- Freiligrath

Georg Herwegh - Werke und Briefe. Kritische und kommentierte Gesamtausgabe

Volker Giel: Dichtung und Revolution. Die Lyrik Ferdinand Freiligraths und Georg Herweghs in der Revolution von 1848/49. Ein analytischer Vergleich, in: Ich aber wanderte und wanderte – Es blieb die Sonne hinter mir zurück. Grabbe-Jahrbuch 2000/2001, hg. v. Friedrich Bratvogel, 19./20. Jg., Detmold 2001, S. 324-350.

1848! Die Revolution! Endlich war sie da! Das große, lang ersehnte, alles verändernde, alles umwälzende Ereignis. Das Eingangstor zur neuen Welt, das man so lange schon mit hämmernden Versen versucht hatte aufzustoßen, nun schien es weit geöffnet: Freiheit, Gleichheit, Demokratie, soziale Gerechtigkeit ganz nah, zum Greifen nah. Die Aufgipfelung, ja Krönung eines historischen Prozesses, der für die beiden wohl wirkungsvollsten dichtenden Kombattanten des politischen Zeitgeists im deutschen Vormärz, Georg Herwegh und Ferdinand Freiligrath, spätestens mit ihrer Exilierung auch zum persönlichen Schicksalsweg geworden war. Erfüllung von Traum und Hoffnung, Bestätigung von nahezu ins Sakrale gesteigerter Überzeugung. Das so oft in Geist und Vers Beschworene schien endlich Tat, Realität zu werden. Kaum nimmt es deshalb wunder, daß beide Dichter in dieser Situation am Anfang der revolutionären Geschehnisse ihren aus einer Mischung von überraschter Fassungslosigkeit, innerlichem Aufgewühltsein und enthusiastischer Euphorie bestehenden Gefühlen in Briefen nach der Heimat Luft machten. So schrieb Freiligrath z. B.:

Nun löst die Zeit mir die Zunge. Im Jubel dieser stolzen weltgeschichtlichen Tage, im bewußten Glücke dieser Alles ergreifenden, Alles mit sich fortreißenden Bewegung, muß ich auch Dir in alter Liebe und neuer Hoffnung die Hand pressen! Herr Gott, welch ein Sieg! Jahrhunderte in den Raum zweier Wochen zusammengedrängt! […] Mitten im Donner dieses erhabenen demokratischen Gewitters, dessen Ausbruch wir wohl alle geahnt haben, aber doch in dieser Stärke und Allgemeinheit nicht voraussehen konnten! […] wo alles Interesse des Einzelnen zurücktritt vor dem großen und gewaltigen Ganzen […] Die Zeit braucht Männer! Thue Jeder, was er kann! […] Ich komme nach Deutschland zurück, um nach Kräften an Ihren weiteren Kämpfen und Entwicklungen in nächster Nähe Theil zu nehmen: gleich gerüstet auf Preßprocesse, wie auf weitere Barrikaden und wahrscheinliche antirussische Wachtfeuer […]. [1]

Und Herwegh:

Ich habe den schönsten Tag des Jahrhunderts mitgemacht, und wenn ich Dir heute in der fieberhaftesten Aufregung, nach dreitägigem Rennen und Wachen ein paar, vielleicht unverständliche Worte zukommen lasse, so mag mich das für alle vergangenen und künftigen Sünden des Schweigens bei Dir entschuldigen. So sind die Franzosen denn abermals das erste Volk der Welt. […] In einer Woche ist die Monarchie eine Utopie geworden und der Sieg der Demokratie für das ganze westliche Europa vielleicht entschieden. […] dieser großartige unblutige Charakter der schönsten aller Revolutionen […]. Man erwartet, hofft, fürchtet so tausenderlei […]. Ich erliege weiter der Fülle der großartigsten Schauspiele […]. Wie es aber auch kommen mag; mein Platz wird in der nächsten Zeit im Vaterland sein. […] Auf Wiedersehen, auf baldiges Wiedersehen im Vaterland; seid nicht faul und gebt mir ein Zeichen, ein Lebenszeichen, ein Feuerzeichen […]. Vive la republique! [2]

Die Worte sind fast austauschbar. Einschätzung, Stimmung und Haltung kaum zu unterscheiden. Aufgabe, Weg und Ziel scheinen ebenso eindeutig und klar. Zurück nach Deutschland und mit allen Mitteln, „gerüstet […] auf weitere Barrikaden“, wie es bei Freiligrath hieß oder wie Herwegh schrieb, „im äußersten Falle“ mit „Flinte und Säbel“ [3] für den Sieg der Revolution kämpfen, denn „an uns Deutschen ist es, uns der französischen Revolution aufrichtig, in ihrem ersten lautersten Sinne anzuschließen und ihr ihren demokratischen, menschlichen, universellen Charakter zu bewahren […]“ [4]. Man stand längst nicht mehr nur einfach „auf den Zinnen der Partei“ [5], sondern auf denen ein und derselben Partei, der äußersten radikaldemokratischen und sozial-revolutionären, die sich sowohl die Freiheit von der politischen Unmündigkeit der absolutistischen Herrschaftssysteme und die staatsbürgerliche Gleichheit einer demokratisch organisierten Republik als auch die Lösung der sozialen Frage auf die mittlerweile dementsprechend mehr von Schwarz-Rot-Gold zu Rot gefärbte Fahne geschrieben hatte. Bei allem „Königtum den Garaus machen […] trägt diese Revolution ein wesentlich soziales Gepräge“ [6], erklärte Herwegh dem Freund Johann Jacoby unmißverständlich schon Ende Februar 1848, und auch Freiligrath dozierte gegenüber Intimus Heinrich Köster nur sechs Wochen später:

Daß ich übrigens die letztere [die Republik – d. R.] nur als diejenige Staatsform will, innerhalb deren die Socialreform am freiesten und umfassendsten zu bewerkstelligen sein wird, versteht sich von selbst […]. [7]

Herwegh und Freiligrath hatten sich beide unter den Bedingungen des westeuropäischen Exils, das heißt vor allem unter politisch freieren und im bürgerlichen Sinne fortgeschritteneren Voraussetzungen sowie der damit möglichen schärferen Außenperspektive bis 1848 etwa auf die gleiche Stufe des politisch weltanschaulichen Horizonts entwickelt, die eines entschiedenen Demokraten und Republikaners mit ausgeprägtem sozialrevolutionären Impetus. Das aber auf verschiedenen Wegen: Freiligrath in Belgien, der Schweiz und England, Herwegh vornehmlich in Paris, und durch unterschiedliche persönliche Kontakte und Einflußnahmen. Für Freiligrath waren etwa Karl Heinzen, Hermann Püttmann und Wilhelm Schulz [8] prägende Persönlichkeiten, Herwegh war u. a. Karl Marx, Michail Bakunin und den französischen Sozialisten (Fourier, Leroux oder Considerant) [9] näher gekommen.

Von der Warte dieser gemeinsamen Position aus konnten Herwegh und Freiligrath auf den Ausbruch der 1848er Revolutionsereignisse eigentlich nur so reagieren, wie wir es schon oben in ihren Äußerungen angedeutet gefunden haben, als zur Tat bereite, der unmittelbaren Aktion verpflichtete Mitstreiter in der neuen Bewegung. Die Logik lag im Selbstverständnis der eigenen Überzeugungen. Nicht Sangeszeichen, „Feuerzeichen“ galt es zu setzen, nicht politische Reime, sondern reinweg Politik war in erster Linie zu machen, nicht raunende Beschwörung von Freiheit stand im Vordergrund, sondern Freiheitskampf auf „Barrikaden“ mit „Flinte und Schwert“. Die politischen Sänger des Zeitgeistes, die immer meinten, ihm mit ihren Dichtungen vorauszugehen, wollten ihm nun, da er endlich selbst vorausging, nicht mit klappernden Versen hinterherhinken, wie es Freiligrath ausdrückte [10]. An Dichtung auch nur zu denken, kam zumindest nach außen hin fast einem Sakrileg gleich. Der ehemals leuchtende Fixstern Dichtung, den man selbst an den leeren Himmel der düsteren Weltläufte gesetzt hatte, schien mit einem Male seine lang hin anziehende Kraft nach innen und außen verloren zu haben. Ohne Wehmut und fast etwas verächtlich glaubte man ihn am neuen großartigen Revolutionshorizont untergehen zu sehen. Im besten Falle noch tauglich zur Arabeske, schmückende Marginalie des großen Welttheaters. Die Realität der Revolution selbst verdichtete sich zur Poesie. „Ein einziges Schauspiel. Tragödie, Komödie, Farce. Alles in einem!“ [11], verkündete Herwegh als Augenzeuge aus Paris. Und Freiligrath brachte es für sich auf den Punkt: „Die Geschichte dichtet! Der Demos dichtet! Was liegt da am Reflex des ungeheuern Weltepos in der Seele eines einsamen Lyrikers!“ [12] Und fast entschuldigend fügte er hinzu, um zu erklären, warum er trotzdem einige Gedichte verfaßt hatte, ohne freilich den ansonsten hohen, selbst gesteckten formalen Kriterien genüge geleistet zu haben: „Dennoch strömt das volle Herz zuweilen über, wenn auch in rauhen, fast improvisierten Klängen, die auf ästhetischen Werth weiter keinen Anspruch machen.“ [13]

Hatte früher die selbst gewählte Art der Emphase der Dichtung die Wirklichkeit ersetzt oder zumindest ersetzen sollen, so schien nun in umgekehrter Weise der einmalige Fall eingetreten, daß die Wirklichkeit die Dichtung ersetzen konnte. Das bisher angenommene ästhetische Basistheorem politischer Dichtung, eine spezifische Platzhalterposition des Politischen im Poetischen zu repräsentieren, glaubte man für den Moment zumindest außer Kraft gesetzt zu sehen. Das Ende der Kunst oder besser die dialektische Aufgipfelung ihrer Entwicklung im Umschlagen in eine neue entitätische Qualität schien ganz im Sinne der zeittypischen Hegelschen Ästhetiktheorie zumindest für den Bereich der politischen Zeitdichtung in dem „Zusammenstimmen des konkreten Ideals mit seiner äußerlichen Realität“ [14] erreicht. „Der Zweck aller Kunst, […] die durch den Geist hervorgebrachte Identität, in welcher das Ewige, Göttliche, an und für sich Wahre in realer Erscheinung und Gestalt für unsere äußere Anschauung, Gemüt und Vorstellung geoffenbart wird“ [15], so Hegel, war für die politischen Zweckdichter Herwegh und Freiligrath mit der anscheinlichen Objektivation ihrer künstlerischen Idee durch die Praxis der konkreten Revolution gegeben. Der Alleinherrschaftsanspruch der politischen Poesie im bisherigen Sinne, wie ihn z. B. Robert Prutz für den Vormärz theoretisch postuliert hatte [16], war somit zumindest gebrochen. Aufgesogen und damit eigentlich obsolet geworden durch das, wenn auch nicht klar und bewußt so gefaßte universelle Gesamtkunstwerk Revolution. Poesie und Politik fielen an diesem Punkt sozusagen in ein Ununterscheidbares zusammen. Politisch zu handeln, was beide ja wollten und nun auch taten, war somit in beider Grundverständnis immer auch noch ein Stück weit poetisch, quasi im Sinne eines metaphysisch ästhetischen Reizes motiviert. Für sie nur konsequent: Poesie quasi mit anderen Mitteln. „Die Geschichte dichtet! Der Demos dichtet“, und sie, die Dichter, deren poetisches Credo ganz im junghegelianischen Sinne ja schon immer auf Tatwerdung, Menschwerdung im Geschichtlichen und damit auch gleichzeitig auf eine Ästhetisierung der Welt hinausgelaufen war, verstanden sich als Teil davon.

