  Herwegh abgedrungene Formalität erfüllen und kann nur wünschen, im Übrigen dieser  Angelegenheit durchaus fremd zu bleiben und in seinem Urtheile oder sonst wie, durchaus fern und unbetheiligt dazustehn.
In den Formen der Höflichkeit, hochachtungsvoll und ergebenst
Fr. Wille Dr.
auf  Mariafeld am
Zürichsee
Am siebten Juli 1852.


[1] Vgl. A. Herzen, Mein Leben. Memoiren und Reflexionen. Berlin 1962, Bd. 2, S. 304-305. I. Turgenjew, Literaturkritische und  publizistische Schriften, Berlin und Weimar 1979, S. 141.

[2] A. Herzen, Lettres sur la Russie, in: La  Voix du Peuple, Paris ,19. Nov. 1849. Danach in deutscher Sprache erschienen als  Brief an Georg Herwegh in: A. Herzen, Vom anderen Ufer, Hamburg 1850, S. 141-180.

[3] Iskander  (d.i. A. Herzen), Mein Lebewohl. Epilog zum Jahre 1849, in: Deutsche Monatsschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und Leben, Stuttgart 1850, 12,  S. 463-472. Zitat S. 463. Zur Vermutung, daß Herwegh den Epilog übersetzt habe: Ludwig Simon an Karl Mayer, Lausanne 18.  Jan. 1851. Nach  B. Kaiser, Der Freiheit eine Gasse. Aus dem Leben und Werk Georg Herweghs, Berlin 1948, S. 415.

[4] Vgl. dazu  I. Pepperle, Georg Herweghs unbekannte Korrespondenzen aus Paris 1848 in Arnold Ruges Berliner Zeitung Die Reform, in: L. Ehrlich, H. Steinecke, M. Vogt (Hgg.) Vormärz und Klassik, Bielefeld 1998. Neudruck dieser Korrespondenzen in : Heine-Jahrbuch, 37 (1998) S. 182-210. Herzen hat einige der zuerst in den genannten Zeitschriften  veröffentlichten  Artikel und Essays in dt. Übersetzung  u. d. T. Vom anderen Ufer Hamburg 1850 herausgegeben.

[5] Über A. Kolatschek (1821-1889) und die Deutsche Monatsschrift: C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Wien 1864, S. 306-308. E. Wolfgramm, Alexander Herzen und die Deutsche Monatsschrift, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Beiheft 1 (1954) S. 78-104.

[6] Diese Aktivitäten Herweghs sind untersucht und dargestellt in folgenden Publikationen: G. Ziegengeist, Die Erstfassung von Alexander Herzens Schrift Von der Entwicklung der revolutionären Ideen in Rußland in der Deutschen Monatsschrift, in: Veröffentlichung des Instituts für Slavistik der Deutschen Akademie der Wissenschaften Nr. 8, Berlin 1956, S. 312-329. G. Ziegengeist, Herzen und Kolatschek. Herzens Brief an Kolatschek vom 15. IV. 1851, in: Zeitschrift für Slavistik, 2 (1957) 3, S. 366-385. G. Ziegengeist,  Herzen und Herwegh. Zwei unbekannte Briefe über ihren Bruch im Januar 1851, in: Zeitschrift für Slavistik, 7 (1962) 2, S. 210-215. G. Ziegengeist, Herzens Plan zur Gründung einer freien russischen Druckerei in Stuttgart im Oktober 1850. Aus dem  ungedruckten Briefwechsel zwischen G. Herwegh und A. Kolatschek, in: Zeitschrift für Slavistik, 8 (1963) 5, S. 696-709.

[7] In  deutscher Übersetzung A. Herzen, Mein Leben  (Anm.1) S. 304-384.

[8] M. Krausnick, Emma Herwegh. Eine biographische Skizze, Marbacher Magazin 83 (1998) Stuttgart 1998, S. 88.

[9] Die Handschriften  der Briefe  von Natalia Alexandrowna Herzen an Georg Herwegh befinden sich in der  Britischen Bibliothek, London.  Auszugsweise russisch übersetzt in: L. Lanski  (Hg.) Literaturnoe nasledstvo. (Literarisches Erbe. Herzen in auswärtigen Sammlungen ) Moskau 1958, S. 259 - 318.

