- Bettina

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Ingrid Pepperle: Georg Herwegh im Briefwechsel mit Marie d’Agoult über Bettina von Arnim (1844), in: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft, Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz, Bd. 13/14 – 2001/2002, hg. v. Wolfgang Bunzel u. Uwe Lemm, Berlin 2002, S. 23-33.

1. Zum Kontext

Georg Herwegh, der mit seinen 1841 erschienenen Gedichten eines Lebendigen die politische Aufbruchstimmung des Bürgertums im Vormärz zum Ausdruck brachte, hatte einen beispiellosen Erfolg lyrischer Dichtung in Deutschland errungen [1]. Auf einer Werbereise für die von ihm übernommene Zeitschrift Der deutsche Bote aus der Schweiz wurden ihm im Herbst 1842 wahre Triumphfeiern in deutschen Städten bereitet [2]. Der preußische König versicherte dem Dichter in einer Audienz am 19. November 1842 seine Achtung vor einer „gesinnungsvollen Opposition“ [3]. Doch Ende des Jahres wurde er aus Preußen ausgewiesen und in sein Schweizer Asyl zurückgekehrt, mußte er anfangs März 1843 auch Zürich verlassen. Was war geschehen? Herwegh hatte im Dezember 1842 in Königsberg erfahren, daß dem Deutschen Boten der Debit in Preußen verweigert wird. Das kam einem Verbot der Zeitschrift gleich. Empört schrieb er Friedrich Wilhelm IV. einen privaten Brief, der durch Indiskretion Königsberger Freunde am 24. Dezember 1842 in der Beilage zur Leipziger Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurde. Preußen ordnete die sofortige Ausweisung Herweghs an und die ihn bis dahin hochlobende liberale Presse fiel nun mehr oder weniger über den Schreiber dieses ‚unehrbietigen‘, ‚frechen‘ Briefes an den Monarchen her. [4]

Da Herwegh sich schon in der Schweiz für die radikalen Demokraten publizistisch engagiert hatte [5], deren Regierung durch einen Putsch der Konservativen nach der Berufung von David Friedrich Strauß an die Zürcher Universität 1839 gestürzt worden war, wies ihn der Große Rat des Kantons trotz heftiger Proteste Züricher Intellektueller aus, weil durch die neue Zeitschrift politische Querelen mit dem Deutschen Bund befürchtet wurden. Der Rat begründete den Beschluß im Februar 1843 mit dem Mißbrauch des Asylrechtes, obwohl der Kanton Baselland Herwegh zu dieser Zeit als Bürger aufnahm. [6] Mit der Ausweisung wurde auch die Weiterführung Zeitschrift unterbunden. Die schon eingelieferten Aufsätze erschienen im Juli 1843 unter dem die Vorzensur umgehenden Titel Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz in Zürich und Winterthur. In ihnen werden in schonungslosen Polemiken und ironischen Attacken die Zustände im Deutschen Bund besonders in den Beiträgen von Johann Jacoby, Friedrich Hecker, Friedrich Engels und Bruno Bauer bloßgelegt. Theoretische Abhandlungen von Moses Heß dokumentieren den Übergang dieses radikaldemokratischen Autors auf sozialistische Positionen. Dieser Torso einer Zeitschrift wurde selbst in der Schweiz sofort beschlagnahmt. [7]

Herwegh heiratete indessen Emma Siegmund, die er im November 1842 in Berlin kennen- und lieben gelernt hatte, ging auf Hochzeitsreise und nahm im Herbst 1843 seinen Wohnsitz in Paris [8]. Dort trafen sich die Mitstreiter und junghegelianischen Freunde Arnold Ruge, Karl Marx, Julius Fröbel, Michail Bakunin mit den schon in Paris lebenden German Mäurer, Moses Heß, um die Fortsetzung der Deutschen Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst, die im Januar 1843 in Sachsen verboten worden waren, als Deutsch-französische Jahrbücher [9] weiterzuführen. Das Ziel war, französische Schriftsteller, Publizisten, Sozialisten an ihnen zu beteiligen, um in einen weiterführenden Dialog der unterschiedlichen Gesellschaftsauffassungen und philosophischen Systeme einzutreten.

In Paris fand die Ankunft und die Absicht der deutschen Publizisten in der Presse einige Beachtung, u. a. durch die Gräfin d’Agoult [10].Sie publizierte unter dem Pseudonym Daniel Stern, unterhielt einen bekannten literarisch-musikalischen Salon, in dem französische und deutsche Künstler, Musiker, Politiker und Philosophen verkehrten, unter ihnen George Sand, Heinrich Heine und Franz Liszt, dessen Lebensgefährtin sie seit 1834 war. In der Zeitung La Presse veröffentlichte die Gräfin am 14. November und 28. Dezember 1843 die Artikel George Herwegh et les hegeliens politiques und George Herwegh . Sie stellte einige seiner Gedichte und den Brief an den preußischen König in Übersetzung vor und rückte Herweghs Poesien und die revolutionären Ideen der linken Hegelianer so eng zusammen, daß Heine, der mit den Ankömmlingen freundschaftlich verkehrte und sich als Ahnherr ihres Hegelverständnisses betrachtete, doch sichtlich betroffen war und dies in Form von Briefen an die Gräfin d’Agoult auch zum Ausdruck brachte [11]. Ihre Artikel aber begründeten den Briefwechsel Herweghs und Marie d’Agoults, der besonders im Jahre 1844 Freundschaft und mehr bekundet, aber auch von intellektuellem Austausch und Auseinandersetzung Zeugnis ablegt. [12]