Herwegh wie Freiligrath empfanden dies zunächst durchaus auch als eine Art persönlicher Befreiung. Eine Befreiung nämlich von dem drückenden Alp des eigenen wie des Anspruchs des Publikums, die zum Teil ja sogar schulbildnerisch gewordene poetische Führerschaft als originäre Lyriker wie als politische Dichter der Zeit auf Dauer aufrecht erhalten zu können. Beide hatten diesbezüglich seit ihren überwältigenden Anfangserfolgen Anfang bzw. Mitte der 1840er Jahre mit erheblichen Schwierigkeiten und permanent wiederkehrenden poetischen Krisen zu kämpfen. Neben subjektiven Gründen lag das nicht zuletzt auch an den objektiven Voraussetzungen und Normativa des Genres politische Lyrik überhaupt. Die politische Vormärzlyrik war von Anfang an aus Gründen der Selbstbehauptung und Legitimation mit dem Anspruch aufgetreten, eine ganz und gar moderne, ja eine neue Art von lyrischer Dichtung zu repräsentieren. In ihrem Selbstverständnis handelte es sich um einen scheinbar tabulosen Traditionsbruch. Ihr tatsächliches Innovationspotential war indessen weitaus geringer und beschränkter als zunächst, nicht zuletzt auch unter dem Eindruck des anfänglichen beispiellosen Rezeptionserfolges, angenommen. Freilich, die Gedichte waren neuartig, aber eigentlich nur, was ihren Gegenstandsbereich, das im weitesten Sinne Politische in ihrem Aussagegehalt und die damit eng verbundene außerästhetische Funktionalisierung, ihre unmittelbar bewußtseinsfördernde und handlungsorientierte politisch motivierende Wirkungs- und Rezeptionsstrategie anlangte. Mit den selbst gesetzten engen Schranken einer ebenso breit wie einlinig angelegten Wirkungsästhetik ging mitnichten eine ebenso starke Erneuerung der lyrischen Form einher und konnte es wohl auch nicht. In dieser Beziehung blieben alle politischen Lyriker der Zeit, wenn auch in unterschiedlicher Weise, äußerst traditionsbewußt, konservativ und damit konventionell. Man beschritt nicht den Weg nach vorn, ins Offene, hin zum Originären oder gar Experimentellen. Ganz im Gegenteil suchte man im Erprobten, möglichst Bekannten, im Volksliedhaften, Balladesken oder Hymnischen etwa, die Anknüpfungspunkte, um zum einen nicht aus dem allgemein anerkannten tradierten Poesiekanon und damit unter das ohnehin latent drohende Verdikt des Unpoetischen zu fallen und um zum anderen auch nicht das unverzichtbare eigene wirkungsästhetische Kernmotiv zu gefährden oder gar zu verlieren. In der lyrischen Praxis kam es aber gerade dadurch recht schnell zu erheblichen Gewöhnungs- und Abnutzungserscheinungen. Man unterlag einer innerliterarischen Hermetisierung, die sich mehr und mehr in immer wieder neu abgezogenen Dichtungsmustern erschöpfte. Die ursprünglich starken Effekte, die allein schon vom brisanten politischen Stoff und der damit verbundenen gewagten Oppositionshaltung ausgingen, verloren zudem merklich an Zug, da sie nicht beliebig erweiter- oder gar steigerbar waren. Einmal Gesagtes wurde durch ständiges, wenn auch variiertes Wiederholen nicht zündender, im Gegenteil. Die politische Dichtung, die sich eigentlich so eng ans Fortschreiten, Verändern, Entwickeln gebunden verstand, trat auf der Stelle, bewegte sich nur mehr in immer neuen Volten. Ein anscheinend unlösbarer Widerspruch, der für den einzelnen Dichter in ein immer tiefer werdendes Dilemma führen mußte, zumal wenn er sich wie ein Herwegh oder Freiligrath in dieser Hinsicht als Elitär und Avantgardist verstand. Man kam aus diesem Zirkel nur schwer heraus, wollte man nicht sein aus literarischer wie politischer Überzeugung gewonnenes Credo verraten und damit gleichzeitig sein erfolgreich aufgebautes Image aufs Spiel setzen. Die Krise war vorprogrammiert und trotz ständigen Bemühens, sie zu überwinden, im Grunde bei beiden Dichtern auch mehr oder weniger dauerhaft.

Als einer der ersten bekam sie natürlich Georg Herwegh zu spüren. Er hatte mit seinem ersten Gedichtband „Gedichte eines Lebendigen“ [17] bereits 1841 einen, wie sich zeigen sollte, für ihn unübersteigbaren Höhepunkt als politischer Dichter erreicht. Seine an die Volks- und Kirchenliedtradition ebenso wie an den Bänkelsangstil des großen Vorbildes Béranger anschließende rhythmisch bewegt fließende Tonlage in Verbindung mit einem stark ausgeprägten reflexiv-rhetorischen Grundgestus und pathetischer Aufladung des ebenso einsinnigen wie eindringlichen Freiheitsthemas in kumulativen motivischen Reihungsstrukturen, wie es in einer ähnlichen Weise bisher nur einmal Heinrich Heine mit seinem berühmten Gedichtzyklus „Das Buch der Lieder“ in bezug auf das Liebesthema gewagt hatte, traf unmittelbar den noch weitgehend unentwickelten und undifferenzierten, unbestimmten Nerv des politischen Zeitgeistes in Deutschland. Trotz des riesigen Erfolges war aber gerade schon wegen der eben beschriebenen Struktur eine einfache Fortsetzung für ihn so allein nicht mehr möglich. Der Ende 1843 erschienene zweite Teil der „Gedichte eines Lebendigen“ [18] sollte dies bereits bestätigen. Herwegh suchte nach neuen, weiterführenden und -tragenden Ausdrucksformen. Ironisch-polemische politische Gelegenheits- und Personalsatiren ergänzten nun ebenso wie ein großer Block Xenien und Epigrammdichtung oder die erstmals erprobte anklagende Sozialballadik in „Der arme Jakob“ und „Die kranke Lise“ die pathetische Rhetorikmanier der Freiheitsgesänge. Doch die poetische Neuorientierung blieb weitestgehend in Ansätzen stecken. Viel mehr noch, der bis dato so reichlich sprudelnde Quell des lyrischen Schaffens drohte immer mehr zu versanden. Läßt man einmal die eine Hand voll privater Gelegenheits- und Widmungsdichtungen beiseite, so sind nur ganze 14 Gedichte sowie einige wenige Fragmente und Entwürfe Herweghs aus den vier Jahren von 1844-1847 in zudem abnehmender quantitativer Tendenz überliefert, von denen wiederum auch nur gut die Hälfte, nämlich acht, damals zur Veröffentlichung gelangten. [19] Die bis 1845 regelmäßig geführten Notiz- und Arbeitshefte, gefüllt mit Ideenskizzen, Reimversuchen und vor allem unzähligen Epigrammentwürfen, brechen ab und werden anscheinend erst ab 1849 wieder aufgenommen. [20] Mit Epigrammdichtung allein ließ sich aber keine wirklich äquivalente oder durchschlagende Neugewichtung erreichen, zumal es Herwegh dazu an der notwendigen philosophischen Tiefenschärfe und dialektischen Präzision im Stil mangelte. So sind die meisten dieser Entwürfe auch über das Stadium bloßer Einfallsnotizen, Gedankenapercus und einfacher Lesefrüchte hinaus nicht weiter ausgeführt worden. Der andere Versuch, sich über die soziale Thematik, deren wachsender Bedeutung sich Herwegh wohl bewußt war, ein neues Feld zu erschließen, erwies sich bei Herweghs prästabilierter Verwurzelung in der rhetorischen Manier der Gedankenlyrik als sehr schwierig. Herwegh hätte sich dazu völlig veränderten Dichtungsweisen und -formen mit stärker episierend beschreibendem oder balladeskem Charakter versichern müssen. Diesbezügliche Anstrengungen 1844/45 mit „Der Tänzer“, „Die Reiche und die Arme“ sowie dem mit dem den schlesischen Weberaufstand thematisierenden Gedicht „Da zog sich der König in Jammer und Graus“ sind Fragment geblieben und fanden danach auch keine Fortsetzung mehr. [21] Somit blieb es bei dem wenigen, was noch entstand, im wesentlichen bei den gewohnten Mustern, betont kämpferischen appellativen politischen Prophetien wie „Zukunftslied“, „Veni creator spiritus“, „Verrat“ oder „O wag’ es doch nur einen Tag“ und den die weitgehend zeit- und ortlose Pathetik zumindest etwas aufbrechenden polemisch-satirischen Modulationen dieser Dichtungsart, z. B. in „Ordonnanzen“, „An Borussia“, „Stoßseufzer“ oder „Ich geißelt jüngst im Übermut“. [22] Eine wirkliche poetische Neuprofilierung war das freilich nicht. Und das die ästhetische Substanz angreifende Diktum der Kritik, zu allgemein und mit seiner „überbordenden Bilderfülle“ ohne „innere Plastik“ [23] zu sein, wie es wohl am nachhaltigsten Friedrich Theodor Vischer in seiner großen Herwegh-Rezension von 1844 formuliert hatte, war damit auch nicht aus dem Weg geräumt:

Wo nun aber alle Gedanken und Gefühle sich auf einen Zweck spannen, der erst erreicht werden soll, da wird aus der Poesie bloße Rhetorik […] der Dichter […] verwechselt das rhetorische Pathos um der […] Begeisterung für die Sache willen mit der Poesie. […] Herweghs Gedichte sind durchaus tautologisch, […] paränetisch-politische Dichtung. […] Herwegh sagt immer dasselbe, nur mit anderen Wendungen, neuen Bildern, man rückt nicht vom Flecke; es dreht sich nur eine Scheibe von Vergleichungen um den auf einen Punkt gebannten Zuschauer. [24] Seit 1846/47 schien deshalb ein gänzlicher Rückzug von der politischen Poesie nicht mehr ausgeschlossen. In Deutschland galt er längst als verstummt. Auf Mahnungen und Bitten von Freunden wurde bestenfalls noch mit Vertröstungen oder selbstüberschätzenden, hypertrophierten Ankündigungen reagiert, wie der von jenem „großen Opus, das ich seit Jahren mit mir herumtrage und das so etwas von Odyssee, Don Quixote, göttlicher Komödie und Don Juan zu gleicher Zeit ist u. […] eine Geschichte und Kritik aller Ideale und Utopien sein soll“ [25]. Sein Hauptaugenmerk galt nunmehr verstärkt wissenschaftlichen Studien, zunächst vor allem historischer und philosophischer Art, seit 1846 mit Vehemenz der zootomischen Biologie. Er unternahm Forschungsreisen an den Atlantik und ans Mittelmeer, um Amphibien und Fische zu studieren. „Es ist das Bedürfnis, mich zu komplettieren, das Bedürfnis der sinnlichen Anschauung, der Objektivität, der Überwindung des alten Dualismus von Natur und Geist […] auch von Natur und Geschichte, was mich dazu getrieben und darin festhält“ [26], schrieb er im Herbst 1847, und schon zu Beginn des Jahres hatte es geheißen:

Schreiben und Lesen kann mein Leben nicht ausfüllen und mir das Gefühl einer vollen Existenz geben; ich muß noch einige Erfahrungen mehr machen, ehe ich mich auf das Künstlerpolster legen und zur Einsicht gelangen kann, hier die einzig mir angemessene Weise und Art des Wirkens zu besitzen. [27]

Und auch das Elementarereignis der kurz darauf beginnenden Revolution, der so sehnsüchtig erwartete Ziel- und Umschlagpunkt langjährigen Hoffens und Wirkens, konnte ihn, wie schon angedeutet und wie noch zu zeigen sein wird, nicht wieder auf das politische Sängergerüst zurückführen.

Ferdinand Freiligrath hatte erst 1844 mit seinem Gedichtband „Ein Glaubensbekenntniß“ [28] den Übergang zur politischen Dichtung vollzogen. Für ihn ein weit bis ins Existentielle hineinreichender Schritt vom gefeierten und mit königlicher Pension abgesicherten Dichterprinzen zum politisch verfemten und verfolgten Emigranten. Sein „Glaubensbekenntniß“, das sich von den Themen her mit Forderungen nach freiheitlicher, verfassungsrechtlich abgesicherter Staatsorganisation, politischer Selbstbestimmung, bürgerlichen Grundrechten und Zensurfreiheit weitgehend in den bekannten liberal-demokratischen Positionen bewegte, war Mitte der 40er Jahre an sich schon nichts wirklich Spektakuläres mehr. Und im Vergleich zu Herwegh etwa zeigten sich seine Gedichte in ihrer formalen Gestaltung zwar wesentlich vielgestaltiger, differenzierter, distinguierter und von der Anlage her griffiger, weil sie mit ihrer veranschaulichenden szenarioartigen und erzählerisch ausgeschmückten balladesken Struktur und ihren symbolisch allegorisierenden Versinnbildlichungen, die zumeist von einem konzentrischen Hauptmotiv zu einem appellativ unterstützten lehrhaft-didaktischen Vergleich mit aktuellem Bezug ausliefen, einen höheren Grad von Plastizität verbanden. Doch die gerade aus der überschwenglichen Emphase und rigoros-exaltierten Eindringlichkeit erwachsende extreme Radikalität Herweghs hatte er damit nicht erreicht. Daß „das Ding“, sein „Glaubensbekenntniß“, trotzdem „wie eine Bombe“ einschlug, wie er es einmal etwas salopp formulierte, [29] lag in erster Linie an dem offenkundig gewordenen abrupten politischen Frontenwechsel und dem damit verbundenen Sensations- und Verblüffungseffekt. Wollte der nacheilende Freiligrath wirklich noch auf dem mittlerweile längst etablierten Felde der politischen Lyrik reüssieren und „dem Fasse den Boden“ [30] ausschlagen, mußte er weitergehen und ein möglichst originäres und singuläres Profil finden. Genau dahin zielte denn auch sein Bestreben. Ein weiterer und dazu rigoroserer, neuartiges Terrain erschließender Gedichtband mußte her, um die neue Rolle nicht nur zu bestätigen, sondern, wenn möglich, auch eine Richtungsführerschaft zu erlangen. Doch dies erwies sich als schwieriger, als zunächst wohl angenommen. Die widerstreitenden, ja für Freiligrath verwirrenden theoretischen Streitigkeiten der Radikaloppositionellen, in die er in der Schweiz hineingeraten war, die relative Abgeschlossenheit von den politischen Verhältnissen und dem literarischen Markt in Deutschland sowie die mehr als unsichere Lebensperspektive im Exil taten ein übriges. [31] Nachdem er sich eine Zeitlang auf Übersetzungsarbeiten – Victor Hugo und moderne englische Lyrik [32] – zurückgezogen hatte, konnte er aber im Dezember 1845 endlich kundtun, spätestens „um Ostern wieder ein politisches Bändchen gleich dem Glaubensbekenntnisse (was die Bogenanzahl angeht, sonst aber noch entschiedener) fertig zu haben“ [33]. Zur Veröffentlichung gelangte dann aber nur ein relativ bescheidener Zyklus von sechs, wenn auch zum Teil umfänglichen Gedichten unter dem Bandtitel „Ça ira!“ [34], dem bekannten Losungswort der Französischen Revolution. Damit war die Tendenz bereits klar. Was sich im Gedicht „Leipzigs Todten“ [35] kurz vorher schon angedeutet hatte, wurde nun zum bekenntnishaften Zeremoniell und Hymnus ausgebaut: Proklamation der und Aufruf zur Volksrevolution, zum Sturz der bestehenden Ordnung. Obwohl er auch hier wieder an seinen balladenhaft-allegorisierenden und gleichzeitig aufklärerischen Grundgestus anknüpfte, versuchte Freiligrath, der Größe und Bedeutung des Themas gemäß auch in Stil und Form andere Akzente zu setzen. Mit der langzeiligen, dem griechischen Oktonar nachgebildeten Balladenstrophe, wie er sie zum Teil schon in den frühen extrovertierten Exotikdichtungen, etwa dem bekannten „Löwenritt“ [36], verwandt hatte, mit einem ausgeprägten Nominalstil, archaisierenden Wendungen und intensiv aufgeladener Rhythmik und Symbolik verlieh er den Gedichten Schwere und hymnische Kraft, die den eigentlich voluntaristischen Extemporisationen durch Ernst, Würde und Entschlossenheit notwendigen Halt geben sollten. Gleichzeitig hatte er damit seine Dichtung inhaltlich wie technisch an eine Grenze geführt, die ein erneutes Mal für ihn kaum zu übersteigen sein würde. Weit wirkende oder gar positive Resonanz stellte sich auf das kleine, im Schweizer Exilverlag Literarisches Institut Herisau erschienene Heftchen freilich nicht ein. Schneller als erwartet, war der politische Lyriker Freiligrath damit an einen vorläufigen Endpunkt gelangt, von dem weder ein Zurück noch ein Vorwärts möglich schien. Sein Vorsatz jedenfalls, sich nur mehr ganz und gar aufs Literatentum zu stellen, kam ihm in dieser Situation als perspektivlos, ja sogar als ein schnellstens zu korrigierender Kardinalfehler vor. Die Konsequenz hieß, zusätzlich befördert durch seine weiterhin bedrohliche existentielle Lage, Rückkehr ins Kontor und dichten, wenn überhaupt, nur noch als untergeordnete Freizeitbeschäftigung. [37] In den nächsten zwei Jahren sollte außer einigen wenigen Übersetzungen, u. a. zwei Sozialballaden von Thomas Hood [38], kein Gedicht mehr von Freiligrath kommen.