[10] G. Herwegh, Korrespondenzen in: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 201 vom 19. Juli 1852, S. 869 und  Nr. 219 vom 6. August 1852, S. 946.

[11] E. H. Carr, The romantic exiles, London 1933. Zum Schicksal der Handschriften, die er dem Britischen Museum  zuführte, E.H. Carr: Some unpublished Letters of Alexander Herzen, in: Oxford Slavonic Papers 3 (1952) S. 80-124.

[12] B. Kaiser, Der Freiheit eine Gasse (Anm.3)  S. 45-50.

[13]  Am 16. Juli 1851 läßt Wille Heine  durch Campe grüßen und  ihm  über dieses Gespräch berichten. Siehe: F. Mende, Heinrich Heine. Chronik seines Lebens und Werkes. Berlin 1970, S. 270.

[14]  Vgl. E. Galley, François Willes Erinnerungen an Heinrich Heine, in: Heine-Jahrbuch 6 (1967) S. 4-20.

[15]  Siehe. die Aufzeichnungen von François Wille in  Jürg Wille, Gelebtes und Gehörtes. Weinfelden 1996 , S. 183.

[16] Nach einer  scherzhaft gereimten Besuchsankündigung Herweghs an Wille. Die Handschrift befindet sich  im Archiv Wille, Mariafeld.

[17] R. Wagner, Mein Leben. Bd 2. München 1911, S. 548.

[18] Siehe ihre Briefe  an L. Feuerbach vom 3. 12. 1851:  R. Wagner, Sämtliche Briefe (Hgg.  G. Strobel u. W. Wolf)  Bd. IV, Briefe der Jahre 1851-1852, Leipzig und Mainz 1979, S 205. M. Herwegh, V. Fleury (Hgg.)  Briefwechsel Georg und Emma Herweghs mit Ludwig Feuerbach, in: Nord und Süd  (1909) 1, S. 36.

[19] R. Wagner, Sämtliche Briefe, Bd IV (Anm. 18) S. 332.

[20]  M. Herwegh, V. Fleury (Hgg.), Briefe der  Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein an Georg Herwegh, in: Deutsche Revue. 33 (1908) Bd. 2, S. 178.

[21]  E. H. Carr gibt den Entwurf des Briefes, der die Forderung enthält,  in englischer Übersetzung in The  Romantic  Exiles ( Anm. 11) S. 108.

[22] Der Brief von Engelson an Herwegh datiert vom 28. Januar 1852 . Siehe: A. Herzen, Sämtliche Werke und Briefe , Bd. 24, Moskau 1961, S. 394.

[23] A. Herzen, Un appel aux frères de la démokratie, in: Werke und Briefe (Hg. M. K. Lemke) Bd. 7, Petrograd 1919, S. 65-67.

[24] R. Wagner, Mein Leben , Bd. 2 (Anm. 17) S. 571.

[25] Der Brief  fehlt in  R. Wagner, Sämtliche Briefe Bd. IV und im Nachtrag  in Bd.V (Anm. 18).

[26]  Am 2. Juli 1852 berichtet Herwegh über diesen Vorfall seiner Frau nach Nizza. Handschrift in der Britischen Bibliothek , London. Siehe dazu die Korrespondenzen Herweghs in der Neuen Zürcher Zeitung  (Anm. 10).

[27] Handschrift im Archiv  Wille, Mariafeld . Zur Datierung : Der Brief ist  nach dem  16. November 1851 geschieben, an dem Herzens Mutter Luisa Iwanowa Haag (1795 - 1851),  sein taubstummer Sohn Kolja (Nikolai Alexandrowitsch  Herzen 1843 - 1851) und  dessen Lehrer Johann Spielmann bei der Schiffskollision vor Hyères ertranken.

[28] Eliza Wille, Felicitas. Ein Roman, 2 Tle,Leipzig 1850.

[29] Nicht überlieferter Brief Emma Herweghs ( 1817-1904), die vom Sommer 1851 bis Frühjahr 1853 in Nizza wohnte.

[30] Bisher nicht nachgewiesen.

[31] Natalia Alexandrowna Herzen (1817 - 1852).

[32] Eventuell von Alexander Herzen Wer ist schuld, ins Deutsche übersetzt von W. Wolfsohn, Leipzig 1851.