Herwegh brachte Marie d’Agoult die Philosophie Ludwig Feuerbachs nahe, besprach politische Entwicklungen, suchte ihre Kenntnis der neuesten deutschen literarischen Richtungen und Produktionen zu erweitern und besorgte Material, Bücher, Abhandlungen für ihre Aufsätze [13]. Er hatte Fragen zu beantworten, wie etwa die nach dem geistigem Habitus in Deutschland am Ende der Goethezeit und während der Julirevolution, nach den ersten Anzeichen der neuen Bewegung auf philosophischem und literarischem Gebiet in Preußen, Schwaben und Bayern, nach theoretischen Konsequenzen , die Schriftsteller in den 10 Jahren von 1830-1840 aus den gesellschaftlichen Entwicklungen zogen. Marie d’Agoult wollte wissen, ob man bei alledem nicht mit Heine beginnen müsse [14].

Die erste Arbeit, die im Briefwechsel erörtert wird, ist die Abhandlung über Bettina von Arnim, deren Werk Goethes Briefwechsel mit einem Kinde gerade in französischer Übersetzung herauskam. [15] Herwegh versucht im nachfolgend dokumentierten Brief die Gräfin zu informieren und er hilft ihr, wie aus weiteren Briefen ersichtlich, Änderungswünsche des Herausgebers der Revue des deux mondes François Buloz, an ihrem Artikel umzusetzen. Im Schreiben vom 7. März 1844 berichtet Marie d’Agoult Emma Herwegh über einen langen Brief von Buloz mit Korrekturvorschlägen an ihrem Manuskript über Bettina von Arnim. Er möchte, daß sie mehr über Dies Buch gehört dem König schreibe, George Sand attackiere und die politisierenden Frauen überhaupt. Sie bittet Herwegh um Rat. [16] Er antwortet ihr vermutlich am 14. März 1844:

[...]Was ich über den ersten Band von Bettina niedergeschrieben [17], kann Ihnen höchstens einige Fingerzeige geben, mehr nicht. Es ist mir unmögl., einem Esel von Spekulanten, wie dem Buloz, etwas zu Gefallen zu thun, geschweige denn meine Ehrlichkeit zu opfern. Auch Sie dürfen so Etwas sich nicht erlauben. Will Buloz Ihre Artikel, gut! – wo nicht, so, meine ich, ist’s sein Schade, nicht der Ihrige. Sie sind noch zu etwas Besserm da, als Artikel in eine Ephemeride, wie die Revue des d. m., zu schreiben. Freund St.-Beuve [18] ist ja dafür auf der Welt. – Sehen Sie, ich ärgere mich, wenn so ein lumpiger Redakteur glaubt, daß Sie sich dazu hergeben könnten, seine kleinen Leidenschaften zu befriedigen. Den ganzen Aufsatz hätt’ ich ihm an den Kopf geworfen. –[...] [19].

Das tat die Gräfin aber nicht. Der Aufsatz erschien mit Verzögerung am 15. April 1844 in der Revue des deux mondes unter der Rubrik Ècrivains modernes de l’Allemagne mit der Überschrift: Mme d’Arnim (p. 285-297), gezeichnet: Daniel Stern.

Im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen steht Bettinen Freundschaft mit Karoline von Günderode, aber auch Goethes Briefwechsel mit einem Kinde und Dies Buch gehört dem König werden vorgestellt . Letzteres wird in Anlehnung an die im unten dokumentierten Brief skizzierte Einschätzung Herweghs besprochen. Ausführungen zur Biographie runden das Bild ab, das die Gräfin ihren Lesern über Bettina von Arnim vermitteln möchte.

Buloz hatte die oben genannten Gründe, die ihn an der Arbeit der Gräfin störten. – Heine ganz andere. Er war durch die, am Ende des Aufsatzes ausgesprochene Hochschätzung der Madame de Stael verletzt, hatte er doch die historischen Darstellungen der deutschen Geistesgeschichte und Literatur in den großen Abhandlungen der dreißiger Jahre als Gegenentwurf zu Germaine de Staels De l’Allemagne verfaßt [20]. Wenn er in den Briefen über Deutschland [21] deutlicher als zuvor in den dreißiger Jahren seine Konfrontation zu Madame de Stael akzentuiert, sind die Ausführungen Marie d’Agoults nur der Anlaß gewesen, eines seiner Hauptanliegen erneut zu vergegenwärtigen: die Vermittlung eines an der Einlösung der Ideale der Aufklärung und Französischen Revolution, an Demokratie und Kosmopolitismus orientierten Bildes zeitgenössischer geistiger deutscher Kultur in Frankreich.