Wie Freiligrath den Ausbruch der Revolution aufgenommen hatte, haben wir in den anfangs zitierten Briefstellen gesehen. Im Überschwang dieser Gefühlslage entstanden angesichts vor allem der französischen Februartage 1848 wie in einem Rausch zwei Gedichte, „Im Hochland fiel der erste Schuß“ und „Die Republik“, sowie zwei weitere im März als unmittelbare Reaktion auf die Entwicklung in Deutschland mit den ersten Revolutionsfanalen in Hanau, Leipzig, Wien und Berlin: „Schwarz-Rot-Gold“ und „Berlin“. [39] Von einer bewußt gezielten oder gar kontinuierlichen Wiederaufnahme seiner lyrischen Produktion läßt sich aber deshalb bei Freiligrath wohl noch nicht sprechen. Viel eher hat die Feststellung zu gelten, daß es sich hier um den Ausdruck spontaner Gefühlsausbrüche ohne tiefer gehende poetische Konzeption handelte, bei denen er sich von den Wellen der Geschehnisse mitreißen und tragen ließ. Zwar konnte er diese Arbeiten in der Exilpresse, der „Deutschen-Londoner-Zeitung“ nämlich, veröffentlichen [40] und versuchte, sie auch als Flugblattdrucke nach Deutschland zu verbringen [41], große Wirkung konnte er davon aber nicht erwarten, zumal die sich immer rascher überschlagenden Ereignisse aktualitätsbezogene Dichtungen sofort wieder überholten. Bis Ende April, als er mit seinem ersten Mahnruf, dem „Lied vom Tode“, einen Tag vor seiner Abreise aus London die Rückkehr nach Deutschland ankündigte [42], entstanden keine anderen Gedichte mehr. Seine ganze Konzentration galt den Vorbereitungen und Planungen für eine möglichst effektive und rasche, direkte Einbindung in den politischen Prozeß in Deutschland. Das Rheinland, mit Köln, wohin er noch die meisten persönlichen Kontakte besaß, oder Frankfurt, in dem das neue Nationalparlament tagte, als zu erwartende zukünftige Zentren der revolutionären Bewegung, standen bei den Übersiedlungsplänen an erster Stelle [43] gemäß seiner Überzeugung, daß „die Ereignisse heuer am besten agitiren“, besser „als alle politische Poesie und als die gesamte schlechte Presse“ [44]. Denn er „komme nicht, um Errungenschaften,“ er „komme, um gewisse neue Kämpfe zu theilen“. [45]

Die genannten Februar- und Märzgedichte Freiligraths stehen inhaltlich wie formal ganz eng beieinander. Vom Aussagegehalt her sind es allesamt Begrüßungs- und Feiergedichte der jungen Revolution. Neben der ausgedrückten Freude und Begeisterung für die Kämpfe und Aktionen der aufbegehrenden Bevölkerung entfalteten sie in kaum oder wenig variierten Wiederholungen von einer auf ähnlicher Ebene liegenden, bestimmenden Kernmotivik her einen möglichst eindringlichen Appellcharakter, den des Aufrufs zum elanvollen und konsequenten politischen Handeln zur Fortsetzung und Weiterführung der Revolution mit dem entscheidenden Ziel einer selbstbestimmten Republik und Volksdemokratie. In der gewählten Form bauen alle vier Gedichte auf fast den gleichen liedhaften Strukturen in bekannter, von harmonischen Rhythmuswechseln getragener, fließender Bewegtheit auf: Drei- und vierhebige Jambenverse, in wechselnder Kadenz und in der Regel begleitet von entsprechend unterstützendem Kreuzreim. Um trotzdem auch der Höhe und Bedeutung des Gegenstands gerecht zu werden, versuchte Freiligrath konturierend eine Gemessenheit und Schwere durch Großstrophen (je nach Gedicht zwischen sieben und neun Zeilen) und bis auf die Ausnahme „Berlin“ noch durch die gewählte und mit einem zusätzlichen Mittelvers retartierend verzögerte und bestärkte Kanzonenform sowie die ausgreifende Gesamtlänge der Gedichte (neun bzw. zwölf Strophen) zu erzeugen. Ein relativ starkes Eigengewicht erhalten die Strophen bzw. einzelne Strophenfolgen dadurch, daß das die Aussage bestimmende, gewählte Kernmotiv – meist schon im Titel enthalten – über einzelne Submotive in geschlossenen Einheiten abgehandelt wird, die dann in den jeweiligen Schlußversen entweder über Kehrreimverwendung oder aufgipfelnden Thesenbündelungen kulminieren. Einzelne Strophen können so durchaus auch für sich alleine stehen, ohne daß dadurch die Zentralbotschaft verloren ginge. Eine gewisse Reihungsstruktur baut sich auf. Darüber hinaus läßt sich eine abschnittsmäßige, zumeist dreiteilige Großgliederung feststellen, die von Situationsschilderungen ausgeht, über erklärende richtungsweisende Schlußfolgerungen weiterführt und in einer zusammenfassenden Handlungsbotschaft, einem Appell, an den Leser/Zuhörer endet, was den Gedichten einen insgesamt bogenartig schwingenden Charakter und innere Bindung verleiht. Im Gedicht „Die Republik“ zeigt sich das z. B. wie folgt:

Die Republik, die Republik!
Herr Gott, das war ein Schlagen!
Das war ein Sieg aus einem Stück!
Das war ein Wurf! Die Republik!
Und alles in drei Tagen!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Ankeuchten die Berichte:
Ein Atemzug, ein Wink, ein Blick,
Ein Handumdrehn – die Republik!
So dichtet die Geschichte!
./. [Refr.]

Die Republik, die Republik!
Nun ist der Wall erstiegen!
Nun ist gerannt die Mauerlück’ –
Die Republik, die Republik! –
Und unsre Farben fliegen!
./. [Refr.]

Die Republik, die Republik!
Noch stehn wir müßig unten!
Vom Wall doch ruft’s: Bleibt nicht zurück!
Nach durch den Riß – die Republik! –
Beim Aufblitz unsrer Lunten!
./. [Refr.]

Die Republik, die Republik!
Ja doch, ihr Vorhutstreiter –
Wir folgen euch! die Republik!
Schon dröhnt von unserm Fuß die Brück’,
Schon fassen wir die Leiter!
./. [Refr.]

Die Republik, die Republik!
Wer redet von Entzweien?
Was Völkerhaß? Die Republik!
Als Freie, jochlos das Genick,
So treten wir zu Freien!
./. [Refr.]

Von heute an – die Republik! –
Zwei Lager nur auf Erden:
Die Freien mit dem kühnen Blick,
Die Sklaven, um den Hals den Strick!
Sei’s! mag’s entschieden werden!
./. [Refr.]

Sonst aber – hoch die Republik! 
Kein Kriegen mehr und Spalten!
Nur fester Bund zu Lieb’ und Glück!
Nur Bruderschaft – die Republik! –
Und menschlich schön entfalten!
./. [Refr.]

Die Republik, die Republik!
Wohlan denn, Rhein und Elbe!
Donau, wohlan – die Republik!
Die Stirnen hoch, hoch das Genick!
Euer Feldgeschrei dasselbe:
./. [Refr.]

Das schon in der Titelbildung vorgegebene Leitmotiv der Republik als primäre Zielprojektion der Revolution wird in allen Strophen in gleicher Weise auf den unmittelbaren Eigenwert und die Wirkung des Wortes konzentrierten Losungscharakter reduziert und repliziert. Die dadurch entstehende Fokussierung wird noch verstärkt mittels der durch Wortdoppelung erreichten Zeilenstruktur, die zudem durch Wiederholung am Anfang und Ende die einzelnen Strophen sowie die Schlußvariation mit dem französischen Text „Vive la Republique!“ klammert und ihnen somit Hermetik, Festigkeit und besondere Eindringlichkeit verleiht. In diesen intensivierten, streng gefügten Strophenrahmen spannt Freiligrath wechselnde Situations- und Metaphernsequenzen, die das Leitmotiv variieren, konkretisieren und ihm insgesamt Richtung verleihen. Als Ausgangspunkt dienen die Pariser Februartage, deren Erfolg durch ihren rebellionsartigen Handstreichcharakter über die stakkatoartige Wortwahl und den verknappten Nominalstil ebenso betont wird – „ein Sieg aus einem Stück“, „ein Wurf“, „ein Atemzug“, „ein Wink“, „ein Blick“, (Str. 1, Z. 3 u. 4; Str. 2, Z. 3) – wie ihre historische Dimension durch das sentenzartige „So dichtet die Geschichte“ (Str. 2, Z. 5). Im Mittelteil, den Strophen 3-5, wird die Übertragung dieser Ereignisse auch auf Deutschland über das vergleichende Bild einer Kriegshandlung, den des Festungsturms, antizipatorisch beschworen: Der Wall wird erstiegen, eine Mauerlücke durch Vorhutstreiter gerissen, über die (Zug)Brücke dröhnend anmarschiert und die (Enter)Leiter gefaßt. In den Strophen 6-8 schließlich erfolgt die pathetisch bedeutungsschwere Aufladung zum übernationalen Lagerkampf zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, einem Befreiungskrieg der Menschheit, der Joch und Fesselstrick abstreift und aus Sklaverei einen neuen Bruderbund von Gleichen und Freien schafft. Das Gedicht endet schließlich mit dem nochmaligen und direkten Aufruf zur revolutionären Erhebung in Deutschland unter dem historischen Stigma der Republik im conelusioartigen Appell (Str. 9). Der sonst von Freiligraths Dichtungsart bekannte hohe Grad an Anschaulichkeit und szenischer Handlungsfülle ist hier zugunsten von größerer Allgemeinverbindlichkeit und Schlagwortappellation zurückgeführt auf ein wesentlich rhetorisch bestimmtes Maß, das stark an die Herwegh-Manier der frühen 40er Jahre erinnert. Inhaltliche Einzelheiten und verwendete Metaphern erscheinen austauschbar und auf relativ hoher Abstraktionsebene. Nicht so sehr sie bleiben haften, sondern das prägnant losungsartig verdichtete, drängende kernmotivische Motto: Die Republik!