[33] Handschrift im Archiv Wille, Mariafeld . Zur Datierung: Der Brief könnte zur Zeit, da Herwegh Alexander Herzen  zum Duell forderte, geschrieben worden sein.  Der 11., 18., und 25. Januar 1852  fielen auf einen Samstag. Herzen gibt in seinen Erinnerungen  an (Mein Leben, Bd. 2 [Anm.1]  S. 361), daß er kurz nach Erhalt der Forderung, den russischen Emigranten Wladimir Engelson (1821-1857) mit einer Antwort beauftragte. Engelson schrieb am 28. Januar an Herwegh (Anm. 22).

[34] Johann Friedrich August  Eichelberg (1808-1871) war Privatdozent für Mineralogie an der Universität Zürich.

[35] Handschrift im Archiv Wille , Mariafeld. Zur Datierung: Natalie Herzen starb am 2. Mai 1852.

[36] Nach der Mitteilung von Herwegh an seine Frau im Brief vom 2. Mai 1852 handelt es sich um den polnischen  Publizisten  Edmund Chojecki  mit Pseudonym Charles Edmond (1822-1899).Handschrift in der Britischen Bibliothek, London.

[37] spadaccino (ital.) Haudegen, hier im weiteren Sinn  Mörder.

[38] Handschrift in der Nationalbibliothek, Paris. Veröffentlicht in: A. Herzen, Werke und Briefe (Hg. M. K. Lemke) Bd. 14, Petersburg 1920, S. 121-124 (im Kommentar zu Erlebtes und Gedachtes ). Herzens Antwortschreiben vom Juli 1852 in: A. Herzen: Sämtliche Werke und Briefe, Bd. 24 (Anm. 22) S. 295-299.

[39] Ernst Haug nahm 1848 an der Revolution in Wien teil und 1849 an der  Verteidigung Roms unter Garibaldi. Seitdem wurde er römischer General genannt. Er hat  Wagner , wie auch den Dresdner  Emigranten Hermann  Müller vor dem 28. Juni 1852 aufgesucht. Das geht aus einem Schreiben  Müllers an Wille  vom 28. Juni 1852 hervor, das sich  im Archiv Wille, Mariafeld befindet.

[40] Handschrift im Archiv Wille , Mariafeld  Zur Datierung: François Willes Brief (hier  Nr. 8) ist am 7. Juli 1852 geschrieben worden.

[41] Siehe  Anm. 10 und Anm. 26 sowie die  Erklärungen  vom  Tessié du Motay  und A. Herzen in der  Neuen Zürcher Zeitung, Nr. 208 vom 2 6. Juli 1852, S. 904 und  Nr. 228 vom 15. August 1852, S. 986.

[42] Handschrift im Archiv Wille , Mariafeld.  Zur Datierung  siehe Anm. 40.

[43]Siehe Anm. 26.

[44] Handschrift im Archiv Wille, Mariafeld. Zur Datierung, siehe Anm. 40.

[45] Siehe Anm. 26.

[46] Siehe  Anm. 9.

[47] Dazu Eliza Wille: "Durch Wagner hörten wir: Herwegh habe in seiner jetzigen Stimmung Sonette geschrieben, welche durch Form und Gehalt ihn als Dichter der Liebe unsterblich machen mußten; diese Gedichte aber wolle er niemals drucken lassen". Erinnerungen an Richard Wagner (4. Aufl) Zürich 1982, S. 32. Einige im Nachlaß erhalten gebliebene Gedichte veröffentlichte B. Kaiser , Der Freiheit eine Gasse (Anm. 3) S. 223 - 228.

[48] Handschrift in der Nationalbibliothek, Paris. Zuerst veröffentlicht in: A. Herzen,   Werke und Briefe (Hg. K. M. Lemke) Bd. 14 (Anm. 38) S. 119-121. Haug und Tessié du Motay antworteten am 18. Juli 1852. Siehe  A. Herzen, Werke und Briefe, Bd. 7 (Anm. 23) S. 79-80. A. Herzens Brief an Wille vom 18. Juli 1852 in: A. Herzen Sämtliche Werke, Bd. 24 (Anm.22) S. 302.

[49] Prämissis prämittendis.

Georg Herwegh

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