Wie Herwegh den Artikel letztendlich beurteilt, bleibt offen. Eine Einschätzung existiert nur von ihrem nächsten Aufsatz in der Revue des deux mondes.[22] Und obwohl er schon im ersten Brief vom Dezember 1843 der Gräfin versichert hatte, daß er mit ihren politischen Ansichten nicht übereinstimme [23], dürfte er mit ihrer Darstellung Bettinas nicht gehadert haben; hatte er sich doch selbst schon in seinen ersten Kritiken mit Achtung und Verständnis über Bettinas Schriften geäußert [24]. In einer Zeit, die in Dichten und Denken geprägt war vom Streben, romantische Poetik und Philosophie zu überwinden, das auch sein ästhetisches Credo war, finden sich doch in seiner frühen Publizistik, wie auch in weiteren Briefen an die Gräfin interessante Einschätzungen romantischer Dichtung, etwa der Clemens Brentanos:

[...] Eine sehr hübsche Charakteristik Cl. Br. hat Heine geschrieben in einem Buch ‚zur schönen Literatur’ [25]. ‚Die Geschichte vom braven Kasperl u. schönen Annerl’ [26] heißt die schönste u. fast zum Volksbuch gewordene Produktion von Brentano, [...]. Eine durch keine Zucht des Gedankens gebundene Phantasie ist die Mitgift u. das Unglück aller Brentanos, die sich vor der Flachheit u. Nüchternheit der Philisterwelt in eine Exzentricität irgend einer Art zu retten suchen. [...] [27]

Die letzte Erwähnung einer Arbeit Bettinas im Briefwechsel der beiden findet sich im Brief Herweghs an Marie d’Agoult aus Baden im Aargau vom 9. August [1844]:

[...] Funken gibt’s nun auch wieder in dem neuesten Buch von Bettina [28], aber kalte Funken. Doch hat’s seinen Werth, u. man wird gleichsam in die Wiege der deuschen Romantik versetzt, was, wenn man eben nichts Besseres zu thun, auch von Interesse sein kann. In den Briefen von Brentano spukt, was man nun einmal so zu nennen beliebt, viel Communismus, ursprünglichste, reinste Volksliebe u. Volksverständniß; ich glaube, der Mann ist nur aus Verzweiflung unter die Reactionäre gegangen; der einfältige, schaale, rationelle oder vielmehr irrationelle deutsche Liberalismus, der das Volk mit Haut u. Haar nicht berührt, hat ihn dahin getrieben. Er war zu weit voraus; mit der Welt, wie sie war, wollte er nicht gehen, u. da scheint mir, ging er lieber zurück. [...] [29]


2. Georg Herwegh an Marie d’Agoult, Paris, o.D., Januar 1844 [30]

Verehrteste Frau!

Sie wollten Einiges über Bettina’s Persönlichkeit [31] wissen – hier ist Alles, was ich darüber in Erfahrung bringen konnte. Ihre ganze Erscheinung soll koboldartig sein; schwarzes, graues u., wie die böse Welt sagt, durch Färben braun gewordenes Haar hängt ihr zottig nach allen Seiten über den Kopf, an dem die tiefliegenden, fantastischen Augen bei weitem das Schönste sind. Ihre Unterhaltung ist gewöhnlich, oft sehr langweilig, da sie die albernsten Anekdoten u. Kindermährchen aufzutischen liebt; nur zuweilen wird sie genial. Sie spricht noch überspannter, als sie schreibt, vermeidet jedes ruhige, vernünftige Räsonniren, findet jeden aus der Wirklichkeit hergenommenen Einwurf gegen ihre himmlischen Theorien gemein, traktirt ihre Zuhörer mit „Aether“, „Luft“, „Sonnenstrahlen“ u. haßt, dis sind ihre eigenen Worte, den Verstand. Ihr jüngstes Kind [32], ein wunderschönes Geschöpf von 11-12 Jahren, wird denn auch in dieser Verachtung alles positiven Wissens auferzogen, u. die Mutter rühmt sich, daß das Kind bis heute noch keine Zeile lesen u. schreiben kann. Indessen, man muß gestehen, hat dasselbe durch diese Erziehungsmethode nur gewonnen u. soll ein Mirakelkind sein.

Drei wirkliche Vorzüge besitzt indessen Bettina, die ich ihr sehr hoch anrechne. Sie ist frei von allen gesellschaftlichen Vorurtheilen u. in Hütte u. Palast auf diese Weise eine höchst populäre Figur geworden. Sie liebt das Volk, aufrichtig u. herzlich; sie liebt die Jugend, u. die Studenten vergöttern sie. Ihre Bekanntschaft ist auf diese Weise die ausgedehnteste, die ein Mensch besitzen kann; sie ist jedermann zugänglich, u. sucht selbst Jedermann auf, der ihr gefällt. Sie ist im Stande, einen Menschen, den sie auf der Straße sieht, bis in sein Haus zu verfolgen, ihn um seinen Namen zu fragen, ihm hierauf ein Duzend Briefe zu schreiben, bis der Mann sich entschließt, sie zu besuchen etc. etc.