Als Freiligrath Anfang Mai 1848 nach Deutschland, zunächst nach Düsseldorf und dann nach Köln, zurückkehrte, war hier an Dichtung zunächst kaum zu denken. Lediglich für die neu gegründete „Neue Rheinische Zeitung“ [46] ließ er sich Anfang Juni mit einer zweiten, auf die aktuellen Revolutionsgeschehnisse zugeschnittenen Adaption von Robert Burns „For A That – Trotz alledem“ [47] eine halbselbständige Arbeit abringen. Ansonsten galt der politischen Arbeit in verschiedenen Gremien und Vereinigungen der Revolution das Hauptaugenmerk. Er wurde von vielen Organisationen seines Bekanntheitsgrades und seines großen Renommees wegen regelrecht vereinnahmt, ohne freilich wirklich in einer der unterschiedlichen und in sich zerstrittenen Richtungen heimisch zu werden. Rasch war er Mitglied im Düsseldorfer Volksklub, einer der einflußreichsten Organisationen der demokratischen Bewegung im Rheinland geworden, der ihn auch bald in sein Führungsgremium kooptierte. Im Juli wurde er als Delegierter zum ersten gesamtdeutschen Demokratentreffen nach Frankfurt/M. und im August zum rheinischen Demokratenkongreß nach Köln entsandt. Er erhielt die Ehrenmitgliedschaft im „Kölner Arbeiterverein“, hatte Kontakte zur Gruppe um Marx an der „Neuen Rheinischen Zeitung“ und trat schließlich im Oktober im Zusammenhang mit der Übernahme einer Redakteurstätigkeit dort auch dem Bund der Kommunisten bei. [48] Die enge Bindung an die Marx-Gruppierung in Köln entwickelte sich vor allem aufgrund des spektakulären, von mehrwöchiger Untersuchungshaft begleiteten Hochverratsprozesses, dem sich Freiligrath im September 1848 wegen seines als Aufruf zum Sturz der preußischen Staatsverfassung ausgelegten Gedichts „Die Toten an die Lebenden“ ausgesetzt sah. [49] Die daraufhin Ende Oktober beginnende Mitarbeit an der „Neuen Rheinischen Zeitung“ lag ganz im gegenseitigen Interesse. Für Marx ging es in erster Linie darum, sich der gewachsenen außerordentlichen Popularität des Revolutionsbarden zu versichern. Freiligrath, der nach wie vor an der Vision der unbedingten Fortsetzung der Revolution trotz oder gerade wegen deren zunehmenden Zurückdrängungstendenzen festhielt, beeindruckte an dem verschworenen Redaktionskreis vor allem deren diesbezüglich klare politische Zielsetzung und ihr uneingeschränktes Bekenntnis zur revolutionären Aktion. Mit den Möglichkeiten des Mediums einer politischen Tageszeitung im Rücken, möchte man meinen, müßte Freiligrath nun verstärkt wieder als poetischer Multiplikator und Agitator hervorgetreten sein. Doch davon kann nur sehr bedingt die Rede sein. Freiligrath veröffentlichte hier in einer mehr als siebenmonatigen Tätigkeit für das Blatt, in dem er zugegebenermaßen in erster Linie für den englischen Berichtsartikel Zuständigkeit trug, ganze sieben Gedichte, von denen zwei noch französische Übersetzungen Victor Hugos und Delphine Gay de Giradins waren. [50] Da die Gedichte immer auf aktuelle revolutionäre Ereignisse reagierten und zudem fast ausnahmslos den analytischen Gedankengängen entsprechender Grundsatz- oder Leitartikel der Zeitung folgten, [51] kann man sich dem Eindruck kaum verschließen, daß Freiligrath sie wohl hauptsächlich auf Drängen oder gar Anweisung von Marx, der die Redaktion der Zeitung fast unumschränkt, ja diktatorisch lenkte, und weniger aus eigenem, unmittelbar poetischem Antrieb verfaßte, wie er ja auch später noch Gedichte als Auftragsarbeiten für Marx geschrieben hatte [52].

Mit der auf breiter Front in die Defensive gedrängten, ja immer mehr in gewisse Agonie verfallenden revolutionären Bewegung änderten sich freilich auch Anlage und Diktum dieser Gedichte. Niederlagen mußten vor allem zu trotzigen Wiedererweckungsvermächtnissen umgedeutet, einzelne Hoffnungsfanale zu Stimmungswenden bzw. Durchhalteparolen stilisiert werden. Ein Grundmuster dafür bildete die elegisch hymnische, weit ausgreifende Form der beschwörenden Allegorie, wie sie Freiligrath selbst mit „Die Toten an die Lebenden“ in Abwandlung seiner „Ca ira“-Gedichte schon vorgeformt hatte. „Wien“ und „Blum“ sind die Belegstücke für die in solcher Art entstehenden Stimmungs- und Überzeugungsmanifeste, mit denen er der schon im August 1848 in einem Brief an die Stiefmutter, Wilhelmine Freiligrath, geäußerten Grundüberzeugung von der baldigen, wiederauflebenden, letzten und entscheidenden Phase der Volksrevolution immer aufs neue Ausdruck verlieh:

Auf dem […] Weg […] des Rückschritts […] wird man uns je länger je weiter in die Tage der alten Minderjährigkeit zurückschieben, bis das Volk endlich aus seiner Indifferenz und Erschlaffung wieder emporfährt, noch einmal Front macht gegen seine Dränger u. sie zum Letzten u. Gründlichsten auf’s Haupt schlägt. Diese Katastrophe muß kommen […] u. der Augenblick, wo diese, durch den Stachel der Noth, nicht durch unsere Flugblätter und Broschüren angetrieben, ihre längst angestrebte neue Form zu schaffen Hand anlegen wird, kann nicht ferne mehr sein. […] Tritt die Katastrophe (und ausbleiben kann sie nicht, das ist historische Nothwendigkeit) jetzt ein, so wird es, weil die Gegenparthei inzwischen neue Kraft und neuen Muth gesammelt hat, schon heißer hergehen und so fort. Je später, je heißer. Darum ist es nicht nur partheiischer Wunsch, nein, es ist auch Act der Humanität, die Katastrophe zu beschleunigen. Und das, ich gestehe es offen, ist auch mein Streben, wie es dasjenige meiner Meinungsgenossen ist. [53]

Auch diese Gedichte weisen für Freiligraths Verhältnisse einen relativ starken Zug ins Reflexiv-Rhetorische auf. Als besonders charakteristisches Merkmal fällt das lang schreitende Maß der Verszeilen, der jambische Septenar, mit durchweg gleich schließender Kadenz und dem eng bindenden Paarreim sowie der das etwas unprofilierte Auf und Ab des getragenen monotonen Rhythmus noch unterstreichenden Mittelzäsur auf. Freiligrath nimmt hier Bauformen der Elegie oder Klageliedes, aber auch des Erzähl- oder Ereignisgedichtes auf, um aus unterschiedlicher Perspektive, aber einheitlichem Grundtenor ein bestimmtes Ereignis stimmungsvoll und mit nachhaltigem Aplomb aufarbeiten zu können. Eine regelmäßige Stropheneinteilung wird aufgegeben zugunsten einer weitgehend rhetorischen Maßgaben folgenden inhaltlichen Gliederung. Dabei vermag die zäsurierte Langzeile bzw. der Paarvers einzelne Gedankengänge, Motive, Bilder und Sprechakte in sich abzuschließen, so daß eine immer wieder zu Appellhöhepunkten geleitete, argumentative Kettenstruktur entsteht. Gleichzeitig kann damit die elegische Grundanlage immer wieder durch einzelne hymnische Kontrafakturen, für die sich die gewählte Versstruktur ebenfalls eignet, aufgebrochen und überwölbt werden. Die Gedichte zeichnet so ein sakral weihevoller Vermächtnisimpetus aus, der bewußt an die christliche Botschaft von Wiederauferstehung und Erlösung anzuknüpfen sucht. Die Revolution bekommt eindeutig Märtyrerbezug. Zusätzlich unterstützt wird das noch durch religiöse Vergleiche und Einbindungen, wie dem des Begräbniszuges und der wiedererweckten Toten in „Die Toten an die Lebenden“, der Gebetsmetaphorik in „Wien“ oder des Totenmessenmotivs in „Blum“. In solcherart emotionaler Überhöhung und Aufladung zieht Freiligrath dann den jeweils konkreten Ereignisbezug ein, der damit zugleich immer über sich selbst hinausweist und in die appellative Handlungsbotschaft mündet, die damit doppelt, das heißt sowohl realiter wie transzendental abgesichert und verifiziert erscheint. In „Wien“ z. B. kann auf den metaphorischen Gebets- und Waffenhandlungsvergleich (Str. 1) im Mittelteil unmittelbar der allgemeine hymnische Appellaufruf folgen – „Ja, Deutschland, ein Erheben! Ja, Deutschland, eine Tat!“ (Str. 2, Z. 1) –, der dann über die als Warn- und Mahnzeichen in eindringlicher Abfolge geschürzten Erinnerungsreflexionen der Wiener Oktoberereignisse zur kontrapunktischen, konkret-politischen Handlungsbotschaft, der Entfachung neuer revolutionärer Brennpunkte überall in Deutschland, überleitet:

Nicht, wo im roten Dolman einhersprengt der Kroat,
Nicht, wo vom Huf der Rosse das Donauufer bebt,
Nicht, wo vom Stephansturme der weiße Rauch sich hebt,
Nicht, wo aus Sklavenmörsern die Brandraketen sprühn –
Nicht dorthin, ernster Norden, gewaffnet sollst du ziehn!
Nicht dorthin sollst du pilgern zur Hilfe, zum Entsatz –
Allwärts um Wien zu retten, stehst du an deinem Platz!
Räum’ auf im eignen Hause! Räum’ auf und halte Stich –
Den Jellachich zu jagen, wirf deinen Jellachich!
Ein dreister Schlag im Norden ist auch im Süd ein Schlag;
Mach’ fallen unser Olmütz, und Olmütz rasselt nach!

Den Übergang zum Schlußabschnitt bildet neben dem etwas unmotivierten und fremdartig bleibenden Jahreszeitenbild (Herbst/Winter; Str. 3, Z. 1) vor allem die Wiederholung des zentralen Appellaufrufs („O Deutschland, Ein erheben! O Deutschland, eine Tat!“; Str. 3, Z. 2), der es wiederum ermöglicht, in einer allegorisch überhöhten Schlußsentenz vom als schlafend und versteinert personifizierten Deutschland und der im Todeskampf befindlichen Riesin Revolution aufgipfelnd abzuschließen (Str. 3, Z. 5 u. 6).

Daß Freiligrath diese Dichtungsweise späterhin bis auf eine Ausnahme, seine das Revolutionsthema 1851 abschließende Allegorie „Die Revolution“ [54], nicht fortgesetzt hat und er sich 1849 mit „Ungarn“, „Reveille“ und dem berühmten „Abschiedswort der ,Neuen Rheinischen Zeitung‘“ [55] wieder stärker liedhaften Formen, ähnlich denen vom Beginn der Revolution, zuwandte, zeigt, wie schwer es war, unmittelbar eingebunden in den als elementar und existentiell begriffenen revolutionären Prozeß und angesichts dessen Komplexität und Widersprüchlichkeit, diesen poetisch angemessen zu erfassen und zu gestalten. Die alles überlagernde glaubensähnliche Überzeugung von der historisch epochalen und der menschheitlich schicksalhaften Bedeutung des Phänomens Revolution auf der einen sowie die der jeweiligen politischen Lage entsprechende strategische und taktisch operative Funktionalität auf der anderen Seite kreuzten sich ständig in der poetischen Gestaltungsabsicht des Revolutionsdichters, ohne das der einen wie der anderen Seite entsprechendes Genüge zu leisten gewesen wäre. Auch mit noch so großem und immer wieder wechselndem Auftrieb eines Freiligrath reichlich zu Gebote stehenden lyrischen Formenreservoirs war dem nicht wirklich beizukommen. Das Thema Revolution erwies sich für Freiligrath zumindest in der Revolution selbst als weitgehend poesieferner, ja bis zu einem gewissen Grade poesieresistenter Gegenstand. Weder Kontinuität und Dauer noch nachhaltig zwingende Bemeisterung ließ sie in ihrer unmittelbaren Gegenwart zu. Der Ertrag Freiligraths von gerade einmal ein Dutzend Gedichten in eineinhalb Jahren Revolution spricht in dieser Hinsicht wohl für sich. [56]

Georg Herwegh geriet als Emigrant in Paris im Gegensatz zu dem im transkontinentalen und damit revolutionsfreien London lebenden Freiligrath ganz unmittelbar und elementar in den Sog der politischen Eruption. Hautnah als Augenzeuge hatte er die Pariser Februarinsurrektion, den Sturz der Monarchie, die Proklamation der Republik und die Etablierung einer bürgerlichen Regierung miterlebt. Für ihn war es das Fanal für eine allgemeine europäische und damit auch nahe bevorstehende deutsche Revolution. Die Fackel von Paris sollte zum europäischen Flächenbrand werden. Mit dieser Überzeugung stürzte er sich in die politische Aktion. Er war am 6. März Gründungsmitglied der „Deutschen Demokratischen Gesellschaft“ der deutschen Emigranten in Paris und wurde zu deren Präsidenten gewählt. Mit Verbrüderungsumzügen, Reden, Manifesten und Adressen versuchte man, die Idee der Republik zu stützen und zu verbreiten. Aus den Vereinsstrukturen heraus kam es zur Gründung der „Deutschen demokratischen Legion“, eines Freischarenheeres, das ebenfalls unter der politischen Führung Herweghs revolutionäre Aktivitäten in Deutschland entfachen wollte. Der etwa einmonatige, von Voluntarismus wie Dilletantismus gekennzeichnete Zug der Legion ins revolutionäre Baden endete am 27. April im totalen Fiasko, als die als französische Invasoren desavouierte Reststreitmacht von württembergischen Dragonern zerrieben wurde und Herwegh das nackte Leben nur durch eine abenteuerliche Flucht über die nahe Schweizer Grenze retten konnte. Die Hauptschuld für das gescheiterte abenteuerliche Unternehmen wurde nun vor allem seinem Führer und ersten Verantwortungsträger Herwegh angelastet. Häme und Spott von der einen sowie schwere Vorwürfe eines leichtfertigen, die ganze Revolutionsbewegung gefährdenden Aktionismus von der anderen Seite weiteten sich zu einer wahren Pressekampagne gegen Herwegh aus. [57] Sein öffentlicher Ruf war mehr als nur ramponiert, eine weitere Teilhabe am revolutionären Geschehen für ihn so gut wie ausgeschlossen. Wieder in Paris zog sich Herwegh gekränkt auf die Position des stummen Beobachters zurück und widmete sich demonstrativ wieder seinen zootomischen Studien. [58] Die Revolution schien für ihn beendet, ehe sie richtig begonnen hatte. Die rasch abnehmende Stoßkraft des revolutionären Prozesses gerade im dafür entscheidenden Kernland Deutschland, die Herwegh aus der distanzierten Außenperspektive eher und deutlicher erkannte, taten ein Übriges und isolierten und verbitterten ihn immer mehr, obwohl oder gerade weil er nicht bereit war, seine politischen Grundüberzeugungen preiszugeben, wie man es z. B. an seinen Pariser Korrespondenzberichten vom Spätsommer/Herbst 1848 für Arnold Ruges „Reform“ ablesen kann. [59] Zunehmende finanzielle Sorgen – die bisherige Lebensgrundlage, die Mitgift seiner Gattin war fast völlig aufgebraucht – sowie erneut aufbrechende Beziehungsprobleme mit seiner Frau, die sich an der offenkundig werdenden Liebe zu Natalie Herzen, der Gefährtin seines engsten Emigrantenfreundes Alexander Herzen, entzündeten, führten darüber hinaus zu tiefen Selbstzweifeln und psychischen Krisen. Besucher fanden ihn „innerlich verzehrt“ [60] und „bedrückt von Schwermut, Langeweile und Einsamkeit“ [61]. Revolutionsdichtung freilich konnte vor diesem Hintergrund gar nicht erst entstehen.

Aus Herweghs Enttäuschung und Verzweiflung vermochten statt dessen lediglich noch Zynismus und Sarkasmus gedeihen. Keine Haltung jedenfalls, mit der auf die sich immer tragischer und erschütternder gestaltenden Revolutionskämpfe noch angemessen literarisch zu reagieren gewesen wäre. Eine Ausnahmesituation hat es in dieser Hinsicht für Herwegh eigentlich denn auch nur noch einmal gegeben, als sich im Sommer 1848 neue Hoffnungen auf den von der Frankfurter Nationalversammlung auf parlamentarischem Wege eingeleiteten Versuch gründeten, einen nationalen und demokratischen Einheitsstaat in Deutschland zu installieren. Für Herwegh, der nie viel vom allgemeinen „Parlamentstrab“ erwartet hatte und der „die Republik […] zu machen such(te)“ und „sei’s auch im entferntesten Winkel“ [62], schien damit der endgültige Wendepunkt im Revolutionsgeschehen in Deutschland erreicht, nämlich das eindämmende Hinhalten und schließliche Abdriften in die Restauration der alten Machtverhältnisse unter der Ägide Preußens und Österreichs. Die Ereignisse im und um das Frankfurter Parlament wurden trotzdem zum Anlaß einer kurzzeitigen poetischen Reanimation Herweghs. Im Juli und August entstanden drei Gedichte, die in unterschiedlich akzentuierter Mischung von ironischem Spott, anklagender Verzweiflung und trotzig aufblitzender Idealbeschwörung im Grundgestus an seine satirische Dichtungsmanier von Mitte der 40er Jahre anknüpften. Von allen dreien, „Das Reden nimmt kein End’!“, „Huldigung“ und „Kein Preußen und kein Österreich“, versprach er sich aber schon kaum noch größere öffentliche Wirksamkeit. Das erste erschien nur in der Exilpresse, der „Deutschen Londoner Zeitung“ [63], das zweite lediglich anonym in der Berliner „Deutschen Reichstagszeitung“ und in Arnold Ruges „Reform“ [64]. Das dritte blieb gar unveröffentlicht. [65] Für „Huldigung“, das die Wahl des österreichischen Erzherzogs Johann als thematischen Aufhänger für eine verbittert sarkastische Revolutionsbilanz aufgreift, nutzt Herwegh in parodistischer Absicht die ansonsten bei ihm eher unübliche Form des etwas schwerfälligen, auf der Langzeile des trochäischen Oktonars aufbauenden Hymnus. Das am Anfang durch die religiös übersteigerte Bilderwelt mit neu- und alttestamentarischen Bezügen – Einzug des als Messias gefeierten Jesus in Jerusalem und Gottes Rettung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft (Str. 1-3) – ironisch konterkarierte Glorioso des Hymnentons – hier nur einige Auszüge der stropheneinleitenden Verszeilen: „Glocken tönt! Kanonen donnert! Zion, öffne deine Tore! (Str. 1) / Gnädigst hat er angenommen eines goldnen Zepters Bürde! (Str. 2) / Schweigen wird der HERR gebieten dieser Zeit bewegtem Meere, (Str. 3) / Glocken tönt! Kanonen donnert! Aller Segen kommt von oben. / Blast, ihr Dichter, die Posaunen! Denn die Prinzen soll man loben.“ (Str. 4) – wird von Herwegh dann überführt in ein anklagendes Panorama der bisherigen Stationen der österreichischen Dolchstoßpolitik (Str. 5-11), um schließlich in der elegischen Klage von Niederlage und Tod der auch vom Volk verlassenen Revolution zu enden (Str. 12-14). Im Ganzen ein nur schwer bindendes Konglomerat einer widerstreitenden Gefühlslage, die ihre resignative Gebrochenheit auch nur in gebrochenen Formstrukturen zu vermitteln vermag. Von ganz anderem Format dagegen zeigte sich Herwegh, wenn er sich auf seine angestammten Fähigkeiten als Lieddichter konzentrierte. In „Das Reden nimmt kein End’!“, einer im Bänkelsängerstil Bérangers modulierten satirischen Kritik auf die nach Herweghs Meinung unfruchtbaren politischen Debatten in der Frankfurter Paulskirche, gelingt es ihm, wie schon oft in seinen frühen Gedichten, in einer schlichten, von gleichmäßig wechselnden drei- und vierhebigen Jambenversen getragenen, beschwingt und leicht fließenden, aber bestimmenden Rhythmik und klarer, nominal verknappter additiver Reihungsstruktur überzeugende Suggestion und Sprengkraft seiner ironischen Aussage zu entwickeln. Die einfachen, aber prägnanten bildlichen Vergleiche in den sechs vierzeiligen Kernstrophen werden jeweils noch einmal sequenzartig verdichtet und gesteigert durch den sich monolithisch wiederholenden Refrainrahmen – „In Frankfurt an dem Main  / Im Parla- Parla- Parlament / Das Reden nimmt kein End’!“ –, der fast wie ein selbständiger strophischer Block wirkt und die ironisch-satirische Pointierung noch stärker konturiert.

Den hier angeschlagenen Ton nahm Herwegh noch einmal um die Jahreswende 1848/49 in zwei Gedichten, „Mein Deutschland, strecke deine Glieder“ [66] und „Im Frühling“ [67], auf. Er zog Bilanz und hielt Ausblick nicht nur nach einem politisch sehr bewegten Jahr, sondern am Ende einer für ihn endgültig begrabenen Hoffnung. Besonders in „Mein Deutschland, strecke deine Glieder“, das die entstandene politische Lage, die nun wie eine fast ungebrochene Fortsetzung der vorrevolutionären Verhältnisse erscheint, in sich aneinanderreihenden, satirischen Situationsresümees reflektiert und kommentiert, wird Herweghs Desillusionierung deutlich, die sich in einer doppelten ironischen Brechung auch bis in die Form hinein überträgt. Die locker beschwingte, leichte, ja fast heitere Tonlage der klassischen Volksliedstrophe wirkt zusätzlich wie eine formalisierte Ironie des historischen Schicksals.