Alle Welt hat denn auch seine Freude an dem bald 60jährigen Kind, u. es gibt kaum eine lebende oder im Laufe dieses Jahrhunderts verstorbene Notabilität, mit der Bettina nicht in einem genialem Verhältnis, in Briefwechsel u.s.w. gestanden wäre. Ihr nächstens erscheinender Briefwechsel mit Schleiermacher [33], wie auch der Briefwechsel mit ihrem Bruder [34], dem erzkatholischen u. der Propaganda angehörenden Clemens Brentano, wird darüber manche interessante Aufschlüsse geben. Sie hat die ganze Zeit ihres Lebens schöngethan mit der abstrakten Genialität, ohne auf den Inhalt, der dieselbe erfüllt, jemals Rücksicht zu nehmen; da sie selbst keine Grundsätze besitzt, so hat sie auch nie welche von Andern verlangt, u. wenn sie je einen besitzen sollte, so wär’ es der: Thut, was ihr wollt, aber thuts genial!

Was ihren Briefwechsel mit dem König von Preußen [35] betrifft, so dauert derselbe bis auf den heutigen Tag fort. Der König von Preußsen antwortet ihr regelmäßig, u. sie hat z. B. einem meiner Bekannten einen Brief gezeigt, den ihr der König von Preußen in meiner Angelegenheit geschrieben. Als sie dem König von Preußen die Anzeige gemacht, daß sie ein Buch herausgegeben u. ihm dediciren wolle [36] u. ihn bat, sie von der Censur zu befreien, soll Seine Majestät ihr erwiedert haben, Sie könne schreiben, was sie wolle, Damen seien censurfrei. Während sie so auf der einen Seite den Apostel der Demagogie macht, wahrscheinl weil sie dieselbe genial findet, macht sie auf der andern auch den Apostel des gekrönten Heuchlers u. entschuldigt alle seine Albernheiten mit seinen schlechten Ministern.

Nun wollen Sie auch einige Anekdoten? Da kann ich kaum dienen. Die neuste, die ich kenne, ist die: Strauß wohnt auf einem Dorfe bei Heilbronn [37]. Eines Abends spät klingelt es bei ihm zu wiederholten Malen, Strauß schaut zum Fenster hinaus oder kam gar selbst herunter u. öffnete. „Was wollen Sie?“ fragt er die unbekannte Dame. „ „Ich wollte nur den Strauß sehen. Adieu!“ “ Damit sprang Bettina davon u. ließ den Doktor stehen.

Die Bekanntschaft ihres Mannes, Achim von Arnim [38] oder wie ihn die Berlinerinnen nannten, da er ein gar schöner Mann war, „Ach im Arm ihn! “ machte Bettina in einer Theaterloge. Sie war schläfrig geworden u. legte ohne weiteres ihren struppigen Kopf ihrem Nachbar (Arnim), den sie noch gar nicht kannte, auf den Schoos mit den Worten: „Bettina ist müde.“ worauf Arnim erwiederte: „Hat Bettina auch keine Läuse?“ Ein Paar Wochen später waren sie verheiratet. Ich glaube in Arnims Novelle „Isabella von Egypten oder die Jugendliebe Kaisers Karl V.“ [39], einer der schönsten Novellen, die Deutschland besitzt, da u. dort den Gnomen Bettina abconterfeit zu sehen.

Unterzubringen in der Literaturgeschichte ist Bettina nicht. Höchstens kann man sie in Verbindung mit den beiden andern berühmten Frauen betrachten, mit der Rahel, der Gattin Varnhagen von Enses, u. der Charlotte Stieglitz, unglücklichen Andenkens. Bei Rahel nur Verstand, bei Stieglitz eigentlich nur eine That, bei Bettina nur Phantasterei. Die Briefe Rahels [40] u. das Buch über Stieglitz [41] erschienen vor dem Briefwechsel mit einem Kinde [42]. Möglich, daß die Lorbern der Rahel Bettinen nicht schlafen ließen u. daß sie sich beeilte, dem verstandesmäßigen Göthekultus in Rahels Briefen ihren eigenen phantastischen entgegenzusetzen. Die Briefe an Göthe sind übrigens ächt, was bei den Briefen an u. von Günderode [43] durch den Geliebten der Günderode, den Professor Kreuzer [44], bestritten wurde. Man könnte somit vermuten, daß sie durch das tragische Ende der Stieglitz angeregt wurde, das Andenken an ihre eigene unglückl. Freundin, die gleichfalls durch Selbstmord endete, wieder aufzufrischen.

Noch habe ich vergessen, Ihnen zu sagen, daß man in Deutschland nach Erscheinen des Briefwechsels mit einem Kinde sich auf Leben u. Tod stritt, ob Göthe Recht gehabt, auf die feurigen Apostrophen des jungen Mädchens oft so kühl u. ablehnend zu antworten, daß man sich geradezu in der elenden blos in literarischen Interessen lebenden Zeit in zwei Lager Göthe u. Bettina, theilte. Für Bettina gegen Göthe trat Börne auf in einer enthusiastischen Recension [45], die in seinen Werken abgedruckt steht u. wohl nachzulesen wäre. Für Göthe gegen Bettina der Professor Gervinus in einer eigenen nicht sehr erquicklichen Schrift [46]. Auch Strauß hatte eine Arbeit angekündigt, die aber nie erschienen ist [47]. Das 3. u. neuste Buch [48] endlich ist zum Theil von der Eitelkeit eingegeben, auch in der Politik eine kleine Rolle zu spielen u. zu diesem Behuf abermals nachzuahmen u. – nur leider zu spät – eine Person zum Mittelpunkt ihres Buchs zu machen, die vor ihr u. ehe man über diese Person schon enttäuscht war, von andern Schriftstellern apostrophirt worden war; ich meine den König von Preussen.– So eben höre ich, daß der König von Baiern, mit dem Bettina gleichfalls persönlich bekannt ist, das seinem Königl Schwager dedicirte Buch in seinen Staaten verboten [49] hat. Ist das nicht drollig? –