Versuche, in grundlegender Weise sein persönliches Verhalten in und sein Verhältnis zur Revolution zu klären, wie es sie im Laufe des Jahres 1849 mit mehreren Anläufen vor allem zur größeren Form gegeben hat und wie es auch einzelne, meist aber kaum über erste fixierte Vers- und Strophensplitter hinausreichende Skizzen zeigen, scheiterten allesamt. [68] Die am weitesten gediehenen und ausgeformten Entwürfe, „An Hecker“ und „Dulce et decorum est“ [69], greifen noch einmal zurück auf Herweghs Grunderlebnis als Freischarenführer in Baden. Aber das Thema will sich nicht recht zu einer schlüssigen Erkenntnis und Aussage und noch weniger zu einer griffigen, bindenden Form fügen. Reihen von Erinnerungen und schmückende Motivornamente wechseln mit zweifelnden Fragen, elegischen Anklagemomenten und ausschweifenden Grundsatzüberlegungen. Die Texte weiten sich, lassen Lücken, ohne daß sie eine tragende Mitte finden könnten. Auch sie bleiben schließlich Fragment, ebenso wie die anderen, von starken Sinnverlusten und Nihilismus gekennzeichneten Aufzeichnungen, z. B. „Mater dolorosa“, „Das Meer, wo niemand uns begegnet“ oder „Wilder Falke in den Lüften“ [70], in denen die politische Desillusionierung noch zusätzlich überlagert wird durch poetische Selbstzweifel und die selbstzerstörerischen Auswirkungen der unglücklichen Liebe zu Natalie Herzen.

Herwegh wie Freiligrath, beide, waren von ihrer Dichtungsauffassung wie von ihrem lyrischen Habitus her nicht in der Lage, sich aus dem ihre vormärzlichen Leistungen erst ermöglichenden und prägenden Bezugsfeld einer politischen Romantik wirklich zu lösen. Die mit ihrer okkasionellen Dichtungsmanier eng verbundene Idolatrie des Gedankens, eines weithin subjektiven Erlebnisgefühls einer höheren metaphysisch transzendentalen Bedeutungsträgerschaft, verfängt sich an den Grenzlinien der Realität, sobald diese wirklich in Bewegung geraten und auf die bisherige Weise nicht mehr so eindeutig bemessen werden können. Die Prosa des Politischen überwältigt ihre Poesie. Als die Revolution spricht, ersticken die Gesänge. Die eiserne Lerche fliegt nicht mehr, dem Trompeter der Revolution versagen die Töne.


Anmerkungen

1 Briefe von Freiligrath an Heinrich Koester v. 06.03.1848 und an Karl Buchner v. 08.04.1848. In: Wilhelm Buchner: Ferdinand Freiligrath. Ein Dichterleben in Briefen. 2 Bde. [in Einem]. Lahr o. O. [ 1882]. Bd. 2, S. 203 ff.

2 Briefe von Herwegh an Karl von Pfeufer v. [24., 27. oder 28.02.1848]. In: Deutsches Literaturarchiv Marbach. Sign.: 56.1342, und an Johann Jacoby v. 27.02.[1848]. In: Guido Weiß: Herwegh’sche Briefe. In: Die Waage. Wochenblatt für Politik und Literatur. Berlin 1875, S. 324 f.

3 Brief von Herwegh an Johann Jacoby v. 27.02.[1848]. In: Ebenda, S. 325.

4 Brief von Herwegh an Johann Jacoby v. 28.02.[1848]. In: Ebenda, S. 327.

5 Verszeile aus Ferdinand Freiligrath: Aus Spanien. In: Ein Glaubensbekenntniß. Zeitgedichte. Mainz 1844. Zit. nach: Freiligraths Werke in sechs Teilen [in 2 Bdn.]. Hrsg. v. Julius Schwering. Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart o. J. [1909]. Tl. 2 [Bd.1], S. 13.

6 Brief von Herwegh an Johann Jacoby v. 27.02.[1848]. In: Weiß 1875, vgl. Anm. 2, S. 324.

7 Brief von Freiligrath an Heinrich Koester v. 13.04.1848. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 206.

8 Mit dem oppositionellen Publizisten Karl Heinzen war Freiligrath schon Ende 1844 in Brüssel bekannt geworden und dann im März 1845 mit ihm gemeinsam ins Schweizer Exil gewechselt. In der Schweiz verkehrte Freiligrath 1845/46 unter den Radikaloppositionellen der sogenannten Züricher Emigrantenkolonie, wo er u. a. auch mit dem wahren Sozialisten Hermann Püttmann und dem Republikaner Wilhelm Schulz in Kontakt gekommen war.

9 Herwegh lebte seit September 1843 ständig in Paris, wo er regen Umgang sowohl mit oppositionellen Emigrantenkreisen als auch den Zirkeln der französischen Frühsozialisten pflegte. Die Genannten bilden nur eine kleine Auswahl aus Herweghs Freundes- und Bekanntenkreis. Vgl. dazu die Darstellungen in: Michail Krausnick: Die eiserne Lerche. Die Lebensgeschichte des Georg Herwegh. Weinheim Basel 1993, S. 90-103, und Ingrid Pepperle: Herweghs Aufenthalt in Paris im Winter 1841/42 und sein Übergang zum Sozialismus. In: Philosophie. Literatur und Politik vor den Revolutionen von 1848. Hrsg. v. Lars Lambrecht. Frankfurt/M. Berlin Bern New York Paris Wien 1996, S. 441-454.

10 Vgl. Brief von Freiligrath an Heinrich Koester v. 06.03.1848. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 203.

11 Brief von Herwegh an Karl von Pfeufer v. [24., 27. oder 28.02.1848]. In: Deutsches Literaturarchiv Marbach, vgl. Anm. 2.

12 Brief von Freiligrath an Heinrich Koester v. 06.03.1848. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 203.

13 Brief von Freiligrath an Karl Buchner v. 08.04.1848. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S.205.

14 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik. 3 Bde. Hrsg. v. Heinrich Gustav Hotho. Berlin 1835/38. Zit. nach: Ders.: Ästhetik. Hrsg. v. Friedrich Bassenge. 2 Bde. 3. Aufl. Berlin und Weimar 1976. Bd. 1, S. 248.

15 Ebenda. Bd. 2, S. 585.

16 Vgl. Robert Eduard Prutz: Vorlesungen über die deutsche Literatur der Gegenwart. Leipzig 1847. Nach: Ders.: Zu Theorie und Geschichte der Literatur. Hrsg. v. Ingrid Pepperle. Berlin 1981, S. 359.

17 Erschienen im Schweizer Exil-Verlag Literarisches Comptoir. Zürich und Winterthur 1841.

18 Georg Herwegh: Gedichte eines Lebendigen. 2. Theil. Zürich und Winterthur (Literarisches Comptoir) 1843.

19 Diese Gedichte sind:
1. „Verrat“, veröff. in: Deutsch-Französische Jahrbücher. Hrsg. v. Karl Marx und Arnold Ruge. 1. u. 2. Lfg. Paris 1844.
2. „Festgruß zum Basler Schützenfest“, veröff. in: Schweizerische National-Zeitung. Basel v. 02.07.1844.
3. „Zukunftslied“ (Sommer 1844), veröff. in: Die Opposition. Hrsg. v. Karl Heinzen. Mannheim 1846.
4. „Dem Glanz der Throne“ (Sommer 1845), veröff. in: Ebenda.
5. „Polens Sache“, veröff. in: Schweizerische National-Zeitung. Basel v. 10.03.1846.
6. „Polen an Europa“, veröff. in: Ebenda v. 17.03.1846.
7. „Ordonnanzen!“ (April 1846), veröff. in: Deutsche Brüsseler Zeitung. Brüssel v. 30.05.1847.
8. „An Borussia“, veröff. in: Ebenda v. 08.07.1847.
9. „Ich geißelt jüngst im Übermut“ (1844), unveröff., Herwegh-Archiv Liestal. Sign.: Ma 197.
10. „Und ihr, o Führer, Reuter aus dem Bügel“ (1845), unveröff., ebenda. Sign.: BRH 1378.
11. „O wag’ es doch nur einen Tag!“ (1845), unveröff., ebenda. Sign.: Ma78.
12. „Veni. creator spiritus!“ (1845), unveröff., ebenda. Sign.: Ma 27.
13. „Antwort“ (1845), unveröff., ebenda. Sign.: BRH 1687.
14. „Stoßseufzer“ (1847), unveröff., ebenda. Ma 204.
Die Gedichte 3-8 und 11-13 sind aufgenommen in: Georg Herwegh: Neue Gedichte. Zürich 1877, vgl.: Herweghs Werke in drei Teilen [in einem Band]. Hrsg. v. Hermann Tardel. Berlin, Leipzig, Wien, Berlin o. J. [1909], S. 21 f., 150, 25 f., 27 f., 28 ff., 30 f., 24 f., 23 f. u. 153. Die Gedichte 2, 9 und 14 in: Victor Fleury: Aus Herweghs Nachlaß. Lausanne 1911, S. 11-15. Gedicht 1 in: Der Freiheit eine Gasse. Aus dem Leben und Werk Georg Herweghs. Hrsg. v. Bruno Kaiser. Berlin 1948, S. 174 f.

20 Vgl. Georg Herwegh: Notizhefte I-VII. In: Herwegh-Archiv Liestal. Sign.: Ma 71, Ma 72, Ma 73, Ma 74, Ma 75a, Ma 75b, Ma 76.

21 Georg Herwegh. Poetische Fragmente. In: Herwegh-Archiv Liestal. Sign.: Ma 203, Ma 193, Ma 197. Vgl. auch Auszüge, in: Victor Fleury: Neue Bruchstücke aus Herweghs Nachlaß. In: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte. Bd. 20. Heidelberg 1913, S. 475 f.

22 Vgl. Anm. 19.

23 Friedrich Theodor Vischer: Herwegh. Gedichte eines Lebendigen. In: Ders.: Kritische Gänge. Bd. 2. Tübingen 1844. Zit. nach: Dass.: Berlin 1922, S. 111.

24 Ebenda, S. 93, 95 f., 105, 111.

25 Brief von Herwegh an Emma Herwegh v. [30.10.1847]. In: Marcel Herwegh: Briefe von und an Georg Herwegh. Paris, Leipzig, München 1896, S. 38.

26 Ebenda.

27 Brief von Herwegh an Emma Herwegh v. 21.01.[1847]. In: Herwegh-Archiv Liestal. Sign.: BRH 1769.

28 Ferdinand Freiligrath: Ein Glaubensbekenntniß. Zeitgedichte. Mainz 1844.

29 Brief von Freiligrath an Levin Schücking v. 03.02.1844. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 97.

30 Ebenda, S. 98.

31 Vgl. zu diesem Entwicklungsabschnitt: Volker Giel: Ferdinand Freiligrath. Eine poetologische Biographie. In: Grabbe-Jahrbuch 1997. 16. Jg. Detmold 1998, S. 37-39.

32 Vgl.: Victor Hugo: Lyrische Gedichte. [übers. von Ferdinand Freiligrath]. Frankfurt/M. 1845. und Ferdinand Freiligrath: Englische Gedichte aus neuerer Zeit. Nach Felicia Hemans, Laetitia Elisabeth Landon, Robert Southey, Alfred Tennyson, Henry W. Longfellow und Anderen. Stuttgart Tübingen 1846.

33 Brief von Freiligrath an Karl Buchner v. 04.12.1845. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S.171.

34 Ferdinand Freiligrath: Ça ira! 6 Gedichte. Herisau 1846.

35 Das Gedicht entstand am 24. August 1845 in spontaner Reaktion auf die Ereignisse während des Besuchs des sächsischen Thronfolgers Prinz Johann am 12. August in Leipzig, bei dem es zu tödlichen Schüssen des Militärs auf die Volksmenge gekommen war. Das Gedicht erschien zuerst als Flugblattdruck (Bellevue 1845). Später aufgenommen in: Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte. H. 1. Köln 1849.

36 Vgl. „Der Löwenritt“. Erstveröffentlichung in: Deutscher Musenalmanach für das Jahr 1835. 6. Jg. Hrsg. v. A. von Chamisso und G. Schwab. Leipzig [1834], S. 91-94. Später aufgenommen in: Ferdinand Freiligrath: Gedichte. Stuttgart Tübingen 1838 [u. ö.].

37 Zum Wandlungsprozeß Freiligraths in Hinsicht auf seine existentielle Situation und seinen daraus erwachsenden Entschluß, wieder in den Kaufmannsberuf zurückzukehren, vgl. Freiligraths diesbezügliche Stellungnahmen in den Briefen an Karl Buchner v. 22.06.1846 und an Levin Schücking v. 02.07.1846. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 178-182.

38 Vgl. „Das Lied vom Hemde“ und „Die Seufzerbrücke“, nach Thomas Hood. Entstanden im Sommer 1847. Erstveröffentlichung in: Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte, vgl. Anm. 35.

39 Die Gedichte sind alle mit konkreten Entstehungsdaten versehen: „Im Hochland fiel der erste Schuß“. 25.02.1848; „Die Republik“. 26.02.1848; „Schwarz-Rot-Gold“. 17.03.1848; „Berlin“. 25.03.1848.

40 Vgl.: Deutsche Londoner Zeitung. Blätter für Politik. Literatur und Kunst. 4. Jg. London 1848. Nr. 153 v. 03.03.1848. Nr. 154 v. 10.03.1848. Nr. 156 v. 24.03.1848 u. Nr. 157 v. 31.03.1848, S. 1266. 1274. 1288 u. 1296.

41 Vgl. Brief von Freiligrath an Karl Buchner v. 08.04.1848: „So, bitte ich, wollen Sie die beiliegenden Flugblätter aufnehmen und beurtheilen. Ich habe sie, eins nach dem andern, in etlichen tausend Exemplaren an den Rhein geworfen, und Sie kennen sie also möglicherweise schon.“ In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 205. Es handelte sich dabei um die Sonderdrucke „Offizin der Deutschen Londoner Zeitung“. London 1848, und „Neues Revolutionslied dem deutschen Volk gewidmet“. London 1848.

42 Das Gedicht trägt das Entstehungsdatum London, 30. April 1848.

43 Vgl. Brief von Freiligrath an Karl Buchner v. 08.04.1848: „In ungefähr vier Wochen denke ich am Rhein zu sein, um mich wahrscheinlich in Cöln, Mainz oder Frankfurt für’s Erste anzusiedeln.“ In: Buchner 1882. Anm. 1. Bd. 2, S. 205.

44 Brief von Freiligrath an Heinrich Koester v. 06.03.1848. In: Ebenda, S. 203.

45 Ebenda, S. 204.

46 Die „Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie“ erschien ab dem 01.06.1848 in Köln.

47 Vgl. Nr. 6 v. 06.06.1848.

48 Zu all diesen politischen Aktivitäten Freiligraths vgl.: Manfred Häckel: Einleitung. In: Ders.: Freiligraths Briefwechsel mit Marx und Engels. 2 Tle. Berlin 1968. Tl. 1, S. XLIV u. IL. Zum Beitritt in den „Bund der Kommunisten“ vgl. auch: Briefe von Freiligrath an Karl Marx v. [1850/51] u. v. 23.02.1860. In: Ebenda, S. 19 u. 133.

49 Vgl. dazu die Darstellungen von Wilhelm Buchner. In: Buchner 1882, vgl. Anm. 1. Bd. 2, S. 208-213, und von Manfred Häckel. In: Häckel 1968, vgl. Anm. 48. Tl. 1, S. XLVIII f.

50 Es handelt sich um folgende Gedichte:
1. „Wien“ v. 03.11.1848. In: Nr. 135 v. 05.11.1848.
2. „Windisch-Grätz an den Kaiser“ (Nach Victor Hugo). In: Nr. 137 v. 08.11.1848.
3. „Blum“ v. 16.11.1848. In: Nr. 146 v. 18.11.1848.
4. „24. Juni – 24. November“ (Nach Delphine Gay de Girardin) v. 03.12.1848. In: Nr. 160 v. 05.12.1848.
5. „Ungarn“ v. 31.12.1848. In: Nr. 184 v. 01.01.1849.
6. „Reveille“ v. 19.03.1849. In: Nr. 251 v. 21.03.1849.
7. „Abschiedswort der ,Neuen Rheinischen Zeitung‘“ v. 18.05.1849. In: Nr. 301 v. 19.05.1849.

51 Vgl. dazu: Häckel 1968, vgl. Anm. 48. Tl. 1, S. XLIV-LV.

52 Vgl. die Entstehungsgeschichte zu den zwei Gedichten „An Joseph Weydemeyer“ 1852. In: Ebenda, S. LXVIII f.

53 Brief von Freiligrath an Wilhelmine Freiligrath v. 12.08.1848. In: Peter Goldammer: Ein Brief Ferdinand Freiligraths aus dem Jahre 1848. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. H. 49. Berlin und Weimar 1973, S. 32 f.

54 „Die Revolution“. 1851. Erstdruck in: Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte. Tl. 2. Düsseldorf 1851.

55 Vgl. Anm. 50.

56 Vgl. Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte. H. 1 u. 2, vgl. Anm. 35 u. 54.

57 Vgl. zu diesem Hintergrund die Darstellung in: Krausnick 1993, vgl. Anm. 9, S. 109-166.

58 Vgl. dazu: Ebenda, S. 104-106.

59 Vgl. Ingrid Pepperle: Georg Herwegh. Korrespondenzen aus Paris 1848 in Arnold Ruges Berliner Zeitung „Die Reform“. In: Heine-Jahrbuch 1998. 37. Jg. Stuttgart, Weimar 1998, S. 182-210.

60 Alfred Meißner: Ich traf Heine in Paris. Unter Künstlern und Revolutionären in den Metropolen Europas. 2. Aufl. Berlin 1982, S. 243. Zit. nach: Wolfgang Büttner: Zwei Dichter erleben eine deutsche Revolution. Ferdinand Freiligrath und Georg Herwegh 1848. In: Grabbe-Jahrbuch. 11. Jg., Bielefeld 1992, S. 141.

61 Iwan Turgenjew: Eine Erinnerung an die Junitage 1848 und G. Herwegh in Paris. Berlin 1895, S. 14 (russ.). Zit. nach: Ebenda.

62 Brief von Herwegh an Johann Jacoby v. [Mitte April 1848]. In: Johann Jacoby: Briefwechsel 1816-1849. Hrsg. v. Edmund Silberner. Bd. 1. Hannover 1974, S. 427.

63 Deutsche Londoner Zeitung, vgl. Anm. 40. Nr. 170 v. 07.07.1848.

64 Deutsche Reichstagszeitung. Nr. 74 v. 15.08.1848. Berlin 1848, und Die Reform. Hrsg. v. Arnold Ruge und Heinrich Bernhard Oppenheim. Nr. [123] v. 15.08.1848. Berlin 1848.

65 Hs. In: Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. Sign.: 75.309. Nach Herweghs Tod wurden alle drei Gedichte aufgenommen in die Sammlung: „Neue Gedichte“, vgl. Anm. 19, S. 31-35.

66 Entstanden im Dezember 1848. Veröffentlicht in: Freiheit. Arbeit. Organ des Kölner Arbeitervereins. Nr. 13 v. 25.02.1849. Köln 1849, und in: Deutsche Londoner Zeitung, vgl. Anm. 40. Nr. 206 v. 16.03.1849, S. 828.

67 Entstanden im Januar 1849. Veröffentlicht in: Freiheit. Arbeit, vgl. Anm. 66. Nr. 20 v. 22.03.1849. Beide Gedichte wieder abgedruckt in: Neue Gedichte, vgl. Anm. 19, S. 35-38.

68 Vgl. dazu: Poetische Fragmente, vgl. Anm. 21. Sign.: Ma 205-216. Auszüge davon auch in: Fleury 1911, vgl. Anm. 19, S. 15-21. und Fleury 1913, vgl. Anm. 21, S. 476-479.

69 Vgl. Poetische Fragmente, vgl. Anm. 21. Sign.: Ma 206 u. Ma 213. Auszüge in: Fleury 1911, vgl. Anm. 19, S. 15-2 1.

70 Vgl. Poetische Fragmente, vgl. Anm. 21. Sign.: Ma 213. Ma 207 u. Ma 212.
Georg Herwegh

Am Steinberg 104 B, 13086 Berlin Tel. 030 - 472 38 50, Fax: , E-Mail: he.stein@t-online.de