Ich komme endlich an das Letzte, worüber Sie meine Meinung zu hören wünschen, die Französirung der gegenwärtigen deutschen Literatur, während die französische anfängt, zu ihrem Nachtheil, sich zu germanisiren. Hier wüßte ich denn nicht mehr zu sagen, als ich bereits mündlich gethan habe. Produktionen liegen noch nicht vor, u. es ist nur die Kritik, die erkannt hat, daß die deutsche Literatur das werden müßte, was die französische vor der Revolution gewesen, daß sie nicht mehr um ihrer selbst willen existiren dürfe, sondern einen Einfluß auf die Reform unserer Zustände zu gewinnen trachten müßte, den sie aber nur erreichen könne, wenn sie anfange, in menschlicher Sprache zu reden u. populär zu schreiben. Die deutsche Philosophie ist mit ihren Resultaten bei den französ. Schriftstellern des vorigen Jahrhunderts angelangt u. hat nur tiefer begründet u. reicher ausgeführt, was jene glücklichen Geister längst erkannt hatten. Die Philosophie der Schule ist in Deutschland zu Ende u. die Philosophie des Lebens hat begonnen, u. eben damit ist auch der Zeitpunkt einer Einigung Deutschlands u. Frankreichs herangerückt, zum großen Leidwesen aller deutschen Machthaber, die die Philosophie beschützten, so lange sie in sibyllinischen Sprüchen orakelte, u. die sie nun verfolgen, seit sie mit menschlichen Zungen redet. Lessing, der große Lessing, hatte einst Voltairen vom ästhetischen Standpunkt aus so bitter u. glücklich angegriffen [50], ohne vielleicht zu ahnen, daß wir Spätergeborne eine Seite an ihm entdecken würden, deren Vortrefflichkeit alle seine übrigen Schwächen vergessen macht. Es galt damals, Deutschland eine Kunst zu erobern, u. Lessing hatte Recht in seiner Opposition gegen die französ. Literatur; die Kunst haben wir nun u. sie kann uns nicht mehr entrissen werden, wir können uns also sorglos den großen Gedanken hingeben, von denen Ihre alte Literatur beseelt war, u. sie zum Inhalt auch unsrer Werke machen. – Das Thema, das Sie hier berührt haben, ist zu groß, um es in einem Briefe zu erledigen; wir kommen besser mündlich darauf zurück, da Sie doch schwerlich bei Gelegenheit der Bettina’schen Bücher es erschöpfend besprechen wollen.

Es sollte mich freuen, wenn Sie unter diesen Notizen, die ich in der Eile zusammengestellt, einiges Brauchbare fänden; wie gern gäbe ich Ihnen mehr! Aber es ist mir nicht möglich, bei meiner jetzigen Stimmung mehr aus meinem Hirn auszupressen. Ein Urtheil über Bettine von Gutzkow [51] lege ich bei. Es ist viel Wortgeklingel drin.

Noch habe ich Ihnen vergessen zu sagen, daß ich letzten Sonnab meinen Brief bei George Sand abgegeben habe, aber nicht angenommen wurde. Madame est malade et vous prie de revenir dans quelques jours. Das thu ich nun aber nicht, ohne speziell dazu aufgefordert zu werden. –

Ist Lamartine [52] noch nicht hier?
Indem ich Sie freundlich grüße
Der Ihrige
Georg Herwegh

Anmerkungen

1 Die Gedichte eines Lebendigen waren im Juni 1841 anonym in Zürich und Winterthur im Verlag des Literarischen Comptoirs erschienen. Bis 1843 waren sieben Auflagen in 15600 Exemplaren verkauft. Zu Biographie und Werk Georg Herweghs vgl. Ingrid Pepperle: Georg Herwegh. Leben, Werk und Wirkung. Mit unbekannten Briefen und Texten Teil I (1817-1843), Diss. B, Berlin 1990 sowie die Artikel über Georg Herwegh in: Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1845.Hg. Simone Barck u.A., Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler 1994 S.198-200; weiter in: Demokratische Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. Ein Lexikon. Hg. Manfred Asendorf und Rolf von Bockel , Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler 1997, S.263-264.

2 Dazu sehr instruktiv Werner Feudel: Herweghs Gedichte eines Lebendigen und die Deutschlandreise des Dichters im Spiegel der zeitgenössischen deutschen Presse. In: Heinrich Heine uns die Zeitgenossen. Geschichtliche und literarische Befunde. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag 1979, S. 34-64.

3 Siehe M. Herwegh (Hg): Georg Herweghs Briefwechsel mit seiner Braut. Stuttgart: Verlag von Robert Lutz 1906, S. 33. Siehe auch Varnhagen von Ense: Tagebücher. Leipzig: Verlag F. A. Brockhaus 1861, neu verlegt Bern : Herbert Lang 1972. Bd. 2, S.121.

4 Siehe dazu [ Moritz Fleischer]: Herwegh und das deutsche Publikum. In: Rheinische Zeitung , Beiblatt zu Nr. 80 vom 21. März 1843.

5 U. a. in dem Aufsatz Der Prophet von Weißenburg oder Charlanterie, Arroganz und Ignoranz. Eine Fortsetzung von Klopstocks Messiade. Zürich, im Verlag der Sozietät der Dupes. Pränumeration, der am 29. März 1842 in der Zeitung Schweizerischer Republikaner erschien.

6 Siehe die Auseinandersetzung mit dem Beschluß des Großen Rates in der Beilage zum Schweizerischen Republikaner vom 24. Februar 1843 sowie Alfred Stern: Aktenstücke zur Geschichte der Ausweisung Herweghs aus Zürich im Jahre 1843. In: Süddeutsche Monatshefte, 5. Jg. (1908) 2. Bd. H.8, S. 154-161. Herwegh wurde am 5. März 1843 in den Bürgerverband der Gemeinde Augst aufgenommen und erhielt am 10. April 1843 das Kantonsbürgerrecht von Baselland.

7 Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz. Erster Teil. Hg. von Georg Herwegh, Zürich und Winterthur: Literarisches Comptoir 1843. 2. Auflage Glarus: Schmidt’sche Buchhandlung und Buchdruckerei 1844 (z. T. mit dem die Zensur irreführenden Deckblatt : Stunden der Andacht.) Neuausgabe mit einer Einleitung von Ingrid Pepperle, Leipzig: Verlag Philipp Reclam jun. 1989.

8 Die Heirat fand am 8. März 1843 in Baden im Kanton Aargau statt. Die anschließende Reise führte nach Italien und Ostende. Ab September 1843 wohnte das Ehepaar in Paris.

9 Arnold Ruges Selbstkritik des Liberalismus wurde am 3. Januar 1843 zum Anlaß genommen, die Mitte 1842 erteilte Konzession zurückzunehmen .Siehe dazu auch Arnold Ruges Aktenmäßige Darlegung der Censurverhältnisse der Hallischen und Deutschen Jahrbücher in den Jahren 1839, 1841, 1842. in den von ihm herausgegebenen Anekdota zur neuesten Philosphie und Literatur . Zürich und Winterthur : Literarisches Comptoir 1843, S. 3-55. – Die Konzeption der neuen Zeitschrift legte Arnold Ruge dar in : Plan der Deutsch-Französischen Jahrbücher und Ein Briefwechsel von 1843. In: Arnold Ruge und Karl Marx (Hgg.): Deutsch-Französische Jahrbücher.1. und 2. Lieferung , Paris: im Bureau der Jahrbücher, rue vanneau 22 ,1844, S. 3-40.

10 Marie-Catherine-Sophie d’Agoult geb. de Flavigny (1805-1876). Siehe u.a. ihre Memoiren. Mit einem Geleitwort von Siegfried Wagner. Übersetzt von E. Goldenberg. 2. Bde. Dresden: Carl Reimer Verlag 1928.

11 Sie blieben Fragment, sind erst aus dem Nachlaß als Briefe über Deutschland veröffentlicht worden. Siehe Heinrich Heine: Sämtliche Werke. Düsseldorfer Ausgabe. Hg. v. Manfred Windfuhr, Bd. 11, Hamburg: Hoffmann und Campe1978, S. 226-228.

12 Der Briefwechsel wurde gekürzt und bearbeitet (deutschsprachige Briefe in französischer Übersetzung) von Marcel Herwegh herausgegeben: Au Printemps des Dieux. Correspondance inédite de la Comtesse Marie d’Agoult et du poète Georges Herwegh. Paris: Librairie Gallimard 1929 (= Les Documents bleus, Les Arts, Nr. 11).Herweghs Briefe werden im Rahmen der in Arbeit befindlichen kritischen Ausgabe seiner Werke und Briefe erstmals vollständig ediert.

13 Neben der Arbeit über Bettina trifft das auf folgende zwei Abhandlungen zu: Daniel Stern: Profession de foi politique de deux poétes: MM Freiligrath et Henri Heine. In: Revue des deux mondes ,1. Dez. 1844, p. 844-862; Daniel Stern: Le comte de Platen . In: Revue independante 1845, T. 22, p. 5-29 .

14 Vgl. Marie d’Agoult an Georg Herwegh Mitte Februar 1844. In M. Herwegh (Hg.): Au Printemps des Dieux, Nr.18, p. 38 .

15 Sebastian Albin [d. i. Hortense Cornu]:Goethe et Bettina. Corespondence inédite de Mme. Bettina d’Arnim. Traduit de l’allemand. Paris: C. Gosselin 1843.

16 Marie d’Agoult an Emma Herwegh in : M. Herwegh (Hg): Au Printemps des Dieux, Nr. 31, p.55. Die entsprechenden Briefe von Buloz an Marie d’Agoult vom 6. März 1844 und 12. April 1844 hat Fleuriot de Langle im Figaro vom 1. Juni 1929 veröffentlicht.

17 Vermutlich über Goethes Briefwechsel mit einem Kinde Berlin: Dümmler 1835.

18 Charles Augustin de Sainte-Beuve (1804-1869) Literaturkritiker und Schriftsteller, Mitarbeiter der Revue des deux mondes.

19 Georg Herwegh an Marie d’Agoult in: M. Herwegh (Hg.): Au Printemps des Dieux, Nr. 33, p. 56.

20 Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. In: Der Salon. Zweiter Band, Hamburg: Hoffmann und Campe 1835. Derselbe: Die romantische Schule. Hamburg: Hoffmann und Campe 1836. Germaine de Staels De l’Allemagne war zuerst 1813 in London herausgekommen. Napoleon hatte die Pariser Ausgabe vor ihren Erscheinen 1810 vernichten lassen.

21 Er hat sich in den Briefen über Deutschland prinzipiell zu diesem als seine Lebensaufgabe verstandenem Anliegen bekannt. (wie Anm. 11)

22 Im Zusammenhang ihrer Beurteilung von Deutschland, ein Wintermärchen ( wie Anm. 13 ) hat er Marie d’Agoult gegen Heines Mißverständnisse verteidigt, ihm versichert, daß sie bis zur Stunde unter dem Zauber seines Buches stehe und eine enthusiastische Lobrede auf ihn zu schreiben vermeinte. Georg Herwegh an Heinrich Heine vermutlich im Januar 1845 . In: H. Heine: Sämtliche Werke und Briefe, Säkularausgabe. Bd. 26, Berlin, Paris 1975 S. 125-126.

23 Georg Herwegh an Marie d’Agoult [Paris, Ende Dezember 1843] In: M. Herwegh (Hg.): Printemps des Dieux , Nr.2 p. 17.

24 Er nennt sie Priesterin, wunderbare Sybille. Vgl. Georg Herwegh: Frühe Publizistik, 1837-1841. Unter Leitung von Bruno Kaiser bearbeitet von Ingrid Pepperle, Johanna Rosenberg, Agnes Ziegengeist. Berlin: Akademie-Verlag 1971, S. 226.

25 Heinrich Heine: Zur Geschichte der neueren schönen Literatur in Deutschland. 2 Bde., Paris/Leipzig 1833. Der endgültige, überarbeitete und erweiterte Text mit dem Titel Romantische Schule erschien 1836 in Hamburg. Die Charakteristik Brentanos findet sich hier zu Beginn des dritten Buches. Siehe auch Heinrich Heine: Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke. Hg. Manfred Windfuhr, Bd. 8.1, Hamburg: Hoffmann und Campe 1979, S. 199-206.

26 Clemens Brentano: Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl. Erstdruck in: Gaben der Milde. Zweites Bändchen. Mit Beiträgen von Goethe, Clemens Brentano, Büsching. Hg.v. Fr. W. Gubitz, Berlin 1817. Nach einem Druck im Jahre 1835 folgte die erste Bucheinzelausgabe 1838.

27 Georg Herwegh an Marie d’Agoult vermutlich im Januar 1844.In: M. Herwegh (Hg.): Au Printemps des Dieux, Nr. 13, p. 33.

28 Bettina von Arnim: Clemens Brentanos Frühlingskranz aus Jugendbriefen ihm geflochten, wie er selbst schriftlich verlangte. 1. [und einziger] Bd., Charlottenburg: Edgar Bauer 1844.

29 Georg Herwegh an Marie d’Agoult. in: M. Herwegh (Hg.): Au Printemps des Dieux, Nr. 75, p. 100.

30 Nach der Handschrift (Sign.: BRH 1328) im Herwegh-Archiv Liestal (Schweiz) ediert. Veröffentl. (franz.): M. Herwegh (Hg.): Au Printemps des Dieux, Nr. 10, p. 24-30.

31 Bettina von Arnim, geb. Brentano.

32 Gisela von Arnim.

33 Obwohl Bettina von Arnim ihre Briefe an Schleiermacher z.T. literarisch verarbeitete (z.B. in: Ilius Pamphilius und die Ambrosia. Leipzig: Volkmar, 2 Bde. 1848.) ist der von Herwegh vermutete Briefwechsel nicht erschienen. Vgl. dazu besonders den Dokumentenanhang bei Sabine Schormann: Bettine von Arnim. Die Bedeutung Schleiermachers für ihr Leben und Werk. Tübingen: Niemeyer 1993 (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 66).

34 [Bettina von Arnim]: Clemens Brentanos Frühlingskranz aus Jugendbriefen ihm geflochten wie er selbst schriftlich verlangte. Charlottenburg: Edgar Bauer 1844.

35 Siehe Ludwig Geiger (Hg.): Bettina von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. Ungedruckte Briefe und Aktenstücke. Frankfurt a. M.: Rütten und Loening 1902.

36 Siehe dazu und zur Reaktion des preußischen Königs auf Bettina von Arnims Anfrage den Kommentar in GW (Schmitz/von Steinsdorff Bd. 3) S.832-834.

37 David Friedrich Strauß berichtete selbst über Bettina von Arnims Besuch am 10. Jan. 1843 im Brief an Wilhelm Strauß vom 16. Jan. 1843 aus Sontheim bei Heidelberg. Siehe D.F. Strauß: Ausgewählte Briefe. Hg. v. Eduard Zeller, Bonn: Emil Strauß 1895, S. 145.

38 Ludwig Achim von Arnim lernte Bettina durch ihren Bruder Clemens Brentano schon 1802 kennen. Die Heirat fand nach mehrjähriger Freundschaft 1811 in Berlin statt. Vgl. dazu jetzt Hildegard Baumgart: Bettina Brentano und Achim von Arnim. Lehrjahre einer Liebe. Berlin: Goldmann-Verlag (= btb Taschenbuch 72667) 2001. Zur Episode in der Theaterloge vgl. das frühe Gedicht (1837) Neumodische Romantik von Karl Marx. MEGA². 1. Abt. , Bd. 1 Berlin: Dietz 1975, S. 675.

39 Die Novelle erschien erstmals 1812 in Berlin (Realschulbuchhandlung).

40 Karl August Varnhagen von Ense gab die Briefe seiner Frau Friederike Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin u. d. T. „Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde” in 3 Bdn. 1834 in Berlin (Dunker und Humblot) heraus.

41 [Theodor Mundt]: Charlotte Stieglitz. Ein Denkmal. Berlin: Veit 1835.Charlotte, Sophie Stieglitz, geb. Willhöft wählte den Freitod, um Ihren Mann ,den Schriftsteller Heinrich Stieglitz durch große Erschütterung zu großartiger Produktion anzuregen.

42 [Bettina von Arnim]: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde. 3 Bde., Berlin: Dümmler 1835.

43 [Bettina von Arnim]: Die Günderode. 2 Bde., Grünberg/Leipzig: Levysohn 1840.

44 Georg Friedrich Creuzer , Altphilologe, dessen Hauptwerk Symbolik und Mythologie der alten Völker (6 Bde., 1810-1812 u. 1822-1823 Darmstadt: Heyer und Leske) von Gedanken der Karoline von Günderode beeinflußt sein soll, konnte seine Liebe zu ihr aus Konvention nicht ausleben, da er bereits verheiratet war. Nach der Mitteilung des Endes ihrer Beziehung im Juli 1806 nahm sich die Günderode das Leben. Nicht Creuzer, sondern der Jurist Johann Friedrich Heinrich Schlosser ist der Verfasser des Beitrages in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 29. Okt. 1840 (Beilage Nr. 303), der behauptet, daß „das Ganze bloße Fiktion Bettinens sei“. Siehe dazu Bettina von Arnim: Werke. Hg. Heinz Härtel, Bd. 2, Berlin/Weimar: Aufbau-Verlag 1989, S. 817.

45 Ludwig Börne besprach Goethes Briefwechsel mit einem Kinde 1835 in Nr. 127 des Stuttgarter Literaturblattes (Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände). Siehe auch Ludwig Börne: Sämtliche Schriften. Hg. Inge und Peter Rippmann, Bd. 2, Düsseldorf: Joseph Melzer Verlag 1964, S. 854-869.

46 Georg Gottfried Gervinus: Über den Goethe’schen Briefwechsel. Leipzig: W. Engelmann 1836.

47 Es handelt sich wohl um einen 1838 entstandenen Aufsatz, der in Frankreich veröffentlicht werden sollte. Siehe dazu und zu weiterem publizistischen Eintreten von David Friedrich Strauß für Bettina von Arnim: Wolfgang Bunzel (dem ich an dieser Stelle für hilfreiche Informationen danken möchte. [I.P.]): „...nicht wert negiert zu werden..?“ Die Stellung der Junghegelianer zu Bettine von Arnim. In: Philosophie, Literatur und Politik vor den Revolutionen von 1848. Zur Herausbildung der demokratischen Bewegungen in Europa, Frankfurt a.M./Berlin/Bern/New York/Paris/Wien: Lang 1996 (= Forschungen zum Junghegelianismus Bd. 1) S. 105-134.

48 [Bettina von Arnim]: Dies Buch gehört dem König. Berlin: Schröder 1843.

49 Nach einer Notiz Varnhagen von Enses vom 20. Januar 1844 ist „Bettinens Königsbuch“ „eben jetzt in Baiern verboten worden; nachdem es sechs Monate frei gewesen!“ Siehe : Tagebücher von K.A. Varnhagen von Ense. Leipzig: F.A. Brockhaus 1861 (Neudruck, Bern: Herbert Lang 1972) Bd. 2, S. 251.

50 Hauptsächlich in der Hamburgischen Dramaturgie im 30. bis 50. Stück mit der vernichtenden Kritik von Voltaires Mérope.

51 Nach dem Antwortbrief Marie d’Agoults vom Januar 1844 (in: M. Herwegh [Hg.]: Au Printemps des Dieux, Nr. 11, p. 31-32) handelt es sich um das Kapitel Rahel, Bettina, die Stieglitz aus dem Aufsatz Vergangenheit und Gegenwart, den Karl Gutzkow im Jahrbuch der Literatur, Hamburg: Hoffmann und Campe1839, S. 37-46 publizierte.

52 Alphonse-Marie-Louis de Lamartine, Schriftsteller und Politiker.

Georg Herwegh